Hallo, mein Name ist Lè Méi!

Ach diese Montage.. kommen irgendwie immer so plötzlich und überraschend.

Genauso wie die Putzteufel. Bei mir ist sie gar nicht erst ins Zimmer gekommen, weil ich noch geschlafen habe – Bobby hat sie aus dem Bett geschmissen – hihihi…

Der Montag war komisch.. Um ausgefallenen Unterricht aufzuholen haben wir etwas früher mit Chinesisch begonnen und etwas später aufgehört. So richtig wollte keiner mitmachen. Gesprächig waren die Leute auch nicht; der Wurm war drin.

Die Jungs waren am Wochenende in Shanghai und erzählten kurz, aber auch nur kurz. Vielleicht hing es ihnen noch in den Knochen, man weiß es nicht.

Die Mädels machten einen ebenso lustlosen Eindruck.. A kränkelt und hat sich wahrscheinlich jetzt auch eine Erkältung zugezogen. Die Woche versprach interessant zu werden..

Es passierte nur ein wirklich erwähnenswertes Ereignisschen an diesem Tag: Wir bekamen unsere chinesischen Namen. Meiner ist „Lè Méi“ – Bedeutung: Das Lè hat etwas mit Freude und Lachen zu tun und das Méi steht für die chinesische Essigpflaume bzw. japanische Aprikose. Sie blüht in der kältesten Jahreszeit und ist das Symbol für Kraft und Widerstand gegen widrige Bedingungen. Und außerdem ist méi das Wort für schön😉

Ich habe mal die Laundry ausprobiert. Meine Stoffhose kam extrem zerknittert aus der Wäsche und die gute Frau dort soll sie wohl günstig bügeln. 5 Yuan für eine Hose ist allerdings nichts wirklich preiswert hier. Ich wartete etwa eine halbe Stunde bei ihr, weil wir uns nicht verständigen konnten, wann ich wiederkommen solle bzw. konnte ich ihr nicht klarmachen, dass ich eigentlich gar nicht warten will. Ich bekam die Hose klitschnass wieder. Ihr uraltes Dampfbügeleisen dampft das Wasser in seiner Urform auf die Hose – nun gut, hänge ich sie halt wieder auf. Dafür ist sie aber zumindest glatter als vorher.

Der Dienstag Nachmittag ist ohnehin mit 3 Stunden chinesischem Recht schon hart und vermiest einem die Laune am frühen Morgen. Wenn es dann aber auch noch so extrem diesig ist und regnet und im Laufe des Tages immer kälter wird, fällt es schwer nicht genervt zu sein. Wir lenkten uns ab und buchten den Flug nach Xi’An für Anfang April – Bobby und ich werden schon am Donnerstag hinfliegen und die anderen Jungs (unser kleines Krüppelfüßchen und der kultige DJ) kommen nach zwei Tagen Peking dann am Freitag Abend nach; gemeinsam fliegen wir dann Sonntag wieder in der Nacht zurück. Für dieses Wochenende steht anlässlich Bobbys Geburtstag (hahaha, 28 der alte Sack😉 ) Shanghai auf dem Plan – Freitag bis Sonntag. Unser blondes Köpfchen war mit den anderen BWL-Jungs bereits dieses Wochenende da und bucht für uns alle das gleiche Hotel. Leo wird ebenfalls in Shanghai sein um seine Abschlussprüfung hinter sich zu bringen; wenn er es einrichten kann wird er sich zu uns gesellen. Ferner müssen wir entscheiden, wo unser zweiter Wandertag von der Uni aus hingehen soll – die Meinungen teilen sich da. Angepeilt ist der 19. April; Samstag und Sonntag opfern will keiner von uns. Teeplantage; Berg; Tempel; doch etwas anderes..? 17 Leute, 17 Meinungen..

Mittwoch war zwar nur ein halber Tag, aber das schlechte Wetter und der ewige und immer dichter werdende Smog verderben uns so die Laune.. Die ganze Woche sind fast alle schon irgendwie komisch und nicht so recht gut drauf [was sich auch den Rest der Woche nicht mehr ändern sollte]. Dafür haben wir die Unterlagen für die Visaänderung von der Uni bekommen. Auch wenn das für die letzten Gruppen immer komplett erledigt wurde; so können wir nun wenigstens zur Polizei gehen und uns ein Multi-Visum besorgen; sonst kommen wir nach der HongKong-Reise nicht mehr ins Land. Das war aber an dem Tag auch das einzige Highlight. Was macht man also wenn man mies gelaunt ist und erst um eins am nächsten Tag in die Uni muss? Richtig – husch husch ins Coco. Und wieder die gleichen Gesichter – haben die alle nichts zu tun? Gut für uns, wieder ein kostenfreier Abend. Anfangs wollten wir aber sofort wieder gehen. Es lief schnulzige Live-Musik eines chinesischen Sängers. Glücklicherweise hörte der nach ein paar Minuten auf und die DJs legten los. Bis drei blieben wir und fanden unsere Zeit zum Gehen, als hinter uns eine Schlägerei anfing und uns das Blut in den Nacken spritzte. Da kenn’se nix, die Chinesen! Taxifahrt war wieder super – bis Gaosha kam er ohne Probleme und dann war vorbei. Ich habe zwar mittlerweile einen Auszug der Straßenkarte in der Gegend, aber das half nicht wirklich. Auf der Suche nach dem richtigen Weg lernte der Fahrer dann Worte wie „Ja“; „Bitte“ und „Yeah“ wiederholte er auch des öfteren – der hatte seinen Spaß mit uns. Der nächste Satz den wir nach „Wo ist die Toilette“ dringenst auf chinesisch lernen müssen wäre: „Mach mal Fenster zu!“. Die Taxifahrer haben grundsätzlich die Fenster offen und bei gefühlten -1866° ist das schon recht unangenehm. Beim Heimkommen waren wir doch etwas lauter als geplant – gab ja auch mehr Alkohol als geplant und wir blieben auch länger. Fanden die Daheimgebliebenen nicht so lustig. Bobby war der erste, der aus seinem Zimmer mit verschlafenem Blick in den Flur brüllte.

Donnerstag Mittag aus dem Bett gequält fiel die Nachholstunde Chinesisch doch irgendwie schwerer als sonst. Eigentlich sollte der Donnerstag frei sein und die Vorlesung in Chinese Culture ausfallen, aber die gute Chinesischlehrerin musste noch eine Stunde nachholen und griff sich den Termin gleich mal.

Das Essen macht mit immer mehr Probleme. Es geht nur noch widerwillig rein, wenn ich mich denn überhaupt dazu durchringen kann es zu essen. Aber so gewöhne ich mir vielleicht an nicht immer alles aufzuessen – es bleibt jedenfalls hier immer was über in letzter Zeit.

Das Hotel für Shanghai haben wir gebucht und nun muss nur noch die Tasche gepackt werden, dann geht es Freitag nach dem Unterricht gleich los Richtung Küste.

Den Donnerstagabend ließen wir mit Canadian-D und zwei seiner Kollegen in der wahrscheinlich einzigen Bar in Xiasha ausklingen. Wir trafen ihn beim Sushi-Essen; er unterrichtet Englisch an einer Grundschule. Seine beiden Kollegen, ein sehr nettes englisches Pärchen, erklärte uns dann auch mal, wie das Würfelspiel funktioniert – jeder Club, jede Bar, überall wo es Alkohol gibt gibt es auch die Würfelbecher. Ist eigenlich wie unser Schummelmäxchen. Wer verliert muss trinken. Natürlich waren wir bei Cola und dem chinesischen Pullerbier und tranken auch nicht, wir spielten nur.

Wir hatten ja Freitag wieder mit dem Liebling Chinesisch und konnten kaum erwarten, dass er fertig wurde. Schnell zurück ins Wohnheim, Mittag essen, Taschen holen und um 13:30 Uhr bitte alle abfahrbereit! 10 Mann, 3 Taxis – bitte zur U-Bahn. Mit der U-Bahn bitte zum Bahnhof. Mit dem Expresszug bitte nach Shanghai. Bahntickets gibt es nur mit Pass – die Passnummer ist auch darauf vermerkt. Der Zug fuhr nur etwa 45 Minuten; Shanghai ist ca. 150 km von uns entfernt – also Spitze teils 300 km/h. Vergleichen kann man ihn mit unseren ICEs, nur dass diese elendig langen und vollen Züge alle 18 Minuten fahren – und immer lang und voll. In Shanghai wieder U-Bahn. Tickets kaufen ist nicht so einfach. Die Automaten wechselten in „Out of Service“ immer, wenn wir dran waren. So langsam habe ich das Gefühl steckt da ein System dahinter. Nach einer Stunde hatten wir aber auch unsere U-Bahntickets und schafften es nach 5 Stunden endlich im Hotel anzukommen. Neben der Lobby gab es ein Restaurant, sehr verraucht, aber lecker. Wir bestellten und bestellten und der Tisch wurde immer voller. Eigentlich hatten wir viel zu viel, aber das hielt uns nicht davon ab auch alles aufzuessen. Mit Kugelbäuchen machten wir uns dann ausgehfein – Bobbys Geburtstag wollte ja zelebriert werden. Kurz noch in den 17. Stock zum DJ ins Zimmer: Geschenkeübergabe und Anstoßen. Da es recht spät wurde eh wir loskamen beschlossen wir gleich in den Club zu fahren – Muse Two (M2). Wir waren dort mit einem Chinesen verabredet den wir Mittwoch im Coco kennengelernt haben. Das M2 ist ein sehr großer Club, nicht so laut wie das Coco, aber war nicht für jeden. Die ersten drei Lieder waren Charts und dann wurde es härter, mit jeder Stunde ein bisschen mehr – ich fands gut. Unser neuerlentes Wissen über das Würfelspiel fand sofort Anwendung; wieder ohne den Verliererschluck, wir wollen doch nur Spielen.

Fazit zum M2: Groß, keine Tanzfläche (keine brauchbare), wie ganz Shanghai voller Ausländer; Chinesen kennenlernen ist kaum möglich; viel zu teuer – ich habe für ein Wasser für A von etwa 100ml 42 Yuan bezahlt [Fiji-Wasser] – keine Ahnung was dann da die Cocktails gekostet haben, wir haben sie auch dort wieder nicht bezahlt. Auffällig: die Chinesinnen sahen unglaublich nuttig aus. Das muss jetzt leider so gesagt werden. Unsere Jungs fanden es gut, logisch, aber wir Mädels haben uns die ganze Zeit nur darüber beeiern können, wie die Damen da aussahen. Zudem waren die gegen zwei so betrunken, dass sie weder gehen, noch stehen, sich artikulieren oder überhaupt nur gucken konnten. Rechts und links von einem gab es nur einen einzigen Ruf auf der Damentoilette: „Uuuulf!!“ – und auch am Waschbecken riefen sie nach Ulf. Der Ulf war natürlich für alle da und zeigte sich auch im Club, an der Garderobe und vor dem Club. Den bräuchte ich jetzt kein zweites Mal.

Samstag trafen wir uns zum Mittag und wollten etwas von der Stadt sehen. Leider regnete es das ganze Wochenende und war komplett zugezogen – selbst die Hochhäuser 500m weiter konnten wir vom Balkon kaum mehr erkennen. Wir fuhren zum „Yada-Silk-Market“ – ein weiterer Fakemarkt und erleichterten die Verkäufer um einige Waren – sie uns auch um unser Geld. Ich hatte extra kaum Handtaschen mitgenommen, um sie hier kaufen zu können. Ich kaufte also eine große Umhängetasche, da meine kleine schwarze kaputt gegangen ist; darin enthalten war noch eine kleine braune und eine schwarze neue kleine zum Ausgehen war auch noch drin – Tod’s und Michael Kors [😉 ] für etwa 40 Euro. Danach ging es noch ab zum Forever21-Haus – ja 4 Etagen, ein einziges Haus nur Forever21. Leider nur eine Stunde Zeit und keine Vom-Hocker-Reißer gefunden. Da es weiter regnete, meine Füße wehtaten und es mittlerweile auch spät war, fuhr ich mit zwei Jungs nach Hause – die anderen wollten sich noch die Skyline ansehen – leider durch das Wetter nicht so gut zu erkennen gewesen.

Der Plan für den Abend: in die Bar, in die wir eigentlich am Freitag schon wollten – die war auch voll toll; das hätte man sich sparen können und danach ins Hollywood. Unsere zwei anderen Mädels mögen Electro nicht so sehr und das Hollywood sollte wohl auch andere Musik spielen. Gleich am Eingang schon die Ernüchterung: klingt sehr elektronisch. Nächster Schock drinnen: Leo wird wohl der einzige Chinese sein. Er war am Wochenende zufällig selbst in Shanghai und hat uns begleitet. Chinesen suchte man dort vergebens und den den unsere Süße gefunden hat, der kam auch noch aus München. Ich wusste gar nicht, dass man so viele BWL-Studenten-Stereotypen auf einen Haufen packen kann in China. Zumindest sahen die alle so aus wie der typische BWLer; dazu ziemlich arrogant und die Grüppchen nur mit sich beschäftigt. Auch hier keinerlei Tanzfläche, ein Hin und Her als wäre man auf dem Bahnhof und die Krönung des Abends ein absoluter Vollpfosten – der DJ. Selten so einen schlechten DJ gehört. Keiner von uns feierte dort wirklich und so gingen wir dann auch relativ schnell wieder und fuhren ins Hotel.

Fazit Hollywood: Auch wenn du wirklich hübsche Männer zu bieten hattest, wir sehen uns nicht wieder. Das Gefühl in China zu sein geht durch das Publikum vollkommen verloren – da hätte ich auch bei mir zum Dorffest gehen können.

Sonntag wurden wir von lärmenden Chinesen im Flur geweckt. Sie waren alle schick angezogen und plagten sich offenbar mit dem weltbekannten Problem Nr.1 herum: die Frauen werden nicht fertig. Sie warteten vor der Tür gegenüber und machten Witze und lachten und so weiter; gut uns schön, die hatten Spaß, wir wollten schlafen. Was will’ste machen? Wir mussten ja eh aufstehen und auschecken. Zum MIttag trennte sich die Gruppe dann und so fuhren wir in kleineren Gruppen nach Hause – wird wahrscheinlich auch einfacher gewesen sein, als wieder mit der großen Truppe zu reisen. 12:30 Uhr los in der Hotellobby; 18:30 Uhr wieder im Wohnheim… puh! Schnell mal nach Shanghai ist eher nicht drin – weil wir am AdW wohnen!

Fazit Shanghai: Leider nicht viel gesehen; wir müssen bei gutem Wetter unbedingt noch einmal dorthin und geplant ist es auch. Auffällig in Shanghai sind die vielen Europäer; grade Deutsche. Wir haben dort so viele gehört und gesehen; es sollen etwa 30.000 permanent dort wohnen + temporär Anwesende wie wir und dann noch auf Stadtteile begrenzt – kein Wunder, dass es so viele waren. Die Menschenmassen waren jedoch genauso wie überall; ob die Stadt nun 8 oder 80 Millionen Einwohner hat macht hier keinerlei Unterschied.

Das Hotel war vollkommen in Ordnung – man durfte zwar nicht genau hinsehen, aber für 25 Euro das Wochenende, ein richtiges Bad und (!!Achtung!!) ein weiches Bett durchaus empfehlenswert!

Wieder Zuhause gab es erst einmal ein verdientes Abendessen: Dumplings, Knoblauchbrot, Obst, Yoghurt und Schokolade. Danach eine ordentliche Dusche und Einkuscheln ins eigene Bett mit eigener Bettdecke – denn auf dem Doppelbett mussten A und ich uns leider die Decke teilen.

Für Montag müssen noch ein paar Zeichen und Vokabeln gelernt werden, aber das geht vielleicht auch 30 Minuten vor dem Diktat noch😉

2 Gedanken zu “Hallo, mein Name ist Lè Méi!

  1. Also auf dem 3. Foto, wo du mit den 3 Mädels am Tisch sitzt, da siehst du im Gesicht sehr dünn aus. Hast bestimmt durch das „nicht so gute“ Essen ganz schön abgenommen oder?

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