Tinder – ein Selbstexperiment

Auf Facebook erzählte ich Euch ja von meiner Woche voller Dating-App-Tests in Radio und TV und so entschloss ich mich auf den Zug aufzuspringen – aus purer Langeweile an den Feiertagen, aber das ist ja egal. Ich entschied mich also für Tinder. „Teinder“, wie ich im Radio lernte und nicht „Tinder“.. Das Konzept ist denkbar einfach: Sei so oberflächlich wie du nur sein kannst und entscheide per Fingerstreich über Leben oder Tod. Naja, nicht ganz so weitreichend, aber fast.

Tinder präsentiert eine Art Polaroid. Gefällt das Bild kann man sich nähere Informationen anschauen: Name, Alter, Entfernung vom eigenen Standort, evtl. ein mindercleverer Profilspruch [Falls einer fragt, wir kennen uns aus dem Supermarkt – sehr beliebt!] und evtl. gemeinsame Freunde und Gefällt-mirs auf Facebook. Mehr gibt es nicht. Fingerstreich nach links oder X und der Mann ist dahin; für immer verloren, auch wenn es ein Versehen war. Fingerstreich nach rechts oder Häckchen und es heißt warten.. hat der Auserwählte einen selber auch mit einem Rechtsstreich bedacht oder wird es noch tun, kommt es zu einem „Match“ – „Ihr passt perfekt zusammen!“. Man kann es dann dabei belassen oder demjenigen eine Nachricht zukommen lassen. Aus einem Match wird aber nicht immer ein Chat.

Soviel zu den Grundlagen.

Tinder-Tag 2: Die App unterhält mich sehr gut. Männergucken, ohne dass es einer merkt. Im sekundentakt wische ich links, links, links, links, rechts, links, links, links.. ich bin sehr linkslastig und halte mich auch nicht lange auf den Profilen auf. Ich lese auch die Texte nicht. So hatte ich einen Match mit jemandem, der ganz klar in sein Profil schrieb, er suche jemanden für einen Dreier mit seiner Freundin.. ups.

Die Statistik für Tag 2: Matches = 30 Männer. „Weggewischt“ = unzählbar. Ich schätze mal bei einem Verhältnis von 5:1 (wenn nicht wählerischer) werden es an Tag zwei demnach 150 Männer. Ich habe 150 Männer in nur zwei Tage abblitzen lassen und zu Beginn des zweiten Tages bot mir die App fast ausschließlich die Männer, die mich gut fanden. Es ist so einfach ihnen einen Korb zu geben, wenn sie es gar nicht merken.

Ich war mit dem Buddelkastenfreund in Lübben am Ostersonntag; wir wollten mal einen neuen Club probieren – Fahrtzeit ähnlich, wie sonst auch; Gegend und Leute eher mäßig bekannt; Club kannten wir noch gar nicht, nur von Erzählungen. Lange Rede, kurzer Sinn: die App verhalf mir doch die knapp 2,5 Stunden dort auszuhalten; 3 Whisky-Coke und vermutlich 30 Männer später fuhren wir heim.. war jetzt nicht so der Bringer. Die Umgebeung verhalf mir jedoch zu neuen Matches, da der aktuelle Standort genutzt wird und ich mich ja so fast eine Stunde weiter südlich befand. Und auch der Buddelkastenfreund, welcher sich die App zwar ebenfalls zog, jedoch eine andere nutzte, war von seinen Suchergebnissen dort nur mäßig überzeugt.

Tinder schafft es dem Wort Oberflächlichkeit in einer oberflächlichen Welt noch eine ganz markantere Bedeutung zu geben. Angesichts der teils wirklich schlechten Fotos, auf denen rein gar nichts zu erkennen ist, bin ich zu 98% sicher  meinen Prinzen, den ich eigentlich nicht will zur Zeit, gelinkswischt zu haben. Gewollt wischte ich allerdings auch ehemalige Klassenkameraden und aktuelle Kommilitonen in die linke Ecke.. nachdem ich angesichts der Profile mit dem Lachen fertig war. Ja, da kann ich manchmal assi sein. Ich sah des Öfteren den Bildschirm, dass es zur Zeit keine neuen Angebote für mich gibt. Ich bin verwundert über die Massen an Männern in dieser App und einem Umkreis von 40 Kilometern. Ein paar Minuten später fanden sich jedoch wieder neue Objekte.

Fazit nach zwei Tagen: Dating-App – Ansichtssache. Schnell Männer kennenlernen – machbar. Noch schneller Potenzial für ungewollte Schwangerschaft oder noch nicht entdeckte Geschlechtskrankheiten – extrem hoch. Ich hätte an Ostern, auch vegan, mehr Eier finden können, als die gefühlten 50 Kinder Ostersonntag auf dem Nachbargrundstück; der Angebote gab es genügend.

Tinder-Woche 1: Nun sind Tinder und ich seit einer Woche zusammen und ich muss sagen, die App macht etwas süchtig. Für trockene Nymphomaninnen sicher nicht geeignet, aber unglaublich amüsant. Ich muss regelmäßig gucken, ob es neue Kandidatenvorschläge gibt, weil mich das doch alles sehr gut unterält. Wenn die Vorlesungen zu langweilig wurden konnte ich mich super mit der App ablenken und gerade durch Standortwechsel kommen ja auch neue Fliegen ins Netz.

Statistik nach einer Woche: 91 Männer; das „Wegwischverhältnis“ hat sich auf etwa 9:1 vergrößert. Bei diesen 91 Männern haben sich, nach zumeist weiblicher Initiative 22 mehr oder minder umfangreiche, sinnvolle und fruchtbare (oder furchtbare – wo muss das r hin?) Gespräche entwickelt. Ein Match garantiert noch keinen Kontakt.

Ich hätte durchaus mehrere Dates haben können; auch gar nicht so unmoralische, aber ich habe Shoppen mit Tinchen vorgezogen – das war sicher auch die weitaus weisere Entscheidung 😀 Aber sprechen wir noch einmal über die positiveren Seiten der App: Domi und ich haben uns jedenfalls in der Mensa, lehnend über dem durchaus selteneren Phänomen des nicht schmeckenden Essens, über das ein oder andere Leckerli gefreut. „Like den mal, der ist doch süß!“ – „Aber der gfällt mir nicht!“ – „Kannst du mir den nicht einfach rüberschieben?“ – „Nee musste dich selber anmelden“.. 😀

Als kleiner Tipp für den erfolgreichen Nutzen dieser App: Fotos auf denen Comicfiguren, Tiere oder irgendwelche anderen Dinge, die nichts mit dir zu tun haben drauf sind, sind nicht hilfreich. Fotos auf denen mehrere Menschen drauf sind und du nicht kenntlich machst wer du bist, sind nicht hilfreich. Fotos, die zwar durch Effekte super aussehen, auf denen du aber nur für deine Mutti zu erkennen bist, sind auch nicht hilfreich. Den Spruch mit dem Supermarkt habe ich nun noch öfter gesehen (Ist das ein Runnin Gag?) und auch das Gegenstück „Wenn einer fragt, wir haben uns im Internet kennengelernt“ und „Ich hätte dich auch lieber im Supermarkt getroffen“.

Prinzipiell ist die App gar nicht so verkehrt. Man sollte sich nur vom Gedanken den Traumprinzen dort zu finden verabschieden. Da sie international genutzt wird, halte ich sie für eine super Möglichkeit Leute kennenzulernen, wenn man irgendwo neu oder fremd ist. Wer hier und da ein kleines Abenteuer sucht kann es sich damit auch recht einfach machen. Als Frau sollte man sich bewusst über teils sehr plumpe und offene Anmachen sowie ab und zu auch frauenverachtendere Sprüche geschickt zu bekommen – drüber stehen oder schlagfertig antworten, aber nicht drüber aufregen.

Die App frisst unglaublich viel Energie; das ist ein großer Nachteil. Aber auch einiges an Aufmerksamkeit – es ist so einfach zum Wischen abzuschweifen (hab mir jetzt Solitär runtergeladen) 😀

Ich hatte überlegt das Selbstexperiment noch eine Weile laufen zu lassen; werde ich auch, aber ich werde den Bericht hier abschneiden – mehr wird es nicht zu erzählen geben. Mehr kann die App nicht außer Männer sammeln..

Zur Unterhaltung noch ein paar visuelle Eindrücke. Vielleicht gebe ich noch ein Update, falls es etwas zu sagen gibt 😀

I tested the dating app „tinder“ while holiday after hearing a lot of recommondations – a lot of fun. It’s so easy to be superficial and getting more superficial than ever expected. Actually, the only aspect for a pick is the picture. I tested it nor for one week and I had 91 matches (guys who liked me which I liked) and 22 chats – more or less useful. If you want to find a guy for a ONS, this app is very good – if you want to find Prince Charming, it’s quite disappointing (at least in Germany). Of course, there are some nice guys, but they are very rare. I had a lot of fun with some friends looking at the profiles; reading the chats and trying to find some standard. Nevertheless, I think, tinder is a good way to meet new people when you’re new in the city or abroad. I „met“ some interesting foreigners; might a good pick; chats are interesting; guys seem to be smart.. perfect for my wanderlust 😀 I thought about a longer time for the experiment than one week; I will continue using it, but there won’t be anything smart to tell you about it. To skip some boring moments and have fun, perfect! To meet some guys for some very tentative moments, perfect! To get engaged and happily ever after.. no way!

 

cats

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8 Gedanken zu “Tinder – ein Selbstexperiment

  1. Pingback: Tinder Facebook Freunde | Nike Jordan

  2. OMG 😀 du bist erstens mal soo cool! wie du schreibst, ich musste so viel lachen 🙂 aber die Männer.. OMG :D:D:D no comment echt! hahahah und deine Kommentare… ich kann nicht mehr!

    • und das sind nur die versionen die ich hier öffentlich zeigen kann; ich weiß ja, dass es teils auch jüngere Leser gibt und unter anderem auch Mutti.. Mutti muss nicht wissen, was die bösen Männer ihrem Prinzesschen schreiben 😀

      • haben aber heute auch so ein schlaues spiel gemacht: wer als erster was sagt hat verloren und der andere bekommt die tickets.. irgendwie musste das spiel abgebrochen werden – radiomoderator muss ein sehr einfacher job sein :D:D

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