Gegen den Geschenkestrom

Auf dem Blog KonsumRebellion gab es einen Beitrag zum Geschenkelust/Geschenkefrust um die Weihnachtszeit herum.

Ich habe ja da so meine eigene Meinung zum Thema Schenken und vor Allem zum Thema Weihnachtsgeschenke. Ich nutze einfach mal meinen ausführlichen Kommentar weiter 😀

Schenken ist für mich eine Geste. Eine nette Geste, die dem Beschenkten sagen soll „Hey, Du, ich mag Dich und möchte Dir eine Freude machen!“ – sie soll nicht sagen „Guck doch mal wie viel Geld ich für Dich ausgebe nur um sagen zu können ich habe XY verschenkt!“. Das ist doch Quatsch, ganz ehrlich!

Da wird auch jeder sagen „Jaa, genau so sehe ich das auch!“ – wirklich? Ich schenke Kleinigkeiten, oft selbstgemacht oder mit persönlichem Hintergrund. Ich mag es nicht zu schenken um geschenkt zu haben, hauptsache eingepackt, aber gebrauchen kann es keiner. Wenn ich nichts sinnvolles zu verschenken haben, gibt es eben nur ein paar Plätzchen oder so.

Ich bekomme jedes Jahr auf’s Neue die Krise, wenn ich sehe wie viele Geschenke die Kinder bekommen in der Familie. Wenn ich daran denke, wie viel ich bekommen habe und vor Allem in welchen Werten und dass dennoch ein guter, intelligenter und selbstständiger Mensch aus mir geworden ist.. ein Wunder!

Was ist denn verkehrt daran, einem Kind nur ein schönes und sinnvolles Geschenk zu überreichen – etwas, dass es sich wirklich gewünscht hat? Etwas womit es wirklich etwas anfangen kann, vielleicht noch etwas lernt – und ich meine damit nicht diese dämlichen kunterbunten, singenden und klingenden Plastebündel aus Fernost. Warum muss es denn den Wert eines Monatsgehaltes haben? Warum muss der Sack vom Weihnachtsmann so groß sein, dass er nicht durch die Tür passt oder noch besser, die Geschenke gar nicht in den Sack gehen? Die Kinder können damit doch eh nichts anfangen. Es gibt da so ein ganz tolles Wort: Reizüberflutung. Reizüberflutung ist etwas, dem sich die Kinder heutzutage eigentlich alle stellen müssen – vollkommen ungewollt und unschuldig. Die Reizüberflutung (ich liebe dieses Wort) wird ihnen durch ihre Eltern aufgezwungen. Ein Kind kann immer nur mit einem Spielzeug zur gleichen Zeit spielen und der Tag eines Kindes hat auch nur 24 Stunden und davon soll es ja nun auch noch viel schlafen und in der Schule lernen. Wann soll es denn mit dem ganze Zeug spielen? Tach schön, ADHS – du moderne Krankheit, von der keiner weiß woher sie kommt – ich hab da so’ne Theorie!

Ich versuche mich auch jedes Jahr auf’s Neue dafür einzusetzen den Quaden Bücher zu schenken. „Lesen die eh nicht / wollen die nicht / landet in der Ecke!“ – ja, eben! Die kriegen so viele Bücher geschenkt bis sie darin ersticken! Bis sie sie angucken und lesen! Bis Mutti und Vaddi sich hinsetzen und ihnen zeigen, dass Lesen viel toller sein kann als Daddeln! Aber man soll sich ja nicht in fremde Erziehung einmischen, wa – man muss sie aber auch nicht unterstützen.

Bei Erwachsenen ist es aber gar nicht anders. Habt Ihr mal genau gesehen, was Zeitschriften und Läden usw. alles vorschlagen als Geschenk für die Lieben; sei es Partner, Familie oder Freunde? Bei Bonzen kann ich es verstehen, aber beim Großteil der Bevölkerung sollte man auch noch den Sinn für’s Wesentliche behalten und die Kirche im Dorf lassen. Ich würde meinen Freund fragen, ob er noch ganz richtig tickt, wenn er mir zu Weihnachten den Ring aus der Werbung für 999 Euro schenken würde. Auto, Reisen, HighTech – alles nicht ungewöhnlich als Geschenke zu Weihnachten.

Geschenke sollen von Herzen kommen und wenn die Kleinen schon zugeschüttet werden, was wird denn dann später? Dann haben wir die Erwachsenen die 1.000 Euro teuren Schmuck erwarten. Die Wünsche werden nicht kleiner oder preiswerter.. Das fängt ja schon an Nikolaus an – was andere zum Nikolaus bekommen, bekam ich früher zu Weihnachten und Geburtstag zusammen.

Ich denke die Frage von KonsumRebellion „Wie groß oder klein die Kleinigkeit sein soll oder darf…“ ist falsch. Niemand sollte sich fragen müssen „Ist mein Geschenk groß genug / teuer genug / spektakulär genug / gleichwertig dem Geschenk des anderen?“ – die Frage sollte sein „Ist mein Geschenk etwas worüber er/sie sich wirklich freuen kann / mit dem er/sie etwas anfangen kann oder bei dem er/sie immer an mich denken wird (freudig)?“. Das ist doch der Hintergrund des Schenkens und nicht das wahllose Zumüllen mit Sachwerten.

Wenn ich etwas sehe von dem ich denke das könnte gefallen, dann verschenke ich es sehr gerne. Bietet sich eine Gelegenheit wie Feiertage oder Geburtstag in nächster Zeit, dann zu diesem Datum. Wenn ich aber so etwas sehe wo ich ganz genau weiß, der freut sich sehr darüber und es ist eigentlich nur eine Kleinigkeit, dann nehm ich das mit und verschenke es. Wieso soll man denn nur an kalendermäßig vorgeschriebenen Tagen schenken dürfen?
Ich mag es auch zur Arbeit einfach mal etwas Süßes oder einen Kuchen mitzubringen – ohne Urlaub oder Geburstag. Wieso denn nicht? Ich habe auf Arbeit (bei jedem Arbeitsgeber bei dem ich war) immer Süßmäuler gehabt – da hat keiner etwas dagegen und freuen tun sie sich auch.

Wenn nun jeder der Meinung ist, Geschenke sollen Freude machen und es kommt auf Qualität und nicht Quantität an, wer ist denn dann derjenige mit den vielen großen Tüten im Einkaufszentrum? Wo kommen denn dann diese übermäßigen Spielgeschenke her? Wieso habe ich denn damals bei der Bank gerade vor Weihnachten so viele Kreditanträge / Dispoerhöhungen und Neujahr so viele neue Pfändungen auf den Konten gehabt?

Wir leben in einer materialistischen Welt – aber wir suchen es uns ja selber aus. Wieso sagen wir denn nicht: „Schatz, es ist etwas Kleines und kommt wirklich von Herzen!“ – wenn „Schatz“ dann nicht sagt „Das finde ich ganz toll und freue mich sehr darüber!“ sondern „Was soll’n der Scheiß – ich wollte doch das iPad!“ ist Schatz fehl am Platz und sollte schleunigst verlassen werden. Stattdessen sagen wir „Schatz, es ist nur etwas Kleines, aber es kommt von Herzen!“ – „nur“, „aber“ – müssen wir uns rechtfertigen für materiell wertlose Geschenke, die immateriell unbezahlbar sind?

Ich sehe gar nicht wein, warum ich Geld ausgeben muss, das ich nicht habe nur weil Weihnachten ist und es eine Hand voll Menschen gibt die beschenkt werden wollen/sollen? Wenn ich mich stundenlang hinstelle oder -setze und backe / nähe / bastel, mir wirklich Gedanken um das Geschenk gemacht habe, hat das doch einen viel höheren Wert als das teure gekaufte Geschenk – oder etwas nicht?
Wie seht Ihr das denn? Und ehrlich jetzt: Tütenschlepper oder Kleberschnüffler? Lasst Ihr Euch stressen und seid Ihr da ganz entspannt? Habt Ihr ein schlechtes Gewissen, wenn Ihr kein großes oder teures Geschenk dabei habt – wirklich ehrlich jetzt?! „Neeeein!“ sagen sie alle, aber irgendwas muss sie ja in die Shops treiben. Und vor Allem: auf einer Skala von 1 (gar nicht) bis 6 (total) – Wie sehr nervt Euch die Frage, ob Ihr denn schon alle Geschenke hättet – Wochen vor der Geschenkeniederkunft?

Adventskalender_12

2 Gedanken zu “Gegen den Geschenkestrom

  1. Also ich habe alle Geschenke beisammen, zum Glück und dem Zufall geschuldet. 🙂 Ich bin leider nicht der Bastel-Typ. Dafür verpacke ich die Geschenke gern schön und sorgfältig. Ich mag den Gedanken, dass ein hübsches Geschenk noch einmal stärker wirkt, als nur einmal mit Zeitungspapier eingewickelt. Allgemein verschenke ich gern, aber nicht übermäßig viel. Vor allem verschenke ich auch nur Dinge, die man gebrauchen kann, wie du schon sagtest. Mir wird auch übel, wenn ich sehe, wie viele Kinder zu viel bekommen und den Wert des Schenkens, der Liebe, der Familienzeit und zum großen Teil auch des Geschenks nicht zu schätzen wissen. Bin voll deiner Meinung. 🙂

    • aaaaber richtig gemacht kann auch sone zeitung eine ganz hübsche verpackung sein 😀
      aber das verpackungsthema ist ja auch nochmal ein anderes.. stunden kann man damit zubringen; kunstwerke erschaffen oder vollkommen verzweifeln.da könnte ich mich auch ein halbes leben lang mit beschäftigen.

      bin mal gespannt darauf wie es dieses jahr wird und ob die großen kinder wieder freudig mit den sachen der kleinen spielen weil die keinen überblick mehr darüber haben, was sie eigentlich grade alles ausgepackt haben.

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