Selbstbild – Fremdbild

Was für Bilder?

Das Selbstbild und das Fremdbild.

Als Selbstbild wird unsere Wahrnehmung von uns selbst bezeichnet und das Fremdbild ist dementsprechend wie uns andere sehen und wahrnehmen. Selbstbild und Fremdbild sind eigentlich nie gleich. Jeder hat Zweifel, jeder hat etwas dass ihm nicht gefällt, jeder nimmt sich anders wahr. Sei es durch Wunschdenken oder verzerrter Realität.

Nur bei wem Selbst- und Frembild in einem gesunden Maße auseinanderklaffen, kann mit sich selbst im Reinen sein. Menschen, deren Wahrnehmung zu verzerrt ist, haben Probleme entweder im sozialen Umgang oder auch mit sich selbst.

Das beste Beispiel: Wer in den Spiegel schaut, sieht oft etwas anderes als andere. Magersüchtige Mädchen sehen dort keine mageren Körpertele, ausgedürrt und knochig – sie sehen Fett, Cellulite und ungewollte Kilos. Sie können gar nichts dafür – also prinzipiell schon, aber sie sind in ihrer Wahrnehmung krankhaft gestört und ihnen Einreden zu wollen, es stimme nicht was sie sehen und das wäre doch nur Quatsch, sie sollten doch noch einmal genauer hingucken bringt nichts.

Selbstbild

So ähnlich ist das eigentlich bei jedem. Nur die wenigstens Menschen können vor dem Spiegel stehen und stolz hineinsehen ohne dass ihnen etwas auffällt.

Ich war Samstag Nacht mit einem Kumpel tanzen und wir unterhielten uns über die Mädels und welche ihm gefallen. Dabei sagte er dann „Ich mag keine Frauen mit dicken Bäuchen.“ Ich schaute an mir herunter und dachte mir „Aja…“, das bekam er mit und sagte „Dich meine ich nicht, du hast doch einen normalen Bauch.“ und streichelte drüber. In dem Moment dachte ich mir „Mein Gott, entweder lügt er dir dreist ins Gesicht oder er ist wie der blinde Mann letztens bei Galileo der seine Umwelt täuschen und nicht merken lassen kann, dass er blind ist“. Ich traf meinen Kindergartenfreund und auch er war mit ein paar Jungs da.. letzten Endes fand ich mich in einem Pulk junger gutaussehender Männer (bisschen schleimen muss man ja 😉 ) die natürlich ein Mädchen nach dem anderen bewerteten. Es tänzelte die ganze Zeit eine um sie herum in der Hoffnung sie würden doch mal auf die anspringen – das arme Mädchen probierte es bei allen 5 Kerlen plus die zwei die dann noch hinter uns standen (und sich köstlich mit uns darüber amüsierten). Keiner der Jungs wollte irgendwie auf sie eingehen, dabei gab sie sich nun wirklich solche Mühe.. sie fanden sie einfach nicht attraktiv. Ich fand, sie war ok.. teils besser als das was die Jungs da „aussuchten“, aber sie hatte ordentlich etwas auf den Hüften… ich würde mich mit ihr vergleichen. Nur dass ich bei den Jungs wesentlich besser ankam als sie.

Dass sie sehen können weiß ich zu 100%  und betrunken waren sie auch nicht; also entweder lügten sie alle oder ich habe ein kleines Wahrnehmungsproblem und kann mich nicht mit ihr vergleichen.

Bei Edeka fuhr ein Auto auf den Parkplatz und ein recht netter junger Mann guckte mich erst an und lächelte dann ganz freundlich; das passiert des öfteren – geschlechtsreife Männer erfreuen sich an meiner Nähe.. oder einfach nur an der Tatsache, dass ich eine Frau bin? In der Disco gab es eine große schlecht gefärbte Blondine, mit wahrscheinlich falschen F-Körbchen in Corsage und HighHeels, schlecht geschminkt und 10 Jahre älter wirkend als sie wahrscheinlich war und Speckärmchen.. aber sie war eine dickbusige eingeschnürte Blondine. Natürlich fand mein Kumpel die toll und sie verlor erst an Reiz für ihn als er ihren Freund sah, aber auch viele der anderen Männer dort konnten kaum aufhören sie anzustarren; es war mehr als offensichtlich – wenn sie diese wirklich nicht hübsche aber durch äußere Attribute hervorgerufene Männerphantasie nun so anziehend fanden und die eigentlich ganz süße aber dickliche dunkelhaarige notgeile Dame unattraktiv, was bin ich denn dann? Aussehen der einen, Anziehungskraft der anderen – eine gemischtrassige Fremdwahrnehmung?

Ich weiß, dass ich ein Wahrnehmungsproblem habe, allerdings nicht im Spiegel. Ich habe bei Fotos immer dieses „Das hat mir der Spiegel aber nicht gezeigt“-Phänomen. Mein Spiegel zeigt mir nicht was zu viel ist; mein Spiegel ist ein guter. Ich grübel dann immer ob die Fotos nun mehr zeigen als da ist oder mein Spiegel es wegschummelt. Mein Gefühl entspricht eher dem Foto, das Fremdbild offenbar dem Spiegel.

Ich unterhielt mich mit meiner Kollegin über die dunkle Seite Chinas.. also was mich in dunklen Buchstaben auf der Waage seither anblitzt und sie fragte wie viel ich denn schon abgenommen habe – ich schüttelte den Kopf und sie sagte „Glaube ich nicht!“ und musterte mich von oben bis unten, zweifelte wieder an meiner Antwort und gab nach dem dritten „Nein, wirklich nichts! “ dann auf. Mein Körpergefühl und das Spiegelbild gaukeln mir allerdings auch vor, dass es weniger geworden ist.. Waage und die Klamotten, die weithin noch nicht passen, sprechen eine andere Sprache.

Also einerseits fühle ich mich nicht so mopsig, andererseits schon.. Ich vergleiche mich öfter mit Mädels die offenbar mehr sein müssen als ich, denn wenn jemand dabei ist mit dem ich mich darüber unterhalte ernte ich meist ein Stirnrunzeln und „Nee.. so siehst du nicht aus!“.

Aber wie funktioniert das? Warum kann ich mich nicht so wahrnehmen wie andere? Andere sehen meistens das gute in und an uns. Ihnen fallen die tollen Dinge auf: hübsche Augen, ein nettes Lächeln, Ausstrahlung und das ganze Zeug. Unser Selbstbild ist aber gebildet um unser Idealbild – also die Vorstellung von uns im idealen Zustand oder dem Vergleich mit anderen die wir als perfekt wahrnehmen. Da wir so nicht sind prägt unser Selbstbild mehr negative Einflüsse wie „zu viel Bauchspeck“; „Strohhaare“ oder „Celluliteschenkel“. Zudem erhalten wir aus unserer Umwelt Input in Form von Idealbildern wie Models, Sportlern, vermeintlich perfekte Menschen denen es nachzueifern gilt. Wir sind aber keine Bar Rafaelis oder David Bekhams.

Nur wer realistisch erkennen kann, dass ein normaler Mensch seine Tag nicht mir einem 20.000 Euro teuren Privattrainer, einem 5.000 Euro teuren Privatkoch und -ernährungsberater und einem 40.000 Euro teuren Stylisten planen kann, der kann mit sich selbst ins Reine kommen und sein Selbstbild dem Fremdbild angleichen. Wir stehen früh auf um zur Arbeit zu gehen, kümmern uns danach um Haus und/oder Familie, müssen Essen und Trinken einkaufen, putzen, waschen, haben vielleicht 1 oder 2 Stunden Zeit drei mal die Woche Sport zu machen und das auch nur im Stress direkt nach der Arbeit und dann im Stress wieder zurück um nicht zu spät zu Hause zu sein und am nächsten Morgen wieder aufstehen zu können. Wir sind für uns selbst verantwortlich – wollen wir unsere Ernährung ändern müssen wir uns selbst damit beschäftigen, wir bekommen das vermeindlich gute Essen nicht vorgefertigt auf den Tisch gestellt; wir müssen uns das Wissen darüber selbst aneignen und das geht nicht in einer Stunde mal schnell am Abend. Wir haben soviel Wissen über das richtige Training, wie wir nebenbei mal im Fitnessstudio oder bei taff (höhö) mitbekommen haben, wir haben schließlich nicht alle Sport studiert. Für einen Normalo ohne Modelgene (einige haben das Glück ja) steckt hinter dem perfekten Aussehen unglaublich viel Geld und Geduld, Zeit und Motivation.. das muss man erst einmal haben. Und wer das nicht hat, aber gerne haben würde, ist ein Stück weit enttäuscht. Diese Enttäuschung schlägt sich dann direkt auf unseren Hüften nieder und winkt uns aus dem Spiegel heraus zu. Unser Ziel, die Erfüllung unseres Idealbildes, rückt in weite Ferne.

Die Harmonie zwischen diesen beiden Ansichten ist entscheidend für einen Teil des Glückes. Je zufriedener wir mit uns selbst sind, desto glücklicher können wir werden und stolz erhobenen Hauptes durch die Gegend laufen.. und hin und wieder einen Mann antanzen, der sich dann auch darüber freut.

6 Gedanken zu “Selbstbild – Fremdbild

  1. Ich kann mich nur den beiden über mir anschließen… Ich dachte mal wieder, du hast aufgeschrieben, was mir als so durchs Hirn flitzt, gerade die Sache mit Spiegel und Foto. Vorm Spiegel findet man sich noch ganz passabel, wenn man dann ein Foto in genau diesem Outfit sieht, fragt man sich, warum die anderen einem nix gesagt haben, dass man echt kacke aussieht. Aber vlt. empfinden die das einfach wirklich nicht so.
    Aber mir persönlich sind Leute in meinem Umfeld, die tendenziell eher an sich zweifeln dann doch lieber als die total Selbstüberzeugten, die gehen mir nämlich ziemlich schnell aufn Keks. Das mit dem Mittelweg scheint oft schwierig zu sein…
    Liebe Grüße, Katha

    • ach solche permanenten selbstzweifler nerven mich wiederum viel mehr als die selbstbewussten.. ich hab genug mit mir selbst zu tun, da möchte ich mir ehrlichgesagt nicht von leuten anhören wie schlecht sie aussehen oder dass sie viel zu dick sind oder was auch immer wo ich mir denke „kind, hast du schonmal richtig in den spiegel geschaut.. hast du paranoia?“

  2. Romy, ich muss es Dir einfach gestehen…ich liebe Dich!!! 😀
    Ich sitze immer nickend vor dem Monitor, gackere vor mich hin und denke „Sie hat ja sooo recht!!!“, „Genau so ist es“ oder „Wie ich :D“. Und heute sitze ich hier wieder und muss dir 100%ig zustimmen. Eigen- und Fremdbild…ein Thema, welches mich täglich beschäftigt. Morgens bin ich meistens überzeugt von meinem Spiegelbild und dann sehe ich mich im Laufe des Tages in einer Scheibe, Tür oder was auch sonst immer spiegelt und überlege mir, wo ich dieses Outfit heute Abend verbrennen kann. Ätzend!!!!!!!!

    Liebe Grüße
    klümpchen

    • hahaha nein bitte nicht verbrennen 😀 und scheiben sollten nie ausschlaggebend sein, sie sind von ihrer beschaffenheit einfach genauso prädestiniert uns unglaublich schlecht aussehen zu lassen wie der umkleidekabinenspiegel.
      und jeder weiß, dass sie lügen 😀

      vielen dank für die liebeserklärung, das macht doch gleich viel stolzer 😀

  3. Liebe Romy,
    bin seit langem eine stille Leserin, der Post hat mich dazu bewegt dir zu schreiben.
    Ich find du hast den Nagel super auf den Kopf getroffen!
    Im Prinzip ist´s Wurscht wie wir aussehen – nur das wir mit uns zufrieden sind, das ist was zählt.
    Leider ist genau das „Zufriedensein“ nicht immer ganz so einfach.

    Davon abgesehen – beruhigt es auch von anderen zu lesen, dass es anderen genauso geht wie einem selber 🙂

    LG Steffi

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s