Woche 8: Warum abnehmen so schwer ist..

Ich bin geplagt von Demotivation und aufkommender Verzweifelung. Es scheint, als hätte ich mein gesamtes Abnehmpotenzial bereits beim ersten Mal voll ausgeschöpft. Fleißig zum Sport gehen, gesundes Essen.. alles nur Beschäftigungstherapie um sich nicht zu langweilen.. bringen tut das irgendwie nichts.

Graph

Hier waren ja auch viele Ausschläge nach oben und es war nicht einfach, aber es war wenigstens ein Abwärtstrend zu erkennen. Nun habe ich da auch nicht wöchentlich gemessen und es ist länger als ein Jahr.. aber trotzdem!Grafik

Viele freuen sich: „Habe schon 10 Kilo abgenommen! Und das nur weil ich meine Ernährung verändert habe! Probier das doch mal.“ – Ähm ja, das Thema ist durch. Wenn ich böse Sachen esse und zu viel zu fett, zu salzig, zu viel Zucker und dann auf einmal anfange Dinge zu essen, die mein Körper noch nie vorher kannte, nehme ich ab. Wenn mein Körper keine Möhren kennt, reagiert er natürlich darauf wenn ich die statt Chips in mich hineinstopfe. Wenn ich aber den ganzen schlechten Käse schon weglasse.. was soll ich denn dann noch verändern? Wenn ich keine Fertigprodukte verwende, was soll ich denn dann austauschen? Der Körper kann sich gewöhnen, wie alles und er gewöhnt sich auch an solche „Ernährungsumstellungen“ – aber an was soll er sich denn dann neu gewöhnen? Ich müsste für eine Umstellung radikaler werden. Wenn mein Körper etwas merken soll, müsste ich beginnen mich vegan zu ernähren, komplett zuckerfrei oder.. nichts was einen Schatten wirft. Das wäre es doch, ich werde einfach Frutarier – ich esse nichts mehr, dass nicht von selbst auf meinen Teller gefallen ist.

Natürlich ist das keine Alternative! Woran kann es also liegen, wenn trotz Bemühungen einfach nichts passiert? (Das ist keine Liste, was bei mir nicht stimmt, sondern allgemein Ideen woran es liegen kann, dass man [nicht ich] nicht abnimmt).

In meinem Praxisbetrieb steht die Mikrowelle eine Etage tiefer. Ich habe zum einen keine Zeit mir etwas Zuhasue vor zu kochen und zum anderen keine das dann in einer anderen Abteilung aufzuwärmen. Ich mache mir öfter Salat, möchte aber auch nicht jeden Tag Salat essen – da muss ich ehrlich sein. Die Kantine ist keine Möglichkeit – zum einen ist sie schlecht, zum anderen bietet sie die Gerichte an, die ich meiden möchte. Gesund ist da nur die Flasche Wasser. Ich hole mir also beim Bäcker ein belegtes Brötchen. Ich gehöre allerdings zu den Menschen, die etwas richtiges und vor allem warmes zu essen brauchen. Ich erleide unglaubliche Heißhungerattacken, wenn ich nichts warmes gegessen habe. Das geht ein oder zwei Tage gut und dann zeigt es sich. Ich bin also dazu übergegangen mir dann Abend etwas zu machen; zwar kalorienarm, aber das interessiert meinen Körper nicht. Er ist Verfechter der „Abend wird nicht gegessen„-Theorie. Ich habe in den Jahren festgestellt, dass es für mich am besten ist, nach 15 Uhr schon nichts mehr zu essen. Ob nun Eiweiß, Kohlenhydrate oder purer Salat ist vollkommen egal. Esse ich abend etwas, schlüpft es direkt in Fettpolster Nr. 1 und Fettpolster Nr. 2. Nun wird mein Praxissemester in der nächsten Woche sein Ende finden.

Ein nächstes Problem. In der Analyse meines Körpers habe ich zudem gemerkt, dass ich Veränderungen sehr schwer verkrafte. Ich habe innerhalb des letzten Jahres viele Veränderungen erlebt: Umzug,  China, Praxissemster.. Ich brauche in der Regel etwa 2 Monate um mich umzugewöhnen. In dieser Zeit reagiert mein Körper mit Gewichtszunahme, Blähbauch und Unverträglichkeiten. Ich liebe Veränderungen, ich hasse die Konsequenzen. Wenn ich nichts esse, müsste ich abnehmen – theoretisch. Ich habe mal ausprobiert, wie es sich in dieser Zeit verhält und es passiert nicht viel. Außer dem Wasserverlust geschiet so gut wie nichts.

Ich trinke genug – man muss viel trinken und das tue ich – mindestens zwei Liter Wasser pro Tag, meist mehr. Keine Limo, mal ein Glas Cola einmal die Woche.. hier und da ein ungesüßter Tee. Obst und Gemüse essen ist an sich eine tolle Idee.. und ich mag Obst – das meiste kann ich nur nicht essen. Bananen lassen sich super mitnehmen, die haben ich aber mittlerweile echt über. Bei Obst wie Ananas oder Mango sind wir wieder in der „braucht Zubereitungszeit“-Schiene – zuviel Fruchtzucker hilft zudem auch nicht weiter. Ich nehme oft Möhren mit und verwende zum Kochen eigentlich immer frisches Gemüse.

Es heißt ja auch: Bewusst essen! Wer nur nebenbei isst, tut seinem Körper nichts gutes. Die Tante bei einem privaten Fersehsender mit ihrer Abnehmshow von der ich vergessen habe auf welchem Sender sie läuft, sagt immer in jeder Sendung die ich gesehen habe: Du merkst gar nicht mehr, dass du isst. Also auch wenn ich auf der Fahrt zur Arbeit meist frühstücke, merke ich ganz bewusst, dass ich grade zwischen Daumen und Zeigefinger eine Vollkornstulle halte um mit den restlichen drei Fingern schalten zu können. Ich beiße bewusst ab und kaue bewusst.. ich weiß ganz genau, was ich da mache. Ebenso weiß ich auch ganz genau, was ich tue, wenn ich bei meiner Kollegin oder bei den Eltern in die Süßigkeiten greife. Ich weiß ganz genau, ob ich einen Bonbon oder 5 Kekse esse und was die Folgen sind. Ich esse nicht beim Fernsehen und achte auch darauf, was ich mir da auf das „bewusst“ am weißen Brötchen vorbeigegriffene dunkle Brötchen schmiere. Ich bin mir durchaus im klaren darüber, was es heißt, wenn ich mir einmal alle paar Wochen eine Toaststulle mit Nutella gönne. Ich esse bewusst – ich esse nur leider immer auf. Ich habe bis jetzt noch nicht geschafft mir das aufessen abzugewöhnen.

Einen Ansatz den ich sehr interessant finde ist der „Stress macht dick„-Ansatz. Wer nicht entspannt ist, kann nicht abnehmen. Stresshormone sind wahre Kalorienbomben, auch wenn sie selber gar keine Kalorien haben. Sie sind wie die Jäger und Sammler; man kann sich voll darauf verlassen, dass ihre Körbchen voll sind und der Stoffwechsel gehindert wird. Viele merken ja auch, dass in stressigen Zeiten die Verdauung nicht so ganz mitspielt. Eine Verdauung, die nicht richtig funktioniert, kann uns dick machen. Meine Verdauung befindet sich seit Jahren im Streik und hat in Sachen Qualitätskontrolle einiges nachzuholen – würde ich aus meiner Verdauung eine Firma machen, würde sie vor Faulheit der Mitarbeiter pleite gehen.

Amüsiert hat mich die Theorie: Schnupfenviren machen dick. Es gibt tatsache Studien, die belegen, dass Schnupfenviren dick machen. Fettzellen wachsen schneller und versuche an verschiedenen Tieren haben es belegt. Jeder Mensch, der mir mal ins Gesicht geniest hat, ist also mit schuld! Ganz schön weit hergeholt, was :DDa kann ich auch erzählen, ich hätte schwere Knochen.

Die „Set-Point-Theorie“ geisterte mir bereits im Kopf, bevor ich überhaupt davon gehört habe. Ich habe es letzte Woche schon einmal erwähnt – das vorprogrammierte Idealgewicht, auf das sich der Körper eingespielt hat. Das soll es sein und nicht anders. Wissenschaftlich belegt ist es nicht; Studien wurden durchgeführt, sind aber nicht medizinisch aussagekräftig.

Gerne genannt: „Hab eine Schilddrüsenunterfunktion!“ – ja, wenn die Schilddrüse nicht richtig arbeitet, fehlen die Hormone für einen guten Zucker- und Fettstoffwechsel. Als Kind wurde ich jahreslang mit Tabletten für meine Schilddrüse vollgestopft – mit 18 oder 19 wurde mir gesagt, es sei alles gut und ich habe die Tabletten absetzen können. Meine Schilddrüse war vergrößert und ich bin in der Pupertät sozusagen „reingewachsen“. Das Thema war für mich abgeschlossen und müsste durch einen Arzt erneut untersucht werden. Jeder dritte Deutsche soll übrigens Schilddrüsenprobleme haben – meist durch falsche Ernährung!

Bewegung hilft – natürlich! Weiß doch jeder, dass man sich auch bewegen muss und das tue ich ja. Ich gehe ganz brav zum Sport, halte meine Stunde im Kurs aus und hoffe auf das beste. 2 -3 die Woche reichen wohl vollkommen aus – offenbar brauche ich jedoch 2 – 3 mal pro Tag. Nun ist meine Trainerin leider dazu übergegangen einen neuen Beruf zu erlernen (was mich sehr für sie freut) und so stehen meine Kurse derzeit in Wartestellung: wird es jemanden geben, der sie übernehmen kann; werden sie bestehen bleiben; muss ich mir was neues suchen?

Der vielleicht naheliegendste aber durchaus unbeliebteste Grund: Mädel, du machst das falsch! Abnehmmythen und Halbwissen können fatal sein. Wer schlampig arbeitet und nur mit halbem Herzen bei der Sache ist, kann ja gar nicht abnehmen.. Für mich hat sich herausgestellt, dass ich die totale Kontrolle brauche. Ich hatte in China keine Waage und das hat mich irre werden lassen. Ich konnte mein Gewicht nicht kontrollieren. Ich habe schlichtweg nicht bermerkt, wie viel ich dort zugenommen habe! Hätte ich wie hier mein Gewicht im Blick behalten können, hätte sich das sicher vermeiden lassen. Auch wenn ich es nicht schaffe abzunehmen, schaffe ich es zumindest nicht weiter zuzunehmen – auch wenn ich unter für mich normalen Gewichtsschwankungen von 2 Kilo leider.

Was kann ich tun?

Ich werde die Kontrolle weiter ausbauen und wieder zum täglichen Ernährungstagebuch übergehen und dokumentieren, was ich gegessen habe und wie viele Kalorien das pro Tag waren. Ich habe mir zwar in den Jahren einiges an Wissen angeeignet, scheine mich aber allein darauf nicht verlassen zu können.

Ich könnte dazu übergehen täglich ins Fitnessstudio zu gehen, aber das geht nur solange ich frei habe. Ich kenne meinen Stundenplan für das nächste Semester noch nicht und wenn es wieder beginnt muss ich zudem arbeiten – ich werde dann keine Zeit mehr haben täglich zum Sport gehen zu können. Mein Körper wird mir das hin und her nicht danken (siehe oben). Es ist besser ein Sportpensum beizubehalten, das ich so weiterführen kann.

Die Variante Frutaria zu werden nehmen wir mal nicht ernst. Ich kann mich nicht selbst davon überzeugen, ich würde der Möhre wehtun, wenn ich sie aus der Erde im Garten ziehe.

Strategiewechsel? Aber wohin? Low Carb ist sehr beliebt, aber nichts für mich – ich bin kein Fleischfreund und ich mag Kartoffeln! Ich habe zudem mal Trennkost ausprobiert – nicht zum Abnehmen, sondern wegen dieser ganzen Unverträglichkeitsgeschichte. Keine Nudeln mit Tomatensauce mehr – das geht zu weit! Es gibt Opfer, die ich einfach nicht bereit bin zu bringen. Fettarm ernähre ich mich bereits. Zucker verwende ich eigentlich nicht; wenn süße ich mit Stevia oder selten auch mit Süßstoff. Salz verwende ich zudem auch nur in sehr geringen Mengen. Formuladiäten haben mir ja bereits sehr weit geholfen, nur sind die zum einen nicht auf Dauer zu empfehlen und zum anderen versetzten mir Milchprodukte regelmäßig kleine Tritte in den Hintern. Weight Watchers – nichts anderes als die kostenfreie Kontrolle, die ich bereits hatte. Tabletten? Sollten wohl wirklich die allerletzte Wahl sein – so entmutigt bin ich nun wirklich noch nicht *klopf auf Holz*, außerdem: habt Ihr mal die Preise gesehen? Und ein bisschen legal sollten sie ja nun auch sein. Pro Ana? Lieber dick als tot; das ist dann das geringere Übel, ganz ehrlich.

Wohin nun?

2 Gedanken zu “Woche 8: Warum abnehmen so schwer ist..

  1. oh jeee! da liest sich eine Menge Verzweiflung mit im Post. ist aber auch echt blöd! ich fieber ja ein bißchen mit, wenn ich Deine Wiege-Kurve sehe.

    ich finde das Ernährungstagebuch eine gute Idee, denn dann kannst Du wirklich sehen, wo es hakt und woran es evtl. liegt.

    Ich finde ja (wie Du weißt) Slow Carb (Tim Ferris) eine gute Methode zum Abnehmen, die mir auch sehr geholfen hat und wenn sich jetzt mal 3kg mehr auf die Waage schleichen, weil ich zu viel Eis oder Kuchen gegessen habe, werde ich sie damit auch wieder los. Nicht in Nullzeit und nicht ohne Anstrengung aber es funktioniert. Das Mittagessen-Dilemma, das Du beschreibst, kenne ich – aber da hast Du noch nicht Deine Lösung gefunden (entschuldige, vielleicht steht mir das aus der Ferne nicht zu – aber such noch mal, ohne Dich da unter Druck zu setzen.) eine Idee: Suppe/Curry/Essen im „Henkelmann“ mitnehmen – warm ohne Mikrowelle und alles was nur einen Topf braucht, lässt sich prima vorbereiten und einfrieren. Platz sparend in Beuteln, so dass Du nicht jeden Tag das gleiche essen musst….

    • Die Slow-Carb-Variante ist wie gesagt gar nichts für mich.. ich esse so gut wie kein Fleisch und jeden Tag ne Hähnchenbrust.. oder was ja dann fast nur noch bleibt Gemüse.. Ich werd lieber Vegetarier und ess nie wieder Süßes als keine Kartoffeln und Quark oder Nudeln mehr essen zu können. Auf Dinge verzichten, auf die man nicht verzichten möchte und stattdessen Dinge essen, die man nicht mag, ist scheiterungsversprechend.

      Das Mittagsdilemma erledigt sich glücklicherweise nächste Woche von alleine.. dann gibt es wieder Heimmittag und später Mensa (unsere Mensa ist gar nicht so schlecht!).

      Aber danke dass du so dabei bist😀

Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s