Warum machen wir’s nicht einfach?

Ich hatte bei stylefruits den Post zum Laufen in hohen Schuhen eingestellt. Ein Früchtchen (bereits erwachsen) antwortete mir, sie würde sehr gerne hohe Schuhe tragen, traue sich aber nicht. Der Mann ist nicht groß genug für Absätze und sie hat sie daher eigentlich nie getragen.

Gerade als Frau über 1,70m ist es schwer einen Mann zu finden, der groß genug ist, neben ihm hohe Schuhe tragen zu können – ich habe sogar das Gefühl die Männer würden immer kleiner..

Trotzdem habe ich mir die Pumps unter die Füße geschnallt – der Kerl ist ja schließlich nicht ständig dabei.

Aber ich verstehe die Hemmungen davor, mal etwas anderes zu machen.

Wir befinden uns in unserem eigenen Stiltrott. Wenn ein Modetrend aufkommt heißt es am Anfang ganz oft: „Boah, das kann doch keiner tragen! Pink und rot mit einer blauen Tasche? Das ist gegen jede Regel!“ – ColourBlocking.. 😉 Mal als Beispiel..

Ich habe früher eigentlich immer nur Jungssachen getragen – war halt einfacher als nach Kleidung in meiner Größe zu suchen.

Schöne Klamotten in großen Größen gibt es noch gar nicht so lange. Vor 10 Jahren hatte ich so gut wie keine Chance bei den üblichen Shops Kleidung in 48 oder 50 zu bekommen. Auch jetzt noch gehen die meisten Shops höchsten bis 44, allerhöchsten, wenn sie einen guten Planungstag hatten bis 46 – oder die Farbik in Asien hat sich einfach verschnitten.

Ich hätte mich gerne mal hübscher und weiblicher angezogen, aber zum einen mangelte es ja, wie erwähnt, an den Kleidungsstücken und zum anderen hatte ich auch keine Lust auf: „Was hast du denn an? Das trägst du doch sonst nicht! Willst du jetzt etwa ein Mädchen werden?“ – solche Sprüche wären nicht nur aus der Schulklasse gekommen (Kinder können so grausam sein – nein, sie waren nie grausam zu mir); auch meine Familie schafft es nicht, sich soche Sprüche zu kneifen. Da war es einfacher sich weiter so zu kleiden wie vorher auch, dann muss man sich damit nicht auseinandersetzen.

Irgendwann habe ich es dann aber einfach gemacht – es kam die Zeit, wo nicht mehr Mutti meine Klamotten kaufte, sondern ich und dann kam irgendwann die Zeit, wo ich ja in kleinere Teile gepasst habe und die Suche in den Geschäften deutlich leichter wurde. Da ich mich komplett veränderte in dieser Zeit, verwunderte es niemanden, dass ich anfing mich anders zu kleiden. Geht ja mit Gewichtsverlust unvermeidlich einher. Hätte ich das aber einfach so gemacht, ohne Abnehmen, hätte das anders ausgesehen.

Ich habe mir vor kurzem einen roten Lippenstift gekauft. Lippenstift trage ich eigentlich nicht. Das hat mehrere Gründe: Ich kann nicht einfach so den Lippenstift auftragen; ich mag meine Lippenform nicht und müsste mit Konturstift und Concealer erst eine Form schaffen. Zudem verbinde ich auffallenden roten Lippenstift mit Alter. Ich fühle mich damit einfach älter – und ich bin in einem Alter, in dem man langsam nicht mehr älter sein will 😉 Es sieht gut aus, klar, und ich könnte es öfter tragen – aber ich tu es nicht.. Eigentlich doof.

Ich hätte ja auch mal Lust auf eine neue Frisur und eine andere Farbe – aber wieso aufgeben, was mir sicher ist und riskieren, danach total dämlich auszusehen?

Wie dem Früchtchen und mir geht es aber ganz vielen.

„Ich fände das ja ganz toll, aber das würde mir nicht stehen.“

„Ach, an anderen sieht das immer so gut aus, ich hab sowas noch nie getragen.“

„Ich weiß nicht, ob ich das wirklich will, so bin ich ja sonst auch nicht.“

Wieso machen wir nicht einfach was uns gefällt? Wieso tragen wir nicht einfach was wir mögen? Warum machen wir uns mehr Gedanken darüber, was andere dann von uns halten, als darüber, was uns gefällt?

Ich finde, wir müssen mutiger werden!

Viele bewundern den Style von anderen und halten sich für langweilig. Sie könnten sicher auch ein paar bunte Haare tragen, trauen sich aber nicht. Sie hätten sicher auch Ideen für ein paar hübsche Outfits, haben aber nicht den Mut damit auch auf die Straße zu gehen, weil es nicht dem alltäglichen eigenen Stil entspricht.

Aber es sind ja nicht nur stilistische Hemmungen, die uns behindern.

Wieso nicht einfach mal im Tanzverein anmelden? Weil die da alle viel jünger, hübscher, sportliche und taktvoller sind? Unsinn!

Fernweh, aber nicht mutig genug einfach die Koffer zu packen und loszufahren? Zuhause erlebt man nichts!

„Ich wollte schon immer eine andere Sprache lernen..!“ – Und, wieso tust Du es nicht?

Jeder von uns hat irgendetwas, dass er gerne möchte, sich aber noch nie getraut hat zu machen.

Was ist es bei Euch? Was traut Ihr Euch einfach nicht?

Das Leben bietet uns unzählige Chancen und Möglichkeiten, die wir einfach nicht nutzen. Ich habe meine Bewerbung für’s Studium auch unter dem Gedanken „Willst’e doch, jetzt mach halt auch!“ ausgefüllt. Ich hätte natürlich auch mit meinem sicheren Arbeitsplatz die nächsten Jahre verbringen, jeden Morgen um halb fünf aufstehen und mich langweilen können. Das wäre der einfache Weg gewesen. Es gibt aber leider Dinge im Leben, die uns nicht ewig zur Verfügung stehen. Ab und zu müssen wir einfach zugreifen, wenn sich uns eine einmalige Gelegenheit bietet.

Auf welche Gelegenheit wartet Ihr?

Ein Gedanke zu “Warum machen wir’s nicht einfach?

  1. Pingback: Trau dich! | Rundl-ich

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