The Counselor – Filmkritik

Begeben wir uns mal auf ein neues Terrain und schreiben eine Filmkritik.. Warum? Weil ich finde, dass ich Euch für 9,50 Euro Eintrittspreis vorab informieren sollte, falls Ihr vorhabt den Film noch zu sehen.

Quelle: flicksandbits.com
Das Filmplakat hat Humor – fällt Euch was auf?

The Counselor ist ganz großen schlechtes Kino! Und das sage ich selten. Ich bin tolerant was Filme angeht, aber manchmal unterliege auch ich der Enttäuschung. Ich sah mit dem Buddelkastenfreund letztens Captian Philipps und da kam die Vorschau für The Counselor. Sah interessant aus. Wir begaben uns also wieder ins Kino.

Worum geht es: Der Counselor, dessen Namen glaube ich nie im Film erwähnt wird (Fassbender) ist Anwalt (daher Counselor, das ist ein Berater, Rechtsbeistand), verliebt in seine Freundin Laura (Cruz), mit einem dezenten Hang zur Habgier. Er scheint ein tolles Leben zu führen, macht aber dennoch Geschäfte mit der mexikanischen Drogenmafia.

Reiner (Bardem) reizt ihn dazu dieses Geschäft einzugehen, wovon ihm von Westray (Pitt) allerdings abgeraten wird. Alle drei steigen jedoch ein und wie das Leben so spielt, platzt der Deal, da der Drogentruck geklaut wird. Reiner ist mit Malkina (Diaz) liiert, welche ein kleines Sexproblemchen hat – ebenso wie anscheinend alle Figuren.

Reiner wird vom Kartell gejagt und erschossen. Westray in London nach seiner Flucht auf offener Straße enthauptet. Laura wird auf dem Weg zum Counselor entführt. Reiner klärte ihn vorher über die Vorgehensweisen der Mafia auf und so erfährt der Counselor mit Zusendung einer DVD auch, was mit seiner Verlobten passiert ist – der Zuschauer kann es sich denken und erhält die Bestätigung, wenn ihr kopfloser Körper auf der Müllkippe landet.

Malkina triumphiert am Ende und hat durch geschickte Strippenzieherei sowohl das Kartell, als auch die anderen Figuren um ihr Geld und Leben gebracht.

***

So weit so gut. Klingt erst einmal nicht schlecht – guckt sich aber so. Ich habe selten in einem Film gesessen und darauf gewartet, dass endlich etwas passiert.

Das erste, was mir auffiel, war das schlechte Make Up – sowohl Diaz als auch Cruz waren mehr als schlecht geschminkt.

Laura ist das typische Frauchen; unschuldig, zu prüde für Oral- oder Telefonsex, leicht zu beeindrucken. Sie scheint keine schlechten Eigenschaften zu haben und keine bösen Worte zu kennen. Als Katholikin, die unbedingt in der Kirche heiraten möchte und die ganze Zeit ein Kreuz bei sich trägt, jedoch Sex vor der Ehe hat, nicht anders zu erwarten und eine sehr langweilige Figur. Fast schon sarkastisch stirbt sie als Opfer eines Snuff-Filmes.

Malkina ist besessen von Leoparden, trägt ein Leopardentattoo, hält sich zwei Kätzchen als Haustiere und schminkt sich wie sie. Ihre Lieblingsbeschäftigung besteht darin, ihren Katzen beim Jagen zuzusehen und davon erregt zu werden. Die komplette Gegenfigur zu Laura. Leoparden stehen für Eleganz und Kraft, sind gleichzeitg aber auch ein Zeichen für Sünde und Wolllust. Eigenschaften, die Malkina durchaus ausmachen, jedoch mehr als spärlich im Film eingesetzt wurden. Sex mit einem Auto und die dazugehörigen Erläuterungen von Reiner haben den Film nicht aufgewertet.

Reiner ist der typische Drogenboss; stets cool, sich der eventuell früheren Endlichkeit seines Lebens bewusst und leider sehr verliebt und gleichzeitig verängstigt von Malkina. Er wirkt jedoch etwas unbeholfen, weiß nicht so recht was er von seiner Freundin halten, wie er mit der verqueren Situation des geplatzten Geschäfts umgehen und was er dem Counselor raten soll. Er stirbt ganz spannungslos durch einen versehentlichen Schuss in den Kopf.

Westray ist mehr als ein ehemaliger texanischer Klient des Counselors. Er ist eigentlich Kanadier mit einem Hang zu hässlichen Textasanzügen und Cowboyhüten und berät mit seinem schier unendlichen Wissen über Drogengeschäfte. Außerdem klärt er den Counselor darüber auf, wie skrupellos das Kartell tötet. Unter anderem erklärt er ihm auch, wie der Snuff gedreht wird, bei dem seine Freundin umkommen wird. Als einzige Figur scheint er sich bewusst darüber zu sein, wie schnell er möglichst viel Entfernung zwischen sich und der Mafia bringen muss. Letzten Endes wird er jedoch selbst Opfer einer Tötungsmethode mit 100%iger Erfolgschance auf den Straßen Londons und gibt sich, als die Lage aussichtslos erscheint, mit einem Lächeln seinem Schicksal hin vor den Passanten geköpft zu werden.

Der Counselor selber ist ein Einsteiger im Drogengeschäft, hat keine Ahnung wie alles abläuft und verlässt sich auf Reiner und Westray. Ebenso ahnungslos sieht er sich dann auch vor den Scherben seiners Gierhaufens, versucht verzweifelt aus der Situation wieder herauszukommen und seine Verlobte zu finden. 1/3 des Filmes ist der damit beschäftigt Sex zu haben oder darüber zu sprechen, 2/3 des Filmes weint er. Ob er am Ende auch stirbt, weiß man nicht; vermutlich setzt die Mafia auf Dehydrierung durch übermäßiges Weinen.

***

Warum ist der Film jetzt Müll? Würde ich einen durchaus sehr attraktiven Michael Fassbender die ganze Zeit weinen sehen wollen, würde ich keinen Thriller gucken. Die Figur des Counselors spielt ohnehin nur eine Nebenrolle, denn hauptsächlich geht es um Malkina. Sie hat die Aufmerksamkeit des Publikums, der Figuren und der Kriminellen. Man erfährt auch nicht sonderlich viel über ihn.

Der Film zeigt zwar, wie viel an Entscheidungen hängen kann und wen man alles mit der falschen Entscheidungen mit in den Abgrund reißen kann, aber er macht es auf eine unglaublich langweilige Art und Weise. Der Film  ist gespickt von Warnungen und Erläuterungen wie das Kartell arbeitet und welche Methoden es nutzt – gezeigt wird das aber nicht wirklich. Die ganze Zeit über liefert das Buch dem Regisseur Möglichkeiten den Film spannend und angsteinflößend zu gestalten, genutzt hat er nichts davon.

Ein Thriller der nicht thrillt, Figuren die vor Langeweile fast selbst ins filmische Koma fallen, diese Langeweile aber sehr gut spielen können und Nebenfiguren die beinahe interessanter scheinen, aber auf die nicht weiter eingegangen wird. Dazu eine permanent weinende und hilflos wirkende Hauptfigur, bei der man sich eigentlich die ganze Zeit nur fragt: Wo hat der Fassebender die Narbe über der Lippe her? – interessanteres gibt es an ihm nämlich nicht – Ausziehen hätte vielleicht noch etwas geholfen, aber stattdessen trägt er graue Baumwolljogginghosen.

Dass der Film, grade angelaufen, im kleinsten Kinosaal gezeigt wird, hätte uns schon zu denken geben sollen. Ich kam nicht umhin aufzustehen und lauter als gewollt zu sagen: „Darf ich mal anmerken, dass der Film totale Scheiße war und ich selten etwas langweiligeres gesehen habe?“ – prompt erhielt ich dafür von anderen Kinogästen Zustimmung und wusste, ich stehe mit der Meinung nicht alleine da. Ich wartete vergebens auf Spannung, Handlung und Sinn und Zweck des Namensgebers in der Geschichte, aber das einzige was passierte, war Unruhe meinerseits auf dem unbequemen Kinosessel und die Überlegungen, was man mit den 9,50 Euro hätte besseres anstellen können.

The Counselor – meine Kinoenttäuschung des Jahres.

Nachtrag 20.04.2014: Da ich in den Suchbegriffen oft gesehen habe, dass viele nicht verstanden haben was mit Laura in dem Film passiert: Im Film wird erklärt, wie ein Snuff Film gedreht wird: Snuff Filme sind Pornos bei denen die Frau (idR die Frau) während des (zumeist unfreiwilligen) Geschlechtsverkehrs getötet wird und dann evtl. die Leiche geschändet. Laut des Filmes werden in den dort erwähnten Snuffs die Frauen geköpft und die kopflose Leiche vergewaltigt – und genau das passiert mit Laura. Der kopflose Körper, der am Ende auf der Müllkippe landet ist Laura und die CD, die der Councelor am Ende geschickt bekommt ist die DVD des Films indem seine Freundin getötet und geschändet wird.

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