{Sonntagskolumne} Willst du mit mir Nacktfotos tauschen?

Ja [   ] // Vielleicht [   ] // Nööö! [ x ]

Als Witz gedacht, kursieren gerade viele Vergleichsfotos durch das Netz „Habe ein Foto von deinem Opa gefunden“ – züchtig links 1956, nackig rechts 2015. Und der Witz ist gar nicht mal so witzig, denn das ist ja Realität. Einen Mann kennezulernen, der dir nicht nach gefühlten fünf Minuten ein Foto seines Gemächts schickt ist mittlerweile sehr schwer.

Würde der Knigge neu aufgelegt, fänden wir in der 2016er Auflage vermutlich das Kapitel 35, soziale Medien und Kontaktaufnahme, „Wer etwas auf sich hält verschickt Nacktbilder zur ersten Kontaktaufnahme und bezieht Komplimente ausschließlich auf Geschlechtsorgane. Als allgemeine Wertschätzung erachtet es die moderne Frau, wenn man ihr unbekannterweise gleich an die Wäsche möchte. Seien Sie nicht schüchtern und geizen Sie nicht mit Details.“

So oder so ähnlich könnten die aktuellen Hinweise lauten. Und natürlich sind die Damen mit von der Partie und verschicken fleißig Busen / Po und andere Bildchen. Und wofür das ganze? Um nach zwei Tagen festzustellen, man ist nicht die einzige in der Kontaktliste und irgendwie stimmt die Chemie ja doch nicht. Doch was nach Kontaktabbruch?

Sowohl Mann als auch Frau, die nehmen sich da beide nix, setzen sich mit Freunden zusammen und zeigen sich die aktuellen Fotos wie damals die Paninibildchen oder Quartett. „Gucke mal hier, ich habe ein neues Bild im Album: Kevin, 25 Jahre, 15,6 cm, Bautischler, in einer offenen Beziehung.“ – „Ja, aber da kann ich mithalten: Julius Magnus von der Irgendwas, 23 Jahre, 17 cm, Jura-Ersti, Single mit Bindungsabsicht.“ – Der Jura-Ersti hat gewonnen.

Auf anderer Seite ist das Geheule groß, wenn einem bewusst wird, wer da welche Fotos von einem hat und was der damit evtl. macht. „Ach hätte ich doch bloß nicht…“ – Ja, hättest du doch bloß nicht? Warum denn überhaupt? Ist deine Persönlichkeit so grottig, dass nur die kleinen Stummeltittis überzeugen können? Ist dein Humor so deutschcomedianig abartig schlecht, dass nur noch zwei behaarte Bällchen zwischen behaarten Oberschenkeln mit Entenpelle Schlafzimmertüren öffnen?

Wann haben wir Charme gegen Scham getauscht und wenn wir doch in Sachen Mode und Einrichtung auf Vintage setzen, wann kommt Vintage denn endlich im Benehmen mal an?

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