„Lasst die Prüfungsspiele beginnen!“

Eine Woche voller letzter Male steht uns bevor..
Nun ist die Prüfungswoche angebrochen und wir beginnen mit dem letzten Montag in Hangzhou.

Schriftliche Chinesischprüfung: ein Test mit 4 Seiten, der einige zum Zittern brachte, aber nur auf den ersten Blick so schwer aussah. Es war ok; es war machbar.. wir hoffen am Mittwoch schon ein Ergebnis bekommen zu können – das wäre der einzige Grund am Mittwoch noch dort zum Unterricht zu gehen. Die Prüfung ist geschrieben, warum sonst sollte wir uns dann noch am Mittwochnachmittag das Fach antun? Mein Lieblingssatz in dem Test: „Möchten Sie Alkohol?“ – „Nein danke, ich trinke nicht, ich möchte nur Obst!“ = wichtige Worte in China.

Das Wetter für die Woche sollte herrlich sein: 30 Grad jeden Tag mit voller Sonnengarantie.. (und die Chinesen laufen alle mit Regenschirm!) wer will da freiwillig lernen? Ich jetzt nicht so wirklich muss ich gestehen. Aber ich gehöre ohnehin eher zu den fauleren Semestern und verbringe daher den Montagabend lieber beim Dinner und Drinks mit Canadian-D beim Koreaner um die Ecke. Wir waren zu zweit, weil kein anderer wollte bzw. arbeiten mussten. Wir beschlossen also in „Fucking Xiasha“ zu bleiben, wie Dan immer so schön deutlich sagt, Ich traf ihn vor dem Woohoo-Markt und musste erst einmal ein Foto machen – da liegt der Kerl mitten auf dem Grünstreifen in der Sonne und die Chinesen laufen an ihm vorbei und gucken als wäre es ein Autounfall. Im Restaurant bedeutete die Karte die Hölle für uns. „Das will ich essen; oh das auch; ei das sieht aber auch gut aus.. und guck mal das!“ – Wir dachten uns dann einfach „Komm, lass uns alles nehmen, was solls!“ und das taten wir auch.. irgendwann kam der Kellner und fragte ob wir dieses und jenes wirklich noch haben wollen, der Tisch sei voll und wir nur zu zwei. Ja, na klar.. Her damit! Es hätte für eine ganze Familie gereicht.. aber es war so verdammt lecker! Ihr könnt Euch bildlich vorstellen wie wir aus dem Lokal gerollt sind, ich sah aus als würde ich Drillinge erwarten und auch Canadian-D hatte einfach nur noch Schmerzen. Wir beschlossen also den Weg zurück zu laufen; etwa 1 Stunde.. aber beim besten Willen, wir mussten laufen! Ich hätte nicht sitzen können und so ein Abendspaziergang ist doch auch was feines. Hach Canadian-D wird mir fehlen.. – gesehen, geliebt – Arsch auf Eimer.

Wenn ich daran denke, was ich hier für Leute kennengelernt habe und dass ich wahrscheinlich einen Großteil davon nie wieder sehen werde.. da wird man ganz sentimental. Da die Dänin China nur eine Woche nach mir verlässt und die beiden Medizinstudentinnen zwei Wochen später ebenfalls folgen, haben wir ausgemacht im September gemeinsam auszugehen – Hangzhou Girls Night Out in Copenhagen. Nun müssen wir nur noch einen Termin finden an dem wir alle können, da unsere Semester unterschiedlich beginnen.

Zumindest zu ein paar Leuten sollte der Kontakt gepflegt werden; sind sie doch nicht nur für die persönliche Freizeit hilfreiche Bekanntschaften; der ein oder andere wäre auch beruflich noch recht nützlich – klingt total uneigennützig oder…

Am Dienstag war die Aufregung in der Mensa groß – die Küchenfrau hat mir aus Versehen 3 Yuan zu viel abgezogen und der Manager war ganz außer sich und hat auf mich eingeredet. Wir dachten ich hätte etwas falsch gemacht. Dann übersetzte ein Mädchen worum es ging und ich solle doch Abend oder morgen wiederkommen und er wird das dann verrechnen. Ich sagte ihm es wäre ok, kein Grund zur Sorge, lassen wir es gut sein. Das löste die nächste DIskussion aus – die Chinesen sind ein sehr ehrliches Volk; besonders wenn es um Geld geht. Damit er sich beruhigt habe ich brav genickt und bin gegangen.

Mittwoch hatte er sich doch tatsächlich daran erinnert. Ich stand an einem anderen Stand, da es jetzt wo es heiß ist Lang Pi (die kalten Nudeln) in Deluxe-Version in der Mensa gibt und er stand doch tatsache 5 oder 6 Studenten lang dort um aufzupassen bis ich dran war und kassierte dann selber ab; sagte mir noch 5 mal dass er das nun mit den 3 Yuan von Dienstag verrechnet habe und nun alles wieder gut ist. Na, wenn es ihm jetzt damit besser geht…

Mein chinesisches Handy scheint die Wichtigkeit von Prüfungen noch nicht verstanden zu haben. Mittwoch Morgen klopft es an meine Tür und ich verfluche den Menschen innerlich; ich schaue auf die Uhr als es wieder klopft und auch bei den anderen um mich herum – verdammt, das ist der DJ, wir müssen los! Glücklicherweise bin ich es aus früheren Zeiten gewohnt mich innerhalb von 5 Minuten fertig machen zu können und so kam ich grade so rechtzeitig zur Klausur.

Die Prüfung in International Trade war.. also.. chinesisch. Wir machten uns alle vorher Gedanken, da keiner irgendwas verstand in der Vorlesung und hatten Spicker.. 3 A4-Seiten große Spicker. Wohin damit? Wie sieht er die nicht? Ist alles da? Auf einmal drehe ich mich um und er ist weg. Er war von den 1,5 Stunden vielleicht eine Stunde nicht im Raum – gut für uns; Teamarbeit ist doch sowieso ganz wichtig in der Arbeitswelt.

Laoshí versuchten wir zu überreden die letzte Chinesisch-Stunde draußen am See abzuhalten.. leider ließ sie sich darauf nicht ein. Das Gespräch war sowieso ganz süß. Wir dachten immer ihr Englisch ist super, dabei konnte sie offenbar nur die Sachen die sie für die Stunde brauchte. Als wir sie draußen auf der Straße trafen konnte sie sich kaum mit uns unterhalten und war sofort verlegen. Süß sind sie. Die Tests hatte sie leider noch nicht alle fertig und daher werden wir die Ergebnisse wohl erst erfahren, wenn wir wieder Zuhause sind.

Typisch China haben wir am Mittwoch dann auch mal erfahren, dass es am Freitag eine Abschlussveranstaltung für uns gibt – gut, dass wir spontan sind.

Als wäre es Mittwoch nicht schlimm genug gewesen, weigerte sich mein Handy auch am Donnerstag mich zu wecken – glücklicherweise wachte ich auf, als ich eh spätesten hätte aufstehen müssen. Und wieder war die Prüfung die schwerste von allen. In Gemeinschaftsarbeit, mit 2 A4 Seiten Spickern, meinen Aufzeichnungen und Wikipedia waren die Fragen doch leicht zu beantworten. Das Aufsichtspersonal war mal wieder chinamäßig mit aus dem Raum gehen und/oder dem Handy spielen geschäftigt.

Am Nachmittag habe ich dann mit Bobby für unsere mündliche Chinesischprüfung gelernt – wir sollten einen Dialog halten; clevere Kinder bereiten soetwas vor, wissen sie doch, dass sie sich nicht auf spontane chinesische Eingebungen verlassen können.

Und es hat geholfen. Chinesisch war eigentlich der schwerste Test. Erst ein Diktat, dann jeder einzeln zur Prüfung und dann gemeinsam einen Dialog halten. Um uns zu fordern hat der Lieblingslehrer die Anforderungen gleich mal etwas höher gesetzt und unbekannte Sachen abgefragt. Bobby und ich haben uns ganz gut geschlagen; es war eher ein stolpern statt einem glatten Durchlauf, aber es hätten wohl alle gute Arbeit geleistet fasste der Laoshi am Ende zusammen.

Anschließend wurden uns unsere Zertifikate überreicht, eine Abschlussrede gehalten und Fotos gemacht. Wir sind nun seit Freitag 12 Uhr offiziell keine Studenten mehr an der Gongshang University, sondern nur noch Touristen. Für Law muss die Abschlussarbeit noch eingereicht werden und in Oriental Management heißt es heute Abend „das letzte Ma(h)l“. Wir hielten die letzte Stunde beim Dinner (um 17 Uhr.. China halt) ab, Eigentlich sollte eine Art chinesisches Business-Dinner simuliert werden. Ganz China jedoch verabschiedete sich unsere Dozentin gleich nachdem wir uns gesetzt haben; sie muss zu einem Konzert. Als hätte ich an einem Freitag Abend nicht auch besseres zu tun als an einem Tisch mit Essen zu sitzen, dass ich weder mag noch bestellt habe, aber bezahlen muss.

Danach ging es jedoch direkt weiter Richtung Downtown. Ich war mit der Dänin verabredet, welche selbst ihr Abschiedsessen von der Firma aus hatte vorher und gemeinsam wollten wir dann zum Pakistani der wieder eines seiner Dinner gab. Irgendwie sind wir jedoch in ihrer Wohnung hängen geblieben.. da gab es noch einen Kühlschrank voller Reste von der Party davor. Irgendwann haben wir uns dann aber auch noch auf den Weg ins Coco gemacht, wo ich meine Studenten traf; den Studenten aus Shanghai der extra gekommen ist und die Leute vom pakistanischen Dinner. Jeder war da und so war der letzte Freitag Abend in Hangzhou mit allen lieben Leuten hier ausgeklungen.

Der nächste Freitag Abend wird dann schon mit deutscher Bratwurst und Kartoffelsalat im heimischen Garten gefeiert!

Samstag war ganz meinen Koffern gewidmet. Ich musste zum einen alle Sachen für die Heimreise zusammenpacken und das kleine Köfferchen für Hainan fertig machen. Gar nicht so einfach wieder alles zu packen – zum einen weil der Koffer irgendwie kleiner geworden ist und zum anderen wird einem dann erst richtig bewusst, dass es wieder nach Hause geht. Ich möchte noch nicht nach Hause und jedem, den ich hier kennengelernt habe, geht es genauso. Jeder, der hier Freunde gefunden und sich an das schöne Leben gewöhnt hat, möchte bleiben. Und es ist auch absolut verständlich. Hangzhou ist wunderschön, die Leute hier sind klasse, das Leben lebt sich unglaublich einfach und sorgenfrei. Wer will schon freiwillig zurück zu Ernst, Verantwortung und Alltagstrott, wenn er doch Dauerurlaubsfeeling, Abenteuer und täglich Neues haben kann.. könnte?

Ich werde erst einmal wirklich in den Urlaub fahren und mir hoffentlich auf Hainan die Sonne auf den Bauch scheinen lassen.. Vorhergesagt ist leider nur Regen.. die ganze Woche.

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