{Sonntagskolumne} Von Vorurteilen und Meinungsfreiheit – eine Grenzdebatte

Neulich, stieß ich bei Facebook über einen Artikel. Die kommentierenden Damen so „Bullshit!“, „Arschloch!“, „Pimmelkomplex!“ und ich dachte mir so „Och nööö!“..
Auslöser war dieser Artikel mit dem Namen „Fette Frauen haben mit sich kein Problem“ eines selbsternannten und von ähnlich gepolten Männern im Internet aktiver Satiriker. Nicht nur, dass er in diesem Artikel über Klopse, fette Weiber und dicke Hühner herzieht.. nein, er verachtet eigentlich alle Frauen; selbst seine eigenen. Die Reaktionen auf seine Aufklärungskampagne folgten auf dem Fuße in Form eines Artikels namens „Dumme Männer haben mit sich kein Problem“ von einer Bloggerin, die seinen Artikel Stück für Stück kommentierte und zahlreichen Kommentaren von Frauen und Männern. Über die Qualität beider Artikel urteile ich lieber nicht – sie schenken sich leider beide nichts.

Doch eigentlich sind es nicht die Artikel selbst, sondern die dazu gefallenen Kommentare, was mir eher ein Kopfschütteln entlockt. Natürlich fühlen sich Frauen, besonders dicke Frauen, angegriffen. Natürlich gibt es Männer, die ihm freudig grunzend auf die Schulter klopfen würde. Natürlich möchten beide Seiten ihre Ansichten verteidigen. Doch Satire hin, Beleidgung her: in Deutschland herrscht immer noch Meinungsfreiheit. [Leider] darf hier jedes kleine Licht sagen, was es möchte. Fühlt sich jemand angegriffen, stehen ihm Rechtsmittel zur Verfügung – man sollte sich jedoch über Sinn und Unsinn unseres Rechtssystems vorher klar werden.

Respekt und Rücksichtnahme sind nun einmal schwer für manche Menschen. Doch auch die Frauen machen es nicht besser. In den Kommentaren finden sich zahlreiche Beleidigungen, Vorurteile, Verurteilungen und vor Allem Verallgemeinerungen seitens der Herren und der Damen. Nun kann doch jeder selbst entscheiden, ob und wie er an dieser Diskussion teilhaben möchte und mit welchem Wissen er glänzen mag. Da ist der Mensch ein selbstbestimmtes Wesen. Ob der Text wirklich satirisch ist oder einfach nur beleidigend ist leider auch Ansichtssache. Fakt ist jedoch, dass der Autor eine Grenze überschritten hat, indem er eine Bloggerin verlinkte und persönlich angriff. Grenzen haben auch einige der Kommentatoren überschritten.

Ich finde es einfach wunderbar, wie verwundert die Stuten dann schauen, wenn die Lippe dick wird„- ein Mann als Reaktion auf den Einwand, man solle dem Autor dafür „eins in die Fresse schlagen“ / Gleichberechtigung bei körperlicher Gewalt: ja – Im Ergebnis: keine Gewalt weder gegen Mann noch Frau!

Die Frau von heute ist ein nutzloser Parasit.“ – hat aber wieder eine Freundin (nach eigener Aussage).

Ich bin dafür fette Weiber, also alle über BMI 23, zu bestrafen.“ – dieser Herr macht dicke Frauen sogar für die Verbreitung von AIDS verantwortlich.

Katrin ist über die Verlinkung zu ihrem Blog nicht unglücklich. Sie hat durch mich 40 neue Follower und hat sich einen Brownie in sich rein gestopft. Sie sprach dabei von Orgasmus.

Nun stehen sich Frau und Mann in diesen Diskussionen leider in nichts nach: sie alle kontern durch Herabwürdigungen. Keine der beiden Seite möchten offenbar erkennen, dass sie die andere Partei nicht umstimmen kann. Sie verschwenden also Zeit und Energie auf eine Gruppe Menschen (nicht nur Männer), die seine Meinung teilen und die Männer verschwenden ihre anscheinend so hohe Intelligenz an diese Parasiten. Wofür? Um ihnen klarzumachen, dass sie nichts wert sind – außer sie teilen ihre Meinung. Ist es also wirklich sinnvoll sich an diesen absolut ziellosen Diskussionen zu beteiligen? Ich kenne viele der Aussagen und Argumente von männlichen Freunden. Ich weiß aber auch um ihre Enstehung. Männer, die Frauen als Parasiten ansehen; dumme Geschöpfe, die hin und wieder eine blutende Lippe verdient haben, haben diese Denkweise leider nicht von Ungefähr. Es ist auch keine Intelligenzssache, denn auch dumme Männer haben Benehmen und Respekt und denken nicht so. In gleicher Weise gibt es teils sehr intellgente Männer, die ihm zustimmen würden. Die beleidigenden Frauen sind ebenfalls nicht als dumm anzusehen. Sozialkompetenz ist leider eine Eigenschaft, die sich bei jedem Menschen ebenso individuell ausprägt wie Kreativität, Sprache oder Logik. Der eine hat mehr, der andere weniger und bei manchen ist das Entwicklungslevel einfach auf dem Höchststand angekommen, auch wenn es für andere noch unterirdisch scheint. Die Frage ist doch: Warum gebe ich mich denn (real oder online) mit Menschen ab, die offenbar nicht meiner Sicht entsprechen?

Die schlimmste Strafe für einen Menschen ist doch die Nichtbeachtung. Wer das Ammenexperiment kennt, weiß wovon ich spreche: Im Mittelalter wollte der damalige Kaiser eigentlich die menschliche Kommunikation und Sprachentwicklung erforschen und isolierte Neugeborene. Ammen fütterten und wuschen die Kindern, sprachen jedoch dabei kein Wort und kümmerten sich auch nicht weiter um sie. Der Kaiser konnte die Sprachentwicklung nicht erforschen, da die Kinder starben – er bewies jedoch damit, dass der Mensch zur Entwicklung mehr als nur Nahrung benötigt. Strafe man nun solche Dinge mit Nichtbeachtung, würde sie doch langsam im Sande versinken. Sollen diese Männer und Frauen von der Gegenseite denken, was sie wollen und meinetwegen auch im öffentlichen Netz kommunizieren – ich bin doch immer noch die Person, die bestimmt, was ich lese, anschaue, mag und woran ich mich beteilige. Ich bin es doch, die sich darum kümmern kann oder nicht und wenn ich mich nicht kümmere und mich auf die Menschen konzentriere, die einer ganz anderen Gruppe angehören, nehme ich dem Feuer doch seine Kraft. Wir können diese Menschen weder klein kriegen, noch von dieser Welt verbannen und schon gar nicht umstimmen. Widmen wir uns doch also den Menschen mit entwickelter Sozialkompetenz; Menschen, die uns gut tun.

Wir können es besser machen; mit gutem Beispiel vorangehen; uns einfach nicht auf Diskussionen einlassen, die im Grunde nach sinnlos erscheinen – so sehr sie uns verärgern mögen. Ich habe den Autor gebeten die Passage über die Bloggerin zu entfernen; höflich, per Mail, wie er es forderte – er hat es nicht getan. Manche Anstrengungen im Leben sind einfach sinnlos und werden keine Früchte tragen.

 

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