Guido Maria Kretschmer oder Warum viel nicht immer viel hilft / Why success shouldn’t be overbidden

GuidoMariaKetschmer

Ein Designer scheint aus der Medienwelt nicht mehr wegzudenken: Guido Maria Kretschmer, die Mode Teresa der Durchschnittsfrau, der Dr. Stefan Frank – der Modearzt dem die Frauen vertrauen, die Kate Middleton der Zarajünger. Der Sympathieträger Deluxe macht zur Zeit alles was man so machen kann.

Fraglich, ob das auch so sein sollte? Das deutsche Fernsehen, oder eigentlich generell Deutschland, hat die Angewohnheit Erfolge stärker auszuschöpfen als Nestlé eine ausgetrocknete Wasserquellen in Afrika. Wer Erfolgsgeschichten schreibt wird hochgelobt und durch alles gezogen, womit man Geld verdienen kann. Genau das passiert gerade mit ihm.

Ich mag Guido Maria Kretschmer sehr gerne, wie eigentlich jede. Er ist sympathisch und authentisch und ehrlich und eigentlich möchte man ihn zum Grillen einladen und sein Würstchen vorschneiden, weil er einem durch die Mattscheibe das Gefühl gibt auch dein bester Kumpel sein zu können. Er schwimmt auf der Erfolgswelle gerade ganz oben und macht mit seinem Surfbrett noch ein paar Kunststücke.

Wann ist viel zuviel?

Zur Zeit sehen wir ihn nicht nur in seinem Paradeauftritt Shoppingqueen, sondern auch beim Supertalent, Germany’s Next Topmodel, Wetten dass..?, in der Werbung und aktuell in seinem gerade gestarteten Projekt Hotter Than My Daughter war und ist er vertreten.

Neben vielen Preisen, die er gewann (nicht nur Designpreisen), ist er auch gern gesehener Gast in nahezu jeder Fernsehsendung die das deutschsprachige Fernsehen so zu bieten hat. Er kooperiert mit großen Handelsunternehmen wie ebay, Högl und bald auch Heine und hinterlässt seine Spuren überall.

Ich gönne ihm den Erfolg sehr, muss aber sagen, dass es mir mit ihm ähnlich geht, wie mit meiner absoluten Lieblingsband derzeit. Allgegenwärtig ist einfach nicht produktiv! Irgendwann kommt der Punkt an dem das Publikum übersättigt ist und dann bricht die Welle ganz schnell in sich ein. Dann kommt, was ich an Deutschland so hasse: das ehemalige Vorzeigeobjekt wird nicht nur fallen gelassen, sondern auch massiv und nicht konstruktiv kritisiert; schlechte Schlagzeilen werden gesucht und notfalls erfunden, neue Vergleichsobjekte werden hervorgeholt um das alte schlecht darstehen zu lassen – Deutschland geht mit seinen Prunkstücken um, wie kleine Kinder mit Sandburgen der Konkurrenz, wenn es keine Lust mehr auf ihn oder sie hat.

Wir haben es bei der deutschen Fußballnationalmannschaft gesehen. Bald geht es wieder los und sie werden überall sein.. ich warte noch auf den Moment, dass sie auf meinem Klopapier auftauchen. Aber sobald sie ein Spiel verlieren, werden sie runtergemacht werden. Wir haben es mit Lena gesehen. Kaum bei Raab gewonnen und dem Eurovision Song Contest (warum eigentlich nicht mehr Grand Prix Eurovision De La Chanson?), war sie die Tochter der Nation.. bis sie dann verlor. Jetzt muss sie sich die Haare färben, kleinen Kinder Traumata verpassen und sich vorwerfen lassen nichts zu können. Und wir haben es bei Marcus Lanz gesehen. Der war mal ein ganz kleines Wunderkind; Liebling und Moderationsvision und nur weil er nicht in der Lage war in die Fußstapfen des Gottschalk zu treten, hat sich Shitstormdeutschland wieder von seiner besten Seite gezeigt – den Job hätte übrigens niemand erfolgreich machen können, um es mal nebenbei zu erwähnen. Und das beste Beispiel, für all jene die der Theorie noch nicht folgen konnten: Heidi Klum. Die Modelmama, die es durch ihre massive Selbstinszinierung geschafft hat, nur noch in Parodien Anerkennung zu erhalten; sehen will die alte Dame keiner mehr; da wird auch die Imagefolge zum Ende von GNTM nichts helfen.

Ich bin gespannt, ob Mode Teresa bis Ende des Jahres nicht schon leicht eingebrochen sein wird. Im Herbst/Winter kommt seine Plus Size Kollektion auf den Markt. Ich bin sehr gespannt, ob sie den Versprechen standhalten kann. Bisher haben mich die Designer und „Designer“, die mit tollen neuen Kooperationskollektionen für die „starke Frau“ herausgekommen sind, nicht vom Hocker gerissen. Ich denke allerdings auch, dass er da Kartoffelsäcke, schwarze Vorhänge und großmusterige Burkas präsentieren könnte; er würde nicht kritisiert. Deutschland kritisiert seine Wunderkinder auf der Welle nicht; es wartet damit bis die Welle einbricht und dann kann man sich auch über die vormals gelobten Werke hermachen.

Die Vorschau und das Konzept von Hotter Than My Daughter hat mich gar nicht überzeugt die erste Folge zu schauen. Ich sehe den Sinn dahinter nicht, wenn Frauen, die noch nicht verstanden haben wie alt sie sind und Töchter, die im Leben anderen Werten als dem perfekten Outfit Wichtigkeit zusprechen dann in einer Show umgestylt werden müssen – RTL halt.

Ich war schon geschockt als ich das erste Mal Guido mit einem Actimel Fläschchen in der Hand sah. Vorher waren die Auftritte ja noch irgendwie nachvollziehbar, aber bei der Werbung für dieses Wunderwässerchen war für mich das Maß voll. Das Zeug ist in einigen Ländern in der hiesigen Werbeform verboten, weil da eigentlich nichts anderes als verdünnter und stark gezuckerter Joghurt mit einem nicht haltbaren Versprechen für viel zu viel Geld verkauft wird. Auch hat er für mich in diesem Spot kein Fünkchen seiner Authentizität, wofür ihn alle so lieben. Dass sich Guido Maria Kretschmar, der immer ehrlich sein möchte und den Leuten nichts vormachen will, für so ein Schundprodukt hergibt, hat ihn einige Sympathiepunkte bei mir gekostet. Nötig hat er es doch nicht!

Und nun ist er bei RTL gelandet. Über den Sinn von Shoppingqueen kann man sich streiten, aber mit Hotter Than My Daughter hat er keinen Schritt nach vorne gemacht. Nun fehlt nur noch eine Partyreisedoku von ihm auf RTL2 und vielleicht noch eine Glitzerheimwerkerfolge auf VOX und wenn dann noch Zeit bleibt, würde ich ihn gerne versiffte Pommesbuden auf Kabel1 reanimieren sehen. Schlüpper und Pampelmusenkörbchen macht er ja nun mittlerweile auch schon.

Lieber Guido

Solltest du die Zeit haben das hier zu lesen: Bitte schau dich nach einem anderen Management um. Bitte mach dich etwas rar. Bitte sorge dafür, dass du nicht in einem Jahr in der Übersättigschublade landest und von BILD und Co ruiniert wirst. Du hast das nicht nötig. Du brauchst das finanziell nicht. Es hilft deiner Designkarriere auf Dauer nicht weiter und auch persönlich hast du anspruchsvolleres verdient. Bitte analysiere seine Auftritte und Projekte genau und überlege dir besser, wann du womit glänzen möchtest – denn du verlierst deinen Glanz langsam. Und das ist sehr schade.

***

Guido Maria Kretschmar ist the currently most known designer in Germany who is successful with everything he touches. The problem is: Germany exploits those successful people until nobody wants to see them anymore. And at this point, they start to badmouth and drop hem down like a hot potato. He starts a lot of project in TV and cooperates with a lot of shops, but I think it’s getting too much. He should think over his future plans and choose the project more concientious. I hope his success will keep on; I do not begrudge it for him.

Ein Gedanke zu “Guido Maria Kretschmer oder Warum viel nicht immer viel hilft / Why success shouldn’t be overbidden

  1. Ja, da kann ich dir nur zustimmen. Ich mag den Guido auch wirklich gerne, aber er wird echt gerade ordentlich verheizt… Diese Hotter Than My Daughter Geschichte hat mich mal überhaupt nicht vom Hocker gerissen.
    Hoffen wir das er es noch rechtzeitig merkt, es wäre wirklich schade um ihn!

    Liebe Grüße und ein schönes Wochenende🙂
    Kerstin von 30 ROCKT

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