„Couponing Extrem“ oder Wie sich eine Wirtschaft selber kaputt sparen kann

couponing_extrem

Ich habe in den letzten zwei Wochen den neuen Fernsehsender TLC für mich entdeckt. Und ich schäme mich ein bisschen dafür. Der Sender ist irgendwie total assi. Also ehrlich. Da gibt es so Sendungen wie „Mein peinlichster Sexunfall“ oder „My Big Gypsy Wedding“ mit Menschen, wie man sie nicht zum Freund haben möchte oder so – also wirklich Sendungen für Menschen, die den ganzen Tag Zuhause sind und nicht arbeiten gehen (gewollt, Vater Staat zahlt es ja) und sich an der Dämlichkeit anderer erfreuen oder eben anspruchsvolleres nicht verstehen würden.

Es gibt aber auch Sendungen, die ich wieder interessant finde. Da wäre zum Beispiel „Breaking Amish“ – eine Gruppe Amish-Jugendliche wird in die normale Welt hinausgelassen und darf mal gucken, wie das so ist und entscheiden, ob sie zurückgehen und geächtet werden wollen oder ein Leben außerhalb der amischen Kultur führen möchten. Oder aber auch der Mann, der den Traum eines jeden Mannes lebt: Polygamie – 4 Ehefrauen, 16 Kinder (oder sowas) und ein riesen Haus; den teuren Karren nach zu urteilen haben die auch noch gut Geld. Und dann gibt es da noch „Couponing Extrem“. Bei dieser Sendung kann ich nur den Kopf schütteln. Permanent.

Die USA machen neben ihren Spionageaffären nur noch mit einer anderen Sache Schlagzeilen: Die USA sind pleite! Und wenn ich diese Show sehe, weiß ich auch warum.

Als Beispiel zur Erläuterung, wie Coupons im Land der unbegrenzten Möglichkeiten funktionieren. Ein Beispiel wie es ideal läuft:

Couponing

Wir haben also Fertignudeln, die im Geschäft zum Rabattpreis von $1,75 zu haben sind, statt regulät $2,50. Dann gibt es noch einen Coupon der Herstellerfirma über $1,00 und der wird zur Rabattaktion auch noch vom Geschäft verdoppelt im Wert. Es kommt also dabei raus, dass die Nudeln a) nichts kosten und wertmäßig b) sogar noch $0,25 über bleiben und die können wieder investiert werden oder bei manchen Geschäften auch ausbezahlt werden.

In Deutschland geht das nicht: hier herrscht der Grundsatz „Gutscheine sind nicht mit anderen Rabatten kombinierbar!“.

Nun kaufen die aber nicht nur 3 oder 4 dieser Fertignudeln. Wenn die fleißig ausgeschnitten haben und es liegen 250 Coupons auf dem Tisch, dann karren die da auch 250 Packungen Fertignudeln aus dem Laden. 250 Packungen zu regulär $2,50 wären $625. Die zahlen aber nicht einen Cent, sondern haben auch noch $62,50, die sie entweder ausbezahlt bekommen oder für die sie etwas anderen durch die Kasse rauschen lassen.

Es gibt „Couponer“, die gehen für 2.000 Glocken da einkaufen und zahlen an der Kasse durch diese Strategie nicht einen Cent. In der Sendung werden auch die Vorräte gezeigt. Vorratsräume mit Lebensmitteln und anderen Waren im Gesamt wert von mehreren tausend Dollar im fünfstelligen Bereich! Vorräte für ein Jahr oder mehr.

Auf der einen Seite kann man sagen: Toll, das System funktioniert. Gedacht war es, um in wirtschaftlich schlechten Zeiten Familien ohne finanzielle Mittel die Grundversorgung zu sichern. In den USA gibt es Couponing seit Jahrzehnten. Und da viele Coupons auch kein Verfalldatum haben, können sie eben gesammelt werden ohne Ende. Es gibt außerdem nicht die Begrenzung wie in Deutschland „Abgabe nur in haushaltsüblichen Mengen“. Diese Familien können also mit nur ein paar Dollar im Monat komplett versorgt werden.

Es wurde eine Frau gezeigt, die ihr Haus in unglaublichen hohen Raten abzahlt, nur um schnell fertig zu sein, durch die wirtschaftliche Situation und nur durch Couponing, also Gratisprodukte lebt. Oder ein Mann, der seine hohen Schulden dadurch abbezahlt hat, dass er einfach für seinen Lebensunterhalt kaum noch Ausgaben hatte. Da kann man doch gar nicht schlechtes sagen, oder?

Schaut man sich nun aber mal die Vorräte an, ist zu erkennen, dass diese Menschen teils schon Suchtverhalten zeigen. Sie horten Dinge, die sie gar nicht brauchen. Eine Fraue hatte ein ganzes Regal voller Hundehalsbänder, aber gar keinen Hund. Eine andere hat einen Windelvorrat für mehr als ein Jahr, aber noch nicht einmal einen Mann, geschweige denn ein Baby. Die Lebensmittel sind Fertigpizze und -nudelgerichte, Zuckerwasser (diese Sportdrinks in komisch künstlichen Farben), Snacks und all so ein nahrungstechnisch wirklich unbrauchbarer Schrott. Die horten Süßigkeiten in Unmengen. Eine Fraue kaufte 250 BBQ-Saucen, nur weil sie es konnte und nutzte sie dann als Gastgeschenke auf ihrer Hochzeitsfeier – weil sie die ja selber gar nicht isst. Oder, klingt fast wie ein Witz, „steht eine Frau im Laden und weint, weil sie 50 Coupons hat, aber nur noch eine Packung da ist“.

Es werden ganze Rituale abgehalten. Da wird ein Junge durch einen von ihm selbst organisierten und durchgeführten Einkauf mit Coupons in den Kreis der Familiencouponer aufgenommen um die Tradition weiterzuführen, mit einer Kiste mit alten Coupons, die von Generation zu Generation weitergeht und Coupons von Firmen enthält, die nicht mehr existieren oder Produkten, die es nicht mehr gibt und Coupons, die 30 Jahre alt und immer noch einlösbar sind.

Eine Frau hat in ihrer Folge deutlich gesagt, durch Couponing hat sie zugenommen. Den ganzen Nahrungsmüll muss ja auch jemand essen. Sie ernährte sich also nur noch von den Produkten, die sie gratis erhalten hatte und ging nicht mehr normal einkaufen. In ihrer Folge prangerte sie das Couponing nun also an und zeigte, wie sie versuchte mit einem Personal Trainer wieder in Form zu kommen – dank Couponing kann sie sich den ja leisten.

In Anbetracht der Verschwendung von Lebensmittel auf der Welt, müsste dem WFP doch bei dieser Sendung die Spucke im Halse stecken bleiben. Auf der einen Seite der Erde verhungern Kindern, auf der anderen horten die Menschen 350 Packungen Frühstücksflocken. Ich kann mir teils kaum vorstellen, dass die Lebensmittel wirklich alle solange haltbar sind. Besonders Kosmetika und Medikamente haben ein Ablaufdatum, welches nicht überschritten werden sollte. Da machte eine Mutter mit ihren Kindern also das Couponing-Spiel – sie ordneten die Produkte so schnell wie möglich nach Ablaufdatum; lustig.

Es werden aber auch Leute gezeigt, die sich sozial engagieren und ihre Einkäufe in Care-Paketen zusammenpacken und spenden.

Doch wie viel kommt da bei einer Wirtschaft heraus, die im Keller ist, wenn seine Teilnehmer Waren für 10.000, 25.000 oder 50.000 Geldeinheiten im Keller horten und nicht einen Taler dafür berappen mussten? Es muss doch jedem dabei aufgehen, dass es wirtschaftlich nicht gesund ist. Geld muss zirkulieren, um die Wirtschaft am Laufen zu halten. Waren gegen Geld, Geld gegen Waren.. das ist ein ganz einfaches System. Hier und da kommen noch Staat und andere Institutionen dazu, aber wenn ich nichts zahle, zahle ich auch keine Mehrwertsteuer (oder Verkaufssteuer, die es in den USA gibt). Also werden nicht nur die Wirtschaftsteilnehmer Unternehmen um ihre Einnahmen gebracht, sondern auch der Staat um seine Steuern.

Nun machen die das ja nicht jeden Tag. Zwei- oder dreimal im Jahr ist es wohl durch Überlagerung dieser Rabattaktionen möglich so einkaufen zu gehen. Vielleicht auch öfter, so ganz wird das nicht klar – scheint auch von Staat zu Staat und Geschäft zu Geschäft unterschiedlich zu sein. Aber gesund ist es nicht. Weder für die eigene Gesundheit durch den Nahrungsmüll; was keinen Coupon hat wird nicht gekauft, als auch für die Wirtschaft, die durch den Zirkulationspart Geld gebracht wird. Davon abgesehen finde ich diese „Ersparnis von 500 Glocken“ absolut irreführend. Die hätten das Zeug doch ohne Coupons nie gekauft und nie 500 dafür ausgegeben. Auch wenn sie nun Kekse für ein ganzes Jahr haben. Hätten sie so viele Kekse gekauft und gegessen ohne Coupons? Wohl kaum.

Natürlich freut sich jeder, wenn er mal etwas sparen kann und nicht den vollen Preis bezahlen muss – die Betonung liegt aber auf „mal“. Was mich für die USA hoffen lässt, sind die Bilder an den Kassen, wenn es ans Bezahlen geht. Die Menschen im Hintergrund machen Fotos mit dem Handy, warten auf die Endabrechnung, jubeln mit und stehen zu Massen um die Kasse herum. Das heißt, diese Extremcouponer sind nicht die Regel. Solche Gratiskäufe sind noch die Ausnahme. In jeder Sendung ist aber jemand, der jemandem anderen zeigt wie es geht und ihn auf den Weg des Couponing bringt. Wenn das nun losreißt wie ein Schneeballsystem wird der Staat handeln müssen.

„Abgabe nur in haushaltsüblichen Mengen“ gibt es in Deutschland auch erst wirklich, seit die Polen Massen an Zucker gekauft und über die Grenze gebracht haben, als der Zuckerpreis dort durch die Decke schoss. Das ist zwei oder drei Jahre her. Vielleicht auch länger.. ich habe das Zeitgefühl eines Winterschläfers.

Fassen wir also zusammen: Kaufsucht/Sparsucht, Ressourcenverschwendung, dubiose Erziehungsmethoden, ungesunde Lebensmittel, Verfallsdaten, Massenhortung, Unausgeglichener Wirtschaftskreislauf gegen privater Ersparnis, Care-Paketen, höhere Lebensqualität.. das Land der unbegrenzten Möglichkeiten sollte vielleicht zur Erhaltung seines Wirtschaftsstatus über Grenzen nachdenken?

Nun sind die USA gefühlte 19.523 mal größer als Deutschland und ich möchte mir nicht ausmalen, was passieren würde, würde das ganze Couponingsystem so auch in Deutschland funktionieren.

***

Couponing Extreme is a show shown by an new television channel in Germany. I like the show a little bit, but I have problems to understand, how people can think couponing is the ultimate. The U.S. makes news in Germany only with the spy affair or their bankrupcy. While seeing the show I think I can imagine where one of the american economy problems grows.

One couponing example as its best: you have instant noodles for $2,50; there is a sale in the supermarket for about $0,75. You got a coupon for $1,00 which gets doubled, equals $2,00 – in the end you have a plus of $0,25. That wouldn’t be possible in Germany, ‚cause it’s not possible to combine discount and coupons. But, the people are not buying just two or three packages – no; if they have 250 coupons, they’re buying 250 packages! Unbelievable in Germany as well; it’s only allowed to buy amounts common in one household.

So, there are people buying stuff worth $2.000 and they pay nothing! They have storerooms filled with goods worth five-placed amounts of Dollar. Of course, you would say that’s great! Goods for one year or more and payed nearly nothing. Who wouldn’t? The couponing systems was created decades ago to help people who weren’t able to pay for their living. Some coupons are valid for ever. In Germany you can be lucky if it’s valid one week. The show showed a woman who pays huge instalments for her house to own it as fast as possible, caused of the economical situation and she is living only with coupons. Or the guy who payed all his debts in a short time caused of buying free stuff. Personal, that’s great.

But, let’s take a look behind the scenes. Some people seem to evolve a kind of addictive behaviour. They „buy“ stuff, only to have it – because it’s free. A woman with thousands of diapers, but no babys and esp. not even a husband. Or the one with a lot of dog collars, but no dog. The foods are not even healthy.. not at all! But they eat only pizza, sugar water, instant stuff, because it’s free and they don’t want to buy anything else they would have to pay the full price for. There was a woman crying in front of the shelf; she had 50 coupons for sth. but there was only one package available.. 49 coupons useless – there is no real reason to cry! A few guys made a kind of ritual with the youngest „man“ in the family. They are coupnors since decades and organizing a shopping tour with only coupons was his ritual to become an adult.. sad. One of the woman asked for a personal trainer. She gained a lot of weight eating only the unhealthy free stuff – but ok; with the savings she made with the coupons, she is able to pay the personal trainer.

If we hava a look at the world food organizations, do they cry the whole time as well.. only because of the masses of food waste? Who needs 100 packages of breakfast flakes while children famish otherwhere? Who is able to eat all that stuff before the best before date? One lady made a game with her children: sort the food by best before date – fun, I guess.

Others are using the coupons and their time to buy the stuff for free and make care packages for the curch or soldiers, etc. – it’s way better than squirrel food away.

Let’s think about the economic background. What do you think happens if people buy goods for thousands of Dollar without paying? The economic circle works because money and goods ciculate. Where is the circle if only goods are the only part there? And if they pay $0,00; how much taxes does the state earn? Nothing, right. 10 % of nothing is still nothing.

Ok, they are not „buying“ in that way the whole time; just a few times a year. But some buy stuff for let’s say 500 bucks and say they saved 500. Without coupon they would never buy the shit; so who saved 500 bucks? No one.. They just got stuff for free another person would have payed for.

Of course, everybody is happy about saving money some times – but some times is the keyword! I’m full of hope, that this kind of buying goods is not common in U.S., caused of all the people makeing phots of the couponers while shopping like they’re sth. special. The couponer community grows the whole time and if the USA wants to handle the economical problem, they should reconsider their coupon system! A little „Due in common household amounts“ might be a good start. I don’t want to imagine what would happen if a similar system gets implemented in Germany..

2 Gedanken zu “„Couponing Extrem“ oder Wie sich eine Wirtschaft selber kaputt sparen kann

  1. Ich coupone in den USA und habe diesen Bericht mit Interesse gelesen. Es ist absolut verständlich, das durch diese Show dieses Bild vom Couponing in den USA entsteht. Aber auch wenn das Couponing in den USA mit, wie hier beschrieben, dem kombinieren verschiedener Angebote oft kostenlose Produkte beschert, es ist nicht so wie es in der Show rüberkommt.
    1. Ist es eine Show, also nicht alles so realistisch und etwas ueberzogen
    2. War die Show hier unter Beschuss da scheinbar gefaelschte Coupons genutzt wurden und auch die Couponregeln nicht galten, wie sie hier fuer normale Couponer gelten. So hat der Manager Coupons in der Kasse akzeptiert, die normal nicht akzeptiert werden.
    3. Die Show ist schon etwas älter, die Regeln wurden hier verschärft, da zu viel geschummelt wurde. So gibt es nun in fast jeder Coupon policy (Couponregeln des Shops) Limits an Coupons und die Klausel das der Manager das letzte Wort hat und auch Mengen beschränken kann. Auch das doppeln von Coupons wurde ein bisschen eingeschränkt in den Geschäften und auch Coupons haben oft den Vermerk „nicht doppeln“ Viele Coupons haben das Fineprint geändert und oft steht da „nur 4 gleiche Coupons“ und auch die Groesse des Produkts ist nun oft klar aufgedruckt.

    Trotzdem kann man mit Couponing in den USA viel Geld sparen und auch einiges kostenlos ergattern. Ich habe einen kleinen Stockpile mit Markenartikeln und spare an meinen wöchentlichen Ausgaben über 50% durch moderates Couponen.

    • Man kann die Coupons ja auch fuer Obst und Gemuese einsetzen. Ich brauche sehr viel Mehl, da ich meine Nudeln selbst mache. So wie meine Tomatensosse auch. Beim Eis ist es das gleiche. Bei Fertigessen, wie Pizza oder aus der Dose sollte es gar keine Coupons geben. Wenn ich mir die Fertigsossen von Knor oder Maggi ansehe und wie sie dafuer Werbung machen. Mit natuerlichen Zutaten. Und wenn man sich die Zutatenliste hinten ansieht muss man sich fragen ob die Hersteller glauben das man Dumm ist. Denn die Geschmacksverstaerke sind immer noch mit drin in den Tollen Puelverchen. Nur unter einen anderen Namen. Kurz gesagt, ich wuerscde es sehr Begruessen wenn man hier in den Deutschland zum so Einkaufen koennte wie in den USA. Aber wenn schon, dann sollte es die Coupons wirklich nur fuer Gesunde Lebensmittel geben wie Obst und Gemuese und den anderen Lebensmittel die man fuer Gesundes und Selbstgekochtes Essen braucht. Und e noch von mal ehrlich, wer weis denn heute noch von der Juengeren Generation was man mit frischen Rosenkohl macht.

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