Der Ossi is(s)t anders..

Widmen wir uns heute einmal drei kulinarischen Genüssen meiner Kindheit. Da ich östlicher kaum wohnen könnte, gibt es natürlich die Highlight meiner Schulzeit.

Alle lieben Nudeln mit Tomatensauce -also fast alle – und wie der Osten dieses Gericht für sich interpretiert hat, zeige ich Euch heute einmal.

Ist eigentlich gar nicht schwer – der Clou an der ganzen Sache ist nur: die Tomatensauce hat noch nie Tomaten gesehen.

Butter wird in einem Topf erhitzt, ggf. kommen ein paar Zwiebeln dazu und etwas Mehl – eine Mehlschiwtze sozusagen. Das wird mit Wasser aufgefüllt und mit Salz, Pfeffer und süßem Paprikapulver gewürzt. Dazu kommt nun eine ganze Menge Ketchup. Eventuell muss noch Zucker rein. Aufkochen lassen. Fertig!

Dazu Spaghetti, Spirelli oder „Langlochkartoffeln“ (Makkaroni oder Penne).

Mir würde spontan kein Mitossi einfallen, der diese Nudelsauce nicht mag. Im Gegenteil: „Aber die süß-saure mit Ketchup, ja?“ wird verlangt. Dennoch gibt es natürlich, grade bei den jüngeren Ossis, die Miracoli kennengelernt haben, Kostverächter. Ich jedoch liebe diese Sauce, besonders kalt. Kalte Nudeln mit der kalten Sauce.. ein Traum! Ich erhitze sie nur selten, wenn in der Küche bei meinen Eltern noch etwas übrig ist.

In der Schule gab es ein Schulessen, das genauso beliebt war, wie der Pudding zum Nachtisch.

Wurstgulasch! Ja, auch dieses Gulasch hat mit Gulasch nüscht zu tun!

Wir nehmen eine Jagdwurst – Ihr wisst schon, diese lange, meist in oranger Folie verpackte Fleischwurst mit Stückchen – schneiden sie in kleine Würfel und braten sie an. Man kann sie auch ohne Anbraten in die Sauce werfen. Diese ist dann wieder unsere Tomatensauce von oben.

Jagdwurst sorgt beim allgemeinen Wessi in Ostgaststätten regelmäßig für Verwirrung. Bestellt der Wessi ein Jägerschnitzel, erwartet er ein in Pilzsauce getränktes Schnitzel. Nee, lieber Wessi, is‘ nich‘! Bist hier im Osten. Bei uns geht das so:

Jagdwurst in dicke Scheiben schneiden, in Ei wenden, in Semmelbrösel wenden – die Köche unter Euch merken schon, wir panieren – und den Spaß dann in der Pfanne braten. Dazu gibt es super kreativ Nudeln mit Tomatensauce (siehe ganz oben).

Mengenangaben wurden bewusst außer Acht gelassen; das geht alles frei Schnauze..

Und wie viel ist von diesen Gerichten in meiner aktuellen Küche zu finden? Nichts! Gar nichts! Wenn ich es esse, dann bei Mutti. Warum? Fett, nen haufen Einfach- und Mehrfachzucker und wir wissen, wieso das Kind wahrscheinlich schon als Kind so rund war…

Der Teller gehört ebenso wie die Nudeln in meine Kindheit – der ist schon uralt. Da sind Indianer drauf, die mit einem Kajak einen Fluss runterfahren. Die Teller hatte meine Oma mal gekauft und wir mussten als Kinder immer zumindest so weit aufessen, bis der Indianer zu sehen war.

Dass ich als Kind aufessen musste, sehe ich jetzt sehr kritisch – Aufessen oder Liegenlassen ist eine Gewohnheitssache. Ich habe gelernt aufzuessen und kann nur sehr schwer etwas liegen lassen. Meine Freunde freuen sich immer wieder darüber, wie schön sauber meine Teller nach dem Essen sind. Aber mit dem Essen aufhören, wenn man satt ist, ist wichtig – daran muss ich jedoch noch hart arbeiten.

Kalorienangaben fallen daher heute mal unter den Tisch. Gibt es ja nicht ständig.

Probiert es doch mal aus – vielleicht ist etwas für Euch dabei😉

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4 Gedanken zu “Der Ossi is(s)t anders..

  1. Meine Mutter macht die Tomatensauce heute noch fast genau so und immer mit Jagdwurst !
    Die schmeckt mir bis heute besser wie jede „West-Fertig-Sauce“ aus dem Glas.😀

    • Nachtrag: Ich habe auch so einen Teller aus Kindertagen. Allerdings habe ich immer alles von selbst aufgegessen bis das Motiv zu sehen war.😉

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