„Ich brauche Haare von Euch!“

Wieder eine dieser unglaublich heißen Wochen hier.. und es wird noch heißer – Gott sei Dank sind wir dann schon weg *Stoßgebet*. Dieses drückende und heiße Klima.. das wäre ein Punkt nicht wieder nach Hangzhou zu kommen, sondern sich eine andere Gegend auszusuchen.. und die Chinesen tragen immernoch lange Klamotten. Ich versteh es nicht!

Aber die Chinesen sind ja nun eh etwas komisch. Am Montag mussten die anderen beiden Mädels, die mit in HK waren zu unserer Betreuerin. Eine Putzfrau hat sich wohl in einen kulturellen Schock versetzt, als sie in ihr Zimmer kam. Nicht weil es da so wüst aussieht; nein, weil die Mädels da waren. Was ist passiert?
Die Putzfrauen klopfen hier ganz kurz und kommen dann sofort rein; ob man nun nein sagt oder nicht ist egal. Nun waren die Mädchen im Zimmer und sie dadurch so sehr geschockt, dass sie prompt zum Arzt musste. Es hätte sie wohl irgendwie in ihrer Kultur verletzt und sie solle nun um den Schock zu überwinden etwas von den Mädchen zwei Wochen bei sich tragen – vorzugsweise Kleidung oder Haare. Wer soll hier freiwillig Kleidung abgeben; die kriegen sie nie wieder – die gute solle sich also einfach ein Büschel Haare abholen.

Eine ähnlich absurde Geschichte erzählte Joey auf dem Weg nach Peking am Wochenende. Eine blonde Freundin von ihm war auf dem Weg nach irgendwo und in dem Tunnel zum Flugzeug riss ihr eine Frau ein Büschel Haare aus uns aß es. Sie wollte wohl schon immer mal die Haare einer Blonden kosten.

Komisches Völkchen! Da kann man schon etwas Angst bekommen..

Unsere Betreuerin überraschte uns am Dienstag mit einer Ladung Uni-T-Shirts. Wir hatten schon überlegt und Pullover zu kaufen und das Logo darauf drucken zu lassen; wie es in Amerika üblich ist – so als Erinnerung. Leider gibt es keine Pullover, aber T-Shirts hat sie für uns organisiert – so können wir nun immer in „Hangzhou“ schlafen 🙂

Ich hatte für Dienstag Abend eine Einladung zu einem pakistanischem Dinner, was wohl immer sehr gut sein soll. Der Gastgeber ist ein sehr netter und meinte er könne sehr gut kochen. Joey und Canadian-D waren unter vielen anderen tollen Leuten die ich hier kennengelernt habe auch eingeladen – um die 20 Mann sollten es werden. Durch die Abschlussarbeiten, den Vortrag den ich am Mittwoch früh halten sollte und die anstehenden Prüfungen musste ich diese Einladung leider ausschlagen. Ich habe mich lieber mit chinesischem Recht, meinem Vortrag und chinesischen Schriftzeichen beschäftigt.. der Abend soll wohl toll gewesen sein hat mir der Joey am Mittwoch erzählen wollen.

An dieser Stelle möchte ich einer dahingeschiedenen Persönlichkeit unserer Gruppe hier in China gedenken. Sie ist fester Bestandteil der Truppe geworden; hat so manchen Abend spannend gemacht und uns nie alleine gelassen. Wir haben unser Essen mit ihr geteilt und sie bei uns übernachten lassen. Am 15. Mai 2013 ist sie von uns gegangen und wir werden sie sehr vermissen.


Arme kleine Maus.. na, wie sollst du auch gegen 17 Mausefallen ankommen.. meinetwegen hättest du ruhig noch etwas bleiben können.

Unser Leo war am Mittwoch auch wieder mal auf dem Campus. Er war dran mit Talar anziehen, Fotos machen und den Abschluss feiern – ja, er hat es doch noch geschafft mit seiner in letzter Minute beendeten Arbeit seinen Studienabschluss zu erreichen – kleiner Glückspilz der. Nun drücken wir ihm die Daumen für seine Zulassung um seinen Master in New York machen zu können; hach sie werden so schnell erwachsen…

Außerdem wird es langsam ernst – ich habe mit Bobby die Sitzplätze für den Rückflug nach Deutschland reserviert.. nächste Woche sind Prüfungen und ich habe für meine Rückkehr-Grillparty eingeladen.. verdammt, die Zeit ist so schnell vergangen! Da könnte ich glatt ein bisschen Pipi in den Augen kriegen..

Aber ich habe auch eine eventuelle Rückkehr nach Hangzhou in Betracht gezogen und den Stein zumindest schon einmal hingelegt – vielleicht kann ich ihn ins Rollen bringen. In Hangzhou ist Bosch sehr stark vertreten; wenn man die Deutschen fragt für wen sie arbeiten ist es in Hangzhou Bosch; in Peking traf ich mehrere von VW und in Shanghai ist es oft Audi (wie der deutsche Student den wir in Xi’an trafen). Ich habe also Bosch angeschrieben, wie die Voraussetzungen sind in Hangzhou via Bosch meine Bachelorarbeit zu schreiben im nächsten Frühjahr. Auf der Internetseite kann man sich darüber informieren; die funktioniert nur leider nicht. Ich hoffe also mit meiner bisherigen Berufs- und Chinaerfahrung, sowie meinem Studienfach den Zahn von Bosch getroffen zu haben und eine positive Antwort à la „Kind, buch dir schonmal nen Flug; komm zu uns nach Hangzhou“ zu bekommen. Däumchen drücken.. Ab Anfang 2014 wird auch Canadian-D wieder in Hangzhou sein; der Tscheche, sowie der Pakistani (vom Dinner) wollten mir hier eh schon Jobs verschaffen und vielleicht verlängert Joey seinen Vertrag im Frühjahr für ein oder zwei weitere Jahre. Einige der Mädels werden dann wahrscheinlich auch noch da sein und so habe ich zum einen die Chance alle (fast alle) wiederzusehen, noch ein bisschen im schönen Hangzhou zu bleiben und meinem Lebenslauf einen ordentlichen Goldrand zu verpassen; noch ist es nur hier und da etwas Goldstaub.

Der internationale Stammtisch; ich nenn‘ das jetzt so weil es einfach schöner klingt.. trifft sich natürlich wieder am Donnerstag Abend im Amigo zur Ladies Night; die Mädels dürfen frei trinken und die Jungs gucken.. meine letzte Ladies Night hier. Annett hat eine Freundin aus Deutschland zu Besuch und die habe ich dann einfach mal gleich mitgenommen. WIe immer: Treff mit Canadian-D in der U-Bahn wo er immer schon mit einem Bier auf mich wartet; warum? Und dann gemeinsam bis Coach Center, wo der Joey wohnt – den Kerl auf der Straße suchen, Taxi schnappen und ab nach Downtown. Letztens war ich so schlau mal eine Karte vom Amigo mitzunehmen, in der Hoffnung die würde dem Taxifahrer helfen – mit dem Handy die Adresse raussuchen dauert immer so lange. Lassen wir es auf einen Versuch ankommen. Auch wenn es hier die tollsten Bars und Clubs gibt in die es die Ausländer eigentlich täglich verschlägt, haben die Taxifahrer doch überhaupt keine Ahnung wohin. Das wundert uns, denn irgendwann müssten wir doch eigentlich mal jeden Taxifahrer hier gehabt haben.. Gelegentlich kam es schon vor, dass wir mal den gleichen Fahrer hatten; da müssen sie doch so langsam aber sicher wissen wo unsere Zielorte sind. Naja, bald fahre ich ja wieder alleine mit meinem Autochen durch Brandenburgs schöne Alleen und weiß ganz genau wo die Bars sind 😉

Zum Amigo sind wir gut gekommen, aber vom Amigo ins Coco war schon wieder eine Katastrophe. Er fuhr uns zum Coco Banana, wir wollten zum Coco Jeff – das ist zwar nur 5 Minuten die Straße runter, aber es regnet zur Zeit. Von den Taxifahrern die da rumstanden wollte uns keiner fahren. Dafür kam ein sehr süßer Rikschafahrer; Zwei-Mann-Rikscha; wir zu dritt da rein und er fuhr uns wie gewohnt entgegen der Fahrtrichtung bis vor die Tür; wollte uns noch drei- bis viermal drücken und dann durften wir auch schon in den vollkommen leeren Club. Was ist los? Wieso ist das Coco; der In-Club so leer in letzter Zeit? Liegt es an den Prüfungen – die Studenten können grad alle nicht? Liegt es daran, dass viele im Mai und Juni jetzt wieder zurück in die Heimat gehen? Hat ein anderer Club jetzt die Nase vorn? Man weiß es nicht.

Freitag haben wir es jedenfalls geschafft: die letzte Unterrichtsstunde ist durch. Nun heißt es lernen, lernen, lernen und die Prüfungen schreiben in der nächsten Woche und daaaaaann… Urlaub! Da wurde auf der Baustelle nebenan gleich mal ein Feuerwerk für uns veranstaltet. Also eigentlich ist hier jeden Tag Feuerwerk, aber die meisten hört man nur – dieses war vor unserem Fenster und wir konnten zusehen. In China werden Feuerwerke das ganze Jahr über gezündet – wenn etwas passiert ist wo man sich denkt „Jetzt ein Feuerwerk, das wär’s doch“ dann machen die Chinesen das auch einfach. Es soll auch die Tradition geben auf Baustellen für jedes vollendete Stockwerk ein Feuerwerk zu zünden. Da um uns herum nur gebaut wird und die Hochhäuser viele Stockwerke haben, gibt es dann halt einfach mal mitten am Tag ein kleines Feuerwerk. Ich finde den Gedanken, dass es extra für uns war aber schöner.

Ich habe am Nachmittag im Woohooo-Markt versucht eine Jeans zu kaufen. Da ich ja keine Sommersachen dabei habe, wir aber auf Hainan perfektes Strandwetter haben werden (habe ich jetzt beschlossen Petrus!), brauche ich eine kurze Hose. Ich kann natürlich schwer hier kurze Hosen kaufen – die bei H&M waren immer ein Stück zu kurz und die chinesischen Marken brauche ich gar nicht erst probieren. Ich bin also zu dem Entschluss gekommen mir eine Männerjeans zu kaufen und diese abzuschneiden. Es hat eine Weile gedauert eine zu finden, die sich als tauglich erwies: in Schnitt, Farbe und Preis und so wurde es eine dunkelblaue 5-Pocket für etwa 7 Euro. Da Bobby keine der beiden Scheren finden konnte, die er dabei hatte, bin ich noch nicht sofort über sie hergefallen. Ich bin also am überlegen, sie vielleicht gar nicht abzuschneiden, sondern zu behalten – sie sitzt für eine Männerjeans jetzt gar nicht so schlecht – vor Allem macht sie einen schönen Po. Ich hatte mir eine meiner Liebelingsjeans im Coco zerrissen und nun ein kleines Loch am Bein – vielleicht werde ich diese Jeans abschneiden. Sie ist auch aus einem dünneren Stoff als die neue (übrigens eine chinesische Markenjeans, die eigentlich um die 40 Euro gekostet hätte). Ich werde da noch ein oder zwei Nächte drüber schlafen; noch drei- oder viermal in die neue Jeans reinschlüpfen und sehen, was mir das Bauchgefühl sagt. Vielleicht verschone ich sie auch komplett und gehe noch einmal zu H&M – wobei ich die Taschen ja eh in der Welt vergesse.

Freitag Abend habe ich dann mein letztes Essay beendet. So kann ich mich voll und ganz auf die Tests vorbereiten und muss auf Hainan nichts mehr tun. Nach Ausgehen war mir nicht so wirklich; der Großteil der Internationals war ebenfalls eher für einen ruhigen Filmabend als Bars und Clubs zu haben und am Samstag sollte es ja eh wieder eine Feier geben – mein letzter Samstag in Hangzhou musste zelebriert werden.

Samstag Mittag habe ich mich fast selbst umgebracht… die süßen netten Damen die mir immer meine Nudeln machen, machen extra wenig Chili darauf.. für die Chinesen zwei volle Löffel, für die Europäer nur eine Löffelspitze… das ist toll. Aber was mache ich? Hau mir auf die Tofubällchen nicht die süß-scharfe Sauce, sondern offenbar das Hammerzeug… Alles lief: Schweiß, Sabber, Rotze.. alles brannte.. „Trink Milch“ sagte der Master – Milch in Riegelform mit Schokolade überzogen, bekannt aus der Werbung ( 😉 ), war meine erste Wahl..

Nach eine Samstag voller chinesischer Schriftzeichen und Vokabeln lernen hieß es auch noch am Nachmittag eine Entscheidung zu treffen: Der Gastgeber des Sushi-Dinners hat ebenfalls seinen letzten Samstagabend in Hangzhou an dem gefeiert werden kann – Durch die Partyvorbereitungen schaffen wir es aber nicht hinzugehen; die Gäste sind zu 9 geladen. Das englische Pärchen und Canadian-D wurden von mir angewiesen ihn zu überzeugen danach noch zu uns zu kommen und nicht wie gewohnt ins Amigo zu fahren und auch Joey wollte ihn sich noch zur Brust nehmen. So können wir alle gemeinsam feiern und uns noch einmal sehen. Der Plan ging leider nicht auf.. er kam nicht und auch das englische Pärchen hat sich nicht zu einer Party voller Fremder hinreißen lassen.

Die Truppe die in Peking war ging zuerst im Meeto Café zum Dinner; ein Restaurant, das früher eine alte Seidenfabrik war und dementsprechend eingerichtet wurde. Dort erlebten wir auch wie die Chinesen ihre spaßigen Abende verbringen: Essen, Monopoly spielen und gegen 9 nach Hause. Wir sind gegen acht los; die Jungs um Getränke zu kaufen, die Mädels schon in die Wohnung sich hübsch machen. Da sich nicht alles tragen ließ und unsere Jungs ja schlau sind haben sie den Einkaufskorb gleich mitgenommen – passte locker in den Fahrstuhl und erleichterte die Müllentsorgung ungemein. Nachdem die Polizei dann klingelte wiesen wir alle an sich langsam Richtung Coco zu bewegen, wo der Abend für mich endete als die Sonne aufgegangen war und im Club die Musik aus und die Lichter an gingen.

Eigentlich war der Plan die Fotos von Peking auszutauschen.. ich Depp habe aber meine Speicherkarte im Laptop vergessen und somit hatte sich das dann auch erledigt. Ich hoffe nun auf eine Mail.. denn auch die anderen haben an dem Abend keine Bilder getauscht.

Der letzte Sonntag in Hangzhou war ein sehr schöner. Erst habe ich ein bisschen gelernt, natürlich und mich dann mit den beiden Medizinstudentinnen zu ein wenig Hangzhou-Kultur verabredet. Es gibt am Westlake ein Wasserspiel mit Musik und Lichtern, welches etwa 15 Minuten dauert. Zu klassischer Musik tanzen die bunt beleuchteten Wasserfontänen und bieten eine tolle Show. Das sollte man sich auf jeden Fall einmal angesehen haben, wenn man hier ist. Da ich es die ganzen drei Monate über nicht geschafft habe, bin ich nun am Sonntag dorthin. Den Abend haben wir dann mit dem Holländer und dem Südafrikaner/Deutschen auf der Dachterrasse mit Blick auf den Westlake im Eudora ausklingen lassen.

Nun geht es nur noch steil bergab. Montag beginnt die erste Prüfung und wenn der Freitag vorbei ist, kann ich schon wieder Koffer packen – groß und klein – nach Hause und Hainan.

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Ein Gedanke zu “„Ich brauche Haare von Euch!“

  1. Die arme kleine Maus. Es wäre ja eh bald niemand mehr da, der sich um sie kümmern würde.
    Für die Prüfungen drücken wir dir die Daumen.

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