{Lifestyle} Schönheitsoperationen – Würdest Du?

Es gibt klassische Tabuthemen in unserer Gesellschaft und das eigene Aussehen, genauer gesagt die Unzufriedenheit damit, steht ganz klar hinter Politik, Gesundheit und Religion mit an den ersten Stellen. Man sagt nicht offen, wenn man unzufrieden ist und schon gar nicht, dass man etwas hat künstlich verändern lassen.

Hinter vorgehaltener Hand tuschelt die Gesellschaft über die neue Nase, die unnatürlich stehenden Brüste oder die kaum noch bewegliche Stirn. Dabei ist eben diese Gesellschaft oft größter Kunde und lautester Heuchler in Sachen Schönheitsmodifikation. Wer etwas hat machen lassen, kann nicht offen dazu stehen – die Gefahr durch den Kakao gezogen zu werden ist einfach zu groß. Andere Kulturen sind da schon viel weiter.

Dabei sind Schönheitsoperationen eine grundindividuelle Entscheidung, für welche sich niemand rechtfertigen bräuchte.

PlasticSurgery

Gesellschaftliches No-Go

Alle sind sich einig: „Sofern es etwas ganz dringendes ist, sollte es gemacht werden – weil es die Gesundheit gefährdet; weil es Lebensqualität schafft; weil es medizinisch notwendig ist.“ Dient es rein der Optik, Verschönerung oder Verbesserung ist es unehrenhaft. Wer mit seiner Nase nicht zufrieden ist, hat ein Selbstwertproblem. Ein gesundes Selbstbewusstsein wächst nicht durch ein Polifting. Größere Brüste machen dich auch nicht glücklicher!

Moralapostel, die sich herausnehmen über die Gefühle anderer zum eigenen Körper, die Einstellung zur individuellen Außenwirkung oder allein dem Wunsch nach Veränderung zu urteilen, haben für mich das größere Problem. Wir wollen die Menschen so nehmen, wie sie sind, schaffen es aber nicht, ihre persönlichen Wünsche zu akzeptieren, obwohl sie nicht unserer eigenen Überzeugung entsprechen, jedoch niemandem schaden.

Würde ich?

Ein klares: Ja! Ich würde nicht nur, ich werde vermutlich auch mit hoher Wahrscheinlichkeit. Ich bin der Meinung, man muss die Dinge nicht nehmen wie sie kommen, sofern man sie problemlos verändern kann. Wenn ich entscheide, etwas an mir zu verändern, stört das doch niemanden. Wenn ich abnehme ist das doch auch eine Veränderung meines Körpers und würde ich jetzt 25 Kilo abnehmen und ein Vorher-/Nachherbild online stellen, würde es Komplimente hageln. Würde ich jetzt zum Friseur gehen und mir die Haare abschneiden und färben lassen, gäbe es vermutlich auch viel Zuspruch. Warum darf ich also Fettpolster oder Haare verschwinden lassen, nicht jedoch einen Huckel auf der Nase? Ist eine strenge Diät und die regelmäßige Überanspruchung meiner Muskeln beim Sport oder das Zerstören meiner Haarstruktur durch zu heißes Stylen oder die falsche Pflege nun weniger schlimm, als ein chirurgischer Eingriff? Ein Eingriff, der von einem Profi getätigt wird, wohingegen ich bei vielen Diäten und Sportprogrammen, die ich so sehe, oft nicht davon ausgehen kann, dass da fachliche Eignung hintersteckt? Sind offensichtliche Eingriffe mit schnellem Resultat und Dritteinwirkung also schädlicher als langsam voranschreitende Veränderungen, die still und heimlich für andere unsichtbar im eigenen Körper stattfinden?

Nun, ich denke nicht. Mich stört seit der großen Abnahme vor ein paar Jahren diese Masse, die an mir hängt. Trotzdem ich wieder zugenommen habe, hat sich mein Körper nicht mehr in die gleichen Ausmaße entwickeln, wie beim letzten Mal bei diesem Gewicht. Meine Oberarme sind zu massiv für die meisten Ärmel in meiner Größe – hebe ich sie, könnte man aus dem herunterhängenden Fett- und Hautteil glatt noch einen weiteren Arm formen. Gleiches gilt für die Beine. Der Bauch war schon immer ausladend, stand jedoch immer wie eine 1. Mittlerweile hängt er und liegt auf; ist zu weich und einfach nicht, was ich als schön empfinde. Diese drei Körperteile werden also zu gegebener Zeit und monetärer Kraft verändert werden. Von alleine ist mein Körper nicht mehr in der Lage diese Massen zurückzubilden. Das Ausmaß ist jedoch bei weitem nicht so, wie bei den vielen Berichten, die man so sieht und liest, so dass viele sagen würden: Das bisschen! Da ist doch nix bei!

Auch die Rückentitten werden irgendwann dem Messer zum Opfer fallen und wenn mir danach ist, werde ich wohl auch noch die Brüste machen lassen und vielleicht wirklich die Nase und dass meine Unterlippe in der Mitte statt voller dünner wird als an den Rändern stört mich auch. Vielleicht werde ich mich aber auch mal Liften lassen und die Lider straffen – und und und. Und warum? Weil ich es kann. Weil ich mir bewusst darüber bin, dass am Ende eine Donnatella, ein Harald oder ein Mickey dabei rauskommen könnte.

Akzeptanz vs. Individuum

Dann war das aber auch meine bewusste Entscheidung. Da bin ich dann einfach selbst Schuld und muss die Verantwortung dafür übernehmen. Ich, als mündiger Mensch und ohne dafür als Zielscheibe für andere herhalten zu müssen. Akzeptanz ist nicht auf Natürlichkeit beschränkt – sie erfasst den Menschen in Gänze, mit all seinen Fehlern – gottgegeben oder selbst herbeigeführt.

Ich denke, jeder, der gegen Schönheitsoperationen ist, ist verpflichtet die Meinung der Befürworter ebenso zu akzeptieren, wie er möchte, dass seine Abneigung wahrgenommen wird. Der einzige Mensch, der berechtigt ist, über meine persönlichen Entscheidungen zu urteilen, bin ich selbst – in jeder Hinsicht. Jedem sollte es freistehen, ohne Ablehnung fürchten zu müssen, über seinen Körper frei entscheiden zu können.

So sehe ich das.. Und Ihr? Habt Ihr eine andere Meinung? Lasst sie ruhig da und vielleicht können wir uns ein wenig in gegenseitiger Akzeptanz üben🙂

5 Gedanken zu “{Lifestyle} Schönheitsoperationen – Würdest Du?

  1. Ich bin prinzipiell nicht gegen Schönheitsoperationen, jedem das seine, hab schliesslich auch jahrelang ne Zahnspange getragen und sowas ist mehr als gesellschaftlich akzeptiert währen bei OPs immer noch die Nase gerümpft wird. Ich könnte mir auch vorstellen, bei mir das ein oder andere machen zu lassen. Allerdings kenne ich auch mehrere Personen die sich ein- oder mehrfach haben operieren lassen und zu glauben, dass eine OP glücklicher macht, ist natürlich ein Trugschluss. Genauso, wie man denkt: wenn ich mir diese Tasche oder jenes Kleid kaufe, dann bin ich viieel glücklicher. Ist natürlich Quatsch! Das gibt einem für kurze Zeit eine Genugtuung oder Befriedigung. Ausser vielleicht, es handelt sich um wirklich schlimme Makel wie Narben, Verbrennungen, Verformungen und da sehe ich ehrlich gesagt bei Dir keinen akuten Fall vorliegen. Ob man das Geld nicht lieber für einen Hammer Urlaub ausgeben möchte anstatt für neue Titten…das ist jedem selbst überlassen. Aber sich selbst akzeptieren so wie man ist (mit Ernährungsumstellung und Sport kann man ja ne Menge reissen) und nen geilen Urlaub würde ich momentan bevorzugen.
    xx, Sarah

    • „glücklich machen“ sehe ich auch wie du; es kann nur unterstützen was schon da ist und wenn eine gewissen zufreidenheit nicht als basis existiert, kann auch nix glücklich werden..

  2. Eigentlich war ich ja auch immer ein Verfechter der „nur was absolut sein muss“ Theorie aber was du sagst von wegen was ist an abnehmen oder Haare färben anders als an Nase richten lassen hat schon was. Natürlich soll da jeder selber über seinen Körper entscheiden aber für mich kämen 99% der Schönheitsops dennoch nicht in Frage. Aber auch da würde ich unterscheiden: Ist es etwas das man selber nicht ändern kann, z.B. krumme Nase, oder ist es etwas das man zwar schon selber ändern könnte, jedoch nicht die Kraft dafür aufbringen kann, z.B. abnehmen durch Magenverkleinerung. Ich würde nämlich dann befürchten, dass wenn man es sich zu einfach macht, man nichts aus der Sache lernt und sein neues Aussehen nicht so genießen kann, als hätte man es selber erreicht. Jemand der durch harte Arbeit 50 Kilo abnimmt sagt doch viel eher „So dick will ich nie mehr werden“ als jemand der nach einer Magenverkleinerung 50 Kilo verloren hat weil er einfach keinen Hunger mehr hatte.
    Vielleicht würde ich aber auch anders denken, wenn ich ein Schönheitsmakel hätte, welches nur noch durch eine OP zu bereinigen wäre.
    Ich habe dir übrigens auf deinen Kommentar auf meinem Blog gleich dort geantwortet🙂
    xx

    • „vielleicht würde ich anders denken, wenn ich einen schönheitsmakel hätte“ – das ist genau das problem. jeder, der (nicht nur bei schönheits ops) nachvollziehen kann, wie etwas für einen anderen ist, bringt mehr verständnis auf – wer nicht weiß, wie sich bestimmte dinge anfühlen, kann nicht mitreden. ich bin wie du der meinung, magenverkleinerungen müssen nicht sein; anne ist das beste beispiel dafür, dass man auch mit 260 kilo auf natürlichem wege abnehmen kann. es ist dann eher eine sache von motivation und disziplin, an der gearbeitet werden muss. aber so oder so – es gibt viele unnötige operationen; aber es gibt auch verdammt viele unnötige andere dinge im zusammenhang mit schönheit.. wir können uns dabei nur unseren teil denken und wenigstens versuchen zu verstehen, statt zu verurteilen. vielen dank für deinen kommentar!

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