China – Vorurteile ~ Auswertung (vorläufig)

Ich hatte Euch ja mal nach typischen Vorurteilen gefragt – Wie sind die Chinesen denn so?
Nun ist es natürlich auch interessant zu erfahren, was denn nun stimmt und was nicht. Oder zumindest: Was ich mitbekommen habe. China ist kein Land, China ist ein Kontinent – größer als Europa und wenn wir mal überlegen, wie verschieden die Europäer sind, dann können wir uns auch vorstellen, wie groß die Unterschiede in Verhalten und Ansichten in diesem Riesen sind.

Daher beschränken wir uns einfach auf die Chinesen die ich erlebt habe.

Chinesen sind alle klein. – Nein, sind sie nicht. Sie sind vielleicht durchschnittlich grob geschätzt 3 oder 4 cm kleiner als wir, aber überragen können wir sie selten. Selbst unsere großen 1,90 Jungs haben manchmal in der U-Bahn neben Chinesen gestanden, die heranreichten oder sogar größer waren.

Chinesen können kein R sprechen. – Doch, können sie. Das chinesische R gleich für unser Ohr einem Würgelaut, daher versuchen sie beim Lesen dieses r dann auch so auszusprechen – aber das machen wir in anderen Sprachen genauso. Sie können das englische R sehr gut aussprechen und auch mit etwas Übung kann man ihnen das rollende R beibringen. 

Sie werden von kleinauf auf Disziplin gedrillt. – Die Chinesen lernen auf Quantität, nicht auf Qualität. Sie haben keine andere Wahl als diszipliniert von der ersten Minute an zu lernen. Es wird keinen Wert auf das Verstehen gelegt. Hier wird gnadenlos auswendig gelernt. Die Dozenten rasen durch ihre Skripte und entweder bist du mitgekommen und kannst das Zuhause auswendig lernen oder eben nicht. Dieses typische in Reihe aufstellen, gleich einem Appell gibt es tatsache. In den Clubs stellen sich die Kellner am Eingang in einer Reihe auf und geben ihre Funkgeräte ab zum Ende ihrer Schicht hin. Vor dem chinesischen Restaurant, wo wir essen waren, stellen sich die Mitarbeiter jeden Nachmittag um 5 auf und singen gemeinsam ein Lied. Das wundert hier auch keinen – außer uns. Wer in der Masse nicht untergehen will muss Leistung bringen und das geht hier nur mit disziplinierter Arbeitsweise.

Jeder Chinese kann mich mit dem kleinen Finger und einer unaussprechlichen Kampfkunst zu Boden zwingen. – Chinesen sind absolute Sportmuffeln. Sie rennen den ganzen Tag in Trainingshosen und Sportschuhen durch die Gegend, aber nur um westlich auszusehen – Sport treiben? No way! Es gibt kaum Fitnessstudios und wenn, sind diese dann relativ schlecht. Sport wird dann dort aber auch gerne in Jeans und Rock gemacht. Der BruceLee-JackieChan-IchMachDIchPlatt-Chinese ist nicht die Regel.

Chinesische Frauen benutzen ihre Stäbchen nach dem Essen für die Haare. – Die typische Stäbchenfrisur haben wir nicht gesehen. Die Chinesinnen haben sehr feine, glatte und fast leblose Haare. Sie hängen nach unten und bewegen sich keinen Zentimeter, was vielleicht auch erklärt, warum sie kein Haarspray haben. Die meisten tragen ihr Haar offen. Sie klemmen es ab und zu nach hinten, benutzen dafür aber oft etwas das für uns aussieht wie ein Stück Panzertape. Gibt es so zu kaufen, sieht total bescheuert aus, muss aber offenbar super halten.

In China gibt es fliegende Drachen und die glauben auch noch dran. – Ja, es gibt fliegende Drachen – die Chinesen lassen sehr gerne Drachen steigen; aus Papier. Und nein, sie glauben nicht an die Drachen – die sind auch für sie nur ein Mythos.

Ein paar Hammelhoden getrocknet und gemalen, vermengt mit Hühnerbeinen knusprig kross gebacken sind gleichbedeutend mit unserer guten alten Hühnerbrühe bei Erkältung. – Äh, ja.. Ihr habt die Bilder vom Essen gesehen.. „Waste not, Want not“ – die chinesische Kultur ist darauf ausgelegt alles zu essen. Notgedrungen, da es sonst bis vor etwa 20 Jahren gar nicht genug Essen für alle gab. Wer Hunger hatte, aß was er in die Hände bekam und so wird auch heute noch alles genutzt. Jedoch hat jeder Chinesen den wir gefragt haben gesagt, dass er es eigentlich nicht mag auf Knorpeln, Sehnen und was weiß ich nicht allem herumzukauen.

Früh, Mittag, Abend gibt es Reis und zum Kaffee Reiskuchen. – Ja, es gibt zu jeder Tages- und Nachtzeit Reis. Wer will kann sich den ganzen Tag mit ungesalzenem Klebereis vollstopfen.

In China essen sie niedliche Haustiere. – Nur in einigen Regionen Chinas, vorwiegen im Süden, werden Pfiffi und Schmusekätzchen gegessen.

China ist eine Diktatur. – China weiß nicht, was es ist. Es hat für uns den Anschein von allem etwas zu haben. Es möchte gerne ein Sozialstaat sein, zensiert extrem, stellt die Partei als großen Weltretter nach außen dar, ist selbst für uns eine kapitalistische Schockerfahrung und sogar die Dozenten konnten uns keine genau Antwort geben, was China denn nun ist. Vermutlich dem aktuellen Wandel geschuldet, den China in den letzten 20 Jahren erlebt hat und auch noch in den nächsten Jahren durchmachen wird.

Chinesen vertragen keinen Alkohol. – Aber hallo, vertragen die Alkohol! „Ganbei!“ – Die Chinesen bechern was das Zeug hält und auch immer auf ex. Gläser werden nie voll wieder auf den Tisch gestellt. Wer nicht das randvolle Glas exen möchte, sollte sich auch nicht so viel eingießen. Ausländer verwechseln „ganbei“ oft mit Prost und sagen es sehr gerne; trinken sie dann mal mit einem Chinesen kann es ihnen schnell zum Verhängnis werden; die bestehen dann auch auf „ganbei“!

Chinesen sind extrem schüchtern. – Ja, das ist so niedlich! Wenn sie aber erst einmal aufgetaut sind verliert sich diese Schüchternheit ganz schnell.

Copyright ist in China unbekannt. – Wir wurden immer wieder zu unseren Arbeiten ermahnt nicht zu kopieren. Wo man jedoch hinsieht in China sind eindeutig erkennbare Einflüsse offensichtlich. Sehr beliebt: das Fake-iPhone. Aber auch in China ist das Urheberrecht im Kommen.

Chinesen müssen alles fotografieren. – Dass wir hier alles fotografieren in der ersten Zeit war zu erwarten. Aber sogar die Chinesen fotografieren ihr eigenes Essen in der Mensa. Worauf sie auch extrem aus sind, sind Fotos mit Ausländern. Jeder hat entweder eine Kamera dabei oder zückt sofort das Handy und macht oft heimlich Bilder; manche trauen sich aber auch ganz offen zu fragen, ob sie Fotos von uns machen dürfen oder nicht.

Ein Ei gleicht dem anderen.. – Absolut nicht. Die Chinesen sehen alle anders aus. Durch die Größe des Landes sind auch hier Unterschiede zu erkennen wie beispielsweise zwischen Schweden und Italienern. Da sich grade an den Universitäten alles versammelt ist die Aussehensparte hier breit gefächert.

In China rotzt man einfach auf die Straße. – Oh ja.. sie rotzen überall hin. Sehr schön sind auch die „Spucken-Verboten“-Schilder. Dass diese überhaupt aufgestellt werden müssen.. Im Club spuckte die Putzfrau auch einfach auf den Teppich und wischte es mit ihrem Fuß breit. Im McDonalds wird einfach auf den Boden gespuckt und auch im Einkaufszentrum ist keine Fliese trocken. Das stört hier keinen Menschen.

Chinesen sagen nie „Nein“ und lächeln immer. – Sie sind Meister im Ausweichen. Wenn sie sagen müssten, sie wüssten etwas nicht oder „Nein“ sagen sollten weichen sie aus. Nur wenn sie wirklich extrem wütend sind vergeht ihnen auch mal das Lachen.

Tischmanieren gibt es nicht. – Tischmanieren gibt es durchaus – es hält sich nur, wie bei den Verkehrsregeln, kein Mensch dran. Essen wieder ausspucken, auf den Tisch oder Boden; mit offenem Mund kauen und schmatzen; krumm am Tisch sitzen und mit der Nase fast im Reis hängen; laut Rülpsen; alles kein Problem..

90% der Chinesen sind laktoseintollerant. – Ja, da man zur Verträglichkeit von Laktose erst Laktose zugeführt bekommen muss. So wird der Körper angeregt mit dem nötigen Enzym zu spielen. Macht man das in den ersten Lebensjahren nicht, mögen Körper und Enzym sich nicht und lästern gegen die Milch. Da die Milchlobby aber den großen Markt China für sich entdeckt hat und die Chinesen dazu erzogen werden sollen, Milch zu trinken und zu vertragen gibt es Unmengen an Kuhmilchprodukten – laktosehaltig. Die Chinesen rennen auch bei 5 Grad draußen mit Eis in der Hand herum. Sie essen unglaublich viel Eis und Pudding, Joghurt, etc. Es war ein Krampf für mich hier Sojamilch zu finden; mit laktosefreiem Joghurt werde ich besser gar nicht erst anfangen.

100% der Chinesen färben sich die Haare schwarz. – Nein, viele haben auch andere Haarfarben. Grade die jüngeren tragen gerne bunt auf dem Kopf. Blondierung ist auch öfter zu sehen, sieht aber ganz furchtbar aus. Nicht unbedingt nur vom Farbton her, auch eine blonde Chinesin ist nicht hübsch anzusehen. Zudem müssen sie relativ zeitig anfangen zu färben, da gerade bei den Männern um die 20 sehr häufig schon graue Haare zu sehen sind. Sie werden sehr zeitig grau. Fast bei jedem Chinesen der an uns vorbeilief waren grau Haare am Hinterkopf zu sehen. Wir vermuten durch die schlechte Luft – wir bemerken ja an uns auch schon die Veränderung in Haut und Haar.

Chinesen machen auf jedem Foto „Peace!“ – Nein, sie machen es sehr gerne, aber auch nicht so häufig. Auf den meisten Fotos bleibt das Peace in der Tasche und wenn wir Fotos mit „Peace“-Fingern haben, waren diese gestellt.

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4 Gedanken zu “China – Vorurteile ~ Auswertung (vorläufig)

  1. Schöner Beitrag!
    War zwar noch nie in China, aber ich finde es gut, dass du dich mit dem Auseinander gesetzt hast was es für Vorurteile gibt – und dir dein eigenes Bild gemacht hast! Tatsache ist, dass wir uns nun mal alle unterscheiden🙂 Was für den einen eklig ist, ist für den anderen normal! Das ist auch das tolle am Reisen und ich beneide dich um diese Erfahrung!
    Gut beschrieben🙂

    • Vielen lieben Dank!
      Ich finde ja, Vorurteile sind so eine Sache – auch wenn wir damit „aufräumen“ wollen, sind sie da – niemand ist vorurteilsfrei und manche behalten sie auch für immer; weil es einfach so ist und solange sie nicht schlecht sind, können sie auch keinen Schaden anrichten und sind vollkommen in Ordnung😀

  2. „Sehr schön sind auch die “Spucken-Verboten”-Schilder. Dass diese überhaupt aufgestellt werden müssen.“
    Genau das dachte ich in Argentinien… Scheint ja doch recht verbreitet zu sein. Vielleicht sind wir ja die Komischen, die sich in der Hinsicht seltsam benehmen😉 (Wobei es hier ja auch genug obercoole Halbwüchsige gibt, die das auch tun…)

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