Die Etappen einer Heimreise

Donnerstag, 30.05.2013 – ein Mädchen beginnt mit der Heimreise.. etappenweise.

Donnerstag; Morgen: Sechs Mädchen treffen sich gemeinsam beim Frühstück und besprechen den weiteren Verlauf. Zwei gehen früher und fliegen weiter nach Hongkong, zwei bleiben auf der Insel, zwei fliegen nach Deutschland. Alle sechs verabschieden sich herzlich; sehen sie sich doch wahrscheinlich alle erst im Spätsommer wieder. Zwei Mädchen begeben sich an den Strand um letzte Fotos zu machen.. die Traumkulisse möchte ihnen die Abreise jedoch erleichtern und zeigt sich von ihrer bewölkten Seite mit Regen am Horizont.

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Donnerstag; Mittag: Die zwei Mädchen schließen eine Tür hinter sich und öffen eine neue – Hoteltür, Taxitür. Das Taxi fährt sie direkt zum Flughafen wo sie auf drei andere Mädchen treffen. Es ist noch Zeit. Sie setzen sich, zu fünft, wie die Hühner auf der Stange nebeneinander. Gegenüber Massagestühle, die zur allgemeinen Belustigung beitragen. Ein kleiner Chinesen möchte sich massieren lassen und wird regelrecht durchgekaut.. es sieht so aus als würde der Stuhl ihn einsaugen, kauen und wieder ausspucken.. Die Mädchen und die umsitzenden Chinesen haben gut gelacht – die Mädchen über den Chinesen, die Chinesen über die Mädchen. Drei Mädchen fliegen eine halbe Stunde früher – waren es wieder nur noch zwei. Vor Langeweile und Hunger, weil mittlerweile Nachmittag, machte ein Mädchen die allererste Erfahrung mit KFC.

Donnerstag; Nachmittag: Zwei Mädchen besteigen ein Flugzeug und sitzen neben furchtbarem Geruch. Nach netter Nachfrage wechseln sie in die erste, freie Reihe – eines links ans Fenster, eines rechts. Unterhaltung über 6 Sitze plus Gang; fliegende Salzbehälter – viel Platz, Teebecher getroffen – ein Mädchen, zwei Sitze, eine Flugzeugwand nass.. wir schieben es auf die Russen. Hielt man uns in Sanya doch für Russen.

Donnerstag; Abend: Landung in Hangzhou. Zwei Mädchen fahren vorerst nach Hause. Ein Mädchen muss sich beeilen.. Koffer abstellen, ausgehfein machen, Koffer packen, Canadien-D treffen. Gemeinsam fahren sie zum pakistanischen Dinner und bekommen zwar nur noch Reste, weil 1,5 Stunden zu spät, aber sehr sehr leckere Reste.. Die meisten Leute, die das Mädchen kennengelernt hat sind dort und gemeinsam geht es weiter ins Amigo; noch mehr liebgewonnene Menschen treffen. Abschied von den ersten; die Armen müssen ja am nächsten Morgen arbeiten. Weiterziehen mit anderen – die letzte Partynacht im Coco. Das Mädchen haut noch einmal ein bisschen auf die Kacke bevor es sich um drei auf den Weg nach Hause machen muss. Abschied vom Rest.

Freitag; Morgen: Das Mädchen hat verschlafen. Bobby klopft an die Tür. A klopt an die Tür. Das Mädchen beeilt sich, lässt ein paar Sachen zurück (nein, sie hat sie vergessen; passiert) und zu dritt (zwei nüchtern, eines sehr betrunken) fahren sie mt dem Taxi Richtung Flughafen. Erste Teilstrecke zwischen Hangzhou und Peking ist nach 3 Stunden geschafft.

Freitag; Mittag: Drei sind in Peking und müssen sich beeilen. Der wahrscheinlich größte und unübersichtlichste Flughafen der Welt – Gepäck holen, neu aufgeben, Wasser kaufen und schnell wieder zum nächsten Gate; wir haben doch keine Zeit. Offenbar doch: Stau auf der Startbahn. Zehn Flugzeuge hintereinander, immer weitere kommen. Eine Stunde später „Ready for Take Off“ für die Maschine nach Berlin. Sie sind am Himmel. Drei zwischen vielen, gemeinsam Richtung Westen. Schon traurig. Offiziell sind sie nie nach Berlin geflogen; hat das Mädchen doch ausgerechnet dieses Ticket als einziges auf der ganzen Reise nicht fotografiert.

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Freitag; Abend: Welcher Freitag Abend? Das Mädchen denkt an die Leute in Hangzhou und was sie machen; vergaßen einige doch dass sie nicht da ist und fragten ob sie auch mitkomme zum Essen. Ja, sie will. Nein, sie kann nicht. Über China bricht die Nacht herein, das Mädchen bleibt dauerhaft im Nachmittagssonnenschein. Zehn Stunden Flug, sechs Stunden Zeitverschiebung..  das chinesische Hinterland, die Wüste Gobi, Sibirien, Kaukasus, Uralgebirge, Seenlandschaften, preußische Wälder, heimische Dörfer – sie fliegen und sehen alles: Wüstensand, schneebehangene Berggipfel, Steppe, grüne Landzüge, Dörfer, Städte, eine Ewigkeit voller Nichts, brandenburgische blaue Seen, dunkle Kiefernwälder, märkische Heide, märkischer Sand… Landeanflug auf Tegel; im Kopfhörer „Here 2 China“.

Freitag; Nachmittag: Deutschland, Regen, das Mädchen, mittlerweile nüchtern, hat keine Stimme mehr. Auf dem Flug ging sie verloren. Das Mädchen friert zudem sehr; 20 Grad kälter ist es in Deutschland als die letzten Tage für sie. Passkontrolle, Gepäck holen, Ausgang. Der Dìdi wartet schon (chinesisch „Kleiner Bruder“) mit einer Bärchenwurststulle. Die drei werden empfangen, beschenkt, geherzt. Ein letztes Foto – könnten sie doch frischer gar nicht aussehen. Verabschiedung nach 100 tollen gemeinsamen Tagen in der Fremde, im Abenteuer, gemeinsam gelacht, geweint, gestritten.

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Freitag; Abend: Das Mädchen ist Zuhause. Freunde und Familie warten schon, der Grill ist an, das Essen fertig. Das Wetter über ihr für einen verregneten Tag herrlich, ein paar Wolken, Sternenhimmer, kein Regen.. weil sie jetzt wieder da ist. Gedanklich in Hangzhou, immer mit Blick auf die Zeit und Überlegung wo sie in diesem Moment wäre sitzt sie am heimischen Tisch umringt von vertrauten Menschen die aktuelle Ortszeit im Blick. Pläne für den nächsten Tag werden gemacht, die eigene Wohnung wirkt wie nie verlassen, das eigene Bett sorgt für einen tiefen und langen Schlaf.

Ein Mädchen ist wieder zurück.

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