{Lifestyle} #ImPerfect – because I am imperfect

In jeder Werbeunterbrechung läuft die Esprit-Werbung #ImPerfect und Models erzählen uns „I am perfect“.. Dahinter steckt die Message, dass jeder perfekt ist, individuell, mit all seinen Unperfektionen. Das scheint eigentlich unnötig; sollte es doch jeder wissen, doch dem ist nicht so.

Viele haben hier und dort Kleinigkeiten, die für sie groß sind. Die sie als unperfekt und störend ansehen. Die Umgebung wird dann nur in einer Weise wahrgenommen: musternd, vergleichend, bewertend.

Dabei wird uns doch versucht einzubleuen uns eben nicht zu vergleichen. Uns zu nehmen, wie wir sind. Wir sind alle toll und alle perfekt und alle genau so wie wir sein sollen. Und doch boomt der Mark der Schönheitschirurgie. Wie passt das zusammen? Wer hat da etwas missverstanden? Wo sind da Fehler in der Gleichung? Ist es vielleicht doch eher Imperfect statt I’m perfect?

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Wie ich das sehe, sehe ich das wohl falsch

Beim Spontanshooting mit dem lieben Christian ist dieses, wie ich finde, tolle Portrait entstanden. Einfach ich, frontal, ohne große Regung – so, wie es natürlich ist. Anfangs mochte ich das Bild nicht wirklich. Es ist eines von den Bildern, die man öfter anschauen muss. Zumindest für mich. Ich kann nicht einmal sagen, was mich daran störte.

Für mich zeigten sich jedoch Kleinigkeiten, die das Gesamtbild störten. Ich hatte einen Pickel, starke Falten an der Stirn, die Lippen wirkten trocken. Ein absolut natürliches Hautbild. Ich setzte mich also hin und ließ erst einmal den Pickel verschwinden. Wenn ich schon dabei bin, können doch auch die Falten etwas geglättet werden. Na, ein wenig aufhellen vielleicht noch, für ein ebenmäßigeres Bild. Ich habe sehr große Poren, die mir dann ebenfalls auffielen und auch diese glättete ich etwas. Die Lippen können auch noch etwas weicher sein.. Am Ende kam das rechte Bild dabei heraus. Ich habe eigentlich nicht viel verändert. Lediglich das Hautbild aufgebessert und schon gefiel auch mir das Bild. Warum?

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Wir bekommen durch Retusche der Medien ein Bild aufgetischt, wie es sein sollte. Kleine Hautunebenheiten, Pickel, Falten, Poren – das sieht man auf keinem Bild in den Medien. Also sehe auch ich mich so nicht. Fotos zeigen mir immer, dass ich ein ganz anderes Bild von mir selbst habe, als es reell ist. Die rechte Dame entspricht schon mehr meinem Bild von mir. Die linke hat Fehler, die ich für mich vor meinem geistigen Auge nicht sehe.

Schönheit liegt im Auge des Betrachters

Der Mensch nimmt das als schön wahr, was ihm zum einen anerzogen wurde und zum anderen seit jeher in ihm verankert ist. Was gilt in meiner Kultur als schön? Schmale Lippen, hohe Wangenknochen, Knopfaugen und buschige Augenbrauen? Vielleicht. Vielleicht auch nicht. Unsere Breitengrade mögen weiche Züge, große Augen, volle Lippen bei Frauen. Sie sollen eine Mischung aus Kindchenschema und Lara Croft sein.

Entscheidender als diese kulturell bestimmten Merkmale ist jedoch die Symmetrie. Jede Kultur hat ihre eigenen Vorstellungen, doch symmetrische Gesichter empfinden alle als schön. Die Attraktivitätsforschung beschäftigt sich seit langem damit. Doch Symmetrie ist kein Garant für Attraktivität.

Ich habe das Portrait einmal genutzt und zwei weitere produziert. Mein Gesicht ist recht unsymmetrisch. Die eine Seite ist weicher als die andere, diese jedoch markanter.

face_symmetricBeide grauen Portraits sind symmetrisch. Theoretisch müssten sie auch gleich schön sein – auch in ihren Unterschieden. Ich muss jedoch ganz subjektiv gestehen, dass ich zwar beide als schön empfinde, jedoch nicht schöner als das Original.

Das Unperfekte macht uns perfekt

Das ursprüngliche Bild (vor der Retusche) besitzt viel mehr Leben als die bearbeiteten. Es wirkt menschlich, nicht puppenhaft. Regungen, Erlebnisse, der Stress der vorangegangenen Woche inklusive zwei Wochen Krankheit haben ihre Spuren hinterlassen. Es ähnelt dem, was wir kennen. Wenn ich in den Spiegel schaue sehe ich genau das. Wenn ich in das Gesicht meines Gegenüber schaue, ist es diese Realität, die ich sehe. Kein Spiegel, keine Brille, keine Luft schafft einen Weichzeichner. Es sind diese unperfekten Züge, die uns ein zweites Mal hinschauen lassen, wenn wir jemanden sehen.

Wir alle kennen sicher das Phänomen, einen wirklich schönen Menschen zu sehen und rein gar nichts dabei zu fühlen. Er oder sie schafft es überhaupt nicht uns zu packen. Wir sehen sie und haben keinerlei Anreiz noch einmal hinzuschauen. Desinteresse ist die Folge. Ihnen fehlt einfach das gewisse Etwas. Ich hatte mal ein Spielkind mit größeren Sommersprossen (ich liebe Sommersprossen) und ein paar davon bildeten die linke obere Lippenkontur. Wie gemalt liefen sie an der Lippe entlang und es hat mich fasziniert! Ich lernte in China jemanden kennen, der durch einen Unfall eine große Narbe auf der linken Gesichtshälfte hatte – die machte ihn so unfassbar interessant, markant und für mich auch wesentlich attraktiver als auf den Fotos vor dem Unfall.

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Perfektion ist langweilig und niemand möchte sich langweilen. Wir haben die Stärke der Individualität durch diese kleinen Dingen, die uns einzigartig machen. Ist es ein kleiner Höcker auf der Nase? Ist es diese kleine Vertiefung im Kinn? Gibt es vielleicht wirklich Narben im Gesicht? Wir haben etwas, dass kein anderer so hat und was uns formt. Es gibt uns Charakter und sorgt dafür, dass man uns wiedererkennt in der Masse der Gleichheit.

Das Foto in der Mitte zeigt, dass die Mischung aus verschiedenen Merkmalen etwas einzigartiges schafft. Macht euch bewusst, was einzigartig an Euch ist. Was habt Ihr, dass andere nicht haben? Sind es vielleicht genau diese Kleinigkeiten, die andere an Euch faszinieren? Waren es vielleicht gerade diese vermeindlichen Fehler, die Euren PartnerIn dazu bewogen haben, noch einmal hinzuschauen? Wechselt die Perspektive und betrachtet Euch aus einem anderen Winkel und vielleicht entdeckt Ihr etwas ganz neues an Euch…

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Vielen Dank an Chris / NikShoots für die tollen Fotos!

Dieser Post ist lediglich durch die #ImPerfect-Kampagne inspiriert.
Es besteht keine Kooperation oder Verbindung mit Esprit.

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