{Lifestyle} Aus dem Beruf ins Studium – empfehlenswert oder nicht?

Wir schreiben den 01. September 2014 – mein Bachelorstudium ist seit gestern offiziell beendet. Zeit ein Fazit zu ziehen und dem ein oder anderen vielleicht die Entscheidung für oder gegen ein Studium zu erleichtern.

Ich hatte nach der Schule eine Ausbildung gemacht und danach noch fast zwei Jahre gearbeitet. Wie mir, geht es vielen: Der erlernte Beruf scheint nicht das richtige gewesen zu sein oder es fehlt einfach noch was. Ich hatte das Gefühl, diesen Beruf in der Form nicht länger ausführen zu wollen und war zudem gelangweilt, unterfordert.. da musste doch noch etwas kommen. Die Überlegung war also noch ein Studium aufzunehmen. Für Abiturienten ist es sehr einfach von der Schulbank direkt auf den Campus zu wechseln. Berufstätige haben es da etwas schwerer. Welche Vor- und Nachteile bietet so ein Studium und gibt es Alternativen zum Vollzeitstudium? Kann man, lange nicht auf der Schulbank gesessen, überhaupt einfach so wieder in den Lernenalltag hineinfinden oder ist der Abschluss bereits von vornherein zum Scheitern veruteilt? Stehen die Chancen besser oder schlechter danach den Traumjob zu finden und was kostet das ganze eigentlich?

Kündigen oder nicht Kündigen – das ist hier die Frage?

Allen voran steht die Frage: Kündige ich meinen Job oder nicht? Diese Frage ist für die meisten eigentlich die große Hürde – der Grund, sich gegen ein Studium zu entscheiden. Wer im Berufsleben angekommen ist, hat sich einen gewissen Lebensstandardaufgebaut, den er natürlich nicht gerne wieder hergeben möchte. Generell rate ich dazu, offen seinem Arbeitgeber gegenüber bzgl. der neuen Pläne zu sein. Zum einen, überrascht ihn die Kündigung dann nicht und zum anderen könnten sich neue Wege auftun. Arbeitgeber sind am Halt guter Mitarbeiter interessiert und möchten diese natürlich ungern freigeben. Zudem haben sie oft die Möglichkeit ihre Mitarbeiter zu fördern. Wer offen mit seinem Chef spricht, könnte über interne Qualifizierungsprogramme stolpern.

Es gibt verschiedene Möglichkeiten: man könnte Teilzeit weiterarbeiten und über den Arbeitgeber für die Zeiten in der Uni freigestellt werden. Man könnte das Arbeitsverhältnis in ein BA-Studium umwandeln. Es ginge auch die komplette Freistellung von der Arbeit inkl. Stipendium durch den Arbeitgeber, darauf folgt ein Vollzeitstudium und im Anschluss die verpflichtung 2,3 oder 5 Jahre weiter für das Unternehmen tätig zu sein, in denen man nicht einfach so kündigen kann. Jedes Unternehmen hat da für sich verschiedene Möglichkeiten. Sollte sich das Unternehmen gegen eine Unterstützung aussprechen, wie es bei mir der Fall war (falscher Studiengang, falsche Uni), dann bleibt nur eine Kündigung und die Aufgabe des Berufes.

Wer bereit ist, etwas mehr Zeit zu investieren, kann durch ein nebenberufliches Studium um die Kündigung herumkommen. Ihr arbeitet dann ganz normal in Vollzeit weiter und geht am Wochenende oder am Abend zur Uni. Das ist Zeitintensiv und kostet in der Regel auch einiges an Gebühren, stellt aber eine gute Alternative zur Kündigung dar. Ihr behaltet Euren Lebensstandard und könnt dennoch studieren- lediglich Eure Freizeit ist dann für die Zeit so gut wie kaum vorhanden. So macht es zum Beispiel Tinchen; mit viel Fleiß neben dem Beruf (den ich aufgab) und es funktioniert. Es gibt für jeden die passende Möglichkeit; Information ist alles und eine gründliche Recherche sollte ohnehin vorher erfolgen.

 

Die Wahl des Studienganges

Wer sich erfolgreich mit der Frage Kündigung oder nicht beschäftigt hat, sollte sich genau mit seinen Möglichkeiten beschäftigen. Viele glauben, in Deutschland könne nur mit Abitur studiert werden. Das stimmt nicht! Ein Facharbeiterabschluss – eine Berufsausbildung also, ist ebenfalls als Eintrittskarte zur Uni zu sehen. Wir haben verschiedene Hochschultypen in Deutschland und an Fachhochschulen kann unter bestimmten Voraussetzungen jeder studieren. Wichtig sind hier der fachliche Zusammenhang des Berufes mit dem Studienfach, die persönliche Eignung und evtl. Berufserfahrung. Bobby hat beispielsweise auch kein Abitur, aber seit seiner Lehre immer gearbeitet. An meiner Hochschule ist ein gewisser Prozentsatz nur für Quereinsteiger reserviert – ich schätze etwa 1/3 meines Studienganges als Quereinsteiger ein – ich kenne natürlich nicht alle Historien, aber vom Verkäufer, über den Bankkauffmann bis zum ehemaligen Geschäftsführer eines KMU ist alles dabei. In der Regel sollten sich Studieninteressierte ohne Abitur auf staatliche Fachhochschulen konzentrieren – auch Quereinsteiger müssen nicht zwingend Studiengebühren zahlen! Ein weiteres Drittel, wenn nicht sogar mehr, haben nach dem Abitur, wie ich, vorher schon einen Beruf gelernt.
Generell sollte der Studiengang irgendwie auf das in der Lehre und im Beruf erworbene Wissen aufbauen. Wer nicht vollends mit seiner beruflichen Richtung unzufrieden ist, sollte das Studium als Weiterbildung ansehen. Ich mochte nicht weiter im Bankvertrieb arbeiten; die Bank an sich war aber gar nicht so schlecht – wie also in die höheren Etagen kommen? Welche Positionen gibt es dort und welche Voraussetzungen haben sie? Hocharbeiten ist immer eine Möglichkeit, aber in den nächsten Jahren wäre da nichts zu erwarten gewesen. Macht Euch Gedanken darum, wo Ihr nach dem Studium hinwollt und richtet Euch danach aus. Ich brauchte also einen Studiengang, der mir Managementqualitäten vermittelt. Ein BWL Studium war mir allerdings irgendwie nichts.

Sucht Euch mögliche Hochschulen heraus und lest Euch die Studiengangbeschreibungen durch. Zudem stehen oft die Semesterplanungen online und Ihr seht, welche Fächer Euch erwarten. Persönliches Interesse ist das Wichtigste um problemlos durch das Studium zu kommen. Stellt Ihr während des Studiums fest, dass sich das Ziel doch noch etwas verändert, ist ein Wechsel oft nicht schwer oder Ihr konzentriert Euch auf die entsprechende Spezialisierung. Für mich steht seit China fest, es soll ins Ausland gehen – ich werde also im Master Internationales Recht studieren.

 

Vorteile eines Anschlussstudiums

Die Vorteile liegen klar auf der Hand: Ihr qualifiziert Euch! Ihr erreicht einen höheren Abschluss. Studieren ist oft eine schnellere Möglichkeit sich im eigenen Beruf weiterzuqualifizieren und ggf. einige Schritte und Positionen zu überspringen.

Persönlich sind die Vorteile bei einer neuen Aufgabe, einem neuen Umfeld und der eigenen Herausforderung zu sehen. Zudem erweitert Ihr Euer Netzwerk, welches Euch später vielleicht noch nützlich sein kann. Praktika, das Alumninetzwerk oder Eure Kommilitonen können Euch in Firmen bringen, bei denen Ihr vielleicht früher gerade einmal bis zum Parkplatz gekommen seid. Wenn das Studienfach clever gewählt wurde, könnt Ihr mit Wissen glänzen.

Erkennt die Hochschule bestimmte Qualifizierungen an, könnte dies bedeuten, dass Ihr Euch einige Kurse oder vielleicht sogar Semester sparen könnt. Regelstudienzeit heißt nicht Zwangsstudienzeit; wer verlängern kann, kann ggf. auch verkürzen. An meiner Hochschule geht es nicht; ein Kumpel von mir hat sein Studium jedoch mit Fleiß und cleverer Planung in kürzerer Zeit durchgezogen. Studiengänge sind i.d.R. für Schulabgänger ausgelegt – das heißt, Wissen, welches in der Lehre vermittelt wird, kommt auch hier in den Lehrplan. Für mich waren beispielsweise Fächer wie Rechnungswesen, Investition & Finanzierung oder auch die grundlegenden Rechtsfächer gar kein Problem – das hatte ich alles schon und musste nur die Vertiefung lernen; die frischen Abiturienten hatten teilweise schwer zu knabbern an dem für sie ganz neuen Stoff. Anfangs ist es zwar schwer wieder in diesen Lernmodus hineinzufinden, Einstiegskurse der Hochschule und ein bisschen Spucke helfen jedoch sich schnell wieder einzuleben. Viele der Jungen wissen auch noch gar nicht wirklich, was sie wollen und studieren einfach irgend etwas. Das ist ein großer Vorteil, denn oft sind sie nicht so fleißig und erreichen schlechtere Abschlüsse – das ist gut, denn die Konkurrenz hebelt sich so automatisch selber aus.

 

Und die Nachteile?

…die gibt es natürlich auch. Gerade im Vollzeitstudium ist ein großer Nachteil natürlich der soziale Abstieg – das muss man einfach so sagen. Seid Ihr im Beruf schon jemand gewesen, begebt Ihr Euch im Studium wieder auf die ganz unteren Stufen. Finanziell bewegt Ihr Euch (zumindest die meisten) noch unter Hartz4-Niveau. Zudem seid Ihr der ewige Praktikant. Gerade ältere Studenten gehen nebenher arbeiten (nicht kellnern) und dort kann es passieren, dass Euch ganz klar Eure Stufe gezeigt wird. Ich habe in meiner Abteilung großes Glück – wir machen uns sogar eher über diese „Praktikantenrolle“ lustig – andere Abteilungen sehen das anders. Sie sehen zwar die Leistung, ein vollwertiger Mitarbeiter bin ich für sie jedoch nicht. Andere haben nicht einmal in ihrer Abteilung die entsprechende Anerkennung und arbeiten 20 Stunden die Woche nur am Kopierer oder Locher; wenn sie Glück haben dürfen sie auch mal den Tacker benutzen und ein paar Akten ordnen. Doch nicht nur die Arbeitgeber stufen Euch herab, auch die Hochschule und das Studentenwerk, wenn Ihr Pech habt. Meine letzte Unterredung mit dem Studentenwerk Potsdam (Ja, die kann man hier mal ganz deutlich erwähnen) endetet in einem Dialog, der wörtlich so ging: „Das heißt also, der Sachbearbeiter macht nie Fehler und der Student lügt?“ und der gute Mitarbeiter darauf: „Ja!“.

Die Mitarbeiter machen Fehler – massive Fehler, aber auch eine Beschwerde beim zuständigen Ministerium bringt nichts; dieser Mitarbeiter hat in seinem Schreiben ganz deutlich gezeigt, dass er sich noch nicht einmal mit dem Fall beschäftigt hat. Eine Krähe hackt der anderen kein Auge aus – Ihr habt weder bei der Widerspruchbearbeitung, noch in der Regierung Unterstützung zu erwarten. Ähnliche und fast identische Probleme haben meine Kommilitonen; es ist also leider ein allgemeines Problem. Wer der Meinung ist, er habe Recht, muss klagen – so die Kernaussage. Habt Ihr also mehrere Jahre Zeit und ganz viel Geduld, klagt. Grundsätzlich ist aber zu erwähnen, dass der kleine dumme Student eigentlich gar keine Chance gegen den vereinten Hochschulgoliath hat. Ihr habt ferner nur eine Studentenkrankenversicherung und mit Pech schlechtere Leistungen. Außerdem steht ihr finanziell ohnehin schlechter dar, als ein Schulabgänger. Es gibt gewisse Altersgrenzen in Deutschland, die Euch zwar formell zum Erwachsenen erheben, der aber mehr Kosten als der Abiturient zu tragen hat, das ewige Kind bleibt Ihr jedoch bei den wirklich wichtigen Dingen dennoch. Außerdem seid Ihr einfach wesentlich älter als Eure Kommilitonen bei Abschluss des Studiums. Ich werde mit dem Masterabschluss 29 sein- vielleicht schon 30, je nachdem wann ich das Zeugnis bekomme. Meine Konkurrenz hat nach der Schule begonnen zu studieren und wird mit Abschluss des Masters vielleicht 24/25 sein. Die Lehre und die Berufserfahrung könnten zwar einen Vorteil bieten; könnten jedoch auch völlig egal sein. Ihr fang also erst mit irgendwas um die 30 an wieder ins Berufsleben einzusteigen, während Eure ehemaligen Mitschüler / Mitazubis und Kollegen schon voll durchstarten. Hier müsst Ihr Euch dann einfach gut verkaufen können, wenn es um die Rangelei um die guten Stellen geht.

 

Money, money, money – must be funny, in the richmans world!

Geld ist eigentlich nichts, was unser Leben bestimmen sollte – es ist jedoch enorm wichtig. Wie sieht das also aus? Ich würde jedem raten, zu sparen – in jeder Lebenslage! Auch wenn Ihr noch nicht wisst, was Ihr mit dem Geld machen wollt – es kommt der Moment, an dem Ihr es braucht und jeder hat etwas, das er sparen kann. Auch Kleinvieh macht Mist! Es muss nicht einmal viel sein. Ein Studium sollte immer mit einem gewissen finanziellen Grundstock begonnen werden – und wenn es nur ein paar hundert Euro sind; Ihr werdet sie brauchen. Deutschland rühmt sich zwar mit seinem Bafög und dass jeder studieren könnte, aber.. jetzt mal ganz ehrlich unter uns: Das ist der größte Schwachsinn! In Deutschland kann nicht jeder studieren! Das Bafög-System ist der größte Müll den die Regierung je erschaffen hat. Bafög nutzt Euch nur etwas, wenn Ihr wirklich eine arme Sau seid, die schon vom Elternhaus her nur trocken Brot knabbert.. und auch nur, wenn Eure Eltern seit Jahren schon schlecht dastehen und sich auch nichts daran verändern wird.. und bloß nichts vom Standard abweichendes in der persönlichen Situation! Die Mitarbeiter in den Studentenwerken sind massiv überfordert. Doof für sie, könnte man denken.. soviel Arbeit. Wenn Ihr jedoch nicht wisst, wovon Ihr das nächste Brot kaufen sollt, kann Euch die Überforderung Eures Bearbeiters allerdings meilenweit am Meilenbreiten vorbeigehen, denn der interessiert sich auch keinen Dolch für Euch. Wenn Ihr Bafög beantragt, müsst Ihr fast das gesamte erste Semester finanziell überbrücken können. Nachzahlungen gibt es zwar, aber die bringen Euch überhaupt nichts, wenn Ihr wochenlang auf einen Bescheid und die Auszahlung warten müsst. Ich könnte mich hier ewig zum Bafög und die Lücken im Konzept auslassen, aber das bringt nichts.. der Student ist es ja, der das Problem ist, wie wir schon gelernt haben. Mein Rat: Beantragt Bafög, wenn Ihr es braucht, aber verlasst Euch nicht darauf! Rechnet niemals mit dem vollen Betrag und dass Ihr es das ganze Studium über bekommen werdet – tut das niemals! Im Studium werden Euch einige auffallen, die aus diesem Grund das Studium abbrechen müssen.

Plan A sollte immer eine andere Finanzquelle sein. Bezieht Ihr Bafög dürft Ihr nur 400 Euro nebenher verdienen (egal, ob Ihr 640 oder nur 40 Euro bekommt – dumm, oder?) – sucht Euch also auf jeden Fall einen Job. Im Studium ist immer Zeit dafür. Es gibt Fächer, die es zeitlich nur in den Ferien erlauben arbeiten zu gehen, doch dann Vollzeit und mit dem höchstmöglichen Verdienst – dann kommt Ihr auch über das Semester. Ich gehe beispielsweise nur 4 Tage zur Uni und es sind auch oft nur halbe Tage dabei – ich gehe also in den verbleibenden Stunden arbeiten. Sucht Euch einen Job, der Euch im Studium etwas nutzt. Geht vielleicht noch zusätzlich irgendwo kellnern oder an die Kasse,wenn Ihr das Geld braucht, aber macht Euch das Studium nicht schwerer als es sein muss. Der Vorteil ist zum einen, dass Ihr aus Eurer 40h-Wochen-Routine nicht herauskommt; was den Wiedereinstieg erleichtert; zum anderen habt Ihr 1. gleich ein Unternehmen, bei dem Ihr das Praktikum machen könnt und, wenn Ihr Euch gut anstellt, kriegt Ihr da auch gleich einen Job. Ferner sind die Verdienstmöglichkeiten ggf. auch besser, als beim Zeitungenaustragen. Durch die Arbeitszeiten müsst Ihr vielleicht unter der Woche auch mal lange arbeiten, habt aber am Wochenende frei. In der Regel gibt es auch immer jemanden, der Euch helfen kann, wenn Ihr im Studium in einem Fach Probleme habt. Ihr kommt mit Controlling nicht klar.. na dann ab eine Etage höher oder tiefer und den Controller um Hilfe gebeten – das wird eigentlich nie versagt.

Wer kein Bafög bekommt, kann sich die verschiedenen Studienkredite anschauen. Es gibt staatlich geförderte oder private Kredite, mit extra Konditionen. Ich habe zum Beispiel mein letztes Semester nur mit Hilfe des KfW-Kredites sorgenfrei beenden können; denn auch bei einem Nebenjob gibt es finanzielle Grenzen. Eine weitere Möglichkeit sind Stipendien – das Vorurteil, sie seien nur für die ganz Schlauen ist falsch. Oft gibt es weniger Bewerber als das Kontingent hergibt. Aber auch hier sind die Summen oft zu gering, um nur mit dem Stipendium zu studieren.

Lassen wir ein paar Zahlen sprechen: Was braucht man denn nun wirklich für ein Bachelorstudium? Grundsätzlich hilft eine Überschlagsrechnung. Die zwingenden Ausgaben müssen aufgelistet werden und dann die variablen Kosten hinzugerechnet. Wo wohnt Ihr – müsst Ihr mit dem Zug oder dem Auto zur Uni; könnt Ihr laufen? Welche Einnahmen sind zu erwarten? Werden vielleicht irgendwelche Anlagen im Laufe des Studiums zur Auszahlung frei? Gibt es Notfallgeldgeber, wie Eltern, Großeltern? Zur Brechnung sollten nur die finanziellen Mittel genutzt werden, die auf jeden Fall zur Verfügung stehen! Rechnet nie mit: Meine Mutti wird schon jeden Monat so 250 Euro rüberwachsen lassen. Das wäre schön, aber ist nicht garantiert! Versucht Euch wohnungsmäßig so zu verkleinern, dass Ihr die Miete immer zahlen könnt.

Für den Lebensunterhalt müsst Ihr mehr rechnen, als Ihr vielleicht denkt. Wer sparsam lebt, kommt mit etwa 600 Euro ganz gut über die runden. Ihr müsst weiter Eure Versicherungen zahlt, müsst auch mal unerwartete Ausgaben einplanen. Einmal im Semester kommen Ausgaben für die Hochschule dazu: Verwaltungsgebühren, evtl. Studiengebühren und Material. Vielleicht muss mal ein neues Notebook her oder Ihr wollt wirklich noch ein Semester ins Ausland. Drei Jahre Verzicht sind nichts! Ihr müsst Geld haben um Euch auch mal was gönnen zu können. Macht weiter im Sportstudio oder Verein; geht aus und trinkt nicht nur das Billigbier und reist auch mal. Rechnet mit etwa 800 – 900 Euro im Monat; wenn nicht sogar mehr bei Gebieten mit hohen Mieten und Studiengebühren. Erhaltet Ihr das volle Bafög: 640 Euro und habt einen 400 Euro-Job seid Ihr perfekt aufgestellt!

Mein komplettes Bachelorstudium, mit einem sparsamen Leben, aber dennoch Leben (!) schlägt mit gut 35.000 Euro zu Buche. Zu erwähnen ist jedoch, dass ich im Ausland noch 5.000 Euro investiert habe – mit Auslandssemester also etwa 40.000 Euro. In Brandenburg zahlen wir keine Studiengebühren; lediglich Verwaltungsgebühren und zwangsweise das Semesterticket (ca. 260 Euro pro Semester). Bücher habe ich so gut wie keine gekauft und auch das Notebook gab es in meinem Leben schon. Ich habe das Glück die letzten zwei Studienjahre im Haus meiner Eltern wohnen zu können; regulär hätte mich die Miete also noch etwas mehr gekostet. Ich würde also für ein ähnliches Studium grundsätzlich 5 0 . 0 0 0  Euro veranschlagen. Studiengebühren können jedes Jahr neu eingeführt werden. Bücher sind teuer. Computer gehen kaputt; genauso wie Autos. Mieten steigen. Wenn Ihr Pecht habt könnt Ihr während der Zeit der Abschlussarbeit nicht arbeiten gehen. Bleibt beim Abschluss etwas über, ist das nur von Vorteil. Achtet zudem darauf Eure Bachelorarbeit nicht für umme zu schreiben. Sucht ein Unternehmen, das Euch dafür bezahlt.

Für das Masterstudium würde ich noch einmal 25.000 Euro anrechnen; auch wenn es 2/3 der Studienzeit sind, sind bestimmte Anschaffungen ja nur einmal zu tätigen.

 

Studieren auf Kredit?

Die Entscheidung für den Kredit fiel mir weiß Gott recht schwer – gerade als Banker ist meine Bereitschaft einen Kredit aufzunehmen nicht die größte. Kredite sind aber nicht immer etwas schlechtes! Kauft Ihr einen Kleiderschrank auf Kredit, habt Ihr etwas falsch gemacht – diese kleinen Konsumkredit braucht kein Mensch! Ein Studienkredit stellt jedoch etwas anderes dar. Mir hat die Vorstellung, nach dem Studium mit Schulden zu beginnen, Bauchschmerzen bereitet – wobei das bekloppte Bafög ja nichts anderes ist. Offen gesagt musste jedoch zum Ende des Studiums hin so gut wie jeder in meinem Umfeld noch einen Studienkredit aufnehmen um das Studium, trotz Arbeit, noch beenden zu können, wenn die Eltern die Finanzierung nicht übernehmen konnten oder wollten. Bereits nach wenigen Wochen waren meine Kreditbauchschmerzen allerdings verschwunden. Finanziell sorgenfrei zu studieren hat einen erheblichen Einfluss auf die Leistungen und das persönliche Wohlbefinden. Irgendwann sitzt man in den Vorlesungen und kann an nichts anderes mehr denken, als das Konto und wo in der nächste Woche noch Geld herkommen könnte. Auch wenn mit dem Bachelorzeugnis der Kontoauszug mit den aufgelaufenen Schulden ins Haus flattert, ist das immer noch eine Version, die ich wieder wählen würde. Die Kredite sind nicht sofort nach Abschluss fällig; sie sind flexibel in der Rückzahlung und das Verfahren ist viel einfacher und nervenschonender als Bafög zu beantragen. Zudem studiert man ja nicht, um am Ende einen Job mit 900 Euro Nettogehalt zu bekleiden. Der Abschluss schafft die Grundlage für ein höheres Gehalt und so sind die Rückzahlungen am Ende auch gar nicht mehr so schwer. Dann gibt es eben bis die Kredite getilgt sind kein neues Auto.. auch gut. Schulden können auch eine Investition sein und wenn man in sich selber investiert, ist das eigentlich nie verkehrt.

 

Fazit

Alles hat Vor- und Nachteile und auch wenn die Nachteile summiert vielleicht viel mehr sind als die Vorteile, muss man sie gewichten! Ist die finanzielle Lage für 3 Jahre nicht aushaltbar mit der Aussicht, sich danach wesentlich zu verbessern? Kann man über diesen sozialen Niedergang nicht hinwegsehen, wenn man weiß, dass man vielleicht mal der Chef dieser kleinen herabwürdigenden Idioten sein wird?

Vor dem Studium sollte man sich informieren. Ein Mechatroniker könnte beispielweise nach Abschluss seines Meisters sogar mehr verdienen, als der Maschinenbaustudent! Solche Beispiele gibt es öfter. Macht Euch schlau, wenn es um den Verdienst geht – nur aus diesem Aspekt kann ein Studium sogar nachteilig sein. Steht für Euch im Vordergrund, dass der Job Euch in Euren persönlichen Interessen weiterbringt, ist ein Wechsel nie verkehrt – vielleicht würde es aber auch einfach nur eine andere Stelle tun.

Studiert nicht blind drauf los. Seht über die Studiendauer hinaus und plant mal etwas herum. Was wäre wenn? Was kann es mir nutzen? Drei bis fünf Jahre Schulbank stehen Euch bevor und darüber sollte nachgedacht werden – besonders, wenn Ihr vielleicht schon Familie habt.

Geld ist nicht alles und sollte das der einzige Hinderungsgrund sein, lasst es lieber. Auch eine besser bezahlte Position macht Euch nicht glücklich, wenn der Job Euch nicht interessiert. Habt Ihr jedoch verstanden, dass ein Studium Euch viele Türen öffnen und Euch aus Eurem tristen Arbeitsalltag befreien kann, wird Euch das Geld auch egal sein und es wird mit die tollste Zeit überhaupt!

2 Gedanken zu “{Lifestyle} Aus dem Beruf ins Studium – empfehlenswert oder nicht?

  1. Wow, das nenn ich mal einen ausführlichen Post, Respekt! Ich konnte mich in vielen Aspekten wiederfinden (Bafögkrampf, sozialer Abstieg) denn ich habe auch wie so viele zuerst eine Ausbildung gemacht um dann noch ein Studium hinterherzuschieben. Die Entscheidung war auf jeden Fall die Richtige und ich würde jedem dazu raten, der unglücklich in seinem Ausbildungsjob ist und dem es vielleicht persönlich nicht genug ist. Aber Studieren ist auch nicht immer das Gelbe vom Ei und eine Garantie für ein höheres Gehalt. Das kommt auch auf jeden selbst an. Mit einer guten Ausbildung kann man sehr viel erreichen, sich selbständig machen etc. Aber die Studentenzeiten waren schon Hammer, trotz Geldnot und Lernstress🙂
    Viele Grüsse, Sarah

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