{Sonntagskolumne} Veränderungen, die nichts verändern

Neulich unterhielten wir uns über Weihnachten und bei wem was auf den Tisch kommt. Meine Mutter sagte zu mir, ich solle mir Gedanken darum machen, was es bei uns geben wird, wenn die Familie da ist und dachte mir nur so: „Och, nööö!“

Eigentlich wäre die Aufgabe super für mich gewesen. Erst eine tolle Kaffeetafel ausdenken und dann ein schönes Abendessen. Doch mir war schon klar, dass dies reine vergebene Liebesmüh wäre. Ich machte mir also ein paar Gedanken und erzählte, welche Kuchen ich so andachte und meine Mutter wandte ein: „Aber denke dran, dein Bruder braucht einen Erdbeerkuchen!“. Nein, braucht er nicht! Erdbeeren haben keine Saison und er wird ihn nicht vermissen, wenn andere Kuchen da sind. „Dann Kirsche, damit ist er auch zu Frieden!“.. Wir müssen jedem das hinstellen, was er mag, weil er ja sonst nichts anderes anrührt und es werden wieder drei Mal mehr Kuchen auf dem Tisch stehen als Gäste. Ich bin ja dafür, beim Bäcker ein Stück von jedem für jeden zu holen – ist einfacher.

Wir begeben uns also in die Sphäre „Alle glücklich machen“. Ich gab die Kuchendiskussion auf und ging weiter zum Abendessen. Mein Vorschlag: Die Mittagsente auf Abend verlagern, paar mehr Klöße, mehr Grünkohl, noch nen Vogel – fertig. Würde alle glücklich machen und die Arbeit wäre nur halb so viel. Auch darauf antwortete meine Mutter mit Einwänden, warum das nicht ginge und es besser wäre doch wieder Kartoffelsalat zu machen.

In mir drehte sich schon jetzt mein Magen um, bei dem Gedanken daran an Heilig Abend Kartoffelsalat und Würstchen zu essen; am ersten Feiertag dieses heftige Mittag, gefolgt von Kuchen und dann wieder Kartoffelsalat mit Würstchen und da meine Mutter keine Mengenkalkulation kann werden wir auch am zweiten Feiertag Kartoffelsalat mit Würstchen essen und mit ganz viel Glück auch noch danach und ich sehe es schon kommen: Silvester gibt es Kartoffelsalat mit Würstchen (das werde ich zu verhindern versuchen..).

Wir haben also den Anschein gemacht etwas verändern zu wollen und machen doch wieder den gleichen Scheiß wie jedes Jahr. Traditionen sind in gewisser Weise einfach kacke; das muss man jetzt mal so sagen. Ich hasse Weihnachten und vor Allem kann ich es aus kulinarischer Sicht nicht leidern. Jedem ist es zu viel. Die Frauen stehen viel länger als nötig in der Küche. Nur um Gerichte vorzubereiten, die den meisten am Ende Bauchschmerzen bereiten und auf die sie eigentlich gar keinen Bock mehr haben. Es macht fett und träge und ich werde wieder tagelang leiden, weil mein Magen das nicht haben möchte. Aber, wir machen das jedes Jahr so.

Ich weiß schon jetzt, dass es bei mir später keinen Jahreseinheitsbrei geben wird. Wenn stundenlang gekocht wird, dann aber Dinge, die einen auch freuen, wenn sie auf den Tisch kommen. Wahrscheinlich werde ich mir dieses Jahr einfach selber etwas zu Essen machen müssen – das Problem ist nur: Jedes Mal, wenn ich soetwas mache, wollen die anderen das auch essen, weil man ja neugierig auf Neues ist, und dann hatte ich die längste Zeit mal etwas zu essen..

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