Back Home?

So Romy, du bist jetzt seit einer Woche wieder Zuhause.. wie isset so?

Ja, wie ist es so? Wie ist es so nach Hause zu kommen, wenn man eigentlich noch weg sein will? Alle freuen sich darauf einen wiederzusehen. Es gibt eine Begrüßungsfeier, Geschenke und viele freudige Gesichter und selber denkt man „Was würde ich jetzt machen wenn ich noch da wäre?“. Das gibt ein großes schlechtes Gewissen.

Ich habe das Gefühl noch nicht genug gesehen und erlebt zu haben. Als hätte ich ein Projekt angefangen und mitten drin liegen gelassen; ich kümmere mich nicht mehr darum; soll es doch versauern. Was natürlich nicht geht, wenn man da ein bisschen Herzblut reingesteckt hat.Ich schaue also seit einer Woche auf die Uhr und denke: Jetzt ist es so und so spät, jetzt würde ich das und das tun, mit den und den Leuten. Was machen die wohl grade?

Ich sehe die Facebook-Postings der anderen und denke: Ich bin nicht dabei; vor einer Woche war ich es noch.

VIel schlimmer: ich kann bei nichts dabei sein. Die ganze Woche war ich Zuhause. Das Praktikum sollte am Montag beginnen und nach 5 Minuten wurde ich nach Hause geschickt.

Die Stimme ist noch weg, die Rotznase läuft und der Husten ist fest dabei – bitte zum Arzt und nächste Woche probieren wir es noch einmal.

Ich war einen Abend bei Freunden, am Freitag Abend zum Grillen eingeladen; aber ich würde gerne mehr unterwegs sein – ich muss einige Klamotten einkaufen.

Klamotten einkaufen wird jedoch schwer werden. Das erste, was ich nach der erste Nacht im eigenen Bett getan habe, war mich auf die Waage zu stellen und die persönliche „Nie wieder drüber“-Grenze ist weit überschritten – die „Nochmal und ich erschieß ich“-Grenze nur noch ein Kilo weg. Ich würde also gerne ins Fitnessstudio gehen und mir Dinge für eine Neuauflage der Diät (ja, ich habe das böse Wort gesagt) besorgen – das geht aber nicht, weil ich krank bin.

Ich war nur bis Freitag krank geschrieben. Ich werde mir also heute das Drachenbootrennen ansehen und Abend ausgehen. Wen interessiert es, dass die Stimme noch gebrochen ist?

Normalerweise ist das bei mir nach zwei Tagen erledigt – ich kenne es nicht, dass die Stimme so lange bricht. Vielleicht ist es gar keine Erkältung – vielleicht ist es das Fernweh. Kinder verlieren doch auch manchmal ihre Sprache, wenn etwas schlimmes passiert oder ist das jetzt zu weit hergeholt?

Naja.. bringen wir den Alltag ins Alltagsleben; verabschieden wir uns von den „Was würde ich jetzt in Hangzhou machen“-Gedanken.

Der Kulturschock geht auch in die andere Richtung. Es gibt noch eine Dimension mehr: wieder Zuhause. Wenn man aus dem Urlaubsfeeling, Weg-von-Allem, Bin-hier-was-Besonderes wieder herausgerissen wird. Wenn man sich wieder im Alltag befinden aus dem man geflüchtet ist. Man verfällt in eine Art kleine Depression.

Hallo, kleine Depression!

 

***

Nachtrag: Auf Arianes Blog Heldenwetter gibt es grade eine tolle Blogparade zu dem Thema, falls ihr mal dort vorbei schauen und auch andere Heimkehrergeschichten lesen möchtet.

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7 Gedanken zu “Back Home?

  1. Pingback: Blogparade "Vom Heimkommen": Eure Beiträge - heldenwetter

  2. Oooch Du! Ich komme mit großen chinesischen Drachen und einer leckeren deutschen Wurst und vertreibe die Depression!!! Schnick, Schnack, schmatz, schmatz! Das mit Deinem Hals hört sich doof an. Nach Frankreich konnte ich mich damals direkt in einen Ferienjob mit Schichtdienst stürzen, da blieb nicht viel Zeit zum traurig sein. Trotzdem kann ich nachempfinden, das Du sowas wie Heimweh hast.
    Liebe Grüße,
    Catou

  3. Ich kenne das so gut:/ So richtig hört man nie auf zu verfolgen, was die anderen da so machen, aber die Wehmut geht weg… Es ist natürlich blöd, dass du jetzt so krank bist, denn das beste Heilmittel ist: keep busy!
    Ich wünsch dir gute Besserung und mache ein hässliches „BU-fauccccchhhhh“ in Richtug der Depression!

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