{Lifestyle} Generation Beziehungsunfähig vs. Generation HintermMond

Die 30er sind alle beziehungsunfähig – Alle um die 30 wissen ja gar nicht mehr was eine echte Beziehung ist – Generation beziehungsunfähig ist schuld, dass wir keine Rente bekommen werden!

Seit einigen Jahren hallt es mittlerweile durch die Welt. Aus der Generation Y wurde die Generation Beziehungsunfähig. Karrieregeil, unstrukturiert und für den Fortbestand der Menschheit durch den Paarungsunwillen nicht zu gebrauchen, obwohl eigentlich perfektes Genmaterial.

Ich gehöre zu jener Generation und könnte jedesmal explodieren, wenn wieder jemand mit „Generation Beziehungsunfähig“ anfängt. In der Regel sind es Mitglieder der Generation X, die Babyboomer, die meinen, sich auf Grundlage ihrer eigenen kleinen Welt ein Urteil über ihre Nachkommen und deren Lebensplanung bilden zu dürfen.

Die Generation Beziehungsunfähig ist allerdings ganz und gar nicht beziehungsunfähig! Ich halte es eher für eine Fehlinterpretation jener, die den Vorteil unserer aktuellen Lebensqualität noch nicht erkannt haben und offenbar nicht wissen wofür sie so hart gekämpft haben.

Was zeichnet uns aus?

Wir haben noch die Vorzüge einer Offline-Kindheit genossen und in den frühen Jahren Fantasie und Sozialkompetenzen perfekt ausbilden können. Aufgewachsen in einer Zeit mit hoher Geburtenrate waren Freunde an jeder Ecke zu finden, die Klassen waren gut gefüllt, keiner musste alleine im Dorf mit den Hühnern spielen. Mit uns entwickelte sich auch die Technik und so sind wir technisch perfekt ausgebildet. Generell haben wir eine Bildung genossen, die ohne Rohrstock der Generation X auskam und dennoch Struktur hatte, verglichen mit dem Singen und Klatschen heutzutage. Jeder, der wollte und fähig war, konnte das Abitur ablegen; viele haben studiert oder tun es noch. Und so bilden wir mit der Masse an gut ausgebildeten jungen Erwachsenen eine wichtige Stütze dieser Zeit. Unsere frühkindlichen Erfahrungen haben uns zu einer Generation gemacht, die Freude vor Erfolg setzt und Harmonie und Freiheit bevorzugt. Wir wissen, dass das Leben sich nicht planen lässt. Wir wuchsen (passiv und aktiv) mit Terror, Kriegen und Katasrophen auf; wissen um die Möglichkeiten moderner Waffen und sehen die Politik kritisch. Unsicherheiten sind stetige Begleiter und lehrten uns, die bestmöglichen Entscheidungen zu treffen.

Wir müssen nicht, wir können!

Unsere Leben sind nicht annähernd mit denen unserer Elterngeneration vergleichbar und erst recht nicht mit den Großeltern. Waren diese Generationen noch geprägt von einer geraden Lebensstruktur und eingeschränkt in ihren Möglichkeiten, steht uns die Welt offen. Schule – Lehre – Beruf – Rente, ab und zu einen Urlaub an der Ostsee, Haus, Kinder, Garten, Hund, Auto und Gemeinschaftskonto; das sind die Babyboomer. Nach der Schule erst einmal Reisen und die Welt erkunden? Kein Problem! Für das Studium auf einen anderen Kontinent? Nur zu! Ein zweites oder drittes Studium, weil das erste doch nicht die Erfüllung war? Schreib dich ein!

Wir können unsere Leben frei gestalten und entscheiden wohin es uns zieht. Unsere Generation hält es nicht in den Heimatstädten und erst recht nicht im Heimatland. Man findet uns auf allen Kontinenten. Wenn wir nach der Schule unsere Jugendliebe heiraten und mit 20 Kinder bekommen wollen, können wir das einfach tun und in die Spießerfußstapfen unserer Eltern treten. Wenn wir mit 30 noch immer studieren und in einem kleinen Zimmer leben, dann ist das eben so und keiner wundert sich darüber. Wir können vernünftig sein oder jede Scheiße mitmachen – wie es uns beliebt.

Die Emanzipation macht’s möglich

Emanzipation ist ein schweres Thema. Wir haben ihr sehr viel zu verdanken, aber das rumgegender überschreitet auch Grenzen. Man mag zu ihr stehen, wie man will, aber die Emanzipation ist maßgeblich an der Entwicklung unserer Generation beteiligt. Hatten unsere Mütter noch die vollen Einflüsse ihrer Vor-68-er-Eltern, durften wir schon die neue Rolle der Frau von kleinauf erfahren. Wir können werden, was wir wollen. Wir können gehen, wohin wir wollen. Wir können unser eigenes Geld verdienen und wir können frei über unseren Körper entscheiden.

Die Frauen unserer Generation sind nicht darauf angewiesen, sich einen erfolgreichen Mann zu suchen – wir sind die Erfolgreichen; auch ohne Frauenquote. Für den Lebensunterhalt ist eine weitere Person nicht von Nöten. Wir haben große Bekanntenkreise und Freundschaften mit tiefen Wurzeln. Wenn wir nicht alleine sein wollen, schreiben wir eine Nachricht, telefonieren kurz oder ziehen alleine los um neue Leute kennenzulernen; unsere Offenheit macht es möglich. Wir pfeifen auf die Erwartungen anderer und gestalten unsere Leben nach eigenen Wünschen. Was kümmert es uns, welche Berufe unsere Eltern sich für uns wünschen? Wir haben sie meist ohnehin schon mit unseren Abschlüssen überrascht – sind viele unserer Generation oft die ersten in der Familie mit Abitur/Studienabschluss.

Wir haben die Wahl

War es früher wichtig zeitig unter die Haube zu kommen und noch früher wichtig überhaupt einen Ernährer an der Seite zu haben, können wir uns Zeit lassen. Wir müssen nicht das geringste Übel wählen, um mit 23 verheiratet zu sein. Wir können uns ausprobieren und schauen, wer zu uns passt. Unsere Generation kann aus dem Traummann Fleisch und Blut werden lassen. Dafür geht Zeit ins Land und selten findet sich Mr. Right schon zeitig. Wir können auf dem Weg zum Richtigen viel Spaß mit dem Falschen haben, ohne dafür schief angeguckt zu werden.

Standen Frauen früher nur die Rolle der Hausfrau und Mutter zu, mit Teilzeitjobs und Kaffeeklatsch, sehen wir uns nun unendlichen Möglichkeiten gegenüber. Wir sind auch vollwertige Frauen, wenn wir keine Kinder bekommen. Wir dürfen offen sagen, wenn auch mit angedeutet vorgehaltener Hand, dass wir in Kinder keine Erfüllung sehen und uns dennoch für all jene Frauen freuen, die eben diesen Weg der Mutter gehen. Wir stehen immer wieder vor einer Schneide im Weg und können die Hauptstraße verlassen, so wir wollen. Und wir können unsere Männer verlassen, wenn es nicht mehr geht. Wir müssen nicht bei ihnen bleiben, wenn es uns nicht glücklich macht.

Glück ist unserer Generation wichtiger als Erfolg und Ansehen. Wir müssen uns nicht gesellschaftlichen Vorgaben fügen. Unsere Leben verlaufen im Grunde ähnlich, nur nicht zeitgleich, wie die unserer Eltern. Wir gucken links und rechts, gehen mal einen Schritt zurück, enden aber dann doch zumeist in Familie. Wir haben die Zeit uns Zeit zu lassen und befinden uns auf einer Lebensstufe, die unsere Eltern schon Jahre vorher erreicht hatten.

Wir haben es aber auch nicht leicht

Doch auch jene, die gerne mit 30 schon verheiratet wären und den Kinderwagen schieben möchten, haben es schwer. Keiner will die klugen Frauen und es gibt verdammt viele von uns! Drei Beispiele aus dem Leben einer klugen Frau:

  1. „Nein, Romy ist nichts für mich.. die ist zu schlau!“
  2. „Ich hatte noch nie eine kluge Frau, die denken ja viel zu viel und können sicher nicht mal beim Sex abschalten!“
  3. „Du kannst doch nichts mit der Frau haben, die hat einen viel besseren Schulabschluss als du – das passt nicht!“

So weit wir auch entwickelt sind, Einschüchterung ist eine ungewollte Eigenschaft, die sich automatisch mit ausgeprägt hat. Ich habe mich schon öfter vor solchen Situationen wiedergefunden, in denen Männer solange Interesse an mir hatten, bis sie merkten, dass ich eigentlich ein bisschen schlau bin. Ich unterhielt mich mit Herrn Thaler, nachdem er eine meiner klugen Freundinnen kennenlernte und sich den Kopf darüber zerbrach, ob er sich wirklich die Mühe machen wollte, eine offensichtlich nicht einfältige und naive Frau zu umwerben. Eines meiner ehemaligen Spielkinder musste sich vor seinen Freunden rechtfertigen, warum er als Maler mit Hausptschulabschluss eine Bankkauffrau im Rechtsstudium neben sich hat. Kluge Frauen passen nicht in die Welt der Männer. Die Argumente sind immer gleich: Der Mann würde sich ja in gewisser Weise entmännlicht fühlen. Die Frauen können Widerworte mit Hand und Fuß geben. Rat des Mannes ist nicht nötig und oft können wir sogar noch den Nagel selbst in die Wand schlagen.

Die Beziehung sollte gleichberechtigt und ausgeglichen sein, aber so ganz ausgeglichen muss ja nun doch nicht wirklich.. Je klüger die Frau, desto schwerer ist es, einen Mann zu finden.

Nur Geduld.. das wird!

Wir sind nicht beziehungsunfähig. Wir gehen Beziehungen ein. Nur eben etwas später, mit Partnern, mit denen wir auch wirklich zusammenbleiben wollen. Wir sind egoistischer, egotaktischer und unsere Unabhängigkeit ermöglicht uns ganz neue Wege. Wir sind, dank Babyboom, verdammt viele Individuen und erscheinen nur unfähig, weil wir nicht den altmodischen Lebensstilen folgen müssen. Ihr Vorgenerationen habt uns die Welt geöffnet, also lasst sie uns auch entdecken, in unserer Zeit. Wir werden Jahre länger leben als ihr, dank Euer medizinischen Errungenschaften; die wollen doch auch sinnvoll genutzt werden. Wir werden Euch schon Eure Enkelkinder schenken, aber das sind dann auch wirklich aus tiefstem Herzen gewünschte Kinder, für die wir fast bereit sind und denen wir viel ermöglichen können, mit Partnern, mit denen wir auch wirklich ein Leben lang durch Nachwuchs verbunden sein wollen. Wir werden uns schon niederlassen, wenn wir genug gesehen haben. Gebt uns die Zeit, die wir brauchen, um nicht nur glückliche Kinder und Jugendliche zu sein, sondern auch als Erwachsene und Alte auf unser Leben zurückblicken zu können und nichts bereuen zu müssen! Hört auf zu drängeln und uns Unfähigkeit vorzuwerfen. Lehnt Euch entspannt zurück und schaut Euch an, was Ihr geschaffen habt – das ist nämlich was ganz Großes! Wir sind Euch zutiefst dankbar dafür und machen gerade das Beste daraus!

 

 

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