{Sonntagskolumne} Was sind viele Bouletten hinter’m Lenkrad?

Neulich, Tinchen und ich waren wieder schön Shoppen und auf dem Weg zu ihr nach Hause, sahen wir nur Absperrungen vor uns und wurden von einer anderen Autofahrerin gefragt: „Mädels, habt Ihr irgendwelche Umleitungsschilder gesehen?“ und wir nur so.. „Nöö!“.

Schon immer wollte ich mal alle kleinen Seitenstraßen in der Berliner Innenstadt abfahren und mal gucken, wo man da so am besten wenden kann. Seit ich den Führerschein habe, träume ich nur davon! Wirklich! Und endlich wurde mein Traum wahr. Um 16 Euro Parkgebühr ärmer, machten wir uns auf den Weg von Westberlin in den schönen Osten. Wir kamen keine fünf Minuten weit. Der Berlin Marathon forderte seine Opfer in Form von Autofahrernerven. Für eine Strecke von vielleicht einem Kilometer, ganz großzügig geschätzt, brauchten wir eine gute Stunde.

In dieser Zeit lernten wir jede Art von Autofahrer kennen: der gechillte, der gelangweilte, der nervöse, der aggressive, der rücksichtsvolle, der rücksichtslose, der orientierungslose und der Autofahrer mit ganz viel Navi im Kopf. Wenn man als Brandenburger in Berlin mit dem Auto unterwegs ist, ist alles gut, solange der Verkehr rollt. Sollte sich nur irgendetwas ändern, ist der allgemeine Berliner; auch liebevoll vom Brandenburger „Boulette“ genannt, heillos überfordert. Das stellt man schon im Sommer fest, wenn sie mal außerhalb ihres geliebten Molochs auf Straßen ohne Fahrbahnmarkierung, Kreuzungen mit abbiegender Vorfahrtstraße oder Ampeln ohne Rechtsabbiegerspur treffen. Als mitdenkender und vorrausschauend fahrender Brandenburger kann man sich einfach nur an den Kopf fassen und hoffen, das Auto ohne Beulen noch bei Tageslicht über den ehemaligen Antifaschistischen Schutzwall zu bekommen.

Menschliche Dramen spielten sich da teilweise vor uns in den Autos ab. Gekrönt von einer Frau, rasend vor Wut aus dem Auto springend, die Beifahrertür zuknallend und weinend einfach loslaufend; einige zögerliche Sekunden später von der Tochter gefolgt und vom Freund/Mann/Übeltäter Bösartigkeiten hinterhergerufen bekommend. Was da vorgefallenen sein muss, interessiert mich ja schon. Die Stadt stinkt wie die Pest, was die allgemeine Boulette nicht mehr riecht, und da bin ich froh doch im Auto sitzen zu können und würde es nur bei wirklich wirklich bösem Ärger verlassen und laufen.

Irgendwann schafften wir es.. na, nicht irgendwann, drei Stunden später, über einen großen Umweg durch den Norden Berlins, noch an einer fragwürdigen Tankstelle für 12 Cent weniger als Zuhause frisch befüllt, im Osten der Stadt anzukommen. Gott sei Dank haben wir vorher gut gegessen und, um eine Stunde Parkzeit gutgeschrieben zu bekommen, noch etwas zu Trinken gekauft. Wir wären vermutlich jämmerlich verhungert und verdurstet, auf unserer eigentlich etwas mehr als halbstündigen Fahrt.

Was sind viele Bouletten hinter’m Lenkrad?

A – eine Schlachteplatte im Regierungsviertel
B – eine neue psychologische Foltermethode
C – das Negativbeispiel von Smog auf die menschliche Denkfähigkeit
D – GTA 3D

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