Body Mass Quatschdex

Zeit, mal ein bisschen zu meckern. Es gibt beim Thema Gewicht, Abnehmen und Ernährung verschiedene Dinge, die mich aufregen.

Dieser hier nervt mich doch mit am meisten: Der Body Mass Index (BMI) – er wird überall als das Maß für Unter- und Übergewicht gehandelt.

Selbst Ärtze nutzen ihn – die sollten es aber besser wissen!

Der Body Mass Index ist kein verlässlicher Wert. Er sagt nichts darüber aus, ob man nun zu dick oder zu dünn ist. Er ist ein sehr grober Wert – sehr sehr grob und sehr sehr grob bringt gar nichts! Wenn Ihr einen bestimmten Ort sucht bringt Euch die Angabe „im Umkreis von 50 km“ ja auch nichts.

Vor dem BMI gab es die Broca-Formel – wir kennen sie wahrscheinlich alle: Größe minus 100 = Idealgewicht.

Der gute Herr Broca hatte ihn entwickelt, indem er Soldaten Anfang des 19. Jahrhunderts vermaß und feststellte, dass sie durchschnittlich soviel wogen, wie Körpergröße – 100 cm ergibt.

Diese Formel wurde von Herrn Quetelet modifiziert und der Body Mass Index entstand. Hier werden Körpergröße und Körpergewicht in Relation zueinander gesetzt – mehr aber auch nicht!

Es wird nur ganz grob berücksichtigt, wie alt man ist. Ganz vernachlässigt werden die Werte der Körperzusammensetzung: Fett, Wasser, Muskelmasse, etc.; ebenso wie Tatsachen, ob man ein eher zierlicher Mensch ist oder doch breiter gebaut. Es wird nicht berücksichtigt, ob man ein Couchpotatoe ist oder Leistungssportler.

Die Amerikaner haben den Wert erst bekannt gemacht, indem sie ihn für eine Studie der Lebensversicherungen nutzen. Die Grenzwerte 18,5 und 25 wurden jedoch willkürlich entschieden. Niemand hat einen wissenschaftlichen Beweis dafür, dass genau 18,4 und 25,1 ungesunde Werte sind!

Das hier sind Karl und Hulk:

Karl ist eher der ruhige, lang gewachsene, aber doch eher sehr schmal gebaute Typ und Hulk kennen wir ja alle…

Karl hat laut seinem BMI massives Untergwicht und Hulk ist so adipös (fettleibig), dass er eigentlich gleich tot umfallen müsste. Nun, sowohl Karl, als auch Hulk fühlen sich aber pudelwohl und sind durchaus gesund.

Jetzt, wo die Olympischen Spiele liefen, war es wieder zu sehen: So ein Langstreckenläufer oder eine Hochspringerin, die sind ganz schön schmal. Ab und zu denkt man sich da schon: Kind, iss was! Die haben laut BMI fast alle Untergewicht. Haben sie das wirklich? Nein, haben sie nicht!

Die Kugelstoßer, die Gewichtheber, so ein Bodybuilder auf Wettkämpfen – die haben alle einen viel zu hohen BMI – theoretisch!

Muskelmasse wiegt viel mehr als Fett. Das bedeutet: Ein Bodybuilder, der so gut wie kein Gramm Fett am Körper hat, besitzt einen höheren BMI als ein wirklich fauler Mensch, der vor dem Fernseher jeden Abend eine Tüte Chips futtert und ein stolzes Bäuchlein vor sich herschiebt. Gegebenenfalls ist der aber so gebaut, dass bei seinem BMI nur Übergwicht rauskommt, beim Bodybuilder mit der gleichen Körpergröße aber Fettleibigkeit – hat er doch kein Gramm Fett an sich…

Wir merken, das haut vorne und hinten nicht hin.

Ich trage einiges an überschüssiger Haut mit mir rum – die wird mitgewogen und somit auf meine Körpergröße gerechnet – gehört sie doch aber eigentlich gar nicht mehr zu meinem eigentlichen Körpergewicht. Sie hängt zwar an mir, aber verfälscht mein Gewicht. Auch Körperfettwagen beziehen das nicht in ihre Berechnungen mit ein – sie können zwar den BMI anzeigen, aber rechnen das tatsächliche Körperfett nicht hinzu. Auch die nehmen nur das Gesamtgewicht.

Lasst Euch also niemals auf Euren BMI reduzieren. Natürlich ist ein BMI von 35 offenbar ein Wert, der gefährlich werden kann. Das sieht man dann aber auch. Ein dicker Mensch mit hohem BMI braucht keinen BMI um zu wissen, dass er zuviel wiegt – das merkt der an der kneifenden Hose jeden Morgen beim Anziehen auch so und ein Mädchen mit Magersucht und einem BMI von 15 wird auch von anderen erkannt, wenn die Knochen fast schon die Haut durchstechen und man sie seit Wochen nicht mehr essen sehen hat.

Es macht mich immer wieder wütend, wenn ich im Fernsehen die Abnehmshows sehe, in denen Ärzte und Ernährungsberater den Leuten an ihren hübschen rot-gelb-grünen Bildchen ein Kreuz setzen und sagen: „Also, dein BMI liegt bei 31, das muss unbedingt 25 werden und dahin arbeiten wir jetzt!“ – bitte was? Wäre nicht die Vereinbarung: „Bis du dich wohl fühlst, deine Blutwerte wieder normal sind und dein Körperfettanteil ein gesundes Maß erreicht hat“ nicht die bessere Variante?

Leider nein, denn das wäre mit Mehrarbeit verbunden. Man müsse mehr tun, als den Menschen nur auf die Waage zu stellen und mal schnell etwas in den Taschenrechner einzugeben.

Wem der eigene Körper wichtig ist und wer gesund sein möchte, der sollte den BMI in eine Kiste stecken und im Wald vergraben. Geht zu einem Arzt, der Eure Körperzusammensetzung wirklich messen kann und Euch nicht nur auf eine handelsübliche Waage stellt. Macht Blutfettwerte und Muskelmasse zu entscheidenden Werten. Achtet auf Euren Blutdruck und Haare, Nägel, Haut – Mangelernährung kann auch bei hohem BMI ein Thema sein und es würde Euch dank dem Wert und der Speckringe keiner ansehen!

Eine 95 Kilo schwere Frau mit einem BMI von sagen wir 32 kann magersüchtig sein – man sieht es nur nicht und wenn der BMI und die Umwelt das merken, kann es zu spät sein!

Es ist wie bei allem im Leben: Schaut über den Tellerrand hinaus und informiert Euch. Gebt immer mehreren Aspekten eine Bedeutung und lasst Euch nichts vom Pferd erzählen!

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