{Lifestyle} Dicke Kinder sind nicht selber Schuld

Wie ist das eigentlich als dickes Kind aufzuwachsen? Ist das Kind selber Schuld an seinem Übergewicht? Warum ist „gut gemeint“ oft der falsche Ansatz?

Unwissenheit und falsche Entscheidungen der Eltern wiegen schwer auf so einem kleinen Kinderrücken und bis es in der Lage ist sein Leben und seine Ernährung selbst in die Hand zu nehmen, ist das Kind nicht nur in den Brunnen gefallen, es kommt auch nicht mehr raus, weil es zu fett für die Öffnung geworden ist.

Ich hatte schon seit einer Weile die Idee mal einen Beitrag darüber zu schreiben, wie es ist als dickes Kind aufzuwachsen und warum man bei aller Liebe zu den Eltern im Bezug auf das eigene Leben doch eine Art Hass zu ihnen empfindet – aus Respekt vor meinen Eltern habe ich das jedoch nicht über’s Herz gebracht. Zu sagen: „Mutter, du bist Schuld, dass ich so bin und Papa, du warst nicht da um es zu ändern“ ist einfach nicht leicht, wenn man seine Eltern mag.

Anne hatte jedoch den Mut und ich habe mich in vielen Punkten wieder erkannt. Glücklicherweise musste ich nur, nennen wir es, „normales“ Mobbing in der Schule und bei anderen Kindern erleben, aber diese nette Kurgeschichte beispielsweise habe auch ich vorzuweisen. Es gibt viele Punkte in denen ich nur zustimmend nicken kann und im Gegensatz zu ihr, habe ich mich bis heute nicht getraut zu meinen Eltern zu gehen und zu fragen: „Warum habt ihr das denn damals so gemacht?“ – ich werde es vermutlich auch nicht machen; alte Wunden aufreißen ändert die Gegenwart nicht.

Für jeden, der Kinder hat oder vorhat welche zu bekommen: Schaut Euch das Video mal genau an und guckt Euch vor Allem die Tränen in ihren Augen an und wenn Ihr dann als Eltern entscheiden müsst, wie Ihr Euer Kind ernährt oder wie Ihr sein Leben gestaltet, denkt noch einmal daran, bevor Ihr Eure Entscheidungen fällt. Kinder müssen nicht dick sein, so lange nicht medizinische Gründe dahinter stehen.

Junge Eltern bekommen in teuren Geburtsvorbereitungskursen Grundlagen beigebracht, um das Kind in den ersten Monaten nicht versehentlich umzubringen [Klingt hart, aber im Grunde ist es das] – warum kann man dann nicht auch eine Art Pflicht einführen, sie zu einem, wie ich finde, fast wichtigeren Kurs zu schicken: Ernährung? Viele sind heute nicht mal mehr in der Lage sich selbst vernünftig zu ernähren, kaufen Industriemüll in Massen. Wie sollen sie dann also diesen kleinen Kinderkörper optimal versorgen; kaufen in Unmengen den nährstoffhaltigen Müll in kleinen bunten und überteuerten Verpackungen ab dem 3. / 12. oder 15. Monat und denken ernsthaft ihrem Kind mit „Frühstücksbrei“ oder „Gute-Nacht-Brei“ etwas Gutes zu tun, anstatt sich selbst etwas gesundes zu kochen und es babygerecht/kindgerecht aufzubreiten.

Als Erwachsener hat dieses kleine dicke Kind von damals so gut wie keine Chancen mehr. Sei es, um das Übergewicht loszuwerden – das geht, dank des Wachstums, in der Kindheit noch relativ leicht; gestaltet sich jedoch ausgewachsen und nach 20 oder 30 Jahren pure Gewohnheit für den Körper als pure Qual / sei es auf dem Arbeitsmarkt, weil die (früh-)kindlichen Erfahrungen nur bei sehr starken und intelligenten Charaktären zu einer vollen Ausschöpfung der Bildungsmöglichkeiten führen und der Glaube an die eigene Person nicht voll ausgeprägt werden kann / sei es zwischenmenschlich, weil die Erfahrungen mit anderen Menschen diese kindliche Unvoreingenommenheit und offene Art mit anderen zerstören / (…)

Kinder sind zu 100% von Erwachsenen abhängig, physisch und psychisch.

 

2 Gedanken zu “{Lifestyle} Dicke Kinder sind nicht selber Schuld

  1. Hallo Romy,
    Vielen Dank für diesen Blog, auch das Video hat mich nur zu gut an früher erinnert.
    Bei mir ist es ähnlich: meine Eltern haben mich falsch ernährt, mir ein falsches Essverhalten vorgelebt (mein Vater isst immer noch zu viel und ungesund während meine Mutti nur an ein wenig Ananas rumknabbert).
    Damals habe ich mit 14 selbst entschieden, dass ich abnehmen will und hab es auf die einzige Art, die mir damals bekannt war getan: Iss die Hälfte. Wohlgemerkt ohne Sport oder Ernährungsumstellung oder ärztliche Kontrolle. Es hat funktioniert und ich nahm ab, aber ich wollte immer mehr. So das ich irgendwann anfing gar nicht mehr zu essen oder einen Apfel zu essen nach 1 Stunde Crosstrainer (wenn ich es mit erarbeitet hatte). Erst dann wurden meine Eltern aufmerksam, aber wollten mir dann wieder ungesundes essen geben zum „aufpäppeln“. Irgendwann hab ich es allein geschafft aus diesem Teufelskreis zu entkommen nach vielen Jahren, aber nach meinem Studium entschied ich mich wegzuziehen, weil ich einfach nicht verstehen kann wie meine Eltern mir all das antun konnten. Dein Text und das Video haben mich wirklich total bewegt – vielen dank!!!

    • liebe(r?) alex, ich glaube jedes (ehemals) dicke kind kann sich darin wieder erkennen und das finde ich unglaublich traurig – vor allem, weil viele eben nicht stark genug sind, sich eine gesunde ernährungsweise anzunehmen; es gehtd ann entweder in das eine oder das andere extrem. ich esse auch nur ganz selten noch bei meinen eltern; gestern erst wieder und ich konnte nicht anders als das gesicht zu verziehen, weil meine mutter nur mit maggi oder knorr tüten kocht und das zeug einfach abartig schmeckt / damals habe ich es geliebt..
      behalte immer einen guten und gesunden weg bei! viele liebe grüße!

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