Das Experiment: Ein Wochenende ohne Handy und PC

Nein, ich habe nicht vor das zu machen.. ich habe mich darüber amüsiert.

Ich las die Überschrift und dachte mir: Isses schon soweit? Müssen wir uns schon an riskante Selbstversuche wagen um herauszufinden wie der menschliche Körper auf den Entzug von Handy und Internet reagiert?

Die elektronische Welt beeinflusst unseren Alltag mehr und mehr und es scheint tatsache Menschen zu geben für die der Verzicht auf das Handy für 24 Stunden einem Überlebenstraining in der kanadischen WIldnis gleicht.

Ich amüsiere mich ja schon immer innerlich wenn der typische Dialog von statten ging:

Whoever: „Wir können ja dann auf WhatsApp schreiben / Ich gründe eine WhatsApp-Gruppe und da können wir ja alles bereden.“

Ich: „Hab kein WhatsApp.“

Whoever: „Wie jetzt, kein WhatsApp, wie geht denn das?“

…und das geht dann so weiter bis zu den vorwurfsvollen Sätzen wie „Tja, hättest du WhatsApp…“; „Ich würde dir das Bild ja schicken, aber du willst ja nicht; hast ja kein WhatsApp“ oder erst vor ein paar Stunden gehört „Bis das Studium vorbei ist haben wir dich auch noch soweit!“ oder auch gut „Da Frau von Welt ja kein WhatApp hat…“.. jo.. nö!

Dann bin ich eben uncool.. na und? Dafür erspare ich mir mehrmals die Woche sagen zu müssen „Boah nee, das habe ich ausgestellt.. also dieses Zuspamen bei WhatsApp nervt mich immer so..“ oder „Da diskutieren die über Katzen hin und her in der Gruppe und das interessiert mich gar nicht; mein Handy piept die ganze Zeit wegen dem Mist!“ – selbstgewähltes Schicksal, wa.. 😀

Nein, ich muss nicht überall kostenlos erreichbar und vollspambar sein.. wer was will erreicht mich auch so und wem es zu umständlich ist die mittlerweile voll aus der Mode gekommene SMS zu schreiben (wir haben doch alle eine Flat), der kann ja anrufen.. ach nee, Telefonieren.. das war ja nicht nur von gestern, das ist ja von vorvorgestern.

Jedenfalls fand ich die Überschrift amüsant und dachte dann mal so an 2001.. damals.. ich und das Trium.. für die jüngeren unter uns: Das ist ein Handy, von Mitsubishi (ja die können auch nicht nur Autos) und das war fast so groß wie eine PSP.. aber ich hatte die Wahl zwischen rot und blau, das Cover konnte man nämlich wechseln! Jahahaha.. damals schon! 😀

Quelle: sotovka.ru

Ich konnte damit telefonieren und SMS schreiben und das war es eigentlich auch schon.. mehr konnte das nicht. Bildchen malen konnte man in den SMS noch:

AsciiHübsch wa.. ich konnte alles: Hasen, Teddys, Rosen, Herzchen… Wir waren aber auch kreativ. Wir wussten wenigstens noch wie man unartige Bildchen mit ein paar Sonderzeichen malt 😉

Ich bekam mein erstes Handy (das Trium) mit 14, zu Ostern.. heute wäre ich ja mit 14 das erste Handy ein absoluter Spätzünder – und dann auch noch kein WhatsApp! Könnte ich mich ja gleich alleine in die Ecke stellen.

Wie haben wir das eigentlich damals überlebt, mit 6 Jahren ohne Handy in der Tasche das Haus zu verlassen und zu Freunden zu gehen, ohne uns vorher anzumelden; gleich nach dem Frühstück und erst wieder nach Hause wenn draußen die Laternen angehen? Ich muss so eine unglaublich gefährlich Kindheit gehabt haben – Mutti, wie konntest du nur so verantwortungslos sein mich ohne Handy mit GPS und ohne reflektierende Schutzkleidung einfach mit dem Rad durchs Wohngebiet fahren zu lassen; unwissend mit wem ich unterwegs bin und wann ich wiederkommen würde? Heute würde sich da wahrscheinlich das Jugendamt einschalten.

Aber das wäre auch richtig – das Jugendamt ist zum Schutze der Kinder da und ich denke, für ein Kind von heute wäre ein Wochenende ohne Handy und Internet seelische Folter. Brettspiele? Vibriert da der Curser auch? Auf Bäume klettern? Etwa die dreckigen großen Dinger da draußen wo die Chicken-Wings drin wohnen? Bücher lesen? Kann ich da auch Bildschirmhelligkeit und Schriftgröße ändern?

Ich begebe mich ehrlichgesagt öfter in die missliche Lage dieses Experimentes.. ich irre durch die kanadische Wildnis und sterbe doch nicht.. manchmal funktioniert das Internet hier nunmal einen Tag lang nicht; das ist eigentlich nur dann schlimm, wenn gleichzeitig auch nichts im TV läuft.. und da mein Handyakku unberechenbar ist, ist das halt manchmal einfach aus und dann ist der so lange alle bis ich mal das Ladekabel anschließe und wenn ich dann noch daran denke das Handy auch wieder einzuschalten, bin ich auch wieder mit der deutschen Zivilisation verbunden.

Es gibt aber natürlich Menschen, für die solche Situationen die Hölle auf Erden bedeuten würden. Man erkennt sie daran, dass sie nicht nur ab und zu oder aus Langeweile mit dem Handy rumspielen – es sind diejenige die mitten in einer Unterhaltung mit dir, beim Essen, in der Vorlesung oder im Kino wenn der Film läuft alle paar Minuten gucken müssen; hat einer geschrieben? Gibt es etwas auf Facebook? Ein Piep.. war es WhatsApp? Nachricht? Erinnerung? Oder doch der Feueralarm und gar nicht das Handy? Manchmal sind es sogar nur Einbildungstöne.. Ich habe auch solche Freunde die gar nicht mehr mitzukriegen scheinen wie unhöflich das eigentlich ist, wenn man da zu zweit sitzt und sich unterhält und in dem Moment wenn der eine was erzählt der andere sein Handy rausholt und sich damit beschäftigt. Sie werden es sicher nicht böse meinen, aber traurig ist das schon. Ja, na dann hat es halt gepiept.. die Nachricht wird nicht von James Bond kommen und sich nicht in 30 Sekunden selbst zerstören – die steht da auch in 2 Stunden noch und früher hat man es doch auch ausgehalten bis man mal Zuhause war und den Anrufbeantworter abgehört hat; oft nach Stunden oder auch erst am nächsten Tag; so man einen hatte – ansonsten hat einen die wichtige Nachricht auch erst später erreicht und die Welt ist davon nicht untergegangen.

Wir werden nicht aufhalten können, dass sich die Technik immer weiter in unser Leben drängt und Bestandteil wird – wir können aber selbst dafür sorgen, dass wir es immer noch sind, die unser Leben bestimmen und nicht das kleine Stück Mikrozelle.

12 Gedanken zu “Das Experiment: Ein Wochenende ohne Handy und PC

  1. Wiiiiie? Kein Whatsapp? Du Außenseiter, ey!
    Nee mal Ernsthaft… Whatsapp-Gruppen sind das schlimmste was es gibt, und wenn ich in eine eingeladen werde, lösch ich mich so schnell es geht wieder raus (unter dem Vorwurfsvollen Gemecker meiner Freunde).
    Da meine Handynummer nur ein paar enge Freunde kennen, meine Familie und wahrscheinlich die NSA ist das alles ok. Ich glaub ich krieg 10 Nachrichten pro Tag…
    Ich könnte also auch gut ohne leben.

    Und ich muss sagen: Ich hasse es wie die Pest, wenn ich abends mit meiner besten Freundin rumsitze und sie als mit ihrem Typen schreibt, anstatt sich mit mir zu unterhalten.
    Ich schreib ja auch nicht mit Tom, wenn sie da rum sitzt. Wobei mittlerweile manchmal aus Prinzip, wenn sie was Interessantes zu erzählen hat, was sie schon die ganze Zeit loswerden will, nur um sie zu nerven. 😀

    Ich hab übrigens keine SMS-Flat 😛

  2. GOTT; ich war sogar schon 17. Und ich habe immer noch das selbe Gerät. Keine Flat, kein WasistschlechtesWortspiel. Nächste Woche bin ich eine Woche in Kein-Internet-Kein-Handy-Empfang-Land, sollte ich jetzt Schweißausbrüche kriegen? Komisch, ich mach das jedes Jahr und freu mich auf die Stille….

      • stell dir vor!
        Habe ich erwähnt, dass ich das Handy generell zu Hause lasse, wenn ich zur Arbeit gehe, da ich es da eh ausgeschaltet (also wirklich AUS, nicht lautlos) haben muss, und warum soll ichs da mitnehmen und mir klauen lassen oder es verlieren? Alles motzt über meine mangelnde Erreichbarkeit… Schreibt mir ne Mail, kriegt ihr ZACK ne Antwort…

  3. Oh weh bin ich alt ;-). Als ich 14 war, gab es noch gar keine Handys :-)! Heute liebe ich meinen kleinen „Master and Comander“, aber ich kann ihn auch einfach klingeln lassen, und wenn der Akku abschmiert ist das halt so.
    Liebe Grüße,
    Catou

  4. Danke! Danke für diesen Artikel!! 🙂 Vollste Zustimmung meinerseits. Ich hab mein erstes Handy auch erst mit 14 bekommen, ein Nokia, danach kamen nur noch Sony Ericssons. Mein jetziges (ein ‚cooles‘ Walkman-Handy) ist über 4 Jahre alt und ein Goldschatz, hat alles schon mitgemacht, kann nicht ins Internet und hat eine Prepaid SIM ohne Flatrate. Mich ruft nur ganz selten wer an, SMS krieg ich auch nicht so viele (weil ich ja keine Flat hab und zurückschreiben kann), dafür les ich meine Mails regelmäßig zuhause, und wem das nicht reicht, der soll bleiben, wo der Pfeffer wächst. In meiner Familie hat niemand ein Smartphone und keinen stört’s. 🙂

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