{Sonntagskolumne} Eine Zugfahrt, die ist lustig..

Neulich fuhr ich mal wieder mit dem Zug in die Muddastadt und war schon auf dem Weg zum Bahnhof so: „Och nööö!“

Manchmal muss man sich beeilen und eben dann hat man keine Chance zügig voranzukommen. Erst vergesse ich den Weihnachtsmarkt im Nachbardorf, der dazu führt, dass man dieses Dorf nur in Schritttempo durchfahren kann und dann habe ich eine von diesen Tempoflachpfeifen vor mir, die offenbar der Meinung sind bei zehn km/h weniger als erlaubt einen Unfall ohne Kratzer überstehen zu können.. nein, Leute. Ob Ihr mit 70 oder 100 gegen den Baum fahrt, das Auto wird auf jeden Fall eine Beule davontragen – also Gas! Ich gebe jedoch offen zu, dass mein Getrödel auch etwas dazubeitrug. Ich kam also eins zu eins mit dem Zug am Bahnhof an und konnte noch reinhüpfen.. allerdings auch nur, weil man sich auf die Verspätung der Bahn ebenso verlassen kann, wie auf drei Kilo mehr auf der Waage nach einem Essen bei Oma.

Endlich drin musste ich mich den Unterhaltungen der anderen hingeben, denn Madame hat die Kopfhörer Zuhause liegen lassen. Es stiegen also vier Fußballer hinzu, die sich zuerst über die Jungspunde ausließen.. 18-Jährige als Gegner mit selbst um die 30, das ist schon eine Zumutung. Ich lernte also, dass die Dreißiger zwar Erfahrung mitbringen, die Jungspunde jedoch noch einiges lernen müssten, sie allerdings gnadenlos durch ihre Fitness zu Tode rennen würden und dementsprechend Rennen über Taktik geht und die alten Herren keine Chance haben. Mit diesem Wissen werde ich einfach mal bei der nächsten Mittagsrunde und den Gesprächen der männlichen Kollegen über Fußball glänzen!

Rückzu glänzte auch die Bahn wieder in ihrer Paradedisziplin: Verspätung. Da es mittlerweile auch schon mitten in der Nacht war, dachte ich mit Augenzu und aufs Ankommen warten die richtige Wahl getroffen zu haben. Doch, nein! Der Anzugträger mit Irokesenschnitt und Lebkuchengebäck in der Hand neben mir hatte eine neue Aussicht gefunden und ich fühlte mich leicht beobachtet. Der Zugbegleiter (vermutlich im Feierabend) wechselte die Plätze je nach Menschenmenge um ihn herum und führte dabei Selbstgespräche – muss ein langer Tag gewesen sein. Eine Station später stieg dann eine Gruppe Elterngeneration nach dem Weihnachtsmarktbesuch hinzu und diskutierte über wichtige Themen der Menschheitsgeschichte. Da war es dann wieder, das Thema rücksichtslose Verkehrsflachpfeifen. Sie unterhielten sich eine geschlagene halbe Stunde über Autofahrererlebnisse und wie sie sie gemeinsam in einer Kleingruppensitzung mit ihrem Beifahrer überwunden haben. Bin ich also nicht die einzige, die sich mit Oppas mit Hut im Mercedes getarnt als Frau im Daihatsu herumärgern muss.

Erleichtert, nicht allein zu sein, schloss ich also wieder die Äuglein und kaum entspannt schreckte ich hoch. Der Assi vor dem Anzugträger ließ seine Bierflasche fallen, als er einschlief. Aber, mit diesem sanften Weckruf schaffte er es zumindest, mir das Lichterspektakel außerhalb des Zuges zu zeigen. Das Eis auf der Oberleitung sorgte für grünliche Blitze, die die brandenburgischen Kiefernwälder in den Nordpol verwandelten und Lichterspiele ähnlich den Nordlichtern preisgaben.

Selten gibt es einen Moment, wie diesen einen, der sich scheinbar ewig hinzuziehen scheint und in dem man nur darauf wartet, endlich das eine Haus zu sehen, bei dem man weiß, jetzt kann ich mich endlich anziehen und aufstehen: kurz vor Erreichen des Zielbahnhofes! Doch auch aus dem Zug ausgestiegen, ist man noch im Zug. Gemeinsam mit den Sitznachbarn läuft man die Treppen hinauf, durch die Überführung, die Treppen hinunter zum Parkplatz und findet sich inmitten einer faszinierenen Gruppendynamik wieder. Einer fängt an mit den Füßen über den Asphalt zu rutschen, um das Rutschen zu testen und Dreiviertel der Menschen machen es ihm nach. Eine Geräuschkulisse entsteht, die einem Horrorfilm entsprungen sein könnte. Die Zombies kommen und kratzen alle gemeinsam an Türen, Fenstern und Wänden. Einer diese Zombies kratzte am Vorbeilaufen auch an meinem Auto herum, um zu testen, ob es sich um Eis auf den Scheiben handelt. Vermutlich sind das auch solche Verkehrsflachpfeifen, denn kluge Menschen schließen aus dem wunderschönen Glitzern auf der Straße und dem beuligen Belag auf den Scheiben, dass es sich um Minusgrade, Glätte und Eis handelt. Aber, ich lasse mich gerne eines besseren belehren und davon überzeugen, dass kleine dreijährige Mädchen mit ihrem Glitzerkleber auch einach nur die Welt verschönern wollten.

 

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