„Wie war’s denn?“

Seit zwei Wochen bin ich nun wieder Zuhause und jeder der mir seither erstmalig wieder über den Weg läuft möchte natürlich wissen, wie es denn so war.

Toll, war’s natürlich!

Aber was habe ich denn so gemacht? Wo war ich und was kann ich empfehlen?

WoIchWar

Ich habe insgesamt etwa 21.130 Kilometer zurück gelegt – das ist einmal um die halbe Welt.

Von Berlin über Frankfurt nach Peking für die ersten 4 Tage und dann nach Hangzhou zum Beginn eines viel zu kurzen kleinen Abenteuers.

Eintauchen in eine fremde Kultur, die doch fremder war als gedacht. Erleben wie sich Vorurteile in Luft auflösen und überraschende neue Erkenntnisse aufbauen. Ekel, Freude, pure Genervtheit in den ersten paar Tagen versetzten uns einen dezenten Schock, der sich erst etwa zwei Wochen später begann zu legen.

Unverständnis für Umweltverschmutzung und Verwestlichung, sowie Verhaltensweisen der Chinesen wechselte regelmäßig mit Erstaunen über Superlativen, Großzügigkeit und die Vielfalt der Landschaft.

Ich war zweimal an der chinesischen Mauer, habe in Xi’an eine der traditionellsten Großstädte Chinas gesehen, mich auf einen Kurztrip nach England und Portugal in Hong Kong und Macau begeben, habe ein Elektrofestival mit David Guetta in Peking und die Formel 1 in Shanghai besucht, lag auf Chinas Hawaii in der Sonne und lebte in einer der schönste Städte an der Ostküste. Ich habe den Sonnenaufgang über Peking in einer Bar auf den Dächern der Stadt erleben dürfen, mitten auf der Straße typisch chinesisch gespeist, tolle Leute aus der ganzen Welt kennengelernt und in einem Casino mein Geld bei mir behalten. Ich konnte fast jeden Abend ausgehen und habe so gut wie nichts dafür bezahlt, jedoch auch nichts von den Massen an Kleidungen und Schuhen erbeuten können. Ich habe gelernt, dass die chinesische Sprache nicht so schwer ist wie gedacht und konnte mich im Alltag verständigen; habe mir bei Canadian-D das fluchen auf Englisch angewöhnt und festgestellt, dass Holländer, Dänen und Schweden sich zumindest verstehen, wenn sie in ihren jeweiligen Landessprachen sprechen und sich Mühe geben.

Was mich sehr verwundert hat: Shanghai ist doppelt so groß wie das Saarland (etwa 100 x 120 km groß) – stellt Euch das doch bitte kurz einmal vor – und das Kernzentrum ist voller Ausländer. Überhaupt trifft man überall auf verdammt viele Deutsche. Selbst Hangzhou hatte gefühlt in der internationalen Community etwa soviele Deutsche wie übrige Ausländer zusammen. Egal wo man sich in den größeren Städten bewegt hört man die deutsche Sprache. Hong Kong und Macau sind zwar theoretisch China wieder angegliedert, praktisch aber eine andere Welt mit eigener Währung und Einreisebestimmung.

Chinesen sind sehr höflich, hilfsbereit und zuvorkommend – so es einen Grund dafür gibt. Im eigenen Alltag sind sie nur auf ihren inneren Kreis bedacht und kümmern sich nicht um ihr Umfeld. Sie schubsen, spucken und haben offenbar keine Manieren. Sie sind sehr schüchten und stets ängstlich etwas falsch zu machen. Sie denken nicht eigenständig oder handeln ohne Anweisung, da sie es nie gelernt haben. Überhaupt wird in China auf Quantität statt Qualität Wert gelegt. Wenn sie mutig waren und sich geöffnet haben sindsie sehr angenehme Zeitgenossen mit einer großen Portion (für uns manchmal komischem) Humor. Sie reden nicht gern über Familie, Politik oder gesellschaftskritische Themen. Über einen anderen Chinesen sprechen und dessen Namen erwähnen ist unhöflich – auch wenn man nur nettes sagt.

Unterhalb des Yangtze gibt es keine Heizsysteme – offiziell -; es können also auch keine Heizungen installiert werden. Das Wasser ist extrem chlorhaltig und Hygiene und Sauberkeit werden anders interpretiert. In China macht man Pipi in ein Loch im Boden und muss das Toilettenpapier aus Mangel aus leistungsfähigen Abflusssystemen in den Mülleimer werfen.

Gegessen wird alles und lässt es sich nicht kauen wird es wieder ausgespuckt – auf oder neben den Tisch. Löffel werden ebenso häufig verwendet wie Stäbchen. Überall gibt es feuchte Tücher statt Servietten und generell ist der Service in China sehr schlecht.

Weiterentwickeln konnten wir unser Ekelempfinden, wir sind wesentlich geduldiger geworden, anspruchsloser und offener.

Bei allen Erzählungen stoße ich auf Unverständinis über die Eigenarten des Landes. Es ist eine andere Kultur und darum ging es. Ich kann mir nicht vorstellen dort mein Leben lang verbringen zu wollen, aber für einige Zeit könnte ich doch wieder zurückgehen. Es ist nun einmal nicht wie Zuhause; in keinster Weise. Es ist anders und das ist auch gut so. So gehört es – wer etwas Neues erleben will muss damit rechnen und leben, dass Dinge entgegen der eigenen Überzeugung, Erziehung und Erwartung geschehen.

Wer etwas von der Welt sehen möchte und offen für Ungewöhnliches ist, sollte auf jeden Fall einmal nach China reisen. Hong Kong ist generell eine Reise Wert, aber es ist nicht China. Wer keinerlei Chinaerfahrung hat wird es in kleineren Städten schwer haben – mangelnde Englischkenntnisse und besonders Toiletten und Hygiene können einem den Aufenthalt vermiesen. Bestenfalls arbeitet man sich vor und beginnt in Shanghai. Der Smog ist nicht so extrem wie in Peking und die Stadt ist groß und international genug um Touristen das „Überleben“ zu ermöglichen. Durch Olympia sind die großen Städte mit englischen Untertiteln auf Schildern und Automaten versehen und bei der richtigen Bank kann der Automat auch Deutsch. Die Mauer ist eindrucksvoll, Tempelanlagen kunstvoll und die Parks bieten eine gute Möglichkeit zur Erholung wer aus dem Treiben der Städte entfliehen möchte.

China ist voll; 1,3 Milliarden Menschen versammeln sich ungleichmäßig über das Land verteilt. Die Ostküste ist überfüllt und füllt sich noch mehr. Platzangst ist der Feind eines jeden Chinareisenden. Ich würde lediglich ein paar Tage in einer Stadt bleiben und weiterziehen – China bietet mehr als nur 2 Wochen Shanghai. Man sollte so viel wie möglich gesehen haben und Chinas Verkehrsmittel ermöglichen eine leicht planbare und ereignisreiche Landtour.

Größter Fehler: Denken, China wäre preiswert! Nein, wer das Land bereisen möchte muss genug finanzielle Mittel mitbringen – es ist keineswegs preiswert.

Meine Lust sobald als möglich wieder das Land Richtung fremde Kultur zu verlassen ist größer denn je und ich hoffe auf viele Möglichkeiten: China, Indien, Singapore, Marokko, Arabien, Mitte- oder Südamerika, etc. – die Welt ist zu groß und interessant um in Deutschland zu bleiben.

Wenn Ihr Fragen habt, stellt sie ruhig – ich bin sicher, nicht alles erzählt zu haben.

Dieser Beitrag wurde unter China veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s