Convenience: Was ist das und wieso kommen wir irgendwie nicht drumrum?

Convenience ist ein Wort, das wir eigentlich alle kennen – aber wissen wir auch, was das heißt?

Ausgeprochen: Konwieniejenz – klingt schon scheiße…

Generell werden damit vorgefertigte Lebensmittel bezeichnet, die wir nur noch warm machen brauchen.

Der Kühlschrank meiner Eltern ist voll davon, aus dem Vorratsschrank daneben lachen mich die Dosen und Tüten an. Ich wollte mit meinem Bruder einen kleinen Kochkurs machen, nachdem ich vor lauter Fertigburgern, Fertigschnitzeln und fertig Salaten nichts anderes mehr gefunden habe.

„Ich habe nur gesagt, sie sollen mir was mitbringen, das ich mir zum Mittag machen kann.“ Ich wollte mit ihm darüber reden, warum das Zeug nicht gut für ihn ist – jetzt sagt doch jeder: wissen wir doch eigentlich alle. Nee.. eigentlich nicht. Er gehört zur Tütengeneration. Er kennt nur Bolognese in Pulverform und als einzige Kochbewegung aufreißen und in die Mikrowelle stellen.

Er kann ja nicht einmal etwas dafür; wo soll das Wissen herkommen? Er wusste nicht, was ich damit meine, das sei nicht gut. Er isst nur das, was ihm vorgesetzt wird – würde er nur noch Salat serviert bekommen, wär er nach einiger Zeit wahrscheinlich etwas unzufrieden, aber er würde ihn essen – er mag Salat eigentlich! Aber, was nicht da ist, kann nicht gegessen werden (das gilt nicht nur für Süßkram!). Ich möchte meinen Bruder nicht vorführen; er ist nur das lebende Beispiel in meinem Leben – ein kleiner Punkt aus einem großen Wirrwarr vieler Konsumenten.

Daraufhin sah ich dann Werbung: Maggi und Knorr werben grad in ihren aktuellen Spots damit, wie gut und gesund das Essen doch wäre, wenn Eltern es für ihre Kinder kochen und ich möchte in dem Moment die sich mit ihren Kochkünsten brüstende Schauspielerin aus der Maggiwerbung nehmen und mit dem Schädel in die Bolognese stuken und fragen: Wie kannst du nur für soetwas Geld nehmen? Wie kannst du nur ernsthaft der Welt suggerien wollen, das sei gut? Du musst es doch besser wissen!

Aber es ist doch ganz einfach: Wenn etwas aus Milch- und Fleischprodukten bestehen soll, dann muss ich doch in Frage stellen, warum der Ablauf des Haltbarkeitsdatum des Produktes länger hin ist, als die rohstoffgebende Kuh überhaupt lebt. Ich muss doch ins Stutzen kommen, wenn ich Gemüse, groß wie mein Kopf, Gewürze, die ich kaum kauen kann und Kräuter, die auf meinem Fensterbrett keine 2 Tage überleben auf einmal in Pulverform vor mir aus der Tüte ragen sehe… und das ganze auch noch komisch riecht! Die Tüten riechen geöffnet alle gleich! Ob nun Bolognese, Schinken-Sahne-Nudeln, Hack-Lauchsuppe oder Kartoffelgratin – das riecht alles gleich. Und es riecht nicht nach den einzelnen vermeindlichen Komponenten. Es riecht nach den E-Zutaten aus der Zutatenliste. Es riecht nach Kunst und Geschmacksverstärker und Konservierungsstoffen.

Ein Kumpel von mir sagte mal:

konservierung

– da hatter irgendwie Recht.

Ich habe öfter versucht meinem Bruder etwas zu kochen. Das Hauptproblem ist dabei nicht, dass es ihm nicht schmeckt – es ist zu lasch. Ich kann es noch so gut würzen; ich weigere mich aber es zu überwürzen.

Durch die Massen an Geschmacksverstärkern, die er schon sein kurzes Leben zu sich nimmt, sind seine Geschmacksnerven dermaßen totgeschmacksverstärkt, dass er normale Würze einfach nicht mehr schmeckt.

Ich habe nach Ewigkeiten mal wieder Bolognese bei meiner Mutter gegessen und es war abartig! Es war so unangenehm süß und salzig und noch irgendwas anderes dabei..

Letztens stand eine Nudelpfanne auf dem Herd. Stehen bei meinen Eltern noch Töpfe auf dem Herd, nasche ich grundsätzlich, sofern es nicht Ekelzeug ist. Ich also wie immer eine Gabel genommen, rein in Topf, hinein in den Mund und ich musste es wieder ausspucken. Ich habe mit meiner Mutter darüber geredet und selbst ihnen war dieses kulinarische Tütenabeneuer zu viel. Vergleichen kann man das Erlebnis damit: Lutscht Euren Finger an, rein damit in eine Tüte und leckt das Pulver daraus vom Finger – Lecker!

Wer denkt, mit der leckeren Tüte aus der Tiefkühltruhe oder der Pizza etwas gesundes zu essen, nur weil es draufsteht, muss ganz ganz dringend Überstunden vor dem Computer machen und recherchieren.

Es ist gar nicht möglich genügend Obst und Gemüse anzubauen, was für die Verarbeitung gebraucht wird und dann noch Frischlebensmittel anzubieten. Dafür erfanden clevere Chemiker analoge Lebensmittel. Erdbeerjoghurt, der noch nie eine Erdbeere, dafür aber Schimmelpilze gesehen hat. Käse auf der Pizza heißt nicht mehr Käse, sondern Gastromix oder Pizzamix – warum? Weil der Käse niemals auch nur eine Sekunde als Milch in einer Kuh verbracht hat und daher nicht Käse heißen darf; da ist nichts tierisch dran.

Es gibt seit einiger Zeit ein Pulver, das wird auf Fleischreste gekippt und sorgt dafür, dass diese Fleischreste sich wieder zu einer großen Fleischmasse verbinden, die sich dann locker in Scheiben schneiden lässt und tatsache aussieht, als wäre das ein ganzes Stück Tierhintern.

Zutatenlisten sind sowieso eine sehr spannende Sache. Ich habe grade eine Tüte Schaumfrüchte vor mir in den Geschmacksrichtungen Apfel, Kirsche, Himbeere, Orange, .. und was steht darauf?

„färbende Frucht- und Pflanzenextrakte (schwarze Johannisbeere, Karotte, Rotkohl, Kirschen, Kurkuma, Saflor, Paprika, Brennnessel, Spinat, Spirulnakonzentrat)“

Schlimmer als Kindern den Mist zu geben, finde ich jedoch Babynahrung. Wenn mal wieder ein neues Baby im Umfeld geschlüpft ist, fallen mir immer fast die Augen aus dem Kopf, wenn ich so eine Packung „Gute-Nacht-Brei“ vor mir stehen habe und auf die Zutatenliste schaue. So ein Babybrei ist supereinfach und schnell selbst gemacht und wer es nicht kann oder will, der schaue doch bitte wenigstens auf die Zutatenliste. So ein Baby kann sich nicht wehren und hat noch keine voll ausgebildeten Geschmacksnerven. Das hat Hunger und vertraut auf Muttern und die Mutter sollte immer das beste für ihr Kleines wollen – und das ist kein fertiges Gläschen mit Zutaten, die darin nichts zu suchen haben!

Aber nicht nur die Ernährung bleibt auf der Strecke! Das Zeug muss aufwendig verarbeitet, gelagert und wieder zubereitet; die Verpackung entsorgt werden – das ökologische Sytem freut sich. Die Ökonomie macht Luftsprünge – das Zeug ist meist viel zu überteuert im Vergleich zu Frischware.

Ebenso wie der Arbeitsmarkt aufblüht: es sind neue Berufsbilder entstanden. Es gibt mittlerweile zum Beispiel den Flavoristen. Na, Idee was das sein könnte? Genau, der Mann, der im Labor mit Pipetten und Reagenzglasschütteleien Aromen entwickelt, die der Natur nahekommen, aber nie Natur in sich hatten.

Ich koche auch nicht immer frisch. Ich esse auch die TK-Pizza oder das Fertigschnitzel; kaufe diese Mikrowellenschalen zum Mittag. Ich kaufe allerdings niemals Tüten oder Fertiggerichte, die zur Unkenntlichkeit verarbeitet wurden. Aber ich kann an einer Hand abzählen, wie oft das Fertige seinen Weg in meinen EInkaufskorb im Jahr findet. Es ist wie mit allem: in Maßen werden wir daran nicht zu Grunde gehen; in Massen brauchen wir uns über gesundheitliche Probleme gar nicht wundern.

Das sind nicht nur Gewichtsprobleme; das sorgt für Allergien und Unverträglichkeiten; Verdauungsprobleme, die nicht nur zu Bauarbeiterfurzen führen, sondern weitreichende Folgen haben. Funktioniert die Verdauung nicht richtig, bekommen wir Schlafprobleme, Hautprobleme, der Körper kann sich nicht richtig entgiften. Unsere Sinne werden vollkommen überfordert und passen sich dieser Überreizung an. Ein Übermaß an Zucker, Fett und Salz in diesen Lebensmitteln macht uns träge und antriebslos. Achtet mal darauf, wie viele Menschen in Eurem Umfeld von Leiden klagen gegen die der Onkel Doktor irgendwie nichts machen kann und dann beobachtet mal, wie die sich ernähren – da sind sicher öfter Parallelen.

Jeder ist selbst dafür verantwortlich, was er isst. Aber als ich mit meinem Bruder eine Nudelpfanne selbst gemacht habe, war die Familie erstaunt, wie schnell die fertig war – viel schneller als die Tütenvariante und vorallem, warum die so sahnig war (ohne Sahne oder Frischkäse). Es geht, wenn man will, aber man muss wollen…

Es gibt Convenienceprodukte, die wir relativ ruhigen Gewissens kaufen können. Dafür braucht es nur eine einzige Handbewegung mehr beim Einkaufen: Verpackung umdrehen und Zutatenliste studieren. Wenn Ihr die Zutaten weder kennt, noch aussprechen könnt, lasst das Zeug im Regal. Alles was auf -ose endet hat sich nur einen Künstlernamen zugleget – das Zeug heißt allgemein bekannt einfach nur Zucker! Und je mehr Künstlernamen Ihr entdeckt, desto mehr Kunst wird das Kunstwerk wohl auch für Euch bereithalten.

8 Gedanken zu “Convenience: Was ist das und wieso kommen wir irgendwie nicht drumrum?

  1. Hi,
    also ich kann das was du schreibst nur bestätigen. Ich gehörte auch zu diesen Konsumopfern die sich vorwiegend nur von Tütenkram ernährt haben. Hatte immer ganz schlimme Magenbeschwerden in Form von Krämpfen etc. Konnte kaum noch irgendwo hin ohne Angst zu bekommen das ich wieder Krämpfe kriege. War beim Arzt und der konnte mir auch nicht helfen. Alle möglichen Tests gemacht, es bestand sogar der Verdacht auf Laktoseintoleranz bei mir- Test war jedoch negativ. Magenspiegelung auch ohne Ergebnis.
    Dann vor ca nem halben Jahr habe ich meine Ernährung umgestellt, sprich so gut wie keine Fertigprodukte, und wenn – solche die okay sind, nur frische und gesunde Sachen. Und siehe da, seitdem habe ich nicht einmal mehr Magenkrämpfe etc. gehabt. Was doch so eine einfache Umstellung alles bewirkt;)

    LG

    • das freut mich, dass es bei dir so „einfach“ ging.. habe auch schon seit jahren probleme; teils stundenlang mitten in der nacht in der notaufnahme gesessen wegen unerträglicher krämpfe und gefunden wurde nie was…

  2. Danke für diesen Beitrag. Du gibst dir immer sehr viel Mühe mit deinen Blogbeiträgen, das merkt man einfach.
    Ich finde es auch toll, dass du versuchst hast für deinen Bruder zu kochen, schade, dass er schon nichts mehr mit dem echten, unverfälschten Geschmack von frischen Lebensmitteln anfangen kann….

    • ja das finde ich auch schade..

      ich finde, man sollte auch ein wenig hintergrundwissen haben – jeder kann selbst entscheiden, was er isst, aber er oder sie sollte auch wissen, was er einem körper zuführt.. ich hoffe daher, dass euch solche themen interessieren.

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