„Schwachmaten on Tour!“

Diese Aussage kam nicht von mir..

Aber um es aufzulösen: Peking. Natürlich Peking! „Great Wall Music Festival 2013!“

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„Schwachmaten on Tour“ stammt von Joey – denn genau das war dieser Trip auch – allerdings auch eines der genialsten Wochenenden die ich hier in China hatte – oder überhaupt.

Begonnen hatte das ganze nämlich so:

Joey und ich wohnen ja beide in Xiasha, also ist es nur logisch sich ein Taxi zum Flughafen zu teilen und die anderen dort zu treffen. Ich habe also nach 15 Minuten Diskussion einen Taxifahrer dazu bekommen mich zuerst in die Xiasha Lu (Lu heißt Straße) zu fahren um ihn dort einzusammen und uns beide dann zum Flughafen – zum Schnäppchenpreis von nur 200 Kuai. Kuai ist hier in der Gegend eine Art Sammelbegriff für Geld; es heißt nicht Yuan oder RMB, sie sagen 5 Kuai. 200 sind sehr viel, aber er muss ja wieder zurück und am Flughafen gibt es keinen Menschen der nach Xiasha mitfahren will – ja, nee. Ist klar! Egal, ob nun jeder ein Taxi oder beide eines für 200 kommt aufs gleiche, zum Flughafen müssen wir so oder so. Die Fahrt zurück hat nach Taxameter und Mautgebühr übrigens nicht einmal 90 gekostet.

Der Fahrer hat es geschafft für eine Strecke von vielleicht 15 Minuten gute 40 zu brauchen, da er vollkommen wirr gefahren ist. Aber dann fand ich Joey am Straßenrand stehend, winkend und es konnte Richtung Flughafen gehen.

In der Zwischenzeit spielten sich am anderen Ende der Stadt andere Dramen ab. Der Deutsche Praktikant aus dem Hyatt und eine der Medizinstudentinnen wollten den Airport-Shuttlebus nehmen. Im Bus die obligatorische, eher rhetorische Frage: Alles bei? Nein! Er hat seinen Pass vergessen. Also raus aus dem Bus, Tasche bei ihr gelassen, einen kurzen Sprint eingelegt, den Mitbewohner angerufen, den Pass an der Haustür in die Hand gedrückt bekommen und einen Taxifahrer zum Rasen animiert – dafür hat der aber auch fast das doppelte kassieren dürfen als Dank. So kostete ihn die Fahrt zum Flughafen statt 25 dann 250 Kuai. Wir kamen zeitgleich an und trafen die anderen drei im Starbucks. Eine Kellnerin schaute den Holländer ganz nett an (sollte ich vorher mal einen Dänen erwähnt haben ist der ab jetzt Holländer; Zuhören Romy!) und fragte ihn nach seinem Handy, nachdem er eine Minute vorher anfing zu suchen als wir ihn fragten wo es sei – das hat er nämlich liegen lassen. Gut, dass sie ihn noch erwischt haben bevor wir los sind.

Der nächste Plan: Noch schnell einen Happen essen. Sowas funktioniert in China aber nicht. Nervös saßen alle am Tisch und warteten auf ihr Essen, wovon schon wieder etwas fehlte bei der Bestellung, als die Zeit anfing abzulaufen. „Machen Sie mal zum Mitnehmen draus!“ – auch das dauerte eine Ewigkeit. Also blieben zwei da, 4 zogen schon los zum Boarding. Nach einem gefühlten Kilometer-Dauerlauf am Gate angekommen: die Maschine wird sich um 45 Minuten verspäten. Ja, wozu dann die Eile?

Damit wir warten können, denn das taten wir dann im Flugzeug. Technische Störungen in der Zentrale in Shanghai. Ja, beruhigend. Ursprünglicher Startzeitpunkt wäre 21 Uhr gewesen; gestartet sind wir jedoch erst kurz vor Mitternacht. Um 1:30 Uhr endlich mal in Peking und nach einem wirklich ekelhaften Flugzeugbrötchen brauchten wir zwei Taxis. Eine Stunde Schlange stehen und wir hatten welche.

3:30 Uhr endlich im Hostel – einchecken, Taschen auf das Zimmer, ab in die nächste Kneipe! Daraus wurde eine Bar im 4 Stock auf einer Terasse – das Kokomo, falls Ihr mal nach Peking kommt. [Es liegt in einer Kneipenstraße, die nur von Ausländern besucht wird. Wo auch immer die sich tagsüber verstecken; man sieht nur dort Ausländer in Peking.] So konnten wir unsere Drinks schlürfen und dabei den Sonnenaufgang über Peking beobachten bevor wir uns dann gegen 5:30 Uhr wieder auf den Heimweg machten. Die erste Nacht haben wir schon einmal gut überstanden.

Zu sechst (3 Mädels, 3 Jungs) hat das mit uns im Hostel auch super funktioniert; wahrscheinlich auch weil unser Zimmer genau gegenüber der Waschräume waren und wir so eigentlich ein privates großen Bad hatten; kein Hin und Her.

Der Samstag begann dann gegen 1 mit einem sehr guten Sandwich als Frühstück – miese Grundlage für den Tag! Ordenlich Fish&Chips was die andere Truppe da am Nebentisch hatte wäre wohl die bessere Wahl gewesen.

Wir machten uns auf zum Platz wo der Shuttlebus abfahren sollte – Gott sei Dank alles fußläufig beieinander und fanden uns auf einem Schotterplatz mit etwa 400 oder 500 anderen wieder, eine Hand voll Reisebusse, viel Sand und Staub und unglaubliche Hitze waren auch dabei. Die Leute drängelten an den Bussen als ginge es um Leben und Tod.

Ich hatte noch kein Ticket, da ich mich ja erst am Dienstag dazu entschieden habe mitzufahren. Online war alles ausverkauft, also auf gut Glück. Am Bus fragten wir jemanden wo man das Busticket herbekommt – Antwort: zu weit weg. Aber er hatte zwei und verkaufte mir eines davon – kontrolliert wurde das nie. Wir überlegten auch das Ticket dort zu kaufen, fanden aber keinen „Händler“. Zwei Schritte weiter wurden wir jedoch angesprochen und er verkaufte mir das Pre-Sale-Ticket, das 480 RMB gekostet hat für 400 – so habe ich nur 20 RMB (2,70 EUR) mehr bezahlt als die anderen, die ihre Tickets im April gekauft haben und 180 RMB weniger als ich an der Abendkasse hätte zahlen müssen. Bei der 3. Fuhre kamen wir dann auch mit und hatten nette Gesellschaft dabei – die 1,5 Stunden Fahrt zur Mauer waren sehr lustig. Da lernt beispielsweise ein Engländer von einem Südafrikaner/Deutschen (ja, beide Staatsbürgerschaften; der Hyatt Prakitkant) wie man mit einem Feuerzeug eine Bierflasche öffnet. Leider lag seine schon 2 bis 11 Minuten im Bus, was dazu führte, dass der Kronkorken mit einer enormen Geschwindigkeit den Weg zu seiner Stirn suchte und ihm drei kleine, gut sichtbare Löcher verpasste. Depp.

Da es sich irgendwann staute beschlossen wir den Bus an der, eher auf der, Autobahnausfahrt zu verlassen und den Rest zu laufen. Wir fanden uns in einer Traumkulisse wieder – rechts die Mauer, links die Mauer, vor uns ein Gate und der Festivalplatz mitten drin. Es war klein, aber fein. Das erste Getränk des Festivals? Na, wer errät es? Genau! Wasser! Waren ja nur gefühlte 15 Stunden Fahrt, 55 Grad Hitze und praller Sonnenschein – wir hatten das genialste Wetter überhaupt und nicht ein Smogwölckchen in Peking!

Auf dem Festivalgeländer fanden sich nur Ausländer und zwei oder drei Quotenchinesen. Die Location hätte besser nicht sein können: wir waren zwischen zwei Bergen, links ging die Mauer hoch, rechts ebenfalls und vor uns fand sich eines der historischen Tore, davor war die Bühne aufgebaut.

Quelle: timeoutbeijing.com

Der Hauptact war David Guetta, der ab 8 anfangen sollte. Kurz vorher machten wir uns auf den Weg zur Bühne und erlebten etwas, das niemand erleben möchte. Die chinesische Polizei hat von Festivals und Menschenmassen keinen Schimmer! Anstatt die bis dato noch friedliche und ruhige Masse einfach langsam einlaufen zu lassen, machten sie die Eingänge dicht und schoben die Leute zurück – es gab keinen Grund! Dass sie aber anfingen die Leute zurück zu schieben und sich selbst hin und her bewegten und dabei drängelten und schubsten geriet die Masse natürlich in falsche Bewegung. Wir verloren uns in der drängelnden Menge und ich war mit dem Holländer auf mich gestellt. Irgendwann fielen sowohl er als auch ich hin, er konnte sich noch irgendwie halten, ich hing in einer Hecke. Ein Kerl versuchte mir aufzuhelfen, was mangels Boden unter den Füßen schlecht ging. Ein Mädel nahm heißen Tee mit den sie mir über den Arm kippte – ein chinesisches Mädel, die Chinesen denken nie mit. Keiner würde auf die Idee kommen frisch gebrühten Tee in eine solche Menschenmenge mitzunehmen, außer die Chinesen! Der Holländer und ich versuchten irgendwie da rauszukommen und gingen an die Seite. Hinter einer der Verkaufsbuden, die an der Hauswand stand, war ein kleiner Spalt frei; keiner da der das sieht; wir quetschten uns durch. Das war das Todesurteil für mein T-Shirt an dem Abend. Endlich drin fanden wir die anderen wieder, die das gleiche erleben mussten wie wir; ebenso zerkratzt und kaputt aussahen waren, die Medizinstudentin stand weinend kurz vor einer Panikattacke, wie leider einige andere auch.

Liebe chinesische Polizei, geht am Straßenrand stramm stehen und überlasst so etwas Profis! Die Veranstalter hatten unglaubliches Glück, dass es sich 1. um ein kleines Festival mit relativ wenigen Menschen handelte und 2. die Leute einigermaßen ruhig blieben, sich gegenseitig halfen und so keinem wirklich etwas schlimmes passiert ist.

Wir trafen einige Leute aus Hangzhou wieder, auch lang „verschollene“ waren wieder gesichtet worden und nachdem der Schreck verdaut war fing auch die richtige Party am Abend an. David Guetta hat selbst nur etwa 1,5 Stunden auf der Bühne gestanden; Sachen geredet, die er den Tag davor in Hongkong wahrscheinlich auch schon von sich gegeben hat und absolut lustlos gewirkt. Dazu gab es zwischen ihm und dem Anheizer-DJ 5 Minuten Stille.. da hätte man doch wohl eine CD laufen lassen können.

Weiter war die Organisation typisch chinesisch.. 10 chinesische Dixieklos (sowas abartiges habt ihr noch nicht erlebt); ein Bratwurststand (1 Hotdog für 100 RMB; fast 11 Euro); ein Nudelstand „Lang Pi“, ess ich hier auch immer (für 50 RMB auf dem Festival in abgespeckter Version, für 5 RMB in Hangzhou in leckerer Version); 1 Getränkestand (je Getränk 50 RMB egal was); gezahlt wurde mit Marken erhältlich an ebenfalls nur einem Stand. Die Marken haben wir dann gegen 21:30 Uhr zurückgegeben, da es nichts mehr zu trinken gab – alles alle.

Nichts desto trotz feierte die Menge ihr Dasein bei einem Elektrofestival an der chinesischen Mauer inmitten einer Menge aus vermutlich allen Nationen die die Erde zu bieten hat. Auch das Ende war wie der Anfang. Von jetzt auf gleich; so Musik aus, Lichter an, geht. Zurückzu ging es wieder mit dem Bus und dann weiter ins Kokomo. Natürlich nur um den Sonnenaufgang zu beoachten.

Beobachtet haben wir an dem Tag aber auch noch etwas ganz anderes: Englisch braucht kein Mensch. In China wird Deutsch gesprochen – gefühlt jeder 2. war Deutscher.

Der Sonntag ist Schontag. Wir checkten im Hostel aus und gingen wieder auf die Kneipenmeile. Nicht um zu Feiern, sondern weil sich dort ein deutsches Restaurant befindet – mit wirklich tollem deutschen Essen! Genau das haben wir 4 Deutschen gebraucht; der Holländer und die Dänin waren eher mäßig begeistert. Ich kann bis jetzt nicht verstehen wie der Dänin diese unglaublich gute Bretzel mit Butter nicht schmecken konnte!

Danach machten sich die anderen auf zum Bahnhof. Da Zugtickets hier ebenfalls rar sind hatte ich mir einen Flug rückzu gebucht und noch etwas Zeit. Die verbrachte ich bei dem tollen Wetter im Beihai-Park am Wasser in der Sonne. Zudem brauchten die anderen 7 Stunden mit dem Zug und waren etwa eine halbe Stunde nach mir zurück in Hangzhou – ich habe aber schon von mehreren gehört, dass die Züge hier sehr komfortabel sind; vorallem die Schnellzüge. Wer also preiswert reisen möchte und Zeit hat kann den Zügen gerne eine Chance geben. Tipp: Evtl. die Nachtzüge nutzen und darin schlafen, dann spart man sich eine Hostelbuchung.

Nur noch ein „Schwachmat on Tour“ vergaß beim Secruity Check im Flughafen dann gleich mal Pass und Boardkarte; merkte das aber relativ zeitnah und konnte so doch noch den Heimweg antreten. Die Piloten saßen sehr gelangweilt vor dem Gate und gähnten.. möchte ich den Piloten gähnen sehen der mich nach Hause fliegen soll? Im Flugzeug hatte ich dann leichte Halluzinationen.. die Chinesen haben Deutsch gesprochen. Sie haben sich darüber unterhalten wer wo studiert; Kinder haben geflucht und Worte gesagt, die sie nie sagen sollten und einige redeten einfach nur wirres Zeug. Bobby und Joey meinten, das könnte von der Beruhigungstablette gekommen sein.

Da denken wir aber mal nicht drüber nach. Ich blieb mit den Gedanken in Peking am Wasser, denn das war für mich der perfekte Abschluss eines tollen Wochenendes und Sonntag Abend gegen 10 war ich dann auch wieder zurück im Wohnheim in Xiasha, Hangzhou.

Die Fotos vom Festival erhalte ich von den anderen noch und werde sie dann nachreichen – hier aber schon ein paar Eindrücke, die ich fotografiert habe (wir waren uns einig, dass eine Kamera reicht und Risiko genug ist auf dem Festival, also nahmen wir die kleinste mit).

2 Gedanken zu “„Schwachmaten on Tour!“

  1. Liebe Romy,
    das hört sich fast so an, wie meine Reise aufs Dynamo vor vielen Jahren, als die Veranstalter mit 30.000 Menschen gerechnet haben, und über 100.000 gekommen sind😉. 14 STunden haben wir für die letzten 7 Kilometer gebraucht, es ging nichts mehr, und war trotzdem eines der tollsten Feste, auf denen ich jemals gewesen bin.
    Lieben Gruß,
    Catou

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