Buchkritik: Gone Girl

Gone_Girl

Ich fand das Buch auf dem Grabbeltisch – wie eigentlich jedes Buch und postete das Bild bei Instagram, als ich es begann zu lesen. Offenbar kannte jeder das Buch und irgendwie liebt es wohl auch jeder. Ich scheine da etwas verpasst zu haben und habe von Anfang an große Erwartungen gehabt.

Da ich nur noch in der Badewanne lese, brauchte ich nun 14 Wochen für fast 600 Seiten; das ging früher schneller. Aber wer ist denn da nun „gone“ und warum hat es jeder in den Himmel gehoben?

Aufbau

Gone Girl; geschrieben von Gillian Flynn, erschien 2012 und hat es in nur zwei Jahren auf etwa 20 Auflagen geschafft. Das Buch unterteilt sich in drei Bücher oder drei große Kapitel und wechselt immer wieder zwischen den Sichtweisen. Es beginnt mit dem Verschwinden von Amy am fünften Hochzeitstag des Paares aus Sicht von Nick und wechselt in einen Tagebucheintrag von Amy.

Es gibt zwei Zeitfenster: die Tagebucheinträge starten ein Jahr vor ihrem Verschwinden; Nicks Erzählung erst mit Verschwinden. Im Laufe der Story nähern sie sich an und enden gemeinsam.

Die Story

Amy und Nick arbeiteten und lebten in New York. Amy wuchs als Vorlage für eine Kinderbuchreihe in wohlhabenden Verhältnissen auf; Nick stammt aus einer eher schwierigen Familie. Im Laufe der Wirtschaftskrise werden beide arbeitslos und ziehen in Nicks Heimatörtchen am Mississippi um seine Mutter auf ihren letzten Wegen der Krebserkrankung zu begleiten. Nick eröffnet mit seiner Schwester und Amys Geld eine Bar; Amy wird Hausfrau. Am fünften Hochzeitstag verschwindet Amy und alles deutet auf ein Verbrechen hin.

Nick wird verdächtigt seine Frau ermordet zu haben. Seine Erzählung handelt von der Art und Weise wie aus einem Ehemann ein Mordverdächtiger wird. Die polizeilichen Ermittlungen, das mediale Interesse, die Beziehung zu seiner Schwester und seinen Schwiegereltern; seinem eigenen Vater sowie seiner eigenen Frau werden thematisiert.

Das Buch

Zu Beginn ist der Leser auf Nicks Seite und versucht mit ihm gemeinsam herauszufinden, was passiert ist. Wo ist seine Frau? Nach einer Weile ändert sich das Bild. Amys Tagebucheinträge stehen im Gegensatz zu Nicks Sicht der Dinge und zeugen von einer Ehe voller Angst. Nick scheint nicht der perfekte Ehemann zu sein, für den man ihn hält und langsam erhärtet sich der Verdacht, er habe seine Frau tatsache ermordet.

Amy führt zwei Tagebücher. Eines, das die Polizei findet und eines, das die Geschichte ihres Verschwindens erzählt. Amy ist nicht tot und war auch nie in Gefahr. Sie bestraft ihren Mann für seine Affäre. Sie bestraft ihre Eltern für ihre Kindheit. Sie macht aus sich das perfekte Opfer.

Der Leser wechselt nicht nur ein- oder zweimal die Seite. Immer wieder ist einer der Böse und einer der Gute, bis man zum Schluss eigentlich beide nicht mehr leiden kann.

Gillian Flynn zeigt in diesem Buch, etwas beängstigend, wie eine durchdachte Strategie einen Menschen schlimmstenfalls zerstören kann und sein (Über-)Leben von dem Wohlwollen einer einzigen Person abhängen kann. Sie zeigt, wie die beweislastige Justiz nicht immer gerecht sein kann und warum psychisch krank passiv gefährlicher ist als aktiv. Die Charaktäre sind abhänig voneinander. Nick von Amy viel mehr, als Amy von ihm. Sie kontrolliert ihn das ganze Buch über und auch er schafft es, die Pläne seiner Frau zu durchkreuzen. Zum Ende hin fragt man sich allerdings, ob die Todeszelle nicht doch gnädiger gewesen wäre als das Leben; die beiden zerstören sich nicht nur gegenseitig, sondern vermutlich auch noch das unschuldige Resultat ihrer Spielchen, welches höchstwahrscheinlich auch zu einem 1A-Psychopathen heranwachsen wird.

Der Film

Wenn ein Buch verfilmt wird, muss es ja gut sein. Ich habe schon wesentlich bessere Bücher gelesen, aber auch viel schlechtere! Das Buch ist nett; unterhaltsam. Das Hin und Her der Sichtweisen ist es, was mich am Film interessiert. Ich bin gespannt, wie die Filmmemacher das Wirrwarr umsetzen; die Spannung des Buches aufrecht erhalten und den Wechsel der Sympathie auf die Leinwand bekommen.

Im Herbst wird er in den US-Kinos starten. Ben Affleck spielt Nick Dunne und Rosamund Pike die Amy. Auch sonst findet sich in diesem Film eine vielversprechende Mitarbeit. Neil Patrick Harris als Desi; Reese Witherspoon in der Produktion und Gillian Flynn im Drehbuch. Wenn der Autor maßgebend an der Verfilmung beteiligt ist, stehen die Chancen einer sehr guten Wiedergabe hoch.

Ich bin gespannt und werde mir (hoffentlich) den Film anschauen können.

***

Gone Girl was written by Gillian Flynn. The both characters Amy and Nick Dunne are telling their point of view in three books alternating. They are a young couple, marrie for 5 years with actually typical couple-problems. The story starts at the day of their 5th anniversary when Amy seems to be killed in their own house. Police and society want to see the killer in Nick and some diary entries of Amy make Nick appear as the womens murder itself. 

The reader is permanently changing between hating and loving each character until he hates both in the end for what they did or be and how they act to each other. Gillian Flynn created a book showing how deeply and dangerous the human mind can be and where the justice reaches its limit.

Hollywood used the story for a movie which starts in fall this year – I’m quite excited how they convert the book into a movie; showing both sides without telling too much in the beginning and playing with the sympathy of the viewer.

6 Gedanken zu “Buchkritik: Gone Girl

  1. Ich fand das Buch sehr spannend, hat Spaß gemacht zu lesen. Klar ist es nicht das beste Buch, das ich je gelesen habe. Aber muss ja auch nicht! Jedenfalls habe ich mir dann gleich noch die anderen beiden Büchern von der Autorin bestellt und die waren auch gar nicht schlecht.

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