{Lifestyle} 96 Hours/Tak3n – Filmkritik

Lange keinen Film kritisiert, was – wird mal wieder Zeit. Ich war mit dem Buddelkastenfreund in der Vorpremiere zu Taken 3 und vielleicht überlegt der ein oder andere von Euch, ihn zu sehen. Dann lest nicht weiter oder überzeugt mich danach von einer anderen Meinung, warum die 10 Euro für das Ticket gut investiert waren.

Kinostart: 08. Januar 2015

TAK3N ist ein eigenständiger Film zu der 96 Hours Reihe um den Übervater Bryan Mills (gespielt von Liam Neeson) und seine Jagd auf Bösewichte.

Worum geht es: Bryan findet seine Exfrau ermordet in seinem Bett und flüchtet vor der Polizei. Während die Cops versuchen ihn, als Hauptverdächtigen, zu fassen, geht Mills wieder auf eigene Faust vor und versucht die Mörder seiner Exfrau zu finden. Dabei kann er auf die Hilfe seiner Freunde bauen und findet schnell eine Spur zu russischen „Geschäftspartner“ des neuen Mannes seiner Ex. Als er diese in gewohnt actionreicher Manier ausschaltet, erfährt er wer wirklich hinter allem steckt und liefert der Polizei den wahren Täter.

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So weit so gut. Klingt erst einmal nicht schlecht – guckt sich auch ganz gut. Lässt aber an einigen Stellen zu wünschen übrig. Der Film enthält diverse Fehler, die den Zuschauer vor die Wahl stellen: Verwirrung oder Witz? Als Beispiel kann hier eine rasante Verfolgungsszene dienen, die in einer Massenkarambolage endet, in der eigentlich auch das Fluchtfahrzeug von Mills stark mitgenommen wurde. In der nächsten Einstellung ist es jedoch wieder in 1A-Zustand.

Zudem soll es sich bei Bryan Mills um einen ehemaligen Top-Agenten handeln. Ich habe zwar noch nicht so viele Agenten getroffen, aber einige Szenen kann ich ihm so einfach nicht abnehmen. Beispiel: In dem Shop hat er weder geprüft, wie viele drin sind, noch hat er sich einmal die Spiegel zur Hilfe genommen oder versucht sich davor zu verstecken – der Russe war da cleverer.

Weiter gibt es Szenen, in denen ein Überleben Mills‘ einfach nur unrealistisch erscheint und die kurze Auflösung, wie er aus dieser Situation entkommen konnte, gleicht einem Ammenmärchen.

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Nun ist Liam Neeson auch nicht mehr der jüngste und das merkt man ihm leider an. Er wirkt schwerfällig, bei weitem nicht so fit, wie es seine Figur sein soll. Im Film liefert er sich ein Rennen mit der Polizei in dezenter Parcour-Manier – unglücklicherweise wirkt es auf den Zuschauer jedoch, als hätte er gegen den ihn verfolgenden jungen Polizisten faktisch keine Chance und entkommt ihm doch immer wieder.

Das exzellente Verhältnis zwischen Vater und Tochter wird vergebens versucht zu bestellen. Da Vater und Tochter im Film kaum Kontakt haben (können), soll eine Schwangerschaft der Tochter das enge Verhältnis hervorrufen. Leider tut der Umstand der Umstände für die Story gar nichts und wird auch nicht weiter genutzt, außer am Ende zu zeigen, was für ein liebevoller und verständnisvoller Vater dieser harte Kerl Mills im Dunstkreis seiner Tochter ist.

Berechenbarkeit spielt eine große Rolle und leider ist auch die Story vorhersehbar. Der eigentliche Bösewicht in diesem Teil ist der Stiefvater; neue Mann der toten Ex; Konkurrent im Rennen um ihr Herz. Im Moment der großen Enthüllung hat der clevere Zuschauer das ganze Konstrukt schon längst durchschaut. Auch hier schaffen es die Filmmacher nicht, den Spannungsbogen richtig aufzubauen und auszunutzen.

Positiv aufgefallen ist mir die Höflichkeit im Film. Wirklich! Die Leute sind unglaublich höflich. Waffe in der Hand, aber für ein Bitte und Danke ist immer Zeit. Auch der nette Gruß an die Familie nachdem der Buchhalter erschossen wurde, wirkt authentisch. Die Story mit dem Buchhalter scheint nur Füllmaterial zu sein – zu dieser Eingangszene gibt es dann nämlich auch keinerlei Bezug mehr. Mir tut er leid – ganz umsonst gestorben. Die Bösewichte haben sogar Charme. In der Szene, bevor Mills die Russen im Shop außer Gefecht setzt, besticht einer der Jungs bei der Kassiererin mit einem sehr süßen Flirt und hat ihr sicher den Tag erhellt.

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Stoppen wir an dieser Stelle und verraten nicht zu viel.. Zusammenfassend ist zu sagen, dass man der Trilogie leide anmerkt, dass sie gar keine ist oder sein sollte. Man hat sich hier einfach am Erfolg des ersten Filmes gelabt und einen zweiten hinterhergeschoben. Da sich auch mit diesem Geld verdienen ließ, schrie die Sache nach einem dritten Teil. Das Laster der Trilogien, schon immer gewesen, sie schwächeln mit jedem Film.

Tak3en kann man sehen, muss man aber nicht. Ich fand die Unmengen an schnellen Bildwechseln teils sehr anstrengend. Zum einen sieht man kaum etwas; also meine Äuglein kommen nicht wirklich hinterher und es gehen Informationen verfloren – vielleicht ist das aber auch die Taktik, um von den nicht zu Ende gedachten Szenen abzulenken. „Wie kam der jetzt dahin?“

Natürlich hängt Mills ein Cop an den Fersen, der sich schwer damit tut, hinter die Fassade zu blicken und sich am Ende darüber freuen kann, dass sein Fall gelöst wurde und Mills ihm den Täter auslieferte. Auch diese Figur kommt weit zu kurz und hätte mehr Potenzial. Wenn jemand Schach spielt und weiß, warum er ständig mit einem Springer spielt, schreibt mir die Symbolik des Springers doch einmal in die Kommentare – vielleicht ist es auch ganz leicht und ich habe es nur nicht verstanden, weil ich kein Schach spielen kann. Aufgefallen ist es mir; verstanden habe ich es nicht. [Vielleicht ist es auch gar kein Springer, sondern Manuel Neuer?]

Das Ende lässt mir auch eine große Frage offen: Kommt noch was? Es bietet Möglichkeit für einen vierten Teil.. aber, ob wir den sehen möchten?

Fazit: Wer dieser Tage gerne ins Kino möchte, findet mit den anderen Filmen vermutlich etwas besseres. Für einen Abend Zuhause mit einem Actionfilm, taugt er durchaus. Er ist nicht langweilig; die Szenen überraschen nicht, unterhalten aber und man kann auch nach einem anstrengenden Arbeitstag noch ganz gut folgen. Potenzial wurde leider nicht genutzt und Liam ist zwar ein toller Actionschauspieler, würde sich aber mit einer Gentlemen-Agent-Ich-Mach-Dich-Locker-Kalt-Und-Mix-Mir-Noch-Nen-Drink-Rolle einen größeren Gefallen tun, als mit dieser Junger-Über-Zäune-Hüpfer-Weichspüler-Vati-Agenten-Figur.

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