Gefährten der Nacht

Normalerweise würde keiner bei solchem Wetter nachts spazieren gehen; wir schon. Ich wohne in einem schönen alten kleinen Städtchen mit Geschichte. Wie viele Orte in der Gegend entstand auch meine Heimatstadt im frühen Mittelalter und hat einiges vorzuweisen.

Etwa 150 Menschen (können auch mehr gewesen sein) versammelten sich am Freitag Abend gegen acht auf dem Parkplatz unserer Burg und ließen sich von den Gefährten der Nacht durch die Altstadt und die historischen Schauplätze führen.

nachtwanderungAngefangen bei der Burg und der Kohlhase-Saga (dem Robin Hood Brandenburgs); über den Marktplatz und die Geschichte des mittelalterlichen Alltags; in die engen Gassen mit Begegnungen mit dem Zahnarzt und seiner Methoden; der Bestrafung von Dieben; dem Wirtshausleben bis zu Gevatter Tod, der am Ende mit dem Mönch in seinem Garten ein Bier trinken geht und uns arme Seelen verschont. Zum Ende hin gab es das „Pech des Tschech“ (unser Bürgermeister der den König erschießen wollte) und nach der Geschichte der letzten Hinrichtung (eine junge Frau die ihre Zwillinge tötete) wanderten wir über den rekonstruierten Knüppeldamm – ein Abenteuer bei Nässe und Laub; da kann man auch auf gefrorener Straße sprinten.

Das klingt alles sehr geschichtsträchtig, verstaubt und langweilig – aber das ist es nicht. Sie schaffen es diese 2 Stunde schnell vergehen zu lassen; Witz und Charme in die Geschichten und kleinen Schauspiele einzubinden; es gab Schnaps und Schmalzstulle und da störte auch die Kälte nicht.

Zudem ist es toll nachts durch die beleuchteten Straßen zu laufen und die Orte einmal nicht bei Tageslicht zu sehen.

Ich kenne die Geschichte der Stadt schon, aber so insziniert war es wieder toll zuzuhören. Über 800 Jahre gibt es uns nun schon in der Mark Brandenburg und vielleicht laufen ja in 800 Jahren wieder Leute in Gruppen durch die Nacht und lassen sich zeigen, wie das Leben damals 2013 war. Auch wenn wir keine Nachtwächter mehr haben heutzutage und uns die Sitten und Gebräuche des Mittelalters fremd sind, wird es in 800 Jahren ebenso sein – wir sind dann das geschichtliche Volk mit den komischen Sitten.

Es gibt hier in der Gegend auch in den anderen Städten solche Führungen und wer die Möglichkeit hat, sollte auf jeden Fall mal eine mitmachen. Den Autokennzeichen nach kamen die Leute aus ganz Brandenburg und Berlin und nun, nachdem es die Nachtwächterführung schon einige Zeit gibt, habe auch ich es mal geschafft daran teilzunehmen.

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