Warum, wieso, weshalb und sowieso und überhaupt aus welchem Grund denn so?

Welche Gründe gibt es, entgegen der allgemeinen alltäglichen Auslandssemester Asien, speziell China und nicht Australien, Kanada oder die Standard-USA zu wählen?

Ich könnte ein Asienfan sein..

Bin ich aber nicht. Ich esse weder gerne ostasiatisches Essen, noch mag ich die Musik, die traditionelle Kleidung, Schriftzeichen oder die religiösen Ansichten.
Es ist da, aber es ist mir auch egal.

Ich könnte schon alles andere gesehen haben..

Habe ich aber auch nicht. Im Gegenteil – durch die Flugangst war ich eigentlich noch nirgends so wirklich. Ein bisschen Italien, ein bisschen Prag, ein bisschen London – hier und da eine deutsche oder polnische Stadt. Eigentlich habe ich noch nichts gesehen und Asien stand nun nicht auf der To-Travel-Liste ganz oben.

Was ginge noch?

Oh, ich könnte schlichtweg zu viel Geld haben.

Schön wär’s! Aber mir würden auch viele andere Dinge einfallen, in die ich das angelegte Geld investieren könnte.. angespart wurde es für eine Hautstraffung.

Diese würde mich, nach Durchschnittpreisen im Internet gute 10.000 – 15.000 Euro kosten.. ich müsste also sowieso noch eine ganze Weile sparen. Zudem habe ich mir gesagt, Bauch erst nach dem Kinderkriegen (vielleicht, also vielleicht Kind, Bauch steht fest); die Arme wahrscheinlich als erstes (weil kaum noch tragbar) und wenn Hochzeit, dann defenitiv davor – die Arme kommen mir in kein Brautkleid! Aber diese Lebensereignisse dauern wahrscheinlich noch eine gefühlte Ewigkeit und bis dahin habe ich das investierte Kapital neu angespart..

Was treibt mich also nach China?

Ich habe bei der Bewerbung für den Studienplatz extra einen Studiengang genommen, ohne Pflichtsemester im Ausland. Ich wollt halt keins machen. Ich bin mit meiner Ausbildung durch, ich habe gearbeitet – ich habe einen Beruf und eine gewisse Erfahrung darin. Wozu also noch ein Auslandssemester? Und wer sagt mir, dass ich gut genug bin und meine Noten mir das erlauben werden – habe ich doch noch nie wirklich gelernt, mich durch Abi und Ausbildung teil recht, teils schlecht durchgemogelt.

Aber, sage niemals nie.. das kennen wir doch alle. Meine Überzeugung von heute kann morgen ganz anders sein.

Manchmal geschehen Dinge im Leben, die uns und unsere Ansichten verändern.Von jetzt auf gleich stehen wir ganz neuen Herausforderungen gegenüber. Aus einem Wir-Denken wird ein Ich-Denken. Pläne für die Zukunft scheinen nie dagewesen zu sein.

In mir wuchs der Drang mich zu entfernen; möglichst weit. Nicht die allgemeine Reiselust, etwas anderes sehen zu wollen – einfach nur das pure Gefühl unbedingt weg zu wollen! Weg von allem, weg von Gründen und weg von Rechtfertigungen. Einfach nur verschwinden.

Ich wollte mir ein paar Schlüppis zusammenpacken, Rucksack aufschnallen und loslaufen. Brauch doch keiner wissen. Wer es nicht weiß, der nervt mich nicht. Möchte ich nicht erreicht werden, ginge das. Ich könnte mich Kontakten entziehen, denen ich mich sonst aussetzen müsste.

Manchmal gibt es Menschen, für die man schlichtweg mit einem zarten „puff“ von der Erde verschwinden möchte.

Das geht aber nicht – weder das Rucksackding, noch das „puff“..

In dem Moment kam die Info der Partnerschaft: meine Uni mit einer chinesischen. Die Möglichkeit ein Semester nach China zu gehen.

Die allgemeinen Industrie-Touristen-Staaten haben mich noch nie interessiert. Standen daher für mich auch nicht auf dem Plan. Es hätte auch Indien sein können oder Russland, Argentinien oder Südafrika… Unsere Hochschule hat etwa 117 Partnerschaften in 56 Ländern dieser Erde. Es hätte theoretisch jedes davon sein können. Hätte ich den Portugisischkurs belegen können ab dem 1. Semester (was durch meinen Nebenjob nicht ging), hätte ich die Sprachprüfung ablegen können und es wäre wohl Brasilien. Ist es aber nicht..

China war halt zur richtigen Zeit am richtigen Ort und zeigte mir einen Weg hinaus. Auch wenn es heißen sollte, nicht sofort, sondern erst in ein paar Monaten – mein „weg“ wurde greifbar. Die Chance es wirklich durchzuziehen und zu gehen wurde real.

Ich muss also nur noch ein paar Wochen aushalten, dann sehe ich etwas ganz anderes. Etwas, das ich noch nicht kenne. Ich habe nicht die Möglichkeit da herausgerissen zu werden. Es ist zu weit weg um mir zu folgen. Es ist die Möglichkeit dem Alltag hier entfliehen einen Strich ziehen und abschalten zu können. Ich muss mich auf etwas ganz neues konzentieren.

Sobald ich auf die Straße gehe wird mir jedes einzelne Mal bewusst, dass ich weg bin. Ohne irgendetwas zu tun werden mir die Menschen dort jeden Tag aufs neue das Gefühl geben, es gewagt zu haben. Ich brauche sie nur anzusehen und kann mich ferner von Zuhause kaum fühlen. Einfach nur, weil sie anders aussehen. Sie können gar nichts dafür, aber es wird das beste sein, was sie mir geben können.

Zuhause ist gemäß Duden: eine Wohnung, in der jemand zu Hause ist [und sich wohlfühlt]. Ich finde den Passus in eckigen Klammern am interessantesten. Mir geht es körperlich vollkommen Gut – ich freue mich darauf die Wohnungstür hinter mir schließen zu können und den Tag unter meiner Kuscheldecke auf der Couch enden zu lassen. Das geht nur in meinem Zuhause. So fühle ich mich also wohl. Aber ich fühle mich auch wieder nicht wohl. Ich kann Menschen auf der Straße begegnen, die ich nicht sehen möchte. Das Klingeln an der Tür könnte jemand sein, den ich nicht sehen will. Jedes „ich bin die nächste Zeit bei dir in der Gegend“ lässt mich in der Öffentlichkeit unsicher werden. Das kann in weit-weit-weg-China nicht passieren.

China eröffnet mir die Möglichkeit eines bestimmten Sicherheitsgefühls. Es wird mir also psychologisch gut tun – das weiß ich schon vorher.

Ferner kann ich ferner kaum reisen – nicht nur auf die Entfernung gesehen. Land und Kultur sind unserer kaum ähnlich: ich darf dort kleckern und rülpsen beim Essen; ich werde freundliche angelächelt und ich erwarte Dinge auf dem Teller, die ich hier selbst im Mülleimer niemals im Supermarkt sehen würde. Ich kann Orte in der Zeit sehen, von denen viele nur einen erleben dürfen, vielleicht zwei. Ich kann und werde so gut es mir möglich ist die Ostküste bereisen.

China eröffnet mir die Möglichkeit mein Ziel, etwas von der Welt zu sehen, zu verwirklichen – es wird meinen Horizont erweitern.

Ich komme nicht drumrum mich anpassen zu müssen um in einer fremden Kultur durchzukommen. Ich muss neue Leute kennenlernen; vollkommen andere Leute.. ich muss eine neue Sprache lernen und eine andere Art mit meinem Umfeld zu agieren.

China eröffnet mir die Möglichkeit meine zwischenmenschlichen Fähigkeiten auszubauen – es wird meine Soizialkompetenz fördern.

Ich werde Fächer belegen, die ich so hier niemals haben könnte. Ich werde eine neue Sprache lernen und mein Allgemeinwissen erweitern.

China eröffnet mir die Möglichkeit mich weiterzubilden – es wird mein Wissen erweitern.

Ich habe keine andere Wahl als zu fliegen. Ich werde etwas wagen müssen und mich überwinden. Ich werde in ein Flugzeug steigen müssen; mehrmals und ich werde für die Zukunft davon profitieren.

China eröffnet mir die Möglichkeit mutig zu werden – es wird meine inneren Hemmnisse verkleinern.

China ist auf dem Weg aus einem Dritteweltland einen Staat zu formen, der jeden und alles aufkaufen kann und wird, so man ihn lässt. Es wird eine wirtschaftliche Stellung zum Abschluss meines Studium erreicht haben, die mir ganz neue berufliche Perpektiven aufzeigt.

China eröffnet mir die Möglichkeit beruflich voranzukommen – es wir meiner Karriere helfen.

Es ist nicht garantiert, dass das alles auch so passiert. Es kann sein, dass sich nichts verändert hat, wenn ich wiederkomme. Es liegt in meiner Hand was ich daraus mache.

Es wird auf jeden Fall eine Erfahrung ohnesgleichen.

Darum, daher, deshalb und sowieso und überhaupt aus diesem Grund!

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4 Gedanken zu “Warum, wieso, weshalb und sowieso und überhaupt aus welchem Grund denn so?

  1. Ich finde es gut. Man kann wiederkommen und die bisherigen Probleme aus einem neuen Blickwinkel betrachten, den der chinesische Abstand mit sich gebracht hat – und sie entsprechend „anders“ lösen.
    Ich bewundere den Mut, den Entschluss – und die Tat🙂
    Ich weiß nicht, ob Du die Möglichkeit, die Zeit und die Muße hast, dort zu bloggen – aber ich werde immer mal hierher schauen und – sofern möglich – von meinem heimischen Sofa aus in den Geruch von China mit eintauchen😉
    Ich wünsche Dir viele schöne, neue Erfahrungen, Erlebnisse, Eindrücke, viel Spaß beim Entdecken und überhaupt!!

    • Hey, vielen Dank! Ja, ich habe vor mit einem Freund zusammen viele nette Berichte und Bilder hier zu veröffentlichen – die finden sich dann gesammelt in der Rubrik Hangzhou&Me. LG

  2. Klingt ja alles sehr interessant.🙂

    Und doch wirst du wiederkommen und deine Probleme hier werden sich nicht einfach auflösen, auch wenn du ihnen fürs Erste entkommen kannst. Der Gedanke daran würde mich dann am Ende der Reise begleiten. Wünsche dir trotzdem viel Erfolg dort.🙂

    • Na ja Romy, ich denke hmm hat da nicht ganz unrecht, aber auch wieder nicht, denn so wie du selbst ja denkst, bekommst du durch deinen „Urlaub“ in China eine neue Sicht auf alles vor allem Dinge die dich belasten. Versuch einfach so viel wie möglich über Land und Leute, Geschichte und Mythen zu erfahren das öffnet dir den Bilck für vlt. Wichtige Dinge im Leben, vor allem „wie gut es uns doch eigentlich geht“.

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