Xi’an

Der Mittwochabend wurde länger als gedacht. Mit Canadian-D traf ich die beiden Franzosen vom Samstag dort und die brachten noch einen Tschechen mit, der seit 20 Jahren in China lebt und zwei Jahre in Deutschland studiert hat.

Für ihn war es mal wieder schön sich auf Deutsch unterhalten zu können, für die Franzosen und Canadian-D jedoch nervig, da er jeden von mir fernhalten wollte. Er bot ihnen an, sie könnten sich jede Frau aussuchen die da war, er erledigt den Rest, hauptsache sie lassen die Finger von mir.

Irgendwann hatte er dann so viel getrunken, dass er nach meiner Abfuhr plötzlich weg war. Nachdem auch die Franzosen weiterzogen, unterhielt ich mich mit einem Deutschen den Canadian-D einen Abend vorher beim Dinner mit Joey kennengelernt hatte. Eigentlich wollten wir gegen eins wieder die Heimreise nach Xiasha antreten, doch irgendwie waren wir erst halb vier im Bett.. komisch.

Gegen acht hieß es dann aus den Federn, fertig machen und um 9 zum Flughafen. Ich hatte meine Tabletten im Wohnheim vergessen und so versorgte mich Bobby mit seinen. Das war auch ganz gut so, denn das Flugzeug war recht alt, dreckig und irgendwie gar nicht mein Fall. Als wir in Xi’an ankamen regnete es und die Taxifahrer rissen sich um uns. Jeder bot 150 Yuan minimum, was wie sich später raustellte, ein vollkommen angemesser Preis und keine Abzocke war. Das Hostel schien von außen klein und unscheinbar, doch von innen riesengroß. Zur Rezeption ging es erst einmal durch eine Art Kneipe, dass folgte ein weiterer Bar-/Aufenthaltsraum und hinter der Rezeption gab es dann noch einmal ein großes dreistöckiges Haus.

Ich hatte nicht genau aufgepasst, was Bobby erzählte von der Buchung und stand in einem Vierbett-Zimmer (das war klar) ohne Fenster und ohne Bad. Dusche ist ein Stockwerk höher. Na gut, das war dann halt so. Wir zogen unsere Proberunde durch den Stadtteil und genossen ganz traditionell unser Mittag bei PizzaHut. Da wir beide recht müde waren zogen wir Abend nicht noch einmal los, sondern setzten uns in die Hostelbar, wo wir einen schweizer Tontechniker kennenlernten, der mit dem Zug durch China reist und den wir wahrscheinlich noch einmal wiedersehen werden, da seine nächsten Stationen Shanghai und Hangzhou waren.

Freitag haben wir ganz früh gestartet – Frühstück um 12. Ohne Fenster ist die Gefahr liegen zu bleiben bis der Tag vorbei ist schon groß – man sieht ja kein Tageslicht; alles wirkt als wäre es noch Nacht. Wir machten uns danach auf zur kleinen Tempeltour. Innerhalb der Stadtmauer gab es einiges zu sehen, was sehr gut fußläufig zu erreichen war. Wir gingen also zuerst über einen Kunstmarkt, hin zu einem Museum dass uns zu teuer war; weiter zum Belltower, den man nur durch eine Unterführung voller Verkaufsstände erreichen konnte. Die Überraschung beim Tickerschalter – der deutsche Studentenausweis wird auch akzeptiert. Ich hatte meinen chinesischen nämlich clevererweise in Hangzhou liegen lassen. Also nur noch halb so viel Eintritt. Weiter zum Drumtower und danach eigentlich zum muslimischen Viertel, dass wir nicht fanden, weil wir in die falsche Richtung gelaufen sind. Die Karte von Xi’an zeigt rechteckige Straßenabschnitte – die Innenstadt sieht aber keineswegs so aus. Auf dem Weg gab es einen Supermarkt und letztlich fanden wir uns am Hostel wieder, was auch ok war – war ja schließlich auch schon Essenszeit.

Ich unterhielt mich noch ein wenig mit dem Schweizer und Bobby wollte eigentlich ein Mittagsschläfchen halten bevor es weitergeht. Er kam dann aber ganz aufgeregt runter, weil sich zwei Chinesen in unser Zimmer einquartiert haben. Wir hatten jedoch das ganze Zimmer, wegen unserer nachkommenden Freunde in der Nacht, für 4 Mann gebucht. Die Sache ließ sich einfach klären und die Chinesen mussten umziehen.

Nach dem Essen machten wir uns auf den Weg zur großen Pagode etwas außerhalb der Stadtmauer. Bus soundso.. nicht gefunden. Also Taxi.. hin 30 Yuan; Taxi zurück mit Taxameter nur noch 10.. na gut. Wir hatten keine andere Wahl. Abends ist die Stadt unglaublich beleuchtet – überall bunte Lichter, die Sehenswürdigkeiten angestrahlt, dazu ein großer Park mit massenweise Statuen; Wasserspielen und Musik. Da hätten wir Stunden verbringen können.. haben wir eigentlich auch.

Im Hostel warteten wir dann auf die anderen beiden aus Peking. Sie kamen irgendwann mitten in der Nacht an. Da die Nacht kurz war entschieden wir uns Samstag die Radtour auf der Stadtmauer zu machen. Wir mieteten zwei Tandems und machten uns auf die etwa 12km lange Mauer zu erkunden. Es machte Spaß und die Zeit verging schnell. Ich hätte mir nur etwas mehr Schönheit von Xi’an erhofft – es gab Streckenabschnitte, die konnte man ruhig zügig durchfahren, da gab es nichts schönes zu sehen.

Anschließend mussten die drei Grazien noch durch die Einkaufshallen schländern; sagte mir Bobby beim Anblick der Shoppingtempel einen Tag vorher doch noch wir würden da nicht reingehen, wir seien nicht zum Shoppen da. Männer.. Gekauft haben sie übrigens nichts.

Im Hostel habe ich mich ein wenig aus Ohr gelegt und die Jungs unten Fußball geschaut und sich derweil mit einem deutschen Studenten, der derzeit in Shanghai studiert, angefreundet.

Geweckt wurde ich von einem Anruf des Tschechen, der sich für sein Verhalten entschuldigen wollte. Er bot mir an seinen Fahrer loszuschicken uns am Sonntag vom Flughafen abzuholen. Er bot so einiges am Mittwochabend an; wollte mir auch gleich in der Nacht noch mein Multivisum beschaffen. Ich fragte die Jungs und wieso ein Taxi nehmen, dass nicht weiß wo es hin soll für teuer Geld, wenn er uns seinen Fahrer anbietet?

Ich gesellte mich dann zu ihnen. Wir wollten an dem Abend eigentlich durch die Kneipenmeile eine Straße weiter, sind aber doch irgendwie im Hostel hängen geblieben. Der Student hatte das Zimmer neben uns und freute sich, dass er alleine war. Ich ging mit ihm um zu schauen ob es stimmt, vielleicht fällt dabei ein Bett ohne die Superschnarchnasen in meinem Zimmer für mich ab. Er schaltet also wie ein Held mitten in der Nacht das Licht an und zack, da saßen sie in ihren Betten, total verschlafen und stocksauer, zwei Chinesinnen.

Wir schliefen etwas zu lange am Sonntag und mussten uns beeilen; nicht mal Zeit für Frühstück war. Aber dann.. meine drei Grazien.. zwischendurch Shoppen ging schon. Nach etwa 1 Stunde waren wir dann auch mal an der U-Bahn (15 Min Weg) auf der Suche nach dem Weg zur Terrakotta Armee. Zwei Stationen mit der U-Bahn, dann zum Bus. Mit dem Taxi wollten wir zur Bushaltestelle, waren aber irgendwie falsch. Also mit der Rikscha zum richtigen Bus. Der fährt direkt zum Museum. Auch hier wieder endlose weiten an Touristenverkaufsständen und aufdringlichen Verkäufern, eh man dann mal am Ticketschalter war. Gott sei Dank auch hier wieder nur halber Preis für uns Studenten – dennoch mit 75 Yuan ganz schön teuer. Das Museum war ok, entwas enttäuschend, sehr künstlich – wir hatten mehr erwartet. Uns wurde im Vorfeld aber schon gesagt, dass es auf den Bildern immer spektakulärer wirkt als es ist. Nun gut, wir haben es mal gesehen. Und für 7 Yuan für den Bus war das ok. Sowohl der Schweizer, als auch der deutsche Student sind an den beiden Feiertagen gefahren als die Chinesen frei hatten und hätten zwei Stunden für den Bus angestanden. Sie zahlten für das Taxi dann 300 und 400 Yuan. Wir haben also den besseren Deal gemacht. Rückzu nahmen wir wieder die Rickscha, da die Taxifahrer uns irgendwie nicht einsteigen lassen wollten – wir sollten vor zur Taxistation; wo auch immer die gewesen sein sollte… Aber zu viert in der kleinen Rickscha einmal quer durch die Innenstadt entgegen der Einbahnstraße und mit dem permanenten Gefühl gleich umzukippen ein kleines Erlebnis.

Zurück im Hostel trennten wir uns. Bobbys und mein Flug ging etwas später, so dass wir noch in Ruhe zu Abend essen konnten. Der Hostelshuttle brachte uns zum Flughafen und mit 30 Minuten Verspätung starteten wir dann kurz nach 23 Uhr endlich wieder Richtung Hangzhou. Und tatsache, da stand ein Fahrer mit einem Schild „Ms. Romy“ und hat auf uns gewartet. Wir mussten also kein Taxi suchen, nichts bezahlen und sind gegen 1 Uhr dann endlich wieder Zuhause gewesen.

Fazit Xi’an: Durchaus noch traditoneller als Peking oder Shanghai. Jedoch hatten wir uns den Erzählungen unseres Dozenten nach mehr erwartet. Es war schön mal zu sehen, aber auch hier hätten zwei Tage ausgereicht.

Noch ein paar Bilder von Bobby

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