{Sonntagskolumne} Das große Geheimnis ist gelüftet: Wie man aus Scheiße Gold macht.

Neulich bekam ich eine Bewerbung und wurde am Abend so gefragt: „Und, kann ich die so abschicken?“ und ich nur: „Nööö!“

Bitte nicht! Ich lese bei der Arbeit jeden Tag Bewerbungen und besonders jetzt in der Ausbildungssuchezeit sind echte Highlights dabei (diese Woche: „Führmer“ und „Staatsangehörigkeit BDR“), aber so eine gequirle Scheiße habe ich ja schon lange nicht mehr gesehen. Word hat diese tolle Funktion: Änderungen nachverfolgen. Dazu noch hier und da einen Kommentar und die Bewerbung war mehr rot als schwarz auf weiß. Sie folgte keinem Standard, weder national typisch, noch international und auch einheitliche Formatierung war jetzt nicht sooo.. von dem Text an sich mal ganz abgesehen. Ich war schon leicht enttäuscht über diese Bewerbung. Meinem Lieblingsausbilder habe ich die neue Kunstform mal untergejubelt und seine Kommentare dazu mit in die Feedbackmail geschrieben. Der ist sehr tolerant, was schlechte Bewerbungen angeht, aber die Kritik war vernichtend. Der talentfreie Bewerber überflog meine Anmerkungen und eröffnete mir dann: Du, ich hab die gar nicht geschrieben. Das hat eine Firma gemacht. Hat mich gar nicht mal so wenig Geld gekostet.

Zeitersparnis und weniger Arbeit, dazu erfolgreiche Einladungen und einen Wettbewerbsvorteil versprechen diese Firmen, die online anbieten Bewerbungen gegen das gewisse Entgelt für andere anzufertigen. Das gewisse Entgelt betrug in diesem Fall 180 Euro. 180 Geldeinheiten für eine Bewerbung die aussagt: Der Kerl ist unbeständig, eigenwillig und offenbar im Umgang schwierig; privat vermutlich ganz dufte, aber für die Zusammenarbeit als Kollege eher problematisch und die Kunden scheint er ganz schön zu „überzeugen“ (bequatschen). Solche Bewerbungen kann ich auch! Und, ich mache sie preiswerter. 150 Euro und Ihr könnt eine astreine bekloppt schlechte Bewerbung von mir erhalten.

Ich bastel mir ein paar Textbausteine; CopyPaste aus dem Internet wird es richten, biete meine Leistung online an – mit 30 Euro weniger werde ich den Markt schon ordentlich penetrieren und dann kann ich schön von Zuhause aus mit dem Laptop auf der Decke unter der ich liege beim Serienschauen richtig Schotter verdienen! Das beste ist ja, dass ich nicht mal wirklich was leisten muss. Ich muss nix können. Ich muss nur Leute finden, die mir Gold überweisen um dafür Scheiße zu empfangen. Scheint ja nicht so schwer zu sein.

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