Die Fettensteuer

Die Politiker werden immer dümmer.. wirklich immer dümmer. Da wollen die einen St. Martin abschaffen, weil sich andere Religionen diskriminiert fühlen könnten; dann soll Deutschland sich mehr in die EU mehr einbringen – historische Schuld und so und jetzt das: die Fettensteuer. Deutschland wird zu dick und soll abspecken und wer das nicht will muss mehr Steuern zahlen.

Die Nachrichten diese Woche haben mich wieder daran erinnert, warum ich bewusst keine Nachrichten schaue, höre oder lese. Das wichtigste bekommt man auch so mit und über den Rest kann man sich einfach nur aufregen.

Aber was steckt denn jetzt dahinter und wo ist der Punkt zum Aufregen?

Dickensteuer

Der Grundgedanke war:

Die Deutschen ernähren sich zu schlecht und sollen gesünder leben. Mit fortschreitender Industrialisierung der Nachrungsmittelherstellung, Bequemlichkeit/Zeitnot der Menschen und Boom der Fastfoodketten werden die Staatskassen belastet. Folgeerkrankungen wie Übergewicht, Asthma, Bluthochdruck, etc. vernichten laut Vater Staat mehr Geld als nötig – wir verweisen jetzt an dieser Stelle nicht auf dieses hübsche Buch; wir erwähnen auch nicht wie viel „der Staat“ sich in die eigenen Taschen steckt. Natürlich will Vater Staat durch die Steuer keine Mehreinnahmen erreichen, sondern er sorgt sich um uns und möchte uns munter und fit wissen.

Im Detail heißt das:

Auf alle Lebensmittel mit einem höheren Energiegehalt als 275 kcal je 100 Gramm sollen 3,5% (1/2 des MwSt-Satzes von 7%) auf diese Lebensmittel anfallen. Fakt dabei: 1/2 Prozentpunkte; nicht 3,5% – steigt die Mehrwertsteuer, steigt der Strafsteuersatz mit.. clever oder.

Über die Hälfte aller Deutschen und 15% der Kinder sollen übergewichtig sein – übergewichtig, nicht Fettleibig – das wird aber nicht ausdrücklich erwähnt. Wer 2 Kilo zu viel auf den Rippen hat, laut unserem geliebten BMI, zählt als übergewichtig und kommt in diese Statistik. Wie war das mit den Statistiken, Herr Churchill? Ach ja, ich ziehe die Daten heraus, die ich brauche und über die Hälfte aller Deutschen hätte eine Bevormundung durch den Staat nötig klingt doch schon ganz anders als 20%.

Und genau das ist es: Bevormundung, wenn wir ihm glauben wollen, dass Vaddi Staat nicht einfach nur Kohle scheffeln möchte. Er pauschalisiert sämtliche Lebensmittel als ungesund und schlecht ab einem bestimmten Kalorienwert. Das heißt: der radikale Islamist Ü. Bombasüstüsch sprengt sich vor einem Kindergarten in Buxtehude in die Luft und tötet dabei 15 deutsche Kinder, 2 afrikanische, 1 finnisches und 1 russisches Kind. Nun muss Deutschland sämtliche dem Islam angehörige Bürger, ungeachtet ob legal oder illegal in unserem Land, hier geboren oder zugezogen, sofort ausweisen und ein Einreiseverbot verhängen. Sollten sie doch wieder einreisen wollen, müssen sie erst einmal 3,5% ihres Jahreseinkommens auf den Tisch packen. Haben sie kein Einkommen, kommen sie auch nicht rein. Das ist ein radikales Beispiel, aber so ist es. „Ihr dürft kein Ciabattabrot mehr essen, denn Ciabattabrot hat 333 Kalorien! Wenn Ihr es doch essen wollt, zahlt mehr! Und Ihr dürft auch keine Weihnachtsgans mehr essen; die hat nämlich 305 Kalorien – und sowieso und überhaupt wird Weihnachten ja eh abgeschafft, weil sich andere Religionen diskriminiert fühlen könnten.. mal so nebenbei. Und wo wir schon dabei sind, gibt auch kein Sushi mehr, die Algen haben nämlich auch über 300 Kalorien, so sieht’s nämlich aus!“

Natürlich ist Übergewicht nicht gut, aber wo wir schon dabei sind: Alkoholiker tun der Staatskasse und der Gesundheit auch nicht gut. Wenn wir eine Fettensteuer einführen möchten, erhöhen wir doch bitte auch die Steuer auf Alkohol.. das bisschen Biersteuer, Brandweinsteuer, Alkopopsteuer.. solange Oettinger jeder Penner bezahlen kann ist es noch viel zu preiswert! Alkohol macht nicht nur fett, sondern auch noch dumm. Sind die Hirnzellen weggesoffen, sind sie weg.. so ein kleines fettes Kind kann wenigstens noch in sein Gewicht reinwachsen; was machst du, lieber Vater Staat, aber mit dem ständig besoffenen und mittlerweile vollkommen dämlichen Alkoholiker, der es geschafft hat sich erwerbsunfähig zu saufen und dann auch noch auf Gemeinschaftskosten eine neue Leber erhält, unserem Krankenkassensystem sei Dank und dann wird er ja berentet und erhält Frührente und hat noch viel mehr Zeit sich die letzten Hirnzellen wegzusaufen.

Ach ja, da war ja was: AlkoholKRANKHEIT.. Alkoholismus ist ja eine anerkannte Krankheit.. wir können also gar nicht so hart mit den Kranken umgehen; ungeachtet dessen, dass sie sich ihr Schicksal selbst ausgewählt haben.. was fangen sie denn an zu saufen? Da gibt es wohl niemanden der sich diskriminiert fühlen könnte?

Und was ist mit den ganzen Hartzis, die es immer noch schaffen Geld über zu haben für Zigaretten, wo Hartz4 doch so verfassungwidrig und viel zu niedrig ist..? Die qualmen sich was durch die Lunge, da freut sich jeder Gefäßchirurg; da hüpft das Onkologenherz, da jauchzt der Orthopädie-Assistenzarzt, wenn er sein erstes Raucherbein abschneiden darf. Aber, ach ja.. Nikotinsucht ist eine Sucht. Eine Krankheit. Ich vergaß. In New York kostet eine Packung Kippen 9 Euro – denkt mal drüber nach!

Und wenn wir schon dabei sind, wollen wir wirklich über die Legalisierung von Joints nachdenken? Ganz ehrlich? Schonmal so einen jahrelangen Kiffer gesehen, gehört, gerochen? Wenn Cannabis, dann doch erst recht Kokain – es gibt keinen nachweislichen Todesfall durch Kokain selbst (nur durch die Folgen)! Scheint doch also ganz gesund zu sein das Zeug..

Trauen wir uns nur nicht an die anderen Geldvernichter und potenziellen Selbstmörder heran? Ist es moralisch verwerflicher sämtliche Alkoholkranke anzugehen als Übergewichtige? St. Martin soll abgeschafft werden, damit alle Nichtkatholiken sich nicht diskriminiert fühlen; aber Übergewichtige werden wieder einmal so angegriffen? Öffentlich, durch die Politik; die Menschen die sie gewählt haben? Die Debatte ist ja nicht neu. Warum traut man sich nicht solche Programme auf die Wahlplakate zu schreiben?

WilliIstZuFett MerkenZuFettStehen Sie, werte Politiker, doch offen dazu,. Und gehen sie mit gutem Beispiel voran: Ab jetzt nur noch Möhren und Wasser für Sie, meine Damen und Herren! Wie ist eigentlich der BMI unserer Kanzlerin? Und Herr Gabriel, Frau Roth, Herr Seehofer, Frau Nahles, finden Sie nicht auch, dass in Ihnen wenig von einem von Guttenberg, einer von der Leyen, einem Rösler oder einem Westerwelle steckt? Sind sie nicht auch ein bisschen zu fett? Fühlen sie sich gar nicht angegriffen? Wahrscheinlich nicht, weil sie wissen: a) wo das Geld hingehen wird und b) ja eh keine Steuerbelastung wie bei normalen Bürgern haben; da fällt das bisschen nicht auf.

Wer sich hier jedoch diskriminiert fühlen müsste, sind all jene Übergewichtigen die nicht einfach mal so in der Lage sind etwas an Ihrer Lage zu ändern. Die nicht einfach mal schnell die „Ernährung umstellen“ und etwas mehr Sport machen können und schon sind sie keine Übergewichtigen mehr. Und wer hat eigentlich gesagt, dass nur Übergewichtige den bösen Fraß in sich hineinstopfen und kaufen. Werden die tollen schlanken Menschen, mit ihren anderen Erkrankungen, die wir unter den Tisch fallen lassen, weil sie ja schlank sind, nicht zur Kasse gebeten? Oder gilt einfach: die kaufen sowas gar nicht? Ein schlanker Mensch isst keine Kürbiskernbrötchen (322 kcal) und der macht da auch keinen Käse drauf (außer Handkäs eigentlich jeder ü300) und der isst auch nie einen Schokoriegel.. nie! Deswegen werden die von der Steuer auch gar nicht berührt.

Ich finde es ja richtig, dass man an die Gesundheit appelieren möchte, aber Vater Staat, ist eine Strafsteuer da die richtige Wahl? Würde Dich wirklich die Gesundheit und nicht das Geld interessieren, sind dann andere Punkte nicht wirkungsvoller:

  • höhere Förderung für Biobauern, um so preiswerter verkaufen zu können
  • mehr Leistung für Schulessen, um den Kleinen schon von jungen Jahren an gesunde Kost anzugewöhnen
  • Intensiverer Druck zur Auszeichnungspflicht – noch immer ist nicht für jeden (!) auf den ersten Blick erkennbar, ob ein Lebensmittel gesund ist oder nicht
  • Weniger Lobbyismus – wer schlechtes Zeug produziert darf nicht unterstützt werden nur weil er den Staat unterstützt
  • Kostenfreie Ernährungskurse oder Zuschüsse für Beratung – Wissen kann man sich aneignen, aber manche können es eben nicht allein
  • Höhere Subventionierung von Sportvereinen, Fitnesseinrichtungen, Schwimmhallen, etc. um die schlechten Energielieferungen auch wieder abbauen zu können ohne finanziell abzubauen
  • usw.

Wollen wir nicht lieber den Regen auffangen wo er entsteht und nicht warten, bis die Hälfte im Boden versickert ist? Meinen Sie wirklich, der Dicke von nebenan bestellt sich einmal weniger eine Pizza, nur weil sie 50 Cent mehr kostet? Meinen Sie nicht, der verzichtet dann lieber auf den Sack Äpfel aus dem Supermarkt? Oder den Feldsalat.. 1,49 Für eine Packung Salat – das sind 3 Pizzen mehr, wenn man auf ihn verzichtet. Für wie dumm halten Sie Ihre Bevölkerung eigentlich?

Irgendwie ja aber auch schizophren.. je ungesünder wir leben, desto früher nippeln wir ab, desto mehr ist gegen die hübsche Altersbirne getan, die bald eine Atomwolke sein wird.. Renteneinsparungen und so. Warum sehen wir das nicht von der Seite? Ach, das wäre wohl wieder zu radikal.. und moralisch verwerflich und so..

4 Gedanken zu “Die Fettensteuer

  1. Liebe Romy,

    nach einem halben Jahr habe ich jetzt wieder Fernsehempfang, und schon nach zwei Tagen weiß ich wieder, warum mir die Zeit ohne so gut getan hat…
    Der ganze Ernährungsbereich ist hochemotional besetzt, und nach über zehn Jahren bei einem (Bio-)Catering, das auch Mittagtisch für Schulen angeboten hat, weiß ich, dass wir da noch Jahre und Jahrzehnt gegen Wände rennen werden.
    Viele der politschen Scheindebatten erledigen sich aber zum Glück schnell wieder von selbst😉.

    Liebe Grüße,
    Catou

  2. Gabs die Diskussion nicht schon einige Male?
    Bisher ist ja zum Glück nichts draus geworden.
    Wenn wir realistisch sind wissen wir doch alle, dass das nichts bringt.
    Und wie du schon richtig gesagt hast: Nicht das schlechte Essen teurer machen, sondern das Gesunde bezahlbar.
    Ich glaub, wenn ich alleine wohne werde ich auch entweder extrem zunehmen, weil ich mir all das was ich jetzt esse nicht mehr leisten kann und auf Tiefkühlpizza für 29Cent (Tja ja sowas weiß ich :D) pro Stück umsteigen muss oder ich werde verhungern.😀

    Übrigens: Unsere Politiker werden doch alle immer erst aktiv wenn das Kind schon in den Brunnen gefallen ist.
    Du glaubst doch nicht, dass die mal auf die Idee kämen, präventiv gegen Übergewicht und ungesunde Ernährung vorzugehen.

    In Mexiko gibt’s ja seit diesem Jahr ne Fast Food Steuer, weil die Leute zu dick sind.

    Vielleicht sollten unsere Politiker mal mit gutem Beispiel voran gehen?😀
    Idealgwicht haben die doch fast alle nicht.

    Und noch ein Punkt, der mich persönlich eh jedes Mal dazu bringt, wahnsinnig zu werden und den du erwähnt hast: Hartz IV und Rauchen und dann sagen man hat zu wenig Geld zu Leben.
    Klar ist das super wenig, was die bekommen, aber dann verbrenn ich es doch nicht!
    (Das regt mich jedes Mal so auf, deswegen musste ich es los werden! :D)

    • ja aber gucken wir uns mexico an – gebracht hat das noch nix da..

      leider gibt es die duskussion jedes jahr auf’s neue und irgendwann kriegen sie es durch – das ist nämlich eine super möglichkeit die mehrwertsteuer auf lebensmittel zu erhöhen ohne die mehrwertsteuer zu erhöhen😉 lassen wir das mal kurz auf uns wirken😀

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