{Traveling} Iran – Teil 2: Aufgeben ist keine​ Option

Die erste Nacht unter dem Sternenhimmel über Yazd war kühler als erwartet und auch unruhig. Als ich aufstand war mein Travelbuddy bereits ausgehfein und signalisierte mir er wolle nun aufbrechen. Ich, Morgenmensch wie ich bin, sah dazu noch keine Notwendigkeit und er war nicht bereit mir eine Stunde zum Wachwerden zu geben. Er machte sich an diesem Tag auf den einen Weg und ich mich später auf den anderen.



Yazd ist in seiner Kernstadt noch mit dem alten Lehmbautenlabyrinth erhalten und schon die ersten Schritte hier gaben mir das Gefühl endlich im Iran zu sein. So sollte das aussehen. Es gibt an den Wänden Wegweiser, die den Touristen die Möglichkeit geben ganz individuell ihre Route durch die Stadt zu suchen – trotz Labyrinth ist das Verlaufen nicht nur dank der Wegweiser unmöglich, auch die über die Stadt ragenden Minarette zeigen jederzeit einen Ausweg.

Deutschland stellt hier mit 30% den größten Teil der Touristen und so ist es ganz einfach sich in die Nähe einer beliebigen Reisegruppe zu stellen und mitzulauschen was der Guide so zu erzählen weiß. Ich traf auf meiner kleinen Route auf Amir, ein junger Statistiker, der mich ein Stück begleitete und selbst einiges zu berichten wusste. Wie auch in Shiraz, gibt es in Yazd einen Heiligen Schrein mit Spiegelsaal. Er fand, ich müsse mir den unbedingt anschauen – doch dürfte ich überhaupt rein? In Shiraz war an der Tür für uns Nichtmuslime Schluss. Wir würden es einfach mal probiere, beschloss Amir und schon stand ich in diesem großen hellen Saal mit aufwendigem Spiegel-Mosaik an jeder Wand. Den Blicken der betenden Herren nach war mir wohl doch kein Zutritt gestattet; durch Amir an meiner Seite sagte jedoch niemand etwas und ich konnte mich kurz umschauen.

Zurück im Hostel kam dann auch der Mitreisende von seiner Tour und eröffnete mir, dass er so nicht reisen könne. Er macht​ nur sein Ding und will gar nicht auf andere achten – jetzt weiß er das also auch. Für mich bedeutete seine Entscheidung allerdings, dass ich die restlichen 1.5 Wochen alleine durch ein Land reisen muss, das ich aus guten Gründen eben mit einem männlichen Begleiter bereisen wollte.

Ich beschloss am späten Nachmittag noch die Gärten anschauen zu wollen und machte mich abermals, dieses Mal mit Google Maps gemeinsam auf ins Labyrinth – und durfte relativ schnell erfahren, dass ich kaum eine dümmere Entscheidung hätte treffen können. Schon nach kurzer Zeit fingen die Männer an mich mit ihren Motorrädern zu umkreisen. Einer stieg sogar aus dem Auto aus um mir zu folgen, wieder andere fragten ganz deutlich nach Sex oder fassten auch mal zu. Einen von ihnen wurde ich partout nicht los. Ich versuchte ihn anzusprechen um herauszufinden, was er wolle oder ob er vielleicht sogar auf mich aufzupassen versucht –  leider kann kaum einer Englisch und so verlief dieses Gespräch ohne Ergebnis. Ich suchte den schnellsten Weg auf der Karte zum nächsten gut besuchten Platz in der Gegend – was immerhin eine halbe Stunde dauerte und sah dort ein Pärchen aus dem Hostel. Mittlerweile hatte er sein Motorrad irgendwo abgestellt und lief neben mir. Ich fragte die beiden, ob ich mich ein Weilchen zu ihnen stellen dürfte und erklärte ihnen die Situation. Nachdem ich ihnen meinen neuen „Freund“ zeigte, verschwand er auch endlich ein paar Minuten später. Die Gärten in Yazd sah ich nicht mehr. 

Am nächsten Morgen war das Bett neben mir leer und vom Reisefeind keine Spur mehr. Ich fragte im Hostel nach den Bussen nach Isfahan und ein Pärchen, dass ohnehin in die Richtung müsse würde mich mitnehmen. Ich hätte jedoch auch mit einer kleinen Familie aus Bayern mitfahren können – ich war mit Yazd jedoch erst einmal fertig und wollte den schnellsten Weg Richtung Isfahan einschlagen. Im Auto erzählte ich der jungen Perserin vom Vorabend und sie bestand darauf zurück zum Hostel zu fahren und die Polizei zu rufen. Als naturblonde und blasse Iranerin passiert ihr das täglich – sie lebt damit, doch bei Touristinnen muss es sofort zur Anzeige gebracht werden – das Land will aktiv dagegen vorgehen und ich hätte schon am Abend etwas sagen müssen. Nachdem der Polizist die Anzeige aufgenommen hatte und der Herr von der extra eingerichten Touristenpolizei mich ermahnt hatte, selbst einheimische Frauen gehen zu dieser Zeit nicht mehr durch diese​ Straßen und schon gar nicht alleine, konnten wir endlich aufbrechen.

Yazd selbst ist toll und das Hostel eines der besten in denen ich auf allen Reisen war; es ist schade, dass auch diese Stadt Teil meiner Pechsträhne sein musste. Vielleicht sehen wir uns wieder.

Ich hatte darüber nachgedacht nach Hause zu fahren. Ich hatte seit Tagen nicht geschlafen, ich wurde in einem Land alleine gelassen, in dem ich nicht alleine sein wollte und das nicht genügend Backpacker hergibt um sich einfach so woanders Gesellschaft zu suchen. Ich wurde belästigt und ich hatte noch mehr als eine Woche vor mir – meine Nerven waren im Keller. Doch gleichzeitig ist alles so spannend und ich treffe immer wieder auf diese Gastfreundschaft, von der alle schwärmen. Zudem gibt es noch so vieles zu sehen. Ich würde dem Iran zutiefst Unrecht tun, aus einer Pechsträhne heraus aufzugeben und abzureisen.

Isfahan sollte einen neuen Start einleuten. Ich hatte mir via Couchsurfing einen Schlafplatz organisiert und das iranische Pärchen brachte mich zur angegebenen Adresse. Leider meldete sich keiner der Gastgeber und wir beschlossen etwas zu essen. Leider sind Restaurants Mangelware, Fast Food jedoch ganz groß und so landeten wir bei ‚Pizza Hut‚ – auch McDonald’s, Subway oder KFC haben hier kleine Schwestern, die mit dem Original jedoch nicht so sehr viel gemein haben. Nichtsdestotrotz war mein erster iranischer Hamburger unerwartet gut.


Später holte mich meine neue Gast-Mutti dort ab und ebenso einen jungen Italiener, wie auch noch einen Franzosen. Sie gibt regelmäßig iranische Kochkurse bei sich Zuhause und so fanden wir uns schnibbelnd und in verschiedenen Töpfen rührend in ihrer Küche wieder. Wir aßen sehr spät und nach einem kleinen Plausch mit ihrem Ehemann war es dann auch schon Zeit zu schlafen. Ein Pärchen aus Berlin war bereits im Schlafzimmer einquartiert und so bekamen der Italiener und ich das klassische Schlafgemach: der Perserteppich im Wohnzimmer wurde mit Matzatzen, dicken und dünnen Decken sowie Kissen hergerichtet und ähnelte sehr den Kisseburgen, die wir als Kinder immer gebaut hatten. In dieser Nacht schlief ich dort auf dem Boden mit Jacopo an meiner Seite endlich ein paar Stunden durch.

Zum Frühstück waren bereits die nächsten Gästen vor Ort. Sie nutzen die Elternzeit zum Reisen und so hat klein Amalia mit ihren 10 Monaten bereits einiges gesehen. Jacopo und ich machten uns auf die Stadt zu erkunden. Isfahan ist eine grüne und blühende Oase, die nie zu schlafen scheint und auch der meist ausgetrocknete Fluss führt aktuell wieder Wasser. Leider scheinen gerade alle Sehenswürdigkeiten unter Renovierung gestellt worden zu sein und so mussten wir uns für ein gutes Foto auch mal in abgesperrte Bereiche begeben und hoffen nur ermahnt und nicht gleich abgeführt zu werden. 

Wir bezogen Abend unsere Hostel für die Nacht und bemerkten auf der Suche nach einem Abendessen wieder die Fast Food Vorliebe und endeten in einem Imbiss. Der Holländer, der uns begleitete, wollte mir ein gutes Taxi raussuchen, hat aber wohl selbst kein Händchen dafür. Der Taxifahrer fing nicht nur an mich überall hinzufahren, nur nicht Richtung Hostel, er war zudem auch noch ein Grabscher und der Meinung mich küssen zu wollen. Dafür überließ er mir die Entscheidung wie viel ich für die Fahrt zahlen möchte – verdient hat er an mir logischerweise nichts.

Der Italiener machte sich am nächsten Tag auf Richtung Yazd und ich blieb noch einen Tag länger. Ich schaute mir den Vierzigsäulenpalast an und unterhielt mich dort mit einer ebenfalls alleinreisenden Belgierin über eigentlich nur ein Thema: Und wie wirst du die Typen los? Nachdem man den Touristen den Zutritt zur Armenischen Kirche verwehrte, entschied ich mich mein Lunch auf die beeindruckende Si-o-seh pol zu verlegen. Die alte Backsteinbrücke zieht mit ihrer Parkanlage viele junge Leute zum Picknick und Flanieren an. Neben denen gestellten sich allerdings auch wieder die heiratswilligen jungen Iraner zu mir, bei denen mir so langsam der Geduldsfaden für eine freundliche Abfuhr reißt.

Da Isfahan selbst zwar sehr schön ist, aber gar nicht so viele Sehenswürdigkeiten vorweisen kann, werde ich mich auf den weiteren Weg machen. Wahrscheinlich wartet ein Bett in der Wüste schon sehnsüchtig auf mich. Unweit von Isfahan befindet sich die Varzanehwüste mit einem Gasthaus und Gastgeber, der mir sehr empfohlen wurde. Die nächste Mission lautet also: Finde Mohammad in der Varzanehwüste.

{Traveling} Iran – Teil 1: ein harter schlafloser Start

Ich hatte schon länger vor auch einmal den Iran zu bereisen; musste aber dann schnell lernen lieber niemandem davon zu erzählen. Wir ach so klugen und weltoffenen Deutschen sind gar nicht so klug wie wir denken. Viele setzen den Iran auf eine Stufe mit Syrien, dem Irak oder Afghanistan – in der Ecke herrscht doch überall Krieg, da reist man nicht hin und schon gar nicht alleine – und dann auch noch als Frau! In der letzten Sonntaskolumne hatte ich mich darüber ja schon einmal aufgeregt.

Doch gerade das zieht mich magisch an: ‚Dahin reist man nicht!‘ Und so tat ich es. Germania fliegt von Schönefeld Nonstop nach Teheran; also schnallt euch virtuell an, stellt die Sitze in eine aufrechte Position und nehmt neben mir Platz – erkunden wir gemeinsam das für uns so unbekanne Land Iran und versuchen die hartnäckigen Vorurteile zu entkräften.



Die Reise begann für mich an Ostermontag, abends gegen elf. Da ich Schmerzmittel nahm, konnte ich die Tabletten gegen die Flugangst nicht nehmen und spürte schon Zuhause, dass das kein Zuckerschlecken wird. Die Nachtmaschine landete Dienstag Morgen kurz nach sechs in Teheran und da ich mich kenne, ohne Schlaf, gönnte ich mir den Pickup Service vom Hostel um mich nicht um ein Taxi kümmern​ und der leidigen Sucherei in den Seitenstraßen aussetzen zu müssen. Es kam jedoch niemand. Ich war allerdings auch zeitig, denn durch die Visaformalitäten und Co. sollte der Fahrer ohnehin erst zwei Stunden nach Landung kommen. Nachdem ich jedoch sagte ich sei aus Deutschland, ging es mit dem Visum ruckzuck- mir taten die anderen Touristen schon etwas leid – warteten bereits als ich kam und auch noch als ich ging. 

Der Iran ist nur mit einem Visum zu bereisen. Wir Deutschen gehören zu den glücklichen Nationen die sich nicht im Vorfeld darum kümmern müssen, sondern ein Visa on arrival am Flughafen bekommen können. Offiziell benötigt man hierfür einen Reisepass, der noch sechs Monate gültig ist, einen Nachweis über eine Reiseversicherung die explizit den Iran als abgesichert mit ausweist, zwei Passbilder, eine Bestätigung über die erste Nacht vom Hotel/Hostel (oder eine Einladung) und ein Rückflug-/Ausreiseticket sowie 75 (+3) Euro Bargeld. 

Meine​ Versicherungsbestätigung wurde in Deutsch anerkannt – eigentlich hat ihm das Wort Iran und etwas das wie ein offizielles Dokument einer Versicherung aussieht bei seinem 1-sekündigen Blick gereicht. Auch die Fotos wollte keiner haben und welche Stempel sich noch so im Pass befinden hat auch keiner angeschaut. Nach 10 Minuten war ich offiziell eingereist. Andere Ausländer mit denen ich sprach brauchten länger- Singapur z.B. drei Stunden.

Ich wartete also und versuchte mir eine SIM Karte zu besorgen, doch so richtig kooperativ waren zu der Zeit keiner​ der Mitarbeiter dort. Geld wechseln? 50 Euro maximal! WiFi? Nicht für Ausländer! Nach vier Stunden konnten ich endlich das Hostel anrufen um zu erfahren, dass ich vergessen wurde. Im Hostel angekommen war meine übermüdete Laune entsprechend und sollte auch nicht besser werden, als ich sah, dass die Fotos nicht der Realität entsprachen. „Man schaut sich ein Bett erst an, wenn man schon drinnen geschlafen hat, nicht vorher“ bekam ich als guten Rat später. An Schlaf war auch dort nicht zu denken und so hoffte ich auf den nächsten Tag.

Teheran sollte erst einmal nur eine Zwischenstation werden und die Reise am nächsten Tag im Süden beginnen. Ich lief also nur ein Mal um den Block, wechselte Geld und ging zeitig zu Bett. Die Stadt selbst wird erst zum Ende ein wirkliches Ziel.

Als ich aufstand schliefen alle noch und entgegen der Aussage es sei früh jemand dort, der mir ein Taxi rufen kann, war dort niemand. Als ich gehen wollte und niesend die Treppe hinunterging, öffnete sich doch noch eine Tür im Flur und ein junger Mann kümmerte sich um mein Anliegen – bis er mich darauf hinwies, wie spät es eigentlich ist. Meine Uhr im Handy stellte sich 2’5 Stunden vor und so bemerkte ich nicht, dass​ ich viel zu früh dran bin. Er war jedoch sehr nett und bot mir an mich bei ihm noch einmal kurz aufs Ohr zu hauen um nicht die ganzen Treppen wieder hoch zu müssen.. ist aber nur ein Teppich, kein Bett. So niedlich er auch war lehnte ich dankend ab und wartete einfach noch zwei Stunden mit Tee und Dorian Gray – wäre ich nach zwei Tagen wach dort tatsächlich eingeschlafen, wäre ich vermutlich nie am Flughafen angekommen.

Durch die Sanktionen hatten die iranischen Fluggesellschaften keine Möglichkeit ihre Flotten zu erneuern und somit findet man am Flughafen das älteste was die Verkehrsfliegerei so hergibt. Ich machte mir natürlich im Vorfeld Gedanken – Flugangst und Fliegerantiquitäten sind keine gesunde Kombination. Ich dachte mir aber auch: wenn jemand etwas nicht einfach so ersetzen kann, pflegt er es umso mehr und hoffte darauf, dass die Maschinen gut in Schuss seien – die alten französischen Autos hier sind es ja auch. Da ich gesund am Vormittag in Shiraz landete, muss meine Vermutung richtig gewesen sein. 

Auch hier hoffte ich auf den bestellten Abholservice – doch wieder war keiner vor Ort. Ich rief das Hostel an und da der Fahrer ohnehin gerade jemanden abholte, war er auch nach fünf Minuten bei mir. Im Hostel angekommen dann aber beim Versuch einzuchecken die Info: Überbucht und zudem war das Mädchen sehr clever – man fand schnell heraus warum am Flughafen keiner auf mich wartete. Ich Trottelerna hatte bei der Buchung den falschen Monat ausgewählt. Nichts desto trotz kümmerte man sich auch für mich um eine andere Unterkunft. Die Hostels quartierten ihre überbuchten Gäste in ein Apartment im ältesten Hotel der Stadt ein. Vier Sterne soll es haben. Doch auch nach hiesigen Standards wird es vermutlich nicht Mal in die Nähe eines Sterns kommen! Aber gut.. wenigstens ein sauberes Bett, so ich es in dem Funzellicht erkennen konnte.

Der Aufenthalt in Shiraz sollte leider kürzer sein als gehofft und so lief ich etwas durch die Gegend, schaute mir die Zitadelle von außen an, denn den Eintritt sei sie nicht wert, wurde mir gesagt und traf mich mit meiner Reisebegleitung zum Abendessen. Auch er wurde schon das zweite Mal in Folge ausquartiert und hatte sich am Vortag auch noch den Magen verdorben. Wir beschlossen daher sicherheitshalber in einem Hotel zu essen und hatte von hier einen tollen Blick auf das in rosa Licht getauchte Shiraz bei Dämmerung. Ich folgte seinem Tipp den Heiligen Schrein zu besuchen, wenn es dunkel ist. Dieser wird in der Nacht in ein Lichtspiel aus vielen verschiedenen Farben getaucht und freiwillige Guides führen die Besucher herum und erzählen ihnen einiges zur Geschichte. Ich hatte meine große Mühe das bettlakenartige Gewand nicht zu verlieren und als Nichtmuslimen ist den Touristen der Eintritt in den mit Spiegel-Mosaik geschmückten Schrein ohnehin verwährt – und so lief ich durch das nächtliche Getümmel in der Stadt zurück zum ****Bunker.

Ich hatte zunächst drei Mitbewohner: ein Pärchen aus Leipzig und eine brasilianische Dame, die ich später noch kennenlernen sollte. Ich schaute mir die Stadt soweit an, wie es ein halber Tag zulässt und hoffte dieses Mal auf Schlaf in der Nacht. Die brasilianische Tussnelda, welche den ganzen Tag schlief, würde da aber erst richtig wach werden. Als sie weg war um ihre Sachen aus dem anderen Hostel zu holen kam Zacky aus Singapur an und machte den Fehler seine Sachen in ihr Zimmer zu stellen. Sie probte mitten in der Nacht den Aufstand und wollte, dass er verschwindet, sie hätte schließlich ein privates Zimmer. Uschnelda schien jedoch nicht ganz zugehört zu haben, denn das Apartment diente als Sammeldorm für die ausquartierten Gäste – Privatzimmer waren nicht vorgesehen. Der arme Zacky wusste zudem gar nicht wie ihm da eigentlich geschah. Nach zwei Stunden Getobe vor der Tür gab ich es auf zu schlafen und hole Zacky in das noch freie Bett zu meiner rechten, damit endlich Ruhe ist. Eine weitere Nacht ohne Schlaf später war ich wieder optimistisch: ein neuer Tag, eine neue Stadt, eine neue Chance.  

Wir teilten uns mit einem deutsch-französischen Pärchen eine Tour die uns automatisch auch zum nächsten Ziel bringt. Auf dem Weg besuchten wir zuerst Persepolis – eine antike Stätte, die sehr gut erhalten einen Eindruck darüber verschafft, wie es im Iran einmal aussah, welche Symboliken schon früher wichtig waren und wie die diplomatischen Beziehungen aussahen. Ein Guide ist mit etwa 12 Euro für 1’5 Stunden sehr günstig und so leisteten sich fast alle Besucher ein wandelndes Geschichtswikipedia. Persepolis war, meiner Meinung nach, für ein Land ohne nennenswerten Tourismus, sehr gut besucht, aber nicht zu voll. Die kunstvoll in den Stein gemeißelten Bilder kann man hier noch ganz in Ruhe anschauen ohne gleich weiter geschoben zu werden. Hat man auch den Aufstieg auf den Berg geschafft, wartet ein toller Blick über die ganze Gegend zur Belohnung.

Nicht weit entfernt findet sich die Necropolis. Die künstlich geschaffenen Höhlen dienten als Grabstätten und wurden mit Bildnissen geschmückt. Die Größe ist beeindruckend und lässt viel Spielraum für Überlegungen, wie die Menschen damals in der Lage waren so etwas zu bauen. Die Infotafeln ersetzen einen Guide sehr gut, wenn es um die einzelnen Geschichten zu den Gräbern und Bildern geht – doch ohne ihn blieb die Wie-Frage offen.

Sowohl Teheran als auch Shiraz schafften es nicht in mir das Gefühl zu wecken im Iran zu sein – wie auch in den großen Städten in Myanmar war mir das alles irgendwie zu modern.

Da wir uns Zeit ließen und es schon spät wurde, verzichteten wir auf das dritte Tourziel und fuhren direkt weiter nach Yazd. Unser Fahrer hielt für einen kurzen Stopp in einer kleineren Stadt und hier bemerkten wir schnell, wie liberal die großen Städte eigentlich sind. Er holte etwas Gebäck und rasch beobachtete man uns. Ich hatte das Kopftuch an diesem Tag zu einem Turban gebunden und die Französin trug ihres weit hinten und sehr locker. Man sah bei uns also den Haaransatz, den Hals sowie Unterarme und Knöchel. In der Stadt war das vollkommen ausreichend, doch in dem kleinen Ort wurde von den Beobachtern rasch das Handy gezückt, zwei junge Männer sprangen kaum ausgestiegen wieder in ihr Auto und fuhren wie gejagd davon als sie uns sahen und unser Fahrer signalisierte uns, dass diese Zigarette nicht aufgeraucht wird und wir weiterfahren. Vermutlich hatte man die Sittenpolizei bereits über die unzureichend bedeckten Frauen beim Bäcker informiert, denn schauten wir uns um, sahen wir ausnahmslos Frauen im Chador.

Kurz vor dem Ziel hielten wir mitten auf der Straße – die Abendsonne tauchte das „GartenstädtchenTaft in ein warmes Licht bevor sie ganz verschwand und auch unser Fahrer wollte dieses Bild nicht verpassen. Generell gab es auf der Fahrt viel zu sehen, was einem mit einem Nachtbus wohl verwährt geblieben wäre. Die Landschaft änderte ihr Aussehen von Speckstein-Gebirge zu Sandsteinwüste mit einem Meer aus Nichts bis zum Horizont um dann wieder in ein Gebirge aus dunkelrotem Gestein mit hin und wieder Schnee bedeckten Gipfeln überzugehen.

Yazd hieß am Ende der Straße der glückliche Gewinner in der Städtelotterie für Donnerstag und das Hostel sah auf den ersten Blick schon sehr vielversprechend aus. Doch dann: „wir haben ein Problem“ – Überbucht. Doch dieses Mal sollten wir nicht ausquartiert werden; man könne auf dem Dach die großen Sonnensofas nutzen – dafür wäre die Übernachtung dann auch kostenlos. Sieben provisorische Betten wurden es am Ende unterm Sternenhimmel in dieser Nacht. Ich schlief auch hier mehr schlecht als recht, doch dann – Tag 4 sollte es endlich geschehen: ich hatte das Gefühl: das wird hier doch noch etwas, mit mir und dem Iran. Bisher hatte er mich eher enttäuscht und nichts von dem wovon die anderen Reisenden so schwärmten geboten. Yazd machte es wieder gut.

[Teil 2 – coming soon]

{Traveling} Budapest – Warum Alleinreisende nie einsam sind

Ich habe eine Schwäche für osteuropäische Städte, muss ich gestehen. Irgendwie faszinieren sie mich. Ohne das zwanghafte Totmodernisieren können sie noch mit Charme aufwarten – ich hoffe, das bleibt auch noch eine Weile so. Ich bin nun gerade aus Ungarns schöner Hauptstadt Budapest zurück und nutze die Gelegenheit gleich aus, um auf die immer wiederkehrende Frage zu antworten: „Alleine?“ – Ja, alleine. Es wird ja nicht leichter Menschen dazu zu begeistern spontan mal drei Schlüppi einzupacken und sich für ein paar Tage aus ihrem gewohnten Dunstkreis herauszubewegen. Glücklicherweise geht es jedoch vielen so – und die gilt es dann einfach zu finden.

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{Styling / Traveling} Reisen mit Handgepäck

Städtetrips sind beliebter denn je – ein paar Tage hier, ein paar Tage dort und für clevere Reisende sogar günstig zu haben. Minimalisten haben da so ihre Tricks. Minimalisten? Sind das nicht die mit Adiletten und der immer gleichen kurzen Hosen? Ja, fast. Mancherorts ist der daily-Unterhemd-Bandehose-FlipFlop-Style sogar angebracht – im Frühling in Europas Hauptstädten eher weniger; könnte auch etwas kühl werden. Es gibt allerdings – Wunder, oh Wunder – ein paar kleine Tricks, wie man aus Kurzreisen möglichst viel herausholen kann ohne viel ausgeben zu müssen.

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