{Lifestyle} Hardgainer, Softgainer, Stoffwechselgähner?

„Ich nehme einfach nicht zu, egal was ich mache!“ – diesen Satz haben wir eigentlich alle schon einmal gehört. Ebenso wie „Ich brauche das Essen nur ansehen und habe es direkt auf den Hüften!“. Zunehmen, Abnehmen, Abnehmen, Zunehmen, Muskeln hier, Definition da, runder Po, flacher Bauch, runde Schultern – der Kröperkult der 80er ist zurück und wenn nicht sogar härter. Wer seinen Körper „transformieren“ möchte stößt schon sehr früh auf die Situation sich einer Gruppe zuordnen zu müssen: Hardgainer, Softgainer oder Mesomorph. Doch auch all jene, die einfach nur den lästigen Speck an den Hüften verlieren möchte, beschäftigen sich damit. Und dahinter steckt eigentlich kein großes Geheimnis, sondern einfach nur Veranlagung, Stoffwechsel und die Frage, was ich machen kann, wenn ich die Stoffwechselarschkarte gezogen habe.

Pic by arevolutiontraining.wordpress.com

Ein wenig Theorie

Ein schlauer Arzt hat in den 40er Jahren Menschen in Körpertypen eingeteilt – noch schlauere Ärzte haben das mittlerweile widerlegt, aber seine Theorie hält sich in der Fitnesswelt ganz wacker. Dabei ist es eigentlich egal, ob man nun denkt, es gibt tatsächlich Hardgainer mit langen Armen und Softgainer mit kurzen Beinen oder jeder Körper funktioniert gleich und es gibt keine Unterschiede. Fakt ist: Es gibt Menschen, die können sich alles reinschieben, während andere streng Diät halten müssen um nicht zuzunehmen. Daran gibt es auch nichts zu rütteln; das lehrte man uns schon in der 5. Klasse.

Hardgainer werden all jene genannt, die schier nichts ansetzen – weder Fett, noch Muskeln. Ihr Stoffwechsel arbeitet derartig schnell, dass der Körper kaum Möglichkeit hat Fettdepots anzulegen und auch Muskeln wachsen nur schwer. Sie seien in der Regel groß und schlacksig. Das Spielkind ist so ein Hardgainer und schickt mir regelmäßig Fotos von seinen kleinen „Snacks“ zwischendurch. Würde ich diese „Snacks“ als Zwischenmahlzeit essen, könnte ich mich wohl rollen; die entsprechen teilweise schon dem was ich pro Tag essen kann.

Ich gehöre nämlich zur Gruppe der Softgainer. All jene, die sich die Mahlzeiten einfach direkt an Bauch, Po und Arme kleben könnten, denn da landen sie eh zum Großteil durch den extrem faulen Stoffwechsel, der noch nicht verstanden hat, wofür er eigentlich da ist. Schon kleine Mengen reichen um Gewicht zuzunehmen. Sie waren die Superhelden in der Steinzeit und starben erst zuletzt – schön.. für damals. Softgainer können zwar genauso leicht Muskeln aufbauen wie Fettpolster, aber für eine normale Figur ist eine enorme Disziplin nötig.

Glücklich sind all die mesomorphen Typen, die Normalgainer – der Stoffwechsel arbeitet in einem normalen Tempo und ist ausgeglichen zwischen Aufbau und Verwertung. Das wäre unser DGE-Mustermännchen mit seinen 2.000 – 2.500 kcal pro Tag, by the way.

Den Stoffwechsel ankurbeln

Doch wie es weder nur schwarz noch weiß gibt, gibt es nun einmal nicht nur Normalgainer. Ich wurde dafür angegriffen, dass ich maximal an großzügigen Tagen 1.300 kcal pro Tag zu mir nehme – ich bräuchte ja 2.000; steht ja so in der der DGE-Broschüre. Das Problem an der Sache: führe ich mir einen derartig hohen Energiewert zu, brauche ich keine Waage mehr – ich kann zusehen wie die Fettpolster wachsen. Um mein Gewicht zu halten, bei dem aktuell möglichen Bewegungspensum, bekomme ich schon bei 1.400 kcal pro Tag Probleme – und ich bin jeden Tag körperlich aktiv. Ich habe vermutlich sogar zwei Stoffwechselarschkarten; eine Reserve falls ich die andere verliere, oder so.

Es gibt also nur eine Möglichkeit die Sache in den Griff zu bekommen, ohne Mittag und Abend nur noch Salatgurke kauen zu können, wenn es mal ein gutes Frühstück gab: Dieser faule Drecksack Stoffwechsel muss seinem eigenen inneren Schweinehund mal kräftig in den Hintern treten und aktiver werden. Ich weiß jetzt nicht, wie das bei Euch ist, aber mein Stoffwechsel und ich, wir sprechen verschiedene Sprachen – zumindest versteht er nichts von dem, was ich ihm sage.

Wer nicht hören will, muss fühlen. Jeder Typ kann seinem Stoffwechsel einen kleinen Schubs in die Mainstreamrichtung geben. Aber, was können wir Softies denn nun tun?

  • Viel natürliches Wasser
    Ja, das sagt man uns zu allem. Hintergrund ist aber, dass Wasser unseren Zellen die nötige Basis bietet zur effektiven Arbeit. Den Artikel zum Wasser trinken könnt Ihr –> hier noch einmal nachlesen. Zur Anregung des Stoffwechseln sind dann jedoch größere Mengen nötiger.
  • Verbrauchen, was aufgenommen wird und vielleicht ein bisschen mehr
    Ganz logisch eigentlich: Was rein kommt, muss auch wieder raus und so ist Sport und Bewegung essenziell. Wer mehr verbaucht als er aufnimmt, nimmt ab. Wer keinen Bock auf Sporteinheiten hat, muss sich im Alltag behelfen und versuchen hier mehr Bewegung einzubauen. Wie das geht, konntet Ihr –> hier schon einmal nachlesen. Je höher der Muskelanteil, desto effizienter die Fettverbrennung – das ist kein Geheimnis und da wir das wollen, Arsch hoch!
  • Eine gesunde Lebensweise ist die halbe Miete
    Jede optimierte Ernährung und jedes Sportprogramm bedeuten nichts, wenn Ihr wenig schlaft, viel Alkohol trinkt oder alle 2 Stunden die Fluppe in der Gusche habt um Stress abzubauen. Gegen gelegentliche Cocktails und durchfeierte Nächte sagt ja keiner was, wir wollen ja auch noch Spaß am Leben, aber Maß, statt Masse und ich meine nicht das Bierglas!
  • Mehrere kleine Mahlzeiten
    Große und energiereiche Mahlzeiten führen zu einer vermehrten Einlagerung von Fett, da der Körper ja in dem Moment mehr bekommen hat, als er brauchte und zu wenige Kalorien führen auf Dauer ebenfalls zur Einlagerung von Kohlenhydraten als Fett, um Hunger zu umgehen. Ein gutes Gleichgewicht zwischen Menge und Energie sowie Mahlzeitenhäufigkeit kann helfen, dem Körper zu signalisieren den Stoffwechsel anzugleichen. Das gelingt am besten mit der sog. „Basischen Ernährungsweise“.
  • Flohsamen
    Nein, Ihr sollt keine aufstrebenden Flohbabies essen – die heißen nur so. Flohsamen sind reich an löslichen Ballaststoffen. Das bedeutet, sie nehmen sehr viel Wasser im Körper auf und reinigen unser Verdauungssystem effektiv. Wie das funktioniert könnt Ihr –> hier nachlesen. Leinsamen, Kleie, … es gibt noch mehr davon. Aber Achtung: wer nicht genug dazu trinkt, macht auf der Toilette ein komisches Gesicht!
  • Globuli
    Globuli.. muss man dran glauben, denke ich. Es gibt aber viele Menschen, denen die Homöopathie hilft und die mit Globuli gute Erfolge erzielen können. Sie schaden dem Körper nicht und sind durchaus einen Versuch wert!
  • Cheat Days und Cheat Meals
    Auch hiervon kann man halten, was man will. Wer sich bereits in einer Diät befindet, muss aufpassen, seinen Körper nicht in den sog. Hungermodus zu schicken. Bei Sportlern sind daher die Cheat Days oder Cheat Meals sehr beliebt. Das bedeutet, der Körper wird einen Tag/eine Mahlzeit lang aus seiner Diät geholt und bekommt wonach der Kopf (!) verlangt. Es gibt Menschen, die ziehen sich an dem Tag jeden Müll rein, den sie in die Finger bekommen und schaffen es mit 5.000 – 8.000 kcal  an diesem einen Tag den ernährunsgtechnisch größten Schrott zu futtern, der ihrem Körper definitiv nicht gut tut. Andere gehen das cleverer an und gönnen sich einfach nur etwas, ignorieren Kalorien und achten dennoch auf ein gewisses Maß. Pizza nicht zum Frühstück, nur eine halbe Packung Eis und zwei Bier befriedigen genauso wie acht. Jeder, wie er kann (siehe die Hard-/Softgainer-Theorie). Der Körper braucht etwa einen Monat zur Umstellung des Stoffwechsels; jede Woche ist so ein Tag also nicht nötig. Softies, wie ich, bräuchten eh fast die ganze Woche, um die Einlagerungen des einen Tages wieder loszuwerden – ein Nullsummenspiel also. Für mich reicht daher eine Mahlzeit nach Begebenheit (zum Beispiel mal Kuchen bei Oma, ein ausgiebiges Sonntagsfrühstück, etc.) – Cheat Meals und Cheat Days muss jeder für sich persönlich entscheiden und Euer Körper sagt Euch schon, ob und wie er die will.

Fazit

Wir müssen uns nicht mit schlechter Veranlagung und trägem Stoffwechsel zufrieden geben. Ohne Einsatz und Investition ist jedoch nichts zu machen; von nichts kommt nichts! Es gibt einfache und schnelle Tricks und es gibt zeitintensive Kniffe. Was schnell und einfach geht, schafft aber auch nicht so viel; dessen muss man sich bewusst sein. Manch einer muss einfach mehr tun als der andere.

Ich halte es außerdem für wichtig, sich bewusst zu machen, dass der Mensch nicht gleich ist. Lasst Euch nicht von anderen erzählen, was Ihr angeblich falsch macht – wenn es für Euch funktioniert, ist es gut. Es ist als Softie schier unmöglich in „normalen“ Größen abzunehmen; Ihr braucht halt länger und mehr Disziplin. Und die anderen: Versucht nicht jemandem Eure Meinung zu seinem Körper aufzuquatschen. Ihr könnt Hinweise geben und Tipps, aber steht da ein Softgainer vor Euch und müht sich in einem Monat ein halbes Kilo runter, demotiviert ihn nicht mit der tollen Geschichte Eurer Normalgainerfreundin, die einfach etwas nachlässig war in den letzten Jahren und mit „Kalorienzählen für Mathefaule“ aka Weight Watchers in drei Monaten fünf Kilo verloren hat. Gut gemeint ist nicht immer gut gemacht! Helft ihm eher damit, dass Ihr Euch vor ihm auch nur einen Salat bestellt und nicht das saftige Steak, dass er auch gerne hätte – danach könnt Ihr ja noch einen Burger holen, wenn er das nicht mehr sieht. Und wenn Ihr denkt, der tut zu wenig, geht halt lieber mit ihm zum Klettern oder Paintball statt ins Kino..😉

4 Gedanken zu “{Lifestyle} Hardgainer, Softgainer, Stoffwechselgähner?

  1. Ich kann Dich so gut verstehen, ich hab nämlich auch die Stoffwechselarschkarte. Wenn ich nicht aufpasse, nehm ich gleich zu, ich muss sau aufpassen, damit das nicht passiert und um abzunehmen brauch ich eeeeewigkeiten. ein kilo pro monat wenn überhaupt. und am besten sind die tips derer, die sich schön schoki und dergleichen reinziehen: am besten ist, gar nicht allzu viel drauf zu achten, ernähr dich einfach ausgeglichen blah…nein, das funktioniert nämlich NICHT bei allen gleich gut!
    xx, Sarah

    • oh ja, das geht mir auch immer tierisch auf die eier: „du solltest vielleicht deine ernährung umstellen und etwas sport machen; dann geht das ganz einfach“ – ich habe mir aber dabei auch abgewöhnt den leuten fröhlich höflich für ihren tollen tipp zu danken; ich finde, man muss einigen mal sagen: klugscheißer mag keiner.
      mich macht es auch immer extrem wütend, wenn ich von irgendwem höre „hab wieder zwei kilo abgenommen“ und aber genau weiß, was der mensch isst und wie wenig er sich bewegt.. aber gut, so ist das halt..

      • ja aber die glauben einem dann eh nicht weil sie denken: einfach mal die gummibärchen weglassen…naja, wenn die zombie-invasion kommt überleben wir halt etwas länger😉

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