Aus Überzeugung sehnsüchtig?

Hasst mich nicht.. ich sage es lieber von Anfang an, denn sicher gibt es Menschen die das tun werden.

Mir sind da ein paar Sachen aufgefallen. Ich bin bei Facebook in einer Gruppe wo vegane Gerichte geteilt werden und wir hatten das Thema heute auch bei der Arbeit. Ich musste meinen Kollegen ja erklären warum ich nix aus der Kantine geholt habe – war ja jetzt wegen der Prüfungen drei Wochen nicht arbeiten. Die Tochter meiner Chefin ist Veganer aus Überzeugung – sie möchte also nichts tierisches Essen um den Tieren kein Leid zugefügt zu haben. Wie von meiner Oma auch gibt es hin und wieder bei ihnen Eier aus der Nachbarschaft oder von Verwandten (ich habe das nicht mehr ganz im Kopf) von überaus glücklichen Hühnern. Sie geben ihre Eier und dürfen sterben wenn es soweit ist – aber von alleine, durch die Natur und werden nicht geschlachtet. Man könnte also sagen die Hühner haben kein Leid ertragen und die Eier müssten doch erlaubt sein, wenn man aus Tierschutzgründen vegan lebt. Müsste doch theoretisch so sein, oder? Sie sind dennoch für sie tabu.
Um Eier tut es mir auch echt leid muss ich sagen – der Rest stört mich gar nicht, aber so ein Rührei, Eierstullchen oder einfach ein Ei auf die Hand wäre schon toll.

Auf der Suche nach veganen Rezepten und auf dieser Facebookseite ist mir aufgefallen, dass viele Veganer sehr viele Ersatzprodukte benutzen. Sojamilch nutze ich ja auch, aber Ersatzkäse… Ersatzwürstchen… Ersatzallerlei – muss das denn sein? Ich meine, seien wir doch mal ehrlich; schmecken tut’s nicht! Wieso verzichtet man dann nicht einfach ganz darauf, wenn man schon verzichten möchte? Wieso muss denn so ein Ersatzkäse auf die Pizza; die ist auch ohne Käse total lecker. Warum muss denn eine Ersatzbratwurst auf den Teller, zusammengemanscht aus Dingen die ich kaum aussprechen kann? Es gibt so tolle Möglichkeiten aus Gemüse Bratlinge zu machen. Wer braucht denn da die Wurst; die so aussieht wie eine Wurst und schmecken soll wie eine Wurst?

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Also ich verstehe ja: „Weil es ja schmeckt, aber ich möchte nicht, dass ein Tier dafür leidet.“ Aaaaaber, für mich sind das irgendwie halbe Sachen. Also wenn ich mich für einen Lebensstil entscheide und tierischen Produkten abschwöre, dann wäre es doch nur konsequent auch auf Pseudotierprodukte zu verzichten – oder nicht? Es ist ja jetzt nicht so, dass ohne diese Wurst und den Käse etwas grundlegendes fehlen würde. Offen gesagt, das Zeug schmeckt so abartig nicht nach Wurst und Käse, dass ich da mit Kartoffeln und Gemüse voll zufrieden wäre; mehr als mit dem Zeug. Ich muss nun aber auch sagen, dass ich ohnehin noch nie Käse- und Fleischfreund war. Es gibt einzelne Sachen die ich mag, aber für mich ist es nicht schade, wenn es weg ist. Gibt es halt keine Hähnchenbrust im Reis mit Gemüse, sondern nur Reis mit Gemüse. Dann gibt es halt kein Gratin mit Käse, sondern etwas mehr Sauce, dann trocknet oben auch nix aus und schmeckt auch.

Ich sage ja nicht, dass alles schlecht ist; aber es scheint als würden viele einfach so weiter essen wie vorher nur halt in pseudo und weil sie das tun, haben sie der Welt geholfen – die armen Tiere mussten nicht leiden. Und wie ist das mit den Ackerflächen die zur Deckung des Bedarfs benötigt werden?? Zählt für Tierschützer die Umwelt weniger als die Tiere? Haben Tiere mit immer weniger werdendem Lebensraum ein besseres Leben als Tiere die für die Schlachtung vorgesehen sind? Also geht es einem Menschen in einer 40m² Wohnung besser, wenn er vorher ein Haus hatte als einem Knacki im Gefängnis? Fühlt der sich nicht genauso eingeengt? Ist etwas weit hergeholt, aber vom Prinzip doch das gleiche.. oder dasselbe? Auslegungssache, was?

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So ein „Veganerschnitzel“ aus der Packung schmeckt jetzt natürlich nicht unglaublich schlecht, es schmeckt nur einfach nicht wie ein Schnitzel, also wozu dann kaufen? Damit es so aussieht als ob? Für’s Gefühl? Belügt man sich da nicht selbst ein wenig? Wenn man so sehr Sehnsucht nach diesen Produkten hat, wäre es dann nicht besser, gesünder und nachhaltiger einfach zum Biobauern zu gehen und dort ein Bioschnitzel, vom glücklichen Bioschwein zu kaufen; so zweimal im Jahr? Vielleicht erschließt sich mir da die Logik einfach nicht – erklärt es mir? Wie seht Ihr das? Warum ist das politisch und moralisch korrekt gehaltene und geschlachtete Tier schlechter als die umstrittene landeinnehmende und evtl. pestizidverseuchte Sojawurst?

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I was thinking about some things I recognized in the last two vegan weeks. My colleagues and me talked about vegan food and my boss’s daughter is vegan confidently. They get some eggs from their neighbours or somebody like that, like my grandmother is doing the same, from very lucky chickens. They die naturally and are no food – only their eggs. So aren’t these eggs ok; no chicken has to be hurted? She don’t eats them. ..Eggs are the only thing I really miss.. 

I was never a huge fan of meat and cheese; only some things; not that often – but a great egg would be awesome! I joined a group at Facebook where everybody shows their vegan dishes and I recognized that they’re using a lot of substitute products. That’s the point I started to think about!

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Isn’t it a kind of lie to yourself eating a fake saussage, a fake cheese or a fake schnitzel instead of the real one? They only look like the animal stuff but they don’t taste like that, so there’s no need to eat it. You can make so many great dishes without animal products AND without their substitutes. If you really miss that stuff that much that you have to eat those tasteless fakedishes, wouldn’t it be honestly better to buy a piece of meat from an organic farmer, made from an organic and happy pic instead of a controversial pseudo-schnitzel twice a year? Are animals more worth than the environment? Are they more happy while farmlands get bigger and bigger and steal their habitat? Is a man more happy in a little 40m² apartement after living in a big house feeling like in jail? That’s quite a stretch, but in general the same.

Try to explain the logic to me behind eating a fake saussage with potatoes and vegetables than potatoes with vegetables without something like saussages?

6 Gedanken zu “Aus Überzeugung sehnsüchtig?

  1. Kann ich auh nicht nachvollziehen.
    Ich ernähre mich jetzt seit einigen Monaten vegan und bin seit meinem 10. Lebensjahr Vegetarier und ich habe NIE Ersatzprodukte gegessen, sondern bewusst verzichtet. Stieß mit dieser Haltung bei meinen Mitvegetariern und Veganern aber eher auf unverständnis: Wiesoooo, es geht doch nur darum, kein Fleisch zu essen, nicht um Verzicht.
    WTF???

    • echt? das ist ja krass! es geht doch gerade um den Verzicht, Fleisch und andere tierische Produkte zu essen….

      woher kommt denn dieses Verlangen, unbedingt ein Schnitzel (und wenn es ein Soja-Ersatz-Vleisch-Schnitzel ist) zu essen. Ist das so sehr anerzogen bzw. kulturell in uns drin?

      Du hast diese Diskussion doch bestimmt schon oft geführt. hatten die besagten Mitvegetarier darauf eine Erklärung?

      • Keine ernsthafte, sie fanden im Gegenteil meine Argumentation etwas dünn. Sie fanden eben, dass es beim Vegetariersein darum geht, keine Tiere zu töten, was natürlich stimmt und einer der wichtigsten Gründe gibt. Deshalb auf etwas „Leckeres“ zu verzichten, ist ihnen gar nicht in den Sinn gekommen. Da habe ich echt gegen Wände geredet…
        Ich glaube, bei denen ging es eher um den Lifestyle als um den Verzicht. Sagen zu können: wegen mir werden keine Tiere getötet, ist natürlich fancy und super für’s Gewissen.
        Aber warum dafür eine Anstrengung leisten? Sie meinten halt, man müsse sich ja nicht geißeln, weil man eine bestimmte Überzeugung hat… -.-
        Mir persönlich fehlt Fleish gar nicht, weil ich ja schon sehr früh damit aufgehört habe. Damals wusste ich gar nicht, dass es Ersatzprodukte gibt (gab’s die da schon?) und ich war ja auch nicht zuständig für’s Einkaufen, meine Mutter hätte mir was gehustet.
        Ich muss allerdings sagen, dass ich vor dem Schritt zum Veganismus VIIIIIIELE Milchprodukte gegessen habe. Das war schon… schwer. Vor einigen Dingen habe ich inzwischen aber richtig Ekel (Frischkäse und Joghurt zum Beispiel, würg), Käse fehlt mir, aber da Ersatzkäse eh ungenießbar ist, stellt sich die Frage nicht und Milch fehlt mir auch nur im Kaffee. Und Ersatzmilchen sind… ebenfalls ungenießbar. Ich habe einen Kaffee gefunden, der auch schwarz lecker ist 😉
        Also, von Verzicht kann nur bedingt die Rede sein…

      • lifestyle ist ein gutes wort – ich denke das wird es sein; wer hip sein will wird veganer und isst ein fakeschnitzel, wer veganer sein will erfreut sich am gemüseburger.. oder so ähnlich. ich denke auch, das wäre eine diskussion wie „henne oder ei“; es wird kein ergebnis geben.

  2. Merci! dass Du mir aus der Seele sprichst, gleich zweifach.

    ich kann absolut nachvollziehen, wie/warum man zu einer veganen Lebensweise kommt. ich verstehe aber nicht, warum man wenn man kein Tier essen will, etwas essen möchte, dass aussieht wie totes Tier. Das ist doch… – ich weiß nicht.

    Und über die ethischen/ökologischen Schattenseiten von Monokulturen für Getreide oder Gemüse bzw. insbesondere Soja will auch keiner reden.

    paradoxe Welt, in der wir da leben…

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