Sprachverlust?

Ich habe mich immer gefragt wie es passieren kann, dass Menschen die im Ausland wohnen nach einer Weile ihre eigene Muttersprache verlernen können. Konnte ich nie nachvollziehen.

So langsam bekomme ich aber einen Eindruck davon, wie das sein könnte.

Wir sprechen in der Uni mit den Dozenten Englisch, wir sprechen mit den anderen Internationals Englisch, wir sprechen mit den Leuten in Geschäften, auf der Straße, … Englisch.

Dazu lernen wir Chinesisch und versuchen mit den Chinesen auch ab und zu Chinesisch zu sprechen. Nur wir untereinander reden Deutsch und auch nur, wenn wir alleine sind.

Wenn wir ausgehen und zum Beispiel Leo dabei ist oder Canadian-D oder irgendein anderer der nicht Deutsch kann, sprechen wir auch untereinander Englisch. Es wäre einfach absolut unhöflich sich auf Deutsch zu unterhalten.

Das Resultat nach einem Monat Leben in Englisch: „Boah, wie hieß das nochmal?“

Es gibt Begriffe, die wir grundsätzlich nur noch auf Englisch sagen oder auf Chinesisch. Chinesisch lernen wir ohnehin auf Englisch. Das heißt, wir lernen die Chinesischen Begriffe und ihre englische Bedeutung und müssten uns das dann ins Deutsche übersetzen. Das macht viel zu viel Arbeit. Wir belassen es also dabei und so ist beispielsweise das Wohnheim nunmal kein Wohnheim sondern das „dormitory“.

Auch der Satzbau lässt manchmal ein wenig zu wünschen übrig. Dann fließt der Satz einfach so und am Ende denkt man sich nur: Was hast du denn da jetzt zusammengequasselt?

Ich bin generell für solche Sprachensachen anfällig. Ich träume mittlerweile auf Englisch und auch wenn ich überlege was ich sagen will passiert es, dass ich eine englische Phrase im Kopf habe und nicht die deutsche.

Leider ist das Englisch noch nicht so gut, dass ich lückenlos sprechen kann. Es geht zwar aber hin und wieder fehlen einem dann doch die Worte. Leider dann auch oft in der eigenen Sprache. Andere fragen wie das Wort denn auf Englisch heißt wird dann schwierig, weil es einem im Eifer des Gefechts noch nicht einmal mehr auf Deutsch einfällt.

Aber es geht nicht nur mir so. Ich bemerke es auch bei anderen. Grade bei den Deutschen die wir hier kennengelernt haben, die schon eine Weile länger da sind als wir. Da steht in einer SMS dann einfach mal ein fremdsprachiges Wort (Eng. oder Chin.) drin oder gleich ein ganzer Satz. Aber das ist auch gar nicht schlimm, weil es jeder versteht.

Manchmal ärgert mich das ein wenig, aber um es mit den Worten meines Dozenten auszudrücken:

„Sehen Sie das als einen Teil Ihrer Chinaerfahrung. Das gehört dazu!“

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7 Gedanken zu “Sprachverlust?

  1. Liebe Romy, nachdem ich aus Frankreich zurückgekommen bin, habe ich direkt angefangen Spanisch zu lernen. Geträumt habe ich noch auf Französisch, an der Uni Hochdeutsch gesprochen, täglich zwei Stunden lang spanische Vokabeln gelernt, und bei meinem ersten Test dann alles durcheinandergeschmissen….. Bei mir kam da noch das „Platt“ dazu, das zu Hause am Küchentisch gesprochen wurde. Es war sehr verwirrend, für mich, und auch für die, die mir zugehört haben. Aber irgendwann hat es sich gelegt, und jetzt ist es eher so, dass mir sehr selten mal Worte dazwischenrutschen, die eine Situation einfach treffender beschreiben, als die, die mir im Deutschen zur Verfügung stehen.
    Wird schon! Ich schicke Dir einen virtuellen Ostergruß und bleibe weiterhin gespannt wartend auf Deine Berichte!
    Liebe Grüße,
    Catou

  2. Grade darauf hätte ich abgezielt, wenn ich doch nach China gegangen wäre. Das wäre das gewesen, worauf ich gewartet hätte! Umso mehr Englisch, umso besser. Umso mehr Chinesisch, noch besser! Da ist mir das Deutsche echt egal, dafür gehe ich doch ins Ausland… Oder sehe ich das verkehrt? 😉 😀

      • ja gut, da hab ich ne andere einstellung. ich fänds einfach nur witzig. ^^ aber ich freue mich für euch das ihr schon soweit seid von der sprache her (englisch jetzt mal). 🙂

  3. Es ist immer wieder schön zu sehen, dass es auch anderen Leuten so geht. 😉 In einem informellen Kontext spreche ich ein ganz seltsames Kauderwelsch, das auch vom Gesprächspartner abhängt, je nachdem, was der für Sprachen kann. Da wird einfach die Sprache benutzt, in der man etwas am leichtesten ausdrücken kann. Ich schiebe das auf die Trägheit des Hirns…
    Im Beruf geht das leider nicht, da muss ich immer genau das Richtige mit den richtigen WOrten sagen :/ Das Jonglieren mit 5 Sprachen musst ich auch erst üben und es fällt immer noch manchmal schwer (passiert, dass ich einen Satz auf Französisch anfange und auf SPanisch beende… oder dass ich am Umsteigeflughafen die Sprache der letzten Station benutze und alle gucken mich ganz seltsam an… 😉 )
    Insgesamt kann ich aber sagen: Da gewöhnt man sich dran! Den Sprachknoten in der Zunge kriegst du auch wieder raus und dann kannst du ganz easy hin und her switchen 😉
    LG und frohe -wahrscheinlich nicht gefeierte – Ostern!

    • hey, ja denke das wird schon werden – gestern war schlimm, da waren noch franzosen bei (französisch, englisch, chinesisch…) 😀

      leider gibts kein ostern, aber euch schöne feiertage!

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