{Sonntagskolumne} Leben ist nicht immer leicht – Quarterlife Crisis Problems


Neulich fragte mich mein Chef wieder so: „Und, hat sich schon was wegen der Masterarbeit ergeben?“ und ich antworte, wie jedes Mal nur: „Nööö!“

Es ist gar nicht so einfach eine Masterandenstelle im Ausland im Rechtsbereich zu kriegen; nicht mal unser Unternehmen kann da mit freien Vakanzen aufwarten. Juristen haben nie Zeit und das wird mir gerade zum Verhängnis. Die Masterarbeit selbst ist nicht das Problem; der Drang sie nicht am heimischen Schreibtisch zu verfassen ist es. Gut, ich gebe zu, ich würde einen Teufel am Schreibtisch tun. Den müsste ich erst einmal unter den nicht abgehoftenen Materialien des gesamten Masterstudiums wieder ausgraben. Ich würde auf der Couch liegen mit dem Notebook auf dem Bauch.

Nichts desto trotz würde die Couch in meiner Idealvorstellung außerhalb deutscher Grenzen stehen. Das Fernweh ist enorm. Vermutlich auch getragen durch die jahrelange lokale Bindung. Im gesamten Studium, Bachelor wie Master, waren nur mal das ein oder andere Wochenende als Kurztrip eingeplant; Urlaub habe ich nie gemacht. Unsere deutsche Mutterbrust ist für seine angehenden Akademiker nicht sonderlich ergiebig und so hielten die vorlesungsfreien Zeiten zum Lebensunterhalt her. Wer frei macht, verdient nix; wer nix verdient, isst nichts. Klare Logik.

Ich hielt das für einen machbaren Plan und dachte das auch noch bis etwa Herbst. Seit ein paar Wochen ist es aber vorbei mit Motivation, Durchhaltevermögen und Spaß am Studieren. Es nervt mich. Es laugt mich aus. Ich bin selten so froh über einen letzten „Schultag“ gewesen, wie Donnerstag. Ich schlafe noch schlechter, als ich es ohnehin schon tue und sehe jeden Morgen im Spiegel, dass ich offenbar nicht nur 5 Jahre älter geworden bin in den letzten 5 Jahren.

Zwei Prüfungen stehen noch bevor und das sieht man auch. Die Wohnung gleicht einem Schlachtfeld, die Wäsche ist seit Mitte November nicht mehr gewaschen, meine Lust auszugehen ist zwar da, aber streng genommen ist das ja auch beim Gang vom Wohnzimmer in die Küche erledigt, der Zahnarzt schrieb mich schon an, weil ich mich 2015 noch nicht habe blicken lassen, der Energydrink-Konsum hat sich enorm gesteigert und mein Körper greift sich offenbar jedes Tröpfchen Fett und Wasser, das er einlagern kann und zeigt mir stolz auf der Waage, wie erfolgreich er bei der Jagd wieder war, während ich mir mühsam die Zeit freihalte wenigstens den Sport nicht zu vernachlässigen und gesund zu kochen. Ich komme früh kaum aus dem Bett und vor um zehn stehe ich aus eigenem Antrieb auch nicht auf. Ins Bett zu kommen ist auch schwer. Permanent unter Strom ist kaum zur Ruhe zu kommen und als Eule gleich noch mal so hart. Antrieb fehlt ohnehin. Wieso ne Jeans anziehen, wenn es die Jogginghose auch tut? Haare machen, schminken – viel zu aufwendig; die Couch ist auch mit ner Assipalme zufrieden. Den Geldbeutel freut es, denn mangels Lust am Shoppen trage ich ihn nicht mehr durch die Läden. Den Blog freut es weniger; mein Antrieb hier Beiträge zu verfassen ist genauso labil; hatte und habe ich die Zeit ohnehin in Prüfungsvorbereitung zu investieren und keine Lust mich mit anderen Themen als „Was gibt es heute eigentlich zum Frühstück? und Kann ich nicht auch morgen erst Haare waschen?“ zu beschäftigen.

Mir läuft der Schauer über den Rücken beim Gedanken daran, sofort mit der Masterarbeit zu beginnen und sie schnell erledigt zu haben. Mir läuft aber auch der gleiche Schauer über den Rücken beim Gedanken daran, sie spätmöglichst zu beginnen und das Studium noch weiter in die Länge zu ziehen. Geschrieben werden muss sie. Und dann? Was ich machen will, weiß ich an sich – nur nicht, wie realisieren und schon gar nicht wann. Die neugewonnene Freiheit nach dem Abschluss zu nutzen und den Urlaub nachzuholen, den Körper und Geist offenbar dringend brauchen, wäre keine schlechte Idee. Doch wann, wohin, wie lange und was ist mit dort bleiben?

Der Drang nach einer neuen, eigenen Wohnung, Privatsphäre und einem stabilen und ausreichendem Einkommen ist jedoch ebenso hoch. Hätte ich dieses Privileg nicht schon gehabt, würde ich es vermutlich nicht so missen. Als Kind konnte ich meine Hobbies immer problemlos wechseln, wenn sie mir zu langweilig wurden – das ging die letzten Jahre nicht. Ich konnte meine Beschäftigungsinstabilität nicht einfach laufen lassen und musste bei dem bleiben, was ich mache. Das Studium abbrechen ist keine Lösung – ich will diesen Titel Master of Laws und ich kriege ihn auch. So langsam bekomme ich auch eine Vorstellung davon, warum Juristen gute Kunden beim Koksdealer sind und Mediziner Pillen schmeißen – ich bleibe mal bei Red Bull und Schokolade. Meine Dozentin hielt sich übrigens mit einem Gebräu aus Kaffe, Cola und Pfeffer über Wasser bis zum Titel.

Quarter Life Crisis heißt der Spaß, der mir gerade das Leben gar nicht leicht macht. Viele Möglichkeiten, dennoch irgendwie nicht vorbereitet auf das Danach, die Wahl für den nächsten Schritt fällt schwer, der sichere Studentenstatus fällt weg und immer wieder der Gedanke, jetzt wieder bei 0 anfangen zu müssen, obwohl ich ohne Studium jetzt schon seit 6 Jahren fest im Beruf gewesen wäre und vermutlich auch monatlich das drei- oder vierfache meines aktuellen Einkommens hätte; evtl. gleich mit dem was mich in ein paar Wochen oder Monaten erwartet. Hat mir das Studium wirklich einen Vorteil gebracht oder wäre die Sicherheit der Festanstellung doch die bessere Wahl gewesen? Wo wäre ich jetzt eigentlich, wenn ich nicht studiert hätte und wo bringt es mich hin, weil ich es getan habe? Der zwangsweise anstehende Wechsel des sozialen Umfeldes kann vorteilhaft sein, kann mir aber vielleicht auch eine Weile Einsamkeit einbringen, die mich ohnehin jetzt schon teils erfässt, weil das Umfeld in den letzten Jahren einen anderen Lebensweg angesteuert hat; mit meinem kaum kompatibel. Wird es besser oder wird es schlechter Ende diesen Jahres? Kriege ich für den Trieb nach mehr, als ich schon hatte und was eigentlich reichte, vom Leben ordentlich eine Schelle oder klopft es mir stolz auf die Schulter? Wie selten dämlich war die Idee eigentlich nach 13 Jahren Schule und 2,5 Jahren Ausbildung auch noch 5 Jahre Studium ranzuhängen und mit fast 30 noch immer im Kinderstatus zu verweilen?

Die Antworten auf die Fragen werden auf jeden Fall demnächst greifbar – Augen zu, Red Bull auf und durch würde ich sagen.. Cheers!

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