Westlake und „chinese Style“

Schon doof, wenn draußen das tollste Wetter ist und man nichts anderes machen kann, als im Bett zu bleiben.

Ich hatte mir in der Apotheke Tabletten besorgt und sie tun gar nichts.. Ich habe einen wunderbar festsitzenden Husten.

Freitags haben wir ja zwei Blöcke Speaking Chinese – Chinesisch besitzt Töne, jeder Betonung ein anderes Wort. Heiser und mit Husten alles andere als einfach.  Unser Dozent lobt uns in einer Tour, wir seien so gut..

Wir trafen uns mit Leo zum Mittag und erzählten ihm, was wir gelernt hatten, dass er uns immer lobt und dass uns auf der Straße doch kein Mensch versteht. Er übte mit uns sprechen und auch er verstand gar nicht, was wir sagten. „Was soll das heißen?“ – „Na, das und das und das…“ – Leo sprach es noch einmal richtig aus; klang für uns gleich und deprimierte uns damit. Zum Wiederaufbau holten wir uns ein Eis.

Nach dem freitäglichen Nickerchen schaute ich mal im Internet nach meiner Hausaufgabe. Alle anderen schienen schon begonnen zu haben, nur ich wieder nicht. Am Dienstag hat in Peking der Nationale Volkskongress seine jährliche Zusammenkunft aufgenommen um über die politischen Ziele Chinas für 2013 zu entscheiden. Ein Thema davon sollen wir auswählen und einen kleinen Report von etwa 1.000 Wörtern schreiben (kritisch).. schreib mal in einem zensierten Land mit absolut subjektiv geführtem Unterricht kritisch über die politischen Wege Chinas.. Ich habe mir dann die Aufstockung der Rüstungsausgaben in Hinblick auf die angespannte Lage mit Japan ausgesucht. Da wird wohl die Fettnäpfchenfalle nicht allzu groß sein.

Ich ging mit A am Abend noch schnell einen Happen essen und Schnaps kaufen. Leo sagte, „Whitewine“ sei besser als Vodka und so holten wir eine Flasche: 45%iger Alkohol, 500ml für 0,70 Euro.. wir können den auch mit Sprite mischen😉

An der Ecke gibt es eine Art Fladenbrot-Omlett, dass ich ausprobieren wollte. Fragen welches davon nicht scharf ist geht ja nun schwer. Auf gut Glück wählte ich aus und „Treffer!“, nicht scharf und lecker.

Wieder im Wohnheim probierten wir den Schnaps. Riecht süßlich, schmeckt auch so, brennt etwas und wärmt sofort. Man kann ihn zum Mixen nutzen, doch er hat einen recht starken Eigengeschmack. Gewöhnungssache – ich ziehe Vodka vor.

Die anderen machten sich fertig zum Ausgehen, wir Kranken verabschiedeten sie und zogen uns in unsere Betten zurück. Mr. Moody und ich genehmigten uns noch eine Stunde der Zweisamkeit. In Peking haben wir damit begonnen abends immer Californication zu gucken und auch hier gibt es fast jeden Abend noch eine Einschlaffolge.

Nach der dritten schlaflosen und durchhusteten Nacht beschloss ich dann Samstag das komische chinesische Zeug gegen das gute deutsche zu tauschen.

Kurzer Bericht von den anderen und Wäsche wegbringen, denn zu 12 waren wir wieder mit Leo verabredet – endlich mal zum Westlake und das bei strahlendem Sonnenschein und nahezu 30 Grad!

Leo gleich als erstes: „Habt Ihr gesehen, aus Haus 25 wurde einer abgeführt!“ – Ich so „Ja, hab ich gesehen, den hat die Polizei mirgenommen.“ – nun müssen wir nur noch rausbekommen was der Schlingel angestellt hat; passiert sonst ja nicht viel hier draußen.

Wie immer mit dem Taxi zur U-Bahn – diesmal großes Taxi – und mit der Bahn zum Westlake. Wir stiegen an einer Station voller Baustellen aus. Eigentlich ist ganz Hangzhou eine einzige Baustelle. Absicherung gibt es nicht und Gerüste sind traditionell aus Bambus. Die Straße war voller Baustaub. „2 Minuten bis zum See“ – chinesische Minuten! Das sind so gut 30 – 40 deutsche Minuten. Wir liefen und liefen und liefen und die Kehlen wurden immer trockener. Irgendwann kamen wir dann doch an und konnten am Downtownende spazieren gehen, bevor wir mit dem Boot auf eine kleine Insel fuhren. Leider zog sich der Himmel wieder mit Wolken und Smog zu; warm blieb es jedoch. Am Westlake blüht bereits alles und der See ist wunderschön angelegt – ein kleines Paradies (also ohne Touristen). Grade am Wochenende ist das Gelände voller Touristen. Da die zu faul sind zum laufen (ok, das Gelände ist auch riesig), fahren kleine Bimmelbahnen am Ufer von Downtown.. so nervig die Teile! Wunderschöne mechanische Musik in Tonlagen die jedem Hund die Tränen in die Augen treiben würden als Hupe und entweder man geht von alleine zur Seite oder wird umgekarrt, da kennen die nix.

Was sich die Männer in Deutschland auch mal annehmen sollten: Hier tragen die Herren die Handtaschen ihrer Damen – immer!

Es gibt unzählige Wege und Brücken die durch das Wasser führen – unter anderem auch einer aus einzelnen Steinen. Da wurde uns schon etwas mulmig.. wer noch Takeshis’s Castle kennt, weiß warum.

Zurück wollten wir in Xiasha („Schascha“) noch in ein chinesisches Restaurant gehen. In der U-Bahnstation warteten wir und die Bahn fuhr ein. Ein Jubel ging durch die wartende Menge, denn die Bahn war leer. Komplett leer. Kaum gingen die Türen auf stürmten alle hinein um sich einen Platz zu sichern (es waren ja genug da) und alle freuten sich. Selten gesehen, dass eine leere U-Bahn soviel Spaß und Freude bereiten konnte.

Im Restaurant der erste Schock: (wir wissen es ja eigentlich) Essensreste auf dem Boden, das Geschirr in Folie verschweißt; In der Küche via Bildern das Essen aussuchen. Riesen Aquarien deuteten schon darauf hin, dass es hier eher fischig zugeht und so ist ja auch die typische regionale Küche – fischlastig.

Leo half uns beim Aussuchen und ich sagte ihm, ich bräuchte etwas ohne Fisch, da ich den nicht essen könne. Er bot mir Hühnchen an – Hühnerkrallen! Danke.. was anderes. Jeder bestellte etwas und nach und nach wurde alles an den großen Tisch gebracht. Wer was bestellt hat war eigentlich egal, denn jeder isst von jedem. Es gab fritiertes Vanilleeis (toll!!), Glasnudeln mit irgendwas rotem, Hotpot, Nudelsuppe, Schafsfleisch, Rinderfleisch, was extrem scharfes mit Schwein und das Highlight: Frosch und Hühnerfüße. Den Frosch wollte ich probieren, hab es aber wieder sein lassen, als ich nicht abbeißen konnte – die Konsistenz ging gar nicht – schmeckt aber wohl wie Hühnchen. Die Hühnerbeine hatten Leo und Bobby ganz für sich alleine – da gingen wir Mädels nicht ran.

Der Samstagabend gehörte wieder mir und meinem Bett.

Sonntag war ein großer Tag für Bobby.. A und ich fuhren erst ein wenig nach Gaosha („Gauscha“) – Schuhe für A, Schal und Handtasche für mich. Wieder zurück holten wir den Bobby aus seinem Zimmer ab, trafen uns mit Leo und ab ging es zum Friseur.

Der Mopp musste weg und Bobby wurde zum Star des Nachmittags. Friseure sind hier in der Regel männlich – ein kleiner Salon voller Männer (die aussehen wie Jungs); davon gibt es unzählige auf dem Campus. Leo empfahl uns einen und anhand mitgebrachter Fotos versuchten er und Bobby dem Friseur klarzumachen, wie es werden soll. Eigentlich nur an den Seiten etwas kürzer und oben die Längen etwas stutzen. Es war ein Krampf… Bobbys Mimik sprach Bände und immerwieder von mir oder A Richtung Leo: Das muss da aber noch etwas kürzer.

Sie schnitten und schnitten und rasierten und schnitten und irgendwie.. also irgendwie.. das wurde nix. Dann Friseurwechsel. Zwischenzeitlich standen sie alle um ihn herum und schauten zu. Der sportliche mit den kurzen Haaren ist bei den Ausländern wohl sehr beliebt, da er ihre Wünsche am ehesten hinbekommt. Bobbys polnisches Pferdehaar ist nunmal nicht mit dem asiatischen zu vergleichen. Er rettete das ganze ein wenig, aber zu viel an der Seite abrasiert ist und bleibt nunmal zuviel abrasiert.. Bisschen Wachs in die Haare und dann wurde es ja doch noch ganz ansehnlich. In zwei Wochen ist das wieder so nachgewachsen, dass es etwas näher an Bobbys Wunschfrisur ranreicht. Was verlangt er auch James Dean wo Bruce Lee regiert?

Sie haben halt eher den chinesischen Stil drauf und nicht den westlichen. Leo hat in amerikanischen Filmen gesehen wie es sein sollte und so gut er konnte versucht zu erklären, aber wir sind in China, also ruhig chinese Style statt western.

A und ich blätterten das Frisurenbüchlein dort durch und nachdem wir gesehen haben, wie das bei Bobby ablief und wie die Frisuren der Mädels hier aussehen, hatte sich der Plan eventuell auch mal hier zum Friseur zu gehen erledigt… wir können nicht einfach mal die Mütze aufsetzen, wie er.

Aber süß waren sie ja irgendwie..

Abendessen gab es wieder bei unserem Lieblingskoch: Reis, Ei und Salat gebraten. Auch er muss beim Friseur gewesen sein, denn einen Tag vorher waren seine Haare noch länger…

Das Abendprogramm am Sonntag ganz strebsam für uns alle: Lernen.. Montag schreiben wir ein Diktat in Chinesisch😉 Wie damals mit 7 in der Grundschule. Yi – Eins; Wu – Fünf; Ba – Acht; hao – gut; ni – du; dà – groß; bù – nein; kou – Mund; bai – weiß; nü – weiblich; ma – Pferd… natürlich in Schriftzeichen, so wäre das ja zu einfach. Natürlich kann ich auch schon mehr Chinesisch, aber sprechen oder in Lautschrift. Hànzi schreiben ist wie Kunstunterricht.. und schön den Regeln folgen. Wir werden sehen was das wird morgen, ich habe ja noch den Vormittag zum üben.

Damit wäre das zweite Wochenende auch durch und die Pläne für das nächste stehen auch schon… Kultur steht auf dem Programm.

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