Die Illusion der Vielfalt

Wir unterhielten uns in Marketing kurz über Marken und wer zu wem gehört. Auslöser: „Ich kaufe nichts von Nestlé!“. In China hatten wir ja lieber fast Brennspiritus gekauft als Nestléwasser zum Trinken (oder was auch immer das war). Wir wollten Nestlé nicht kaufen und das aus ganz einfachen Gründen: Nestlé macht Geld wo nichts zu holen ist und nichts zu holen sein sollte.

Quelle: Netzpiloten.de

Falls Euch die Problematik genauer interessiert könnt Ihr Ja mal hier reinschauen oder die Dokus im Netz ansehen – reicht auch schon.

Auf Arte kommt öfter die Dokumentation über den Nestlé-Konzern und seine aggressive Geldmacherei in Dritte Welt Ländern. Größter Kritikpunkt: Nestlé Pure Life. Pure Life ist das Mineralwasser, welches Nestlé in Dritte Welt Ländern abfüllt und dort an die Menschen verkauft – und so Geld mit einem Grundgut macht, wofür die Menschen eigentlich nichts zahlen müssten. Wer es sich nicht leisten kann, hat kaum mehr Zugang zu sauberem Wasser.

Der Konzern generiert einen enormen Anteil seiner Einnahmen über dieses Wasser und ist eben dadurch in die Kritik geraten. Solange der Konzern jedoch Milliardengewinne einfährt, wird er nichts ändern. Meine Lieblingsszene aus einer Dokumentation: Der dem Gelände verwiesene Reporter baut eine riesengroße Leinwand vor dem Hauptquartier des schweizer Konzerns auf und lässt Bilder seiner Dokumantation laufen; erschreckende Bilder und als wäre es nicht passender, lässt Nestlé ihn stehen und macht lieber die Schotten dicht um diese Bilder nicht sehen zu müssen.

Die Idee: Wenn Nestlé deutliche Gewinnverluste erleiden muss, könnte sich etwas ändern – der Weg: Kein Nestlé mehr kaufen. Aber das ist gar nicht so einfach. In der Grafik oben könnt Ihr sehen, was alles zum Konzern gehört und hier habe ich es noch einmal größer.

nestleIch muss sagen, bis auf 3x im Jahr ein KitKat und mein Armani Parfum konsumiere ich tatsache keinerlei Nestlé-Produkte. Ich habe zwar etwas von BodyShop oder Maybelline, aber das habe ich nicht gekauft.

Aber es ist ja nicht nur Nestlé, die Grafik oben zeigt uns ja, dass eben dem Titel nach keine Vielfalt existiert. Es gibt eine Hand voll Großkonzerne die alles kontrollieren.

Ein weiteres Beispiel, welches eigentlich kein Mensch kennt: Unilever. Kanntet Ihr Unilever? Ich kannte es vorher schon, aber ich würde nie im Leben alle Marken zusammenbekommen. Der Grafik nach bin ich ein typischer Kraftkunde. P&G ist ja auch noch der Dritte im Bunde der Riesenkonzerne.

Aber, kann man jetzt sagen „Ach, ich kaufe jetzt einfach kein Garnier, Vittel oder Mövenpick mehr?“ – Nein, denn warum? Richtig.. Die Marken verkaufen auch als No-Name. Da müsste man gleich weiter recherchieren. Wer das gute Aldi-Grandessa Eiscreme kauft, hat Nestlé auf dem Tisch zu stehen. Genauso mit den hauseigenen Grillsaucen, auch Nestlé.

Und um dem ganzen noch die Krone aufzusetzen: Tierversuche für Eistee *?*

Aber Tierversuche sind ja nun keine neue Erfindung. L’Oreal (Nestlé) ist ja da ganz groß, hat sich aber mit „The Body Shop“ ein paar hübsche tierversuchsfreie Prozente einverleibt und kann so stolz verkünden „tierversuchsfrei – was können wir dafür, was unsere Zulieferer machen?“.

Bringt es jetzt etwas nur gegen Nestlé zu hetzen? Nein.. natürlich nicht, denn so gut wie jeder Konzern hat Dreck am stecken, ob nun offen ausgetragen oder gut versteckt. Geldmassen verdienen sich nun einmal nicht mit fairem Handel, moralisch korrekten Produktionen und nachhaltiger Wirtschaft. Nicht, solange es genügend Menschen gibt, die munter fröhlich kaufen. Jetzt können die Industriestaaten anfangen zu boykottieren, was auch in der Bilanz sehr weh tun würde, aber dann gäbe es ja noch die Schwellenländer, die dem westlichen Lebensstil nacheifern und stolz konsumieren was das Zeug hält. Wenn der westliche Konzern sagt, das Wasser aus der Flasche ist viel besser als das aus meiner Leitung (was in China durchaus stimmt), dann kaufe ich das doch! In China muss man von Wasser aus der Flasche leben, da das Leitungswasser durch die enorme Umweltverschmutzung zu stark gechlort wurde – es stinkt förmlich nach Chlor sobald man den Wasserhahn öffnet. Es gibt aber chinesische Firmen. Der reichste Mann Chinas hat sein Geld auch mit Flaschenwasser gemacht – es kostet aber gut 1 Euro weniger pro Liter als die Flasche von Nestlé – drin ist das Gleiche, aber es ist nicht dasselbe.

Da sich aber im Laufe der Zeit die Kaufkraft überall entwickelt, kann man auch überall Geld machen und mit der richtigen Marketingstrategie bekommt man eben auch den kleinen afrikanischen Kindern das Wasser in der Flasche verkauft, was sie nebenan im Kanister zum Kochen haben und gar nicht bezahlen müssten.. wer es besser weiß kann das Unwissen anderer hervorragen ausnutzen.

Letzten Endes muss jeder selbst entscheiden, was er wie, wo, wann und von wem kauft. Aber hier und da gibt es immer die Möglichkeit zehn Zentimeter weiter links oder rechts im Regal zu greifen. Dank dieser neumodischen Erfindung Internet ist es auch gar nicht so schwer herauszufinden, wer dem eigenen Moralempfinden eher entspricht und wer nicht und ganz ehrlich: Ist der Nespresso wirklich so viel besser?

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6 Gedanken zu “Die Illusion der Vielfalt

  1. Vielen Dank für deine Antwort. Es ist wirklich ein Irrgarten. Aber ich werde in Zukunft mehr darauf achten was ich kaufe und gegebenenfalls auch recherchieren!

  2. Interessant auch, dass Stella McCartney hier mit mischt, die stets betont, wie wichtig ihr der Tierschutz bei ihrer Mode ist etc., und dann gehört ihr Parfum zu einem Konzern wie Nestlé, der ja wohl nicht allzu großen Wert darauf legt..

  3. Wirklich krass, dass es nur eine handvoll Konzerne gibt, die alles steuern. Ich hatte keine Ahnung was z.B. alles zu Nestlé gehört. Steht zB auf der Felix Katzenfutter-Packung, dass es zu Nestlé gehört? Also kann ich Supermarkt einfach auf die Packung gucken, oder bedarf es hier aufwändiger Recherchearbeit? Wirklich total interessant der Artikel!

    • Bei Felix steht auf der Rückseite „Nestlé Purina“.

      Man muss immer darauf achten wie die Firmen zusammenhängen. Bodyshop gehört z.B. L’Oreal, L’Oreal gehört Nestlé, daher wirst du bei den Bodyshop Produkten kein Nestlé-Zeichen finden.

      Es ist ähnlich wie bei den „Billigherstellern“ – wenn du da auf die Rückseite schaust steht auch meistens die Produktionsstätte (z.B. Rosenauer Molkereibetriebe e.G. [nur ausgedacht]) aber nicht „Milka“.

      Ein gutes Beispiel, weil es grade neben mir liegt ;), ist da die Gummibärenmarke Sugarland die es bei Lidl gibt. Auf der Rückseite steht „Mederer GmbH“. Damit kann jetzt keiner etwas anfangen. Wenn man nun aber weiß, dass Trolli früher Mederer hieß und erst später in Trolli umbenannt wurde und einige Standorte noch unter „Mederer“ produzieren, kommt man zu der Erkenntnis, dass die „billigen“ Fruchtgummis von Lidl aus dem Hause Trolli stammen; Haribos größtem Konkurrenten. [Trolli ist eine eigenständige Marke und gehört nicht zu Nestlé; nur als Beispiel hier]

      Es gibt sicher auch bei den kleinen Firmen Marken, die hier nicht aufgeführt sind, die irgendeiner der größeren gehören und ähnlich wie bei Bodyshop – L’Oreal wieder auf Nestlé zurückzuführen sind.

      Leider ist ja wirklich Recherche ins tiefste Loch nötig, wenn man sichergehen möchte zu 100% eine Marke boykottieren zu können.

      Zu bemerken ist allerdings, dass die Aero-Schokolade nicht die in Deutschland erhältliche Aero von Trumpf ist. Das ist etwas irreführend, weil der Schriftzug sehr ähnlich aussieht. Trumpf hat nichts mit Nestlé zu tun. Diese Aero-Schokolade stammt vom kanadischen Hersteller den Nestlé eingenommen hat.

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