Alonso, Kimi, Button, Vettel, Hamilton…

Freitag, 8:30 Uhr, Zhejiang Gongshang University, die Sonne lacht, die Studenten schwitzen – Chinesisch mündliche Zwischenprüfung.

Mit Bobby gemeinsam vor dem Lieblingslehrer in einem Extraraum, getrennt von den anderen, nur ein Blatt Papier in der Hand und „Mach mal Nummer 3, 6 und 9!“ als Ansage. Wir machten, wir versuchten, wir schlugen uns durch – ob gut oder nicht gut werden wir erst nächste Stunde erfahren.

Freitag hieß es dann auch gleich wieder Beeilung, schnell Mittag, Koffer schnappen und Taxi suchen. Ab zum Bahnhof und schnurstracks nach Shanghai.

Diesmal haben wir eine andere Unterkunft gebucht – eigentlich ein Hostel, aber ausgestattet wie ein Hotel. Natürlich darf man nicht in die Ecken gucken und auch der große Wasserfleck an der Decke war zu übersehen, aber so ganz ok. Wir lagen direkt an der U-Bahn-Linie zur Rennstrecke, günstig gelegen zum Bahnhof und ebenso günstig zur Verbindung in die Stadtmitte.

Die Fahrt strengte mich extrem an. Ich hatte in Hangzhou schon keine Lust mehr nach Shanghai zu fahren, weil es mir an dem Tag gar nicht gut ging. Ich war kraftlos, lustlos, hatte keine Lust zu Sitzen, Stehen, Liegen.. ich wollte gar nichts. Alles hat genervt.

Dementsprechend habe ich mich nach dem Essen um 20 Uhr hingelegt und der Freitagabend war für mich gelaufen.

Generell fühle ich mich in letzter Zeit hier oft sehr schwach. Wir sind aber auch immernoch alle am kränkeln. Ich rechne nicht mehr damit vor meiner Rückreise wieder gesund zu werden.

Im Hostel gab es Frühstück frei.. dafür hätte man aber auch nichts verlangen dürfen. Zum Sattewerden aber ausreichend – nur beim Abräumen darf man nicht zusehen, sonst weiß man, was man am nächsten morgen isst.

Um elf war ich mit Bobby an der Rezeption verabredet. Während die anderen einen Tag Sightseeing in Shanghai einlegten machten wir uns auf den Weg zum Shanghai Circuit – Qualifying Formel 1 stand auf unserem Plan. Wir kamen an der Rennstrecke an und waren sofort beeindruckt. Für Bobby war es das erste Mal Rennstrecke, ich war in den letzten Jahren öfter bei Auto- und Motorradrennen, aber Formel 1 war für mich auch das erste Mal.

Der erste Gang führte uns zum Ticketschalter um unsere Karten abzuholen. Die gute Frau, die aufpasste dass auch jeder seinen Voucher unterschrieben hat, kam aus Österreich. Als nächstes gingen wir an die Merchandisestände, wo sich Bobby erst einmal neu einkledete – Herr Vettel, Sie haben offiziell einen neuen Fan. Dritter Gang: Wurstbude. Ja.. Wurstbude. In der Fressmeile gab es einen original Thüringer Rostbratwurst Stand. Ich bin zwar kein Bratwurstfan, aber die konnte ich mir nicht entgehen lassen. Bratwurst, Brötchen, Senf und Sauerkraut! Am Stand auch wieder nur Deutsch als Sprache der Anstehenden – logisch. Der erste Bissen war herrlich! Noch nie hatte ich so eine gute Bratwurst im Mund. Danach verflog das Gefühl und ich schmeckte die wahre Bratwurst, ohne den seit Wochen in China und nichts Deutsches mehr zwischen den Kiemen gehabt Anfall. Sie war keine original Thüringer und das Sauerkraut war auch einfach so aus der Dose und nicht gut. Aber Brötchen und Senf! Also Brötchen und Senf waren 1A! Na gut, das Brötchen war einen Tag als und aufgebacken. Aber der Senf!! Der war klasse!

Da noch etwas Zeit war setzten wir uns an das rennstreckeneigene Flüsschen und genossen die Sonne – wir hatten perfektes Wetter!

Unsere Tribüne war genau in der ersten Kurve, neben mir ein Holländer mit Sohn (ich schätze 7 – so süß der kleine Klugscheißer), neben Bobby ein Australier und Engländer-Gespann, hinter uns Südafrikaner, vor uns vermutlich wieder Engländer – wir wurden eine richtige kleine Familie an dem Wochenende und hatten viel Spaß miteinander.

Das Qualifying war eher langweilig; nicht viel passiert und auch schnell vorbei. So war ich gegen 16:30 Uhr wieder zurück im Hostel. Die anderen waren noch unterwegs. Ich rief also den deutschen Studenten in Shanghai an, was er grade macht und traf mich mit ihm auf einen kleinen Spaziergang zur Skyline. Es ist schon beeindruckend zu sehen, wie bunt eine Stadt erleuchtet sein kann. Auf der Ostseite des Flusses alles kunterbunt und modern, auf der Westseite Altbauten in klassischem gelb angeleuchtet.

Wir trafen ihn dann etwas später im Perry’s wieder; einer Studentenkneipe, die mir doch sehr gefallen hat. Weiter sollte es in einen Club gehen, der so schlecht war, dass ich seinen Namen schon wieder vergessen habe. Ich bin rein und sofort wieder raus, die anderen folgten kurz darauf. Neuer Plan: ins Apartment. Dort sollten die Jungs jedoch Eintritt zahlen, was sie nicht wollten. Im Keller des Hauses gab es einen Club namens Shelters – ein Undergroundschuppen, der Drum and Bass und Housemusic spielte. Wir hielten es dort bis etwa 4 aus und machten uns dann auf den Heimweg.

Am nächsten Morgen mussten wir ja auschecken, unsere Koffer deponieren und uns wieder auf den Weg Richtung Rennstrecke machen. Diesmal war die U-Bahn etwas voller, also richtig voll und wieder hauptsächlich Deutsch zu hören. Da wir eine Bahn zu früh namen mussten wir umsteigen und erst dann merkten wir, was wirklich volle Bahnen sind. Ich stand auf den Zehenspitzen, kein Weg in irgendeine Richtung fallen zu können, Bobbys Ellenbogen im Gesicht, A’s Tasche in der Hüfte und innerhalb einer Station änderte sich die Frischluft in dem Wagon zu einer Mischung aus Körpergrüchen der unterschiedlichsten Art. Noch nie waren 1,5 Minuten so unangenehm. Aber Wetter war wieder top!

Wir gingen die gleichen Wege, nur dass es für Bobby und mich am Sonntag eine große Pizza zum Mittag gab, wieder genossen an unserer Wasserstelle. Die anderen hatten Grasplätze gebucht und so trennten wir uns uns gesellten uns wieder zu unserer neuen internationalen Familie auf der Tribüne. Hier ein Bierchen von dem, da ein Tsingtao von dem, Fahrerparade, Aufstellung, Start! Das Rennen ging recht schnell vorbei.

Vettel auf 9, dann auf 1, am Ende doch vierter; gewonnen hat Alonso. Der kleine holländische Klugscheißer: „Ich bin für Vettel, aber wenn der verliert bin ich für den Gewinner, da bin ich flexibel!“ – Gutes Kind.

Egal mit wem wir uns unterhalten haben, die Ausländer waren nur beim Rennen, weil sie eben grad in der Nähe sind. Der eine Schweizer hinter uns besucht seine Frau die in Shanghai arbeitet und sucht grade einen Job in Hong Kong (ebenfalls Banker wie ich, da fühlten wir uns gleich verbunden😉 ), der Australier hat ein eigenes Unternehmen und ist geschäftlich in China, der Holländer hat erst in Malaysia gearbeitet für ein paar Jahre und ist nun für 3 Jahre in Chengdu (da gibt es die Pandas) und und und.. Ein Leben haben die alle.

Der Tscheche rief am Samstag an und erzählte mir, er hätte uns gerne eingeladen. Er kam Samstag Abend in Shanghai an, hatte aber leider keine Zeit für mich weil er sich geschäftlich zum Essen verabredet hat – leider scheinen die Geschäfte etwas zu gut zu laufen, denn anstatt zur Formel 1 zu kommen und mit uns in seiner VIP Lounge das Rennen anzusehen, flog er noch nach Hong Kong und kam erst Dienstag wieder… hätte er das mal nicht gesagt vorher, da war ich etwas enttäuscht.

Nach dem Rennen aßen wir noch einmal eine Kleinigkeit und machten uns dann auf den Weg ins Hostel die Koffer holen und traten die Heimreise an. Aus welchen Gründen auch immer das Zugticket von Hangzhou nach Shanghai mehr kostet als zurück…

Am Bahnhof in Hangzhou angekommen ging es dann an die Taxisuche. Es gibt nur eine Stelle an der die Fahrer Fahrgäste aufnehmen dürfen und die Schlange war mehr als lang. Die illigalen Fahrer boten sich an und einer konnte uns überzeugen. 6 Mann im Minibus für 150 Yuan nach Xiasha, gutes Angebot. Wir stiegen also ein und in der Tiefgarage eröffnete er uns er wolle 180 Yuan haben. Na, wenn es weiter nichts ist. Er hat sich gefreut, weil er dachte uns abgezogen zu haben, wir haben uns gefreut weil er nicht wusste, dass wir für zwei normale Taxisse (😉 ) gute 240 Yuan bezahlt hätten. Erstaunlicherweise finden die illegalen aber auch immer auf Anhieb den richtigen Weg und so waren wir gegen elf „Zuhause“ und konnten auf ein sehr erfolgreiches und schönes Wochenende zurückblicken.

4 Gedanken zu “Alonso, Kimi, Button, Vettel, Hamilton…

  1. He, Internet geht wohl wieder. Tolle Bilder von der F1. Ich verspreche dir, du bekommst am 31.05. hier eine wirklich echte Thüringer und frische Brötchen.

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