Hotelrassismus, Sekt und Dramen

Eigentlich begann der Montag ja am Hangzhouer Flughafen; natürlich kamen wir mit Verspätung an. Dank dem Tschechen problemlos im Wohnheim angekommen, freute ich mich ernsthaft wieder auf „mein“ hartes Bett. In die Decke einkuscheln und nur ich alleine in meinem Zimmer, ohne drei Laute von sich gebende Männer.

Glücklicherweise können wir ja Montags ausschlafen (und hoffentlich ist er bald frei) – so war die späte Heimkehr auch kein Problem.

Topthema am Montag: Shanghai. Am Wochenende soll es ja wieder nach Shanghai gehen – diesmal mit dem Ziel am Wochenende zur Formel1 zu gehen. Bobby und ich haben undsTickets für Samstag und Sonntag Tribüne besorgt, andere Grasplätze für nur Sonntag, die nächsten kommen einfach so mit und bleiben in der Stadt während wir auf der Rennstrecke sind. Gemeinsam haben wir am Abend das Hotel buchen wollen – diesmal ein anderes; näher an der Rennstrecke, näher am Bahnhof, näher am Bund. Alles sah toll aus, der Preis hat gestimmt und bei der Buchung kam dann der Hinweise, es werden (neben anderen Nationen) keine Deutschen aufgenommen. In China brauchen die Hotels Genehmigungen um bestimmte Nationalitäten beherbergen zu dürfen – die haben dann wohl keine. Also weitersuchen. Nach 1,5 Stunden einigten wir uns dann auf ein Hostel im Stadtzentrum und buchten. Der deutsche Student, den wir in Xi’an getroffen haben, gab uns eine Liste von Clubempfehlungen, so dass wir nicht wie beim letzten Mal an beiden Abenden in den falschen Bars und Clubs landen. Er kommt auf jeden Fall auch mit am Wochenende.

Dienstag früh musste ich mich erst einmal um meinen Ausguss kümmern. Nachdem ich am Montag vom Chinesischunterricht wiederkam waren die Betten neu bezogen, die Putzfrau war also nochmal da nachdem sie früh schon einmal vor meinem Bett stand und ich sie ignoriert und weitergeschlafen habe. Früh war noch alles in Ordnung, Nachmittag tropfte es dann wenn ich den Wasserhahn aufgemacht habe. Ich habe also das Waschbecken auf einen Zettel gemalt, dazu en Ausguss, da ein paar Tropfen Wasser und darunter eine Pfütze; das chinesische Zeichen für Wasser können wir schon, also einen Pfeil mit dem Zeichen für Wasser dazu und meine Zimmernummer; das ganze an der Rezeption abgegeben und taddaaa.. als ich wiederkam war das Waschbecken repariert. Ich bin begeistert, so langsam wir das was mit der Kommunikation.

han

Mit unserem Karaokegirl habe ich mich Nachmittag dann auf den Weg nach Xiasha-City gemacht. Wir wollten nach einem sehr unbefriedigenden Mittag Abend bei PizzaHut essen und wenn wir schonmal da sind, können wir auch gleich zum Fakemarkt fahren noch einen Koffer für sie kaufen. Im Woohoomarkt machten wir uns auf die Suche nach Sekt. A hat Mittwoch Geburtstag und sie vermisst ein ordentliches Glas Sekt, dass keine 10 Euro kostet. Also in den Google Übersetzer „Sekt“ eingegeben und die gute Verkäuferin zeigte mir Apfelwein ohne Alkohol.. äh, nein.. wir fanden eine 1,5 Liter Flasche die einer Champagnerflasche doch sehr ähnelte, aber irgendwie nur 4 Euro gekostet hat… Lassen wir uns überraschen, ob das Zeug nur zum Herumspritzen taugt oder tatsache schmeckt. Zudem habe ich mir in der Drogerie für teuer Geld Haarspray und Mascara gekauft.. Auch hier bin ich gespannt, was es taugt. Syoss ist jetzt leider nicht mein Favorit, aber für 6 Euro leider das preiswerteste Haarspray, das ich finden konnte. Die Mascara war mit 10 Euro jetzt auch nicht das, was ich so gewohnt bin.. wehe die macht keine hübschen Äuglein!

Eigentlich haben wir festgestellt, dass wir hier alle viel zu viel feiern – irgendwie gesellt sich nun aber zu den Wochenenden auch noch der Mittwoch in die Reihe der Tage in den Clubs – oder sagen wir besser der Nächte in den Clubs. Aber gut, es war A’s Geburtstag und es waren diesmal alle 17 dabei. Die Liveband, die im Coco von 22 bis 23 Uhr spielt war diesmal auch wirklich gut und nachdem sie A ein Geburtstagsständchen auf chinesisch und englisch gesungen hat, gab es vom Foreign Manager noch eine Flasche Sekt geschenkt. Auf der Rückfahrt dann das Drama: erst einmal wollte der Taxifahrer nicht auf meine tollen chinesischen Richtungsanweisungen hören „Zhoubian, du Vogel, du musst geradeaus am Kreisverkehr, mann!“… und dann hat er uns auch noch abgezogen. Am Coco hatten wir den Preis 100 Yuan vereinbart; auf der Fahrt telefonierte er um zu fragen wo denn Xiasha wäre und stellte dann fest, er will mehr Geld. An der Uni angekommen sagte ich den beiden anderen Mädels sie sollten so schnell wie möglich aussteigen, ich drückte ihm 100 in die Hand und wir machten uns davon. Er kam natürlich schimpfend hinterher – abgemacht ist abgemacht! Er fuhr los und hinter mir ein Aufschrei „Mein Haaaaaaandy!!!“.. und sie lief hinter dem Taxi her, dass natürlich schon weg war. Das gute iPhone 5… da hockte sie nun weinend auf der Straße. „Der muss wiederkommen!“ – „Der kommt nicht wieder!“ – „Da kommt ein Taxi!“ – „Das ist er nicht!“ … und er war es doch. Brachte nicht nur das Handy wieder, sondern den gesamten Tascheninhalt, wie auch immer der auf der Rücksitzbank landen konnte. Das war nun seine Chance noch weitere 100 einzufordern und er ließ uns auch nicht gehen, bevor er sie nicht hatte. Dafür machte er noch einmal das Licht im Taxi an und ließ uns überprüfen, ob wir auch wirklich alles hatten. Früh um 4 in Xiasha – erst den Taxifahrer betrügen und dann vom Taxifahrer betrogen werden. So läuft das hier in China.

Der Abend dauerte irgendwie schon wieder länger als geplant, aber Streber wie wir sind, standen wir alle am nächsten Morgen brav bei der Pyramide vor dem Hauptgebäude um mit unserem Dozenten aus Deutschland Fotos für die Hochschulinternetseite zu machen. Wer mehr oder weniger frisch aussehend und gemäß Dresscode „studentisch leger“ gekleidet sowas kann, der darf auch davor die ganze Nacht wegbleiben. Glücklicherweise haben wir ja donnerstags nur bis Mittag und konnten uns so alle wieder bis zum späten Nachmittag ins Bettchen legen und noch ein Nickerchen halten. Ich habe das Gefühl, langsam ernsthaft zu alt dafür zu werden. Abend gab es für alle nur eine Beschäftigung, oder besser gesagt zwei: Koffer packen für Shanghai und nebenbei Chinesisch lernen für die anstehende Zwischenprüfung in „Speaking Chinese“.

…Shanghai und Formel 1 – sicher wieder ein tolles Wochenende…

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8 Gedanken zu “Hotelrassismus, Sekt und Dramen

  1. herrlicher Bericht! Auch wenn ich dass mit der Rassentrennung nicht ganz verstehe. Die spinnen, die Chinesen. Ich hab zwar keine Ahnung, wie viel 100Yuan sind, aber nachdem der Fahrer extra nochmal wieder gekommen ist, hat er sich die Extrakohle verdient. Das Iphone war doch bestimmt mehr wert… Das klingt alles jedenfalls nach einer ganzen Mengen Spaß, den ihr da habt. Mach weiter so. Ganz genau so!

    Liebe Grüße von der Luna

    P.S.: deine Zeichnung ist genial🙂

  2. Hallo meine Liebe!
    Letzte Woche in Berlin habe ich Unter den Linden einen Bus mit einem Werbeaufdruck für Hangzou gesehen und GAAAANZ fest an Dich gedacht!
    Ansonsten gehört feiern zum Auslandsaufendhalt dazu😉.
    Alles Liebe,
    Catou

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