Ankunft in Hangzhou

Am liebsten würde ich anfangen mit: Mir geht es grad irgendwie ziemlich schlecht. Aber das wäre Schwarzmalerei.

Es gibt nun einmal solche Tage.

Wir standen früh auf und natürlich rief keiner von der Taxifirma an. Gegen acht gingen wir also mit zwei Leute aus dem Hostel an die Straße und versuchten ein Taxi zu bekommen. A fuhr mit dem ersten, das war schnell bekommen. Bobby und ich warteten auf das zweite – in die kleinen Taxen passen unsere Koffer schwer rein. Nach etwa 10 Minuten und einem direkt dreist vor der Nase weggeschnapptem Taxi hielt auch eines für uns.

Ich hatte schon das Gefühl, dass der Fahrer recht zügig unterwegs war. Am Flughafen angekommen filmte ein Polizist sofort das Kennzeichen und nahm uns zur Seite: Von wo fuhren wir los; Sagten wir ihm er solle schnell fahren; haben wir Quittungen bekommen?

Wir suchten A und hatten nun doch noch einiges an Zeit. Wir frühstückten – der Bagel war übrigens sehr gut – und begaben uns dann zum Wartebereich. Ich beobachtete wie unser Flugzeug fertig gemacht wurde, Bobby schlief, A war die Attraktion im Raucherbereich.

Als der Flug aufgerufen wurde ging es los. Ich hatte die Tabletten nicht wiedergefunden und konnte sie also nicht nehmen. Ich dachte eigentlich auch sie hätten nicht so wirklich gewirkt und nicht weiter danach gesucht – wird schon gehen. Als ich aufstand fing das Zittern an, in der Schlange stiegen die Tränen hoch, im Flieger liefen sie dann. Zwei Touristinnen schauten mich beim Einsteigen mit diesem „Was’sen mit der?“-Blick an und auch die Stewardess guckte beim Betreten des Flugzeuges schon die ganze Zeit auf mich. Der Magen schnürte sich zu und die Tränen liefen, „Einatmen, Ausatmen, Einatmen, Ausatmen…“ – müssen die Tabletten wohl doch gewirkt haben.. Die Tatsache, dass wir auf Grund des einsetzenden Schnees eine Stunde auf Starterlaubnis warten mussten, machte die Sache nicht besser.

Gegen 14:30 Uhr erreichten wir dann Hangzhou – Ernüchterung: Auch Hangzhou ist in eine dicke weiße Wolke gehüllt. Dafür kamen wir von aktuell in Peking 1 Grad und Schnee in wohlige 19 Grad und Sonne. Alle anderen waren teils schon früh angereist, teils später; wir waren jedoch die letzten und sie mussten auf uns warten. Mit dem Bus ging es dann direkt Richtung Studentenwohnheim.

Wer will ein Einzelzimmer, wer ein Doppelzimmer? Die Schlüssel wurden ausgeteilt und jeder brachte erst einmal seine Sachen hoch. Das Zimmer sieht auf den ersten Blick aus wie ein Hotelzimmer. Das Bad wieder Nasszelle. Bis auf einen haben wir alle eine Toilettenschüssel. Leider ist es komplett versifft und verschimmelt. Da muss ich morgen erst einmal putzen.

Wir trafen uns um außerhalb des Wohnheims in einer kleinen auf dem Campus gelegenen Einkaufsstraße SIM-Karten für die Handy zu besorgen. Die Angelegenheit war schwerer als gedacht – etwa 3 Stunden verbrachten wir davor wartend. Unsere Betreuerin brachte uns das Essen dorthin – chinesisches Fastfood: Reis, Garnelen, Fleisch in undefinierbarem Zustand, etwas Gemüse und scharfe Kartoffeln.

Ich hatte vor dem Losgehen die Klimaanlage angestellt, da es ar***kalt war im Zimmer. Bobby hat das Zimmer eine Tür vor mir. Sein „Boah, Sauna!“ machte mir Hoffnungen. Ich hatte jedoch den Eisschrank erwischt. Meine Klimaanlage blickte nur, die chinesischen Schriftzeichen auf der Fernbedienung sagten mir gar nichts und die Leute unten in der Lobby sprechen kein Wort Englisch – schon toll in so einem Guest House.

Naja, ich sprach mit Bobby ab die Nacht mit in seinem Zimmer zu verbringen, morgen solle jemand für die Klimaanlage kommen.

Ich ging rüber und wollte auspacken – kein Kleiderschrank da. Irgendwie sahen die Zimmer der anderen voller aus – die haben einen.

Gut, sage ich morgen. Dann eben den Computer an und die Erlebnisse des Tages aufschreiben – kein Internetkabel da (jedes Zimmer sollte eines haben). Bobby hat seines von Zuhause mitgebracht und gab mir seins – wenn ich davon mal keine Schläge bekommen. Ich steckte das Ladegerät des Computers in die Steckdose und erhielt einen Funkenschlag.

Es wurde immer besser. Das Wohnheim ist extrem hellhörig

Nun sitze ich hier im Kalten, schreibe den Artikel und hoffe auf einen besser laufenden ersten Tag in der Uni. Alle anderen richten sich häuslich ein, haben ein warmes Zimmer und können es sich gemütlich machen – genau das würde ich jetzt auch wollen.

Als letzte Handlung wollte ich dann wenigstens die hart erstandene SIM-Karte ins Handy legen. Wunder, oh Wunder – die SIM-Karte funktioniert mit meinem Handy nicht – vielen Dank an dieser Stelle an vodafone für die tolle Erfindung „Netlock“. Jetzt muss ich mir hier auch noch ein neues Handy kaufen.

Aber ich bin ja ein bisschen zuversichtlich. Da wir nicht dachten, dass wir bis es dunkel ist vor dem Handyladen warten müssten, gibt es heute nicht allzu viele Bilder – auf Erkundungstouren hatten wir keine Lust mehr.

14 Gedanken zu “Ankunft in Hangzhou

  1. Dann hoffe ich mal und drücke dir die Daumen, dass es dir bald besser geht und du dich gut einlebst! Ich bin ja nicht so der weit-weg-reise-typ, ich bin irgendwie gern zu haus^^ und bin da vllt auch etwas zu ängstlich zu, dewegen bewundere ich jeden, der so einen schritt macht – und dann auch noch nach china! Also wirklich großen Respekt, das werde ich mich bestimmt niemals trauen :p

    Lg Christin
    von Glasschuh.com
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