Die Milchdebatte

Es wird wahrscheinlich nicht an Euch vorbeigegangen sein: Seit einigen Jahren mittlerweile gibt es eine regelrechte Milchdebatte. Ist Milch nun gesund oder ungesund? Braucht der menschliche Körper sie wirklich oder schadet sie ihm eher? Warum gibt es ganze Völker, die nachweislich keinen Milchzucker vertragen, jedoch die weit größte Milchauswahl im Supermarkt haben?

Ich werde hier mal die eine und die andere Seite aufzeigen, ohne dabei Partei zu ergreifen. Welche Seite Recht hat, weiß so wirklich keiner. Ihr müsst für Euch entscheiden, ob Milch in Eurem Leben einen hohen Stellenwert als gesunde Teil Eurer Ernährung einnehmen soll oder doch zu den Tabuprodukten gehört.

milkEs gibt prinzipiell zwei Seiten – die Befürworter, die Milch in den Himmel loben und die absoluten Gegner, die sie für Teufelszeug halten.

Seit der Mensch Nutztiere hält, hat er sich auch ihre Muttermilch als Teil seiner Ernährung einverleibt. Anhänger der so genannten steinzeitlichen Ernährungstheorie lehnen Milch ab, da sie ursprünglich nicht in unseren Ernährungsplan gehörte und der Körper so nicht verwerten kann – ebenso wie beispielsweise Weizenmehl.

Für viele bekannt: die Laktoseintoleranz. Tatsächlich kann ein Großteil der Menschheit Milchzucker (also Lactose) nicht verarbeiten, was zu Problemen führt (Blähungen, Übelkeit, etc.). Dagegen gibt es noch die etwas seltenere Milcheiweisallergie (Casein), bei der gar keine Milch vertragen wird.

Als Grundlage vieler Argumentationen werden Studien genutzt – das Problem an Studien ist jedoch der Auftraggeber. Wer die Studie zahlt, möchte auch sein gewünschtes Ergebnis erzielen. Die Milchindustrie ist am Absatz des Produktes Milch natürlich interessiert und gibt regelmäßig Studien in Auftrag, die die gesunde Wirkung auf uns bestätigen sollen.

Aber Milch ist dabei nicht Milch – die Milch aus dem Supermarktregal mit 3,5, 1,5 oder gar nur noch 0,1% Fettanteil ist stark verarbeitet und weit enfernt vom ursprünglichen Produkt, dass aus dem Euter fließt. Diese Erfahrung durften wir als Kinder machen, wenn unsere Oma (damals in einem Industriestall arbeitend) Frischmilch mitbrachte – direkt von der Kuh, unbehandelt.. herrlich.. da hatte die Mutter die ganze Nacht Spaß mit den Kindern; also ich kann sie nicht trinken. Diese Milch ist jedoch die mit dem höchsten Anteil an Vitaminen und Nährstoffen, da noch nicht von der Hitze bei der Weiterverarbeitung zerstört und vollem Fettgehalt. Die gute 0,1%ige kann also außer fettarm sein offenbar nicht viel.

Nun kommt auch noch das Bio-Gespräch hinzu: Milch von Weidekühen ist besser als die von Industriekühen. Warum? Gras ist besser als Industriefutter. Grasgefütterte Weidekühe haben in ihrer Milch einen höheren Anteil an CLA – eine Fettsäure, die den Muskelaufbau unterstützt und den Abbau von Fettzellen beschleunigt. Dieses Argument findet sich oft bei den Pro-Milch-Anhängern. Dabei sei aber darauf zu achten, dass es sich bei der Tetrapak-0,1%-Fett-Milch aus dem Supermarkt nicht um diese Milch handelt. Die bekommt Ihr beim Bio-Bauern im Hofladen.. vielleicht. Prinzipiell kann man sich merken: je niedriger der Fettgehalt, desto mehr wurde daran herumgewerkelt. Es gab auch einmal die Studie, mit fettreicher Milch könne man besser abnehmen als mit fettreduzierter auf Grund der erhaltenen Nährstoffe.

Auch Kuhmilch ist Muttermilch – es ist die Muttermilch für kleine süße Kälbchen. Wir werden in der Regel zwischen einem halben Jahr und 1 Jahr abgestillt und erhalten dann keine Muttermilch mehr. Ähnlich ist es im Wachstumsprozess anderer Tiere. Der Mensch ist jedoch das einzige Säugetier, dass sich der Muttermilch einer anderen Art bedient. Muttermilch ist dazu da, den Wachstumsprozess zu beschleunigen – Knochen, Zellen, unser Gewebebett sollen dadurch wachsen und uns groß und stark machen. Das heißt ganz klar gesagt: Milch ist dafür da uns so schnell wie möglich so fett wie möglich zu machen damit wir nicht verhungern und schön wachsen können. Man sieht das oft an Kraftsportlern: die trinken die Eiweißshakes nicht weil sie so lecker sind, sondern weil sie ihnen helfen in kurzer Zeit möglichst viel Masse zuzulegen. Wo ist dann also der Sinn darin Menschen die abnehmen wollen den erhöhten Konsum von Milchprodukten zu empfehlen? Muskelaufbau ist da die Antwort; dafür muss aber auch das entsprechende Sportpensum abgehalten werden.

Die deutsche Gesellschaft für Ernährung e.V. empfiehlt fettarme Milchprodukte täglich zu sich zu nehmen. Milch soll durch seinen hohen Calcium-Anteil die Knochen stärken und uns so vor Krankheiten wie Osteoporose bewahren. Studien belegen und widerlegen das. Je nachdem, auf welcher Seite des Gehaltskontos man steht. Bin ich am Absatz der Milch interessiert schützt sie natürlich vor Knochenbrüchen, trinke dann aber logischerweise selber wieder nur die gute Milchbauer-Hofladen-Milch, denn wir erinnern uns: Zerstörung wichtiger Nährstoffe durch industrielle Verarbeitung.

Warum bekommen denn nun die für alle bekannten laktoseintoleranten Chinesen mittlerweile eine Unmenge an Milchprodukten vorgesetzt? Um Milch verarbeiten zu können, müssen wir sie erst einmal zu uns nehmen – erst dann wird der Körper auf die Verwertung eingestellt (so wir nicht zu den 15% intoleranten Deutschen gehören). Die ostasiatischen Länder setzen mehr auf Produkte wie Soja – warum Soja wiederum für uns nicht so gut ist, ist ein anderen Thema. Kuhmilch ist dort ein eher neues Produkt – westlich, cool – wer Milcheis isst, Milchshakes trinkt und wie Cleopatra förmlich in Milch badet ist hip. Die Hipster erkennt man in China nicht am Jutebeutel, sondern am Softeis von Mc Donalds. China beherbergt 1,3 Milliarden Menschen in Massenstädten von Größen zwischen 5 und 20 Millionen Einwohnern. Wer in den großen Städten wohnt, hat Geld.. wer Geld hat, kann konsumieren. Die Milchindustrie hat mit Asien einen großen Markt neu erobert und macht dort grade richtig Schotter!

Wollt Ihr reich werden? Eröffnet einen milchverarbeitenden Betrieb, holt Euch ein paar hübsche Gesichter, die Eure Produkte bewerben und geht nach Afrika – der Markt ist noch frei, die trinken noch direkt aus der mageren Kuh, so sie eine haben. Kommt als nächstes.

In China habe ich tolle Milchalternativen gefunden – Mandelmilch, Walnussmilch, Getreidemilch, verschiedene Sorten Sojamilch, Reismilch, Milch aus Sachen von denen ich nicht einmal wusste, dass man aus ihnen Milch machen kann. Laktosefreie Produkte konnte ich nicht finden.. Mein absoluter Müslifavorit: Walnussmilch! Ich kann Walnüsse unbehandelt zwar nicht essen, aber die Milch daraus ist unglaublich lecker! Ich kann sie mir auch vom Geschmack her super zum Backen oder als Sahneersatz in Saucen und Suppen vorstellen. Liebe Milchindustrie – es gibt tausende von Menschen die in ein paar Wochen nicht wissen wohin mit ihren Walnüssen (die Bäume sind doch so schön groß im Garten…); kauft denen die Säcke ab und macht Milch daraus. Verkauft hier endlich Walnussmilch; bitte nicht teurer als 1,20 EUR der Liter, wir wollen ja nicht verarmen, sonst kann die bald auch keiner mehr kaufen.DSCF3842So ganz unparteiisch bin ich in der Sache nicht und ich habe die Milch doch ganz schön runtergemacht. Letzten Endes bin ich der Meinung, kann alles in Maßen gesund sein, sofern es nicht nachweislich ungesund ist. Milch ist etwas, dass sie Ernährungswelt spaltet. Wer gemerkt hat, dass er ohne Milch ein für sich besseres Leben führen kann (bezogen auf körperliches Wohlbefinden), wird eher den Contra-Argumenten folgen. Wer keine Probleme hat wird auch keinen Sinn darin sehen, sich gegen die Milch zu stellen und den Pro-Argumenten folgen. Wer gerne viel Milch konsumieren möchte und merkt, dass ihm die laktosefreien Produkte für sein Wohlbefinden helfen, kann jederzeit darauf zurückgreifen – der Supermarkt bietet mittlerweile fast alles auch in laktosefreier Form an. Meine Eltern brachten mir letztens laktose- und zuckerfreie Spekulatius mit und die sind echt gut!

Welcher Ansicht Ihr folgen solltet hat aber weniger mit Eurer persönlichen Meinung und Überzeugung zu tun; es hängt auch nicht davon ab, welches Lager die besseren Argumente vorgebracht und Euch für dich gewonnen hat – der einzige, der Euch sagt, ob Milch (für Euch) gut oder schlecht ist, ist Euer Körper – der muss funktionieren; der muss gut funktionieren und dafür sorgen, dass es Euch gut geht. Wenn Ihr Euch nicht sicher seid, ob Ihr ohne Milch besser auskommen, vielleicht eher abnehmen würdet, probiert es aus! Verzichtet doch einfach mal für, sagen wir einen Monat, komplett auf tierische Milchprodukte – wir wollen ja hier nicht nur die Kuh runtermachen; die Milch ist aber die allgemein verzehrte bei uns. Schaut, ob Ihr in diesem Monat Unterschiede bemerkt und entscheidet dann. Wenn Ihr nicht verzichtet möchtet, schaut Euch doch mal die laktosefreien Produkte an. Es ist gar nicht so schwer auf Milch zu verzichten oder sie einzutauschen, wenn dadurch kleine Probleme verschwinden..

Gleiches wie für die Milch gilt natürlich auch für Dinge wie Putenfleisch (schnell und antibiotikareich hochgezüchtet); dem viel zu hohen Fleischverzehr; Salz oder nicht Salz; Convenience; Zucker oder kein Zucker, und so weiter.. wir hinterfragen durch Tests und Siegel die Produkte, die wir uns auf Haut und Haar schmieren; kaufen nur Winterreifen mit gutem Testurteil vom AvD/ADAC/etc. und regen uns auf, wenn rauskommt dass der original Sauerbraten auf einmal aus Pferd besteht. Wir müssen uns mehr mit den Lebensmitteln die wir zu uns nehmen und ihren Auswirkungen auf den Körper beschäftigen. Es gibt Menschen die können alles essen und es gibt nun einmal Menschen die darauf achten müssen; die nicht alles vertragen und oft gar nichts davon wissen – das ist nun einmal leider so heutzutage. Wenn doch die Empfehlungen sagen 5 mal am Tag Obst und Gemüse kommt doch keiner auf die Idee, dass die Banane und der Apfel wegen einer eventuellen Reaktion auf den Fruchtzucker für unseren Körper wie leichtes Gift wirken. Oft könnten Arztbesuche und Medikamente vermieden werden, wenn wir uns mal intensiv mit unserem Tellerinhalt beschäftigen würden.

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