Mein Körper ist ein Arschloch / My body, the prick

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Bei stylesfruits wurde ja der Grundstein für diesen Blog gelegt und nun, zwei Jahre später, hat mich stylefruits mit dem Blog Liebe Award ausgezeichnet – vielen lieben Dank dafür!

Im Rahmen der Auszeichnung habe ich ein paar Fragen gestellt bekommen. Eine Frage hat mich besonders ins Grübeln gebracht: soll ich ehrlich antworten oder lieber schreiben, was jeder lesen möchte?

Wir sind begeistert von Deinen weiblichen Kurven und Deiner ausdruckstarken Persönlichkeit! Gab es auch mal Zeiten, in denen Du nicht ganz so glücklich und zufrieden warst mit Dir und Deinem Äußeren? Und was rätst Du anderen Frauen mit Kurven, die vielleicht nicht ganz so selbstbewusst sind wie Du?

Die einzig richtige Antwort auf diese Frage wäre: Natürlich hatte auch ich Zeiten in denen ich mal nicht zufrieden war, aber wir sollten uns so annehmen wie wir sind und das ausstrahlen!

Aber… warum sollte man nicht ehrlich darüber sein? Wozu sollte man immer nur die positiven und ermutigenden Sachen sagen und den Rest für sich behalten, nur weil es das gesellschaftlich richtige wäre? Gab es mal Zeiten, in denen ich nicht ganz so glücklich und zufrieden mit mir und meinem Äußeren war? Nein.. zumindest nicht „ganz so glücklich“. Zutiefst unglücklich wäre der richtige Ausdruck. Und die Vergangenheitsform ist eigentlich auch nicht richtig gewählt; es ist ja so. Im Bezug auf das Glück mit mir selber sitzen mir Engelchen und Teufelchen auf den Schultern.

Es gibt Tage an denen ich mich gut fühle. Wirklich gut. An diesen Tagen fühle ich mich auch in Jogginghosen und ungeschminkt wie eine absolute Schönheit. Aber an anderen Tagen ist das Teufelchen übermächtig. Das Teufelchen weiß ganz genau womit es mich kriegt.

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Zufrieden?

Nein, ich bin absolut nicht zufrieden mit mir. Nie gewesen. Ich hatte schon immer zu viel auf den Rippen.. und den Schultern und Hüften und Knöcheln.. und daher ist mein Körper auch geschunden. Er funktioniert ohnehin irgendwie nicht wie er soll. Wie auch? Er ist es nicht gewohnt schlank zu sein. Er kannte fast 20 Jahre lang keine durchweg gesunde Ernährung. Er ist diätgeschunden und irgendwann hat er einfach auch keine Lust mehr. Er ist schon genetisch vorbelastet – die ganze Familie ist eigentlich übergewichtig und der Arzt sagte ganz klar und deutlich, mit dieser genetischen Vorbelastung werde ich auch nie schlank sein können (zumindest nicht mit gesunder Lebensweise; mit exzessivem Sport und stark kalorienreduzierter Ernährung wird es sicher möglich sein – lebenslang). Aber möchte ich das? Möchte ich sportsüchtig werden und überzeugter Rohkostler? Manchmal ja. Manchmal wünschte ich mir wirklich die Disziplin und das Durchhaltevermögen nur noch an Möhren zu nagen und 8 Stunden pro Tag Sport zu machen. Ich habe ein schlechtes Gewissen und Reue nach dem Essen und wünsche mir manchmal ich hätte nichts gegessen, denn mein Körper wird mich dafür bald bestrafen. Dann blicke ich neidvoll auf die Bilder bei Pinterest und frage mich, warum ich nun diesen Körper abbekommen habe.

Ich bin ganz und gar nicht im Reinen mit mir und meinem Körper. Wenn ich wüsste, dass ich abnehmen könnte, wenn ich es wollte, wäre das vielleicht anders. Dann hätte ich mich aber auch bewusst dazu entschieden so zu sein oder mich zumindest damit abgefunden, weil ich keine Diät machen möchte. Ist aber nicht so. Ihr habt mitbekommen wie es um mich und das Abnehmen steht. Mein Körper musste schon immer durch Diäten durch. Die erste ärztlich vorgeschrieben mit 8 oder 10.. irgendwie so alt war ich. 6 Wochen Abnehmkur in Wyk auf Föhr in der Nordsee – schöne Insel, btw. Ich habe auch abgenommen, aber Kinder können sich nun einmal noch nicht alleine ernähren und ohne Änderung Zuhause kann man auf diese 6 Wochen auch verzichten – nichts was man einem Kind antun muss; dann lieber die Kohle in eine Ernährungsberatung und -begleitung für die Eltern investieren. Zwischendrin gab es immer mal familiär bedingt kleinere Diäten; da kochten die Frauen der Familie mal eine Weile nur Kohlsuppe und zum Abi hin wurde es dann wieder ernster – darüber und auch die durchaus tollen Erfolge hatte ich Euch ja berichtet.

Ich konnte das Gewicht nur leider nicht halten. Jetzt, fast 10 Jahre später sind wieder einige Kilo drauf, gegen die ich mich eigentlich auch sehr gewehrt habe und eben das ist es, was mich so unglücklich dabei macht. Mein Körper macht, was er will, solange er nicht geschändet wird. Ich liebe diese Ratschläge „Mach halt etwas mehr Sport und stell die Ernährung um..“ – die Menschen meinen es ja nicht böse, aber ich möchte ihnen gerne (und das muss man jetzt mal so sagen) mit meinem nackten Arsch ins Gesicht springen. Ebenso wie „Also Weight Watchers hat bei meiner Freundin ja ganz toll geholfen!“  genau das gleiche in poblass. Wenn es so einfach wäre, mit bisschen auf die Ernährung achten und hier und da mehr Bewegung, dann würde ich nicht so aussehen. Ich bin ja nicht dumm. Wer nach der Schwangerschaft oder ein oder zwei Jahren gehen lassen mal zugenommen hat, der kann locker so abnehmen und halten. Das ist nämlich das Schlüsselding: Halten. Abnehmen ist nicht das Problem.

Mein Körper ist ein Arschloch.

Ganz deutlich gesagt. Wenn ich die Fotos der letzten Jahre sehe könnte ich weinen, weil ich jetzt erst sehe, wie ich aussah – das habe ich so gar nicht wahrgenommen. Schon immer ist die größte Problemzone Bauch im Mittelpunkt meiner Betrachtungen. Ich habe einen sehr ausladenden und sehr weichen Bauch, der zudem auch noch extrem empfindlich ist. Ich gebe zu, ich weiß nicht wirklich wie mein Bauch im Normalzustand aussieht, da er fast immer angeschwollen ist. Ganz selten wache ich mal morgens auf und habe dieses Gefühl des flachen Bauches, ohne aufgebläht zu sein, Fleisch auf Knochen, Fett auf Fleisch, Haut auf Fett – wie es sein sollte und nicht Knochen, Gas, Fleisch, Gas, Fett, Gas und stark gespannte Haut. Spätestens nach den ersten Schritten ist das Gefühl dann aber auch schon wieder weg – angezogen und eine Stunde durch die Gegend gelaufen und ich kann zusehen wie sich der Hosenbund mit jeder Stunde weiter ins Fleisch schneidet. Ich habe an der Unterbrust einen roten Streifen, wo sich der BH eingeschnitten hat, weil der Bauch wieder enorm anschwoll. Ich habe massive Dehnungsstreifen und Rückentitten. So nenne ich sie – die kleinen Speckfalten über der Taille rechts und links sind bei mir nicht klein, sondern könnten einen eigenen BH vertragen. Die Winkerarme sind dicker als meine eigentlichen Arme und sogar meine Oberschenkel haben Winkerarme und der Bauch hängt.

Wer würde denn da von sich selber sagen, er sei damit zufrieden? Eigentlich niemand, aber man darf es nicht sagen. Man darf nicht so kritisch zu sich selber sein. Man darf nicht sagen, dass man seinen eigenen Körper hasst. Man muss sich doch selber lieben und akzeptieren wie man ist. Einen Scheiß muss ich.

Wenn einer das Recht hat meinen Körper nicht zu mögen, dann doch wohl ich!

Ich muss mit ihm aufwachen, aufstehen, muss ihn waschen und anziehen, durch die Gegend tragen und bewegen, ich muss ihn auch wieder ausziehen und ins Bett bringen. Er ist immer bei mir. Wären wir nicht ineinander verwachsen, Freunde wären wir nicht. Und wir sind auch so keine Freunde. Ich gebe mir alle Mühe ihn gut zu behandeln: er bekommt gutes und gesundes Essen und wird regelmäßig bewegt und gefordert. Er wird gepflegt, ich rauche nicht, trinke selten und kleide ihn nett ein. Und mein kleines Arschloch straft mich permanent. Er ist recht zäh, wird selten krank und wenn auch eigentlich nie doll, aber er weiß dauerhaft zu nerven. Er ist Schuld, dass ich vegan und glutenfrei esse – ich habe da gar keinen Bock drauf. Ich mag Fleisch und Quark und Ei und gutes Brot – nur für ihn mache ich das. Ich kann Bauch-Beine-Po nicht leiden, mag lieber schnellen Fitness wie Zumba, dennoch gehe ich hin – für ihn und dennoch bringt er nicht die Leistung, die ich will.

Ich würde mich gerne ganz anders kleiden; hätte theoretisch einen anderen Stil. Das geht aber nicht, weil einfach nichts sitzt. Nur weil es gestern gut aussah, ist das morgen nicht auch so und übermorgen schon gar nicht. Es sitzt nicht wie ich es will. Ich kann Taillenhosen nicht ab, der Bauch lässt aber an den meisten Tagen nichts anderes zu. Ich mag schulterfreie Oberteile sehr gerne, ich habe aber keine Schultern zum zeigen. Ich mag armfrei, ich habe aber zu viel Arm um es gut aussehen zu lassen. Shorts sind eigentlich eine klasse Sache, ich habe aber Bein für 3 Frauen und die Winkerarme an meinen Oberschenkeln lassen kurze Hosen einfach immer in Zonen rutschen, wo Hosenbeine nichts zu suchen haben.

Ich sage ja gar nichts gegen das Doppelkinn und die eigentlich proportional und bindegewebsmäßig unpassenden Brüste und ich beschwere mich auch nicht darüber, dass die Sanduhr für eine Minute sicher nur 45 Sekunden bräuchte – schlank wäre ich sicher eher androgyn als kurvig und auch diese komische Schuhgröße wird nicht Opfer meines Greuels, ebensowenig der zu flache Oberkopf und der Huckel auf der Nase mit den zwei Nasenspitzen und all diese anderen kleinen Makel, die viele Menschen durch einen Besuch beim Chirurgen an ihren gut funktionierenden schlanken Körpern verändern lassen würden.

Es ist halt einfach wesentlich leichter damit zu leben, als mit dem Rest. Ich denke nicht, dass man sich und seinen Körper so lieben muss wie man ist. Es gibt keinen Grund sich mit weniger zufrieden zu geben, als man haben könnte. „Du hast ja nen ganz hübsches Gesicht..“ ist kein Kompliment, das eine dicke Frau hören will. Ja, ich weiß, ich bin hübsch. Das sehe ich jeden Tag im Spiegel. Dieses Kompliment aber impliziert immer ein „…aber dünn wärst du viel toller!“. Mit etwas weniger Haarausfall an der Stirn wärst du auch viel hübscher, Idiot – kannst du aber auch kaum beeinflussen, oder? Halten wir also fest: ich mag keine kahlen Männer und du keine dicken Frauen – da muss kein „aber“ hin oder ein „wenn, dann“ oder ähnliches; wir stehen einfach nicht aufeinander. Klar, hat der Kerl mit seinen tiefen Geheimratsecken dennoch eine größere Auswahl als die dicke Frau, aber so ist das Leben nun einmal – unfair. Wäre es fair, sähe ich anders aus.

Mein Körper ist das genaue Gegenteil von mir: ich bin gerne aktiv, er ist eher träge. Ich gehe sehr gerne aus und stehe den ganzen Tag unter Strom, er entzieht mir einfach von jetzt auf gleich jegliche Energie und legt mich für Stunden lahm, wenn es ihm gerade passt. Ich würde gerne bestimmte Dinge ausprobieren und machen, weiß aber ganz genau, dass meine körperliche Verfassung mir wohl dabei das Leben nehmen wird. Mein Körpergefühl ist ein komplett anderes, als die eigentliche Statur.

Ich sehe dabei auch keinen Zusammenhang zwischen Körper und Figur. Nach meiner Meinung sollte das ganz klar getrennt werden. Der Körper ist die Hülle, das Innere, Organismus und jegliches biologisches Geflecht. Die Figur ist das Optische. Was sehe ich? Wie sehe ich es? Wie stehen die Proportionen zueinander? Der Körper ist von uns kaum beeinflussbar. Lediglich Operationen können Makel hier verändern. Die Figur wird in Kleidung gehüllt; durch vorteilhafte Schnitte geformt und untermalt. Nur weil mein Körper und ich keine Freunde sind, ist das nicht gleichbedeutend mit Unzufriedenheit mit meiner Figur.

Der Knacks ist da

Dieser Körper hätte mir das Leben auch wesentlich leichter machen können. Es bleibt ja auch immer ein gewisser psychischer Knacks. Es gibt Kinder, die durch andere sehr leiden müssen. Kinder, die schon in jungen und unschuldigen Jahren nervlich zerstört werden – nur wegen mehr Speck. Ich hatte, was das angeht, immer Glück; hatte zwar immer Freunde und war nie Einzelgänger, aber irgendwann ging es los mit den Jungs und da wollte man das dicke Mädchen jetzt nicht so dabei haben, wenn man sich mit den süßen Jungs traf; für mich blieb ja eh nie einer über – mit 13/14 wollen die Kerle einfach keine dicke Mädchen; das ist halt so und bleibt auch die ganze Pupertät über. Die älteren Jungs haben sehr gerne mal einen dummen Spruch hinterhergerufen und wenn man in eine Gruppe neuer Leute kam, musste man sich einfach wesentlich mehr mühen angenommen zu werden. Das lässt zwar mit Anfang Zwanzig nach, aber bleibt. Und so ist es heute noch: ich muss mich zwar nicht mühen, aber die Angst von neuen Leuten abgelehnt zu werden ist da. Das kann man auch einfach mal so deutlich sagen. Je älter der Mensch wird, desto toleranter und anständiger wird er und aus abwertenden Blicken und dummel Sprüchen wird anstandshalber Schweigen oder vielleicht mal ein nettes Gespräch; aber nicht wenn sich doch noch etwas anderes bietet. Ich habe heute noch das Gefühl, dass ich für meine Freunde eine Art Ersatzlösung bin wenn sich nichts besseres findet – ich möchte ihnen nicht unterstellen, dass es so ist und wenn dem so sein, wäre das sehr schade, dann hätte ich mir die falschen Freunde ausgesucht, aber die Angst ist da; von früher her – da musste ich auch besonders lustig, besonders schlau, besonders whatever sein um auf Augenhöhe zu bleiben. Wollte man erst was unternehmen und kurz vorher kommt die Absage ist der erste Gedanke schlichtweg „hat sich wohl was besseres gefunden; womit man sich lieber zeigt“.

Man muss es ja keinem sagen..

Es ist nicht in Ordnung so etwas zu sagen. Es ist absolut nicht in Ordnung so über sich selbst zu reden. Wo ist denn da das positive Denken? Wo ist denn „Mit gutem Beispiel voran“? Wo ist denn das Selbstbewusstsein, das immer groß gepredigt wird? Das ist schon alles da. Das ist ja genau das, was die Welt zu sehen bekommt. Diese negativen Gedanken und diese Antieinstellung gegen den eigenen Körper sagt man ja auch niemandem. Würde man sich hinstellen und offen sagen: Ich kann meinen Körper nicht leiden, müsste man sich auf Diskussionen einlassen. Man müsste sich anhören wie toll man doch eigentlich sei und wie oberflächlich die Einstellung wäre und sowieso und überhaupt und bla und Keks. Warum dürfen andere sich über ihre mausgraue Haarfarbe aufregen und zum Frisör gehen um sie färben zu lassen, ohne sich permantent anhören zu müssen, wie toll doch so eine Naturhaarfarbe sei? Wieso dürfen Frauen über zu kleine Brüste meckern und sich dann ein Kissen in den Push-Up legen bis sie das Geld für eine Vergrößerung zusammen haben, ohne jedes Mal gesagt zu bekommen, wie toll und natürlich doch solch kleine Brüste sind? Warum darf eine dicke Fraue, die nicht dick sein will und sich nahezu erfolglos müht nicht sagen dürfen, dass sie diesen Körper nicht haben möchte? Weil die Gesellschaft das nicht hören will. Weil jeder von sich denken soll, dass er so schön und toll ist, wie er ist. Für mich ist Schönheit und Schlanksein aber nicht gleichbedeutend.

Ich bin schön. Ich bin sogar wunderschön. Ich bin dazu aber auch ein großes Stück Schwamm. Und ich bin auch klug und witzig und anständig – das hat mit dem Körper gar nichts zu tun und nur wegen dieser tollen Eigenschaften muss ich noch lange nicht akzeptieren oder gar drüber hinweg sehen, dass ich jeden Tag einen Teenager zuviel mit mir herumschleppe. Durch diesen Körper sind einige Charaktereigenschaften sicher so entstanden wie sie sind. Hätte ich ohne dieses permanente Beweisenmüssen und Zugehörigkeitskämpfen so eine große Klappe bekommen? Hätte ich Ehrlichkeit so schätzen gelernt? Wäre ich so tolerant und sozial wie ich es bin? Meckern und Motzen und erst recht über sich selber macht man aber nicht und daher erzählen wir es lieber keinem.

Und nun?

Mein Weg damit umzugehen, und wie es auch jeder tun sollte, ist ganz klar Teufelchen zu sagen: „Pass mal auf, erzähl was du willst und ich werde heute auch mal ein bisschen deprimiert sein, weil jeder solche Tage hat, aber ab morgen bist du wieder ruhig und ich die Prinzessin!“ – es ist vollkommen in Ordnung mal nicht mit seinem Äußeren zufrieden zu sein; man sollte sich nie verbieten lassen, sich auch mal selber kritisch zu sehen – nur so wächst der Mensch; da holt er seine Kraft her Dinge zu erreichen (in allen Lebenslagen), aber es ist ganz wichtig eben nur ab und zu so kritisch mit sich selber zu sein. Ich stehe nicht jeden Tag vor dem Spiegel und sage mir wie scheiße das schon wieder aussieht; nur ab und zu mal. Dann ziehe ich mir eben etwas an, das es gut versteckt. Dann betone ich eben etwas anderes, was besser aussieht. Ich muss mir auch mal selber bewusst machen, was eigentlich toll ist. Es gibt immer was Tolles. Das kann das große Ganze nicht wegschummeln, aber zumindest etwas schmücken.

Wenn ich auf eine Party gehe und dort jemanden sehe, den ich nicht leiden kann, lasse ich mir doch auch nicht den Abend verderben. Wenn auf dem Teller etwas liegt, dass ich nicht gerne esse, hundere ich doch nicht. Nur weil es ab und zu nach Dung stinkt, ziehe ich doch nicht vom Land in die Stadt, wenn ich da ein Haus gekauft habe. Ich kann immer noch selber entscheiden inwieweit ich mich runterziehen lasse. Ich entscheide, was mich fröhlich macht. Gute Miene zum bösen Spiel könnte man sagen. Wir haben die Möglichkeit uns selber etwas vorzumachen – das löst das Problem nicht, aber es sorgt dafür, dass wir uns nicht davon unterkriegen lassen. Wenn wir starke Tage haben; voller Motivation, dann können wir diese Probleme angehen und sie lösen oder uns zumindest überlegen besser damit umzugehen.

Ja, ich mag meinen Körper nicht und ja, ich predige dennoch anderen sich wohlzufühlen. Es gibt einen Unterschied zwischen „unwohl im eigenen Körper“ und „generell unwohl“. Es gibt so viele Dinge, die viel größer sind als ein Schwabbelbauch! Es gibt so vieles auf das wir viel stolzer sein können, als enttäuscht über etwas, das wir nur schwer beeinflussen können. Ich stehe dazu, eben nicht zufrieden zu sein; aber ich habe dennoch das Selbstbewusstsein im Alltag drüber zu stehen. Ja, ich liege ab und zu abends im Bett und weine begründet durch das Fett an Bauch, Armen und Beinen – aber ich stehe am nächsten Tag auch wieder auf und lasse die Tränen im Bett liegen. Es gibt keinen Grund mir einen neuen Tag von alten Sorgen verderben zu lassen. Dieser Körper ist nichts, was sich innerhalb kurzer Zeit ändern lässt und wenn ich nicht vorhabe monate- oder jahrelang deprimiert zu sein, muss ich es einfach hinter mir lassen. In der Gesellschaft möchte das doch ohnehin niemand hören. Es gibt so viele Menschen, die sich mühen ihre „Liebe dich wie du bist!“; „Echte Männer mögen Kurven!“ oder „Ich kann abnehmen, was kannst du?“-Botschaften zu verbreiten und so andere davon zu überzeugen sich nicht in ihren Körpern unwohl zu fühlen. Offen zu gestehen, dass einem solche Sprüche meilenweit am Meilenbreiten vorbeigehen wäre respektlos. Sie geben sich doch solche Mühe und manchen hilft das auch.

Ich bin ein Mensch mit Körper, Hirn, Charakter.. ich bestehe aus so vielem. Aus viel mehr als nur einem Körper. Nur weil ich diesen nicht mag, ist mein Leben nicht schlecht; bin ich nicht schlecht. Das Leben kann herrlich sein, auch in einem ungeliebten Körper, man muss es nur zulassen. Nicht unser Körper definiert wer wir sind, sondern wir alleine.

***

I was asked to answer a questionnaire for the stylefruits blog love award – thanks for the award! The main question I thought about was: Did you have times you felt uncomfortable in your skin and what would you recomment others who are not that selfconfident like you are? I thought about: answering honestly or telling what everybody expects to hear?

Why not answering honestly? Of course, it wouldn’t be an answer you should give in society – you can’t! There are a lot people fighting for self-approval and that would be against their work. Yes, I had times and I have – I am still not contended with my body. I know, I am a beauty! I am looking gorgeous! But beauty and body are two different things in my opinion! I can be beautiful but fat – but just because I’m beautiful I do not have to be contended with my body. I hate my body the way it is. The fight against started in the age of 8 or 10 and I am still fighting.. My whole life will be a fucking fight against my body. I don’t have a full functionable body; with great genes. I always were thick and I will always be, unless I start to get sport addicted and eating extremly sweeping.

I had the luck to have good friends in my childhood and not the problems most children have with bullying. But of course there were situations the other children don’t wanted to have the thick girl with them. When the girls started to be interested in boys, there was no space for me and the boys were never interested in fat girls. I had the feeling to be a kind of alternative if nobody else was available – I’m not sure if it was like that. I still have the feeling; never lost it if some of my friends are cancelling on a date with me – always feeling like somebody better was chosen. I’m sure it’s not like that, otherwise I woul have to think over my friends! But it’s a kind of psychologically crack from fat childhood. It will always be there. I always had to be more funny, more intelligent, more whatever to to be equal with the thin girls – and I still have the feeling sometimes.

Beeing fat is not nice – and I think we should have the right to tell! But you can’t! It’s not okay to talk about yourself in a bad way; to say bad things. People need to have the feeling you are okay with yourself and everything is fine. I think, it is totally okay not to be – we need to be critical to ourself, but in a normal way. Humans grow with satisfaction and to reach that we need to dislike something we have or we are; we need to want something better for us. It is okay to be not okay with our education or jobs – qualification helps and you can tell everybody. It’s okay not to be okay with our lifes and change. Why is it not okay to be not okay with our bodys. It’s nothing we can change easily and most of us (me as well) only with excessive actions – and excessive is not okay. So.. I used okay a lot. Okay is what it is to live with a body like mine; it’s not great, it’s not awesome – it’s okay and it should never be less.

We should know all the great things we have, own, offer.. who are we? What can we offer society? What is better than we ever expected? For what can we be totally proud? These things weight more than a fucking body! Tell the devil on your shoulder he is right, sometimes. Sometimes I cry before sleeping caused of the fat – but the next day I am the gorgeous princess I am; without the damn devil on my shoulder. Bad and sad days are totally normal and caused of our body more than ever! But don’t start to become depressed. Don’t allow your body to define who you are! You do! Caused of the great stuff you can be proud of!

9 Gedanken zu “Mein Körper ist ein Arschloch / My body, the prick

  1. Wow, du hast Schelte erwartet? Für was? Du hast das echt mal wieder so gut geschrieben. Und ich muss auch echt sagen, in der Zeit, als du deine Gewichtskurve geführt hast, konnte ich nicht glauben, dass das wirklich so viel sein soll. Und das meine ich echt und ehrlich.
    Bei mir ist es leider anders. Ich war früher eins der dünnen Mädchen, bin mit der Zeit (Ausbildung im Büro, danach Studium, wo man immer aufm Arsch sitzt, viel weniger Sport als während der Schulzeit, dazu gern viel und ungesundes Essen, Süßigkeiten, keine Disziplin) immer mopsiger geworden.
    Die Mädels um mich rum sind fast alle echt dünn, obwohl viele schon schwanger waren. Das deprimiert mich dann immer wieder, weil ich ja genau weiß, dass ichs ändern könnte, wenn ich disziplinierter wäre.
    An den See mit Freunden meines Freundes gehe ich z.B. auch nur ungern, ziehe dann auch oft mein Shirt nicht aus, ich so als weiße Qualle neben den Grazien (die sich beim Essen gehen übrigens auch die Pommes zwischen die Kiemen schieben und nicht nur n Salatblättchen ablutschen). Da denke ich dann auch immer: jetzt musst du was ändern. Aber ich kriegs einfach nicht gebacken.
    OK, Winkearme und nicht vorhandene Fesseln habe ich von meiner Oma geerbt -danke liebe Oma- aber für Speckbauch und das Doppelkinn habe ich schon selbst gesorgt.
    Das mit den ‚Pseudo-Komplimenten‘ kenne ich selbst gar nicht, ich habe eine sehr direkte Familie (O-Ton kleine Schwester: ‚biste schwanger oder nur dick?‘ ‚wenn wir bei Madame Tussauds sind, kannste Arsch-Vergleich mit JLo machen‘). Oder Fettnäpfchen-Freundinnen, die sich keine Umstandsmode kaufen: ‚es reicht doch, wenn ich mir Shirts in 40 hole, dickere Menschen müssen ja auch was anziehen und das ist günstiger als Umstandsmode‘. Ähm danke. Größe 40 tragen dickere Menschen.
    Deshalb darf ich jetzt auch gar nicht jammern, sondern muss wirklich den Arsch hochkriegen und es ändern oder akzeptieren.
    Liebe Grüße

    • Liebe Katha,

      leider kenne ich das zugut… anfangen ist schwer und manche sagen, das schwerste – ich sage: durchhalten ist viel schlimmer! Ich weiß nicht, wo ich die Disziplin damals hergenommen habe.. gestern stand da ein Stück gedeckter Apfelkuchen bei Mutti in der Küche und … also dann auf einmal nicht mehr …😀
      Man muss halt nur den richtigen Weg finden und es fällt nun einmal nicht jedem leicht; nicht jeder schafft mal schnell nen paar Kilo loszuwerden und wenn ich dann Werbung sehe mit „20 Kilo in 10 Wochen“ könnte ich echt das Brechen kriegen.. Demotivierender als falsche Versprechen können eigentlich nur Menschen wie deine Schwester sein. Deiner Schwester würde ich aber ehrlichgesagt tierisch das Maul stopfen, wenn die bei mir so anfangen würde. Auch wenn sie das vielleicht eher lustig als ernst meint, ist es extrem respektlos und ich würde sie vermutlich einmal ordentlich totdiskutieren sobald sie nur den Mund aufmacht.

      Ein bisschen „Gott sei Dank“ ist das mit meinen ehemaligen Klassenkameradinnen etwas anders als bei deinen – ich bin jedes Mal erstaunt wie sehr sie sich verändert haben und schlanker geworden sind die nicht. Es klingt vielleicht etwas mies, aber gerade jene, die immer sehr schlank waren und eben diese 13-Jährigen denen die Jungs hinterherliefen, haben ordentlich Speck angesetzt und es macht mich ein bisschen froh.. ein bisschen „Nu weißt’e wie’s is…!“ und bei anderen auch einfach nur die Genugtuung, dass auch die sportlichsten Mädchen beim Älterwerden auseinandergegangen sind; als würde man sich langsam angleichen; als müsse es von Natur aus so sein und ich war einfach nur Frühentwickler😀

  2. Oh Mann, den Artikel hätte auch ich schreiben können🙂 Ich war auch schon als Kind übergewichtig. Musste natürlich auch unter verbalen Attacken leiden. Dann war mein 1. Freund noch so ein „Zuckerschnüttchen“, der mir erklärt hat, ich solle doch ein bisschen weniger Schoki essen und ein bisschen abnehmen..Danke, ganz lieb! Es war auch immer so, dass wenn mir ein Typ gefiel und der meine Freundin aber besser fand, ich immer gedacht habe: der will ja nur die, weil sie schlanker ist. Und ich gehe auch bis heute davon aus, dass es auf einen Großteil der Kerle zugetroffen hat. Das hat mich natürlich auch immer an mir zweifeln lassen. Jetzt, mit 27 Jahren und einen ganz lieben Partner an meiner Seite, hab ich genug Selbstbewusstsein zu sagen „wem es nicht gefällt, der kann ja wegschauen“. Ich bin also alles in allem viel ausgeglichener und gebe nicht mehr soviel auf die Meinung anderer. Es gibt aber natürlich nach wie vor Situationen, die mich frustrieren. Es fängt schon an beim Hosenkauf. Ich habe mich bei Takko in eine Hose gepresst..Größe 44. Ich trage Größe 42/44. Und in diese musste ich meinen Hintern trotzdem reinschieben. Da dachte ich mir auch: Hallo? Das ist ne 44? Ich bin grundsätzlich kein Mensch, der sich von Größen verrückt machen lässt, ich kauf einfach das Teil, das passt, aber trotzdem kam ich mir da leicht verarscht vor. Ich meine es gibt Frauen, die auf ihre Größe beharren und einen Nervenzusammenbruch bekommen, wenn sie ne Nummer größer brauchen. Also finde ich es nicht ok, dass man die Größen immer kleiner schneidet (in einigen Geschäften ist das echt ein Wahnsinn). Und schwimmen mit Freunden zählt auch nicht zu meinen favorisierten Freizeitaktivitäten. Das ist mir leider (immer noch) peinlich. Mit Freundinnen geht ja, aber wenn deren Männer dabei sind, kommen immer Gedanken wie „jetzt sieht der mich im Bikini und denkt sich sicher, wie fett ich bin“. Wobei das wahrscheinlich nicht mal der Fall wäre, aber man redet es sich ein. Aber alles in allem versuche ich erhobenen Hauptes durchs Leben zu gehen und mir zu sagen „ich bin gut so wie ich bin“.

    • sehr schöne einstellung

      mit dem schwimmen habe ich wiederrum keine probleme; ich gehe mit meinen hauptsächlich männlichen freunden im sommer gerne mal an den see. klar denk ich mir das sieht schon scheiße aus, aber so ist es nunmal – ich werde zwar so am strand mit sicherheit niemanden aufreißen, aber dafür geh ich ja auch nich an den strand😀

      ich bin auch eine, die deprimiert nach hause geht, wenn die normale größe im geschäft nicht gepasst hat – besonders meine oberarme passen eigentlich nie irgendwo rein.. jetzt habe ich eine hose größer gekauft als normal bei h&m (wir alle kennen die h&m größen), aber sie passt und sitzt und ich habe mich dazu entschieden noch mehr jeans davon zu kaufen; scheiß auf diese furchtbar unrealistische größe, aber sie sitzt gut😀

      ich glaube, was „akzeptieren“, „damit abfinden“, „weitermachen“ angeht, haben übergewichtge menschen profipotenzial

      • Ja das mit den Klamotten und den Fantasiegrößen, die überall anders ausfallen ist schon frustrierend. Aber ich sag eben, Hauptsache es passt. Ich hab nix davon, wenn ich die falsche Größe anziehe und wie ne Presswurst aussehe, dann lieber ne Nummer größer😉
        Ja das mit dem Akzeptieren etc. ist wirklich eine große Kunst (wobei man dazu sagen muss, dass viele „Schlanke“ auch ihre liebe Not damit haben). In diesem Sinne „Nobody´s perfect!“

  3. Hey Romy,
    toller Beitrag, ganz genauso geht es mir auch! An manchen Tag finde ich mich toll und wahnsinnig hübsch und dann ist der Bauch auch völlig egal, und an anderen möchte ich mir ein Messer nehmen und den ganzen Speck einfach abschnibbeln. Und die Sprüche à la „Du hast so ein hübsches Gesicht!“, die können mir gestohlen bleiben. Noch toller finde ich aber die „Du bist doch gar nicht so dick!“ – dann frag ich mich immer warum mir dann in Läden wie Zara keine einzige Klamotte passt…
    Meine eigenen Gedanken von dir so schwarz auf weiß niedergeschrieben zu sehen, und auch zu wissen dass es so vielen Frauen so geht, macht mich aber doch auch irgendwie echt traurig…
    Liebe Grüße, Melanie :*

    • Liebe Melanie,

      schön von dir zu hören.
      Was mich viel trauriger macht ist deine Zeile mit dem Messer.. diese Vorstellung habe ich auch ständig: Messer in der Hand, Speck in der anderen Hand und einfach abschneiden; der Arzt näht es wieder zusammen, eine kleine Blutinfusion und scheiß auf die Narbe, hauptsache der Bauch ist ab.
      Stoßgebet auf den gesunden Menschenverstand!

      Wenn nun aber A&F sogar in Größe 000 verkauft, brauchen wir uns gar nicht wundern, dass viele Frauen so denken – ich habe mich wenigstens dennoch lieb; anderen gehen daran zu Grunde und das ist schrecklich.

  4. Hallo Romy!
    Normalerweise schreibe ich nichts unter Einträge bei Blogs. Aber dieser hier ist etwas ganz besonderes. Ich fühle mich oft ganz genau so wie du. Mir sind sogar ein paar Wörter aufgefallen, die ich auch immer sage. Es ist fast, als hätte ich es geschrieben. Und ja, es nervt unglaublich, dauernd zu hören, was man besser machen könnte. Man hat ja schon fast alles ausprobiert!
    Ich möchte dir für diesen Artikel danken. Er zeigt Stärke und macht stark, auch wenn darin über Schwächen gesprochen wird.
    Ich bin von der ersten Sekunde an begeistert von dir und wäre echt gern eine Freundin von dir…

    Mach weiter so!

    • Hallo Marie,

      ich hatte mich schon darauf eingestellt als ersten Kommentar auf diesen Beitrag eine krasse verbale Schelte zu erhalten..

      Vielen Dank, dass es nicht so war!😀

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