{Lifestyle} Wo #Bodylove für mich zu weit geht

Die Werbetrommel für mehr Akzeptanz und Selbstliebe dreht sich mit jedem Monat mehr. Mittlerweile dürfte jede Frau mit Figurproblemen (real oder gefühlt) erreicht worden sein und die Message „Liebe dich, wie du bist!“ vernommen haben.

Daran ist auch gar nichts auszusetzen; im Gegenteil, es ist zu unterstützen. Allerdings gibt es auch Momente in denen mir das alles einfach zu weit geht und ich das Gefühl habe, hier wird eine Grenze überschritten. Immer mehr bekomme ich das Gefühl, nicht mehr offen reden zu dürfen. Solange ich nur positive Dinge sage und alles lobe, ist alles gut. Aber werde ich kritisch, zu mir selbst, wird mir von irgendjemandem auf jeden Fall über den Mund gefahren.

Ist #Bodylove tatsächlich bedingungslose Liebe? Ohne jegliche Kritik? Alles hinnehmen, wie es ist und ja nichts Negatives sagen?

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Ich hatte letztens bei Instagram ein Foto eines bekannten Plus Size Models kommentiert und ihre Antwort regte mich ein wenig auf. Sie hatte ein Foto von sich im Badeanzug gepostet auf dem man sie von hinten sieht. Mein Kommentar war schlicht und einfach, dass ich sehr neidisch darauf bin, dass sie einen glatten Rücken hat und nicht, wie ich, Rückentitten. Ihre Antwort war so vorhersehbar, wie meiner Meinung nach falsch: Ich dürfe soetwas nicht sagen, denn jeder hat etwas an sich, das man lieben kann und ich muss mich doch so akzeptieren.

Grundsätzlich nicht falsch, aber warum muss ich das denn? Fakt 1: Ich kann den Speck am Rücken nicht leiden. Fakt 2: Ich beneide jede Frau mit schönem Rücken, ob schlank oder übergewichtig. Fakt 3: Ich entscheide, was ich muss und was nicht. Woher nimmt sich denn eine andere Person das Recht, nur weil wir uns alle so viel Mühe geben Selbstakzeptanz und -liebe zu promoten, zu entscheiden, dass wir in keinster Weise mehr kritisch sein dürfen?

Es ist doch gar nicht richtig alles zu akzeptieren und toll zu finden. Woher kommt denn der Antrieb etwas zu verändern, wenn wir uns mit allem einfach so zufrieden geben? Und vor allem zufrieden geben müssen. Dieses „müssen“ regt mich dabei eigentlich am meisten auf. Natürlich sollte ich, aber ich muss doch um Himmels Willen nicht! Was ich muss, ist ich selbst bleiben! Und ich, meine Wenigkeit, meine Persönlichkeit, besteht darin den Mund aufzumachen und zu sagen, was gut ist und was nicht. Ich halte mich bei anderen zurück, weil es mir bei ihnen eben nicht zusteht, aber bei mir kann ich doch offen und klar sagen: ich finde dies und jenes nicht gut.

Ich mag nicht, dass ich sehr nachtragend bin. Ich finde es auch nicht toll, dass ich ziemlich unordentlich bin. Ich kann die Rückentitten nicht leiden. Und so weiter. Ich bin doch der einzige Mensch, der tatsächlich das Recht hat diese Dinge über mich zu sagen und wenn es mir bewusst ist, kann ich doch versuchen das zu ändern. Ich kann doch probieren anderen Fehltritte schneller zu vergeben und es mir nicht ständig wieder ins Gedächtnis zu holen. Ich kann doch versuchen den Abwasch mal früher zu erledigen und die Wäsche nicht erst zu waschen, wenn ich keine mehr im Schrank habe. Ich kann mich doch mühen, abzunehmen und den Speck zu reduzieren. Das kann ich doch aber nur, wenn ich einen Antrieb habe diese Dinge zu ändern.

Es ist nicht immer alles positiv und gerade deshalb müssen wir es nicht alles akzeptieren. Gleiches mit dem dicken Oberarmen. Sie passen nicht mehr in meine eigentlich Größe – das ist so und es ist nervig und keineswegs positiv. Warum also muss ich die denn gut finden? Die sind scheiße – Punkt! Wenn der Bauch nicht mehr in die Hose passt, kann ich entweder eine neue Hose kaufen oder was dagegen machen, aber irgendwann ist auch Schluss mit Neukauf. Und wenn ich jemanden sehe, der hat was ich will und das in mit Neid auslöst, kann mir doch kaum etwas besseres passieren.

Neid ist nichts zwingend etwas Schlechtes! Wenn ich diese Energie nutze und ändere, was mich stört, ist das doch etwas Gutes! #Bodylove geht für mich weit am Ziel vorbei, wenn es heißt, nicht mehr offen sprechen zu dürfen. Und das fände ich sehr schade.

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2 Gedanken zu “{Lifestyle} Wo #Bodylove für mich zu weit geht

  1. Ich muss oft lachen, wenn ich deine Zeilen lese 😀 Ich stimme dir in vielen Punkten zu (besonders bei der „können wir uns nicht einfach amüsieren“-Kolumne). Dann frag ich mich, wieso es scheinbar so wenig (bis gar keine) Menschen in meinem Umfeld gibt, die so denken wie du und ich dann nur durch Zufall im Netz finde. Es macht Spaß deine Gedanken und Empfindungen zu lesen 🙂
    #bodylove scheint ein Freifahrtschein zu sein, um den Problemen/Sorgen anderer nicht mehr zuhören zu müssen. Nach dem Motto „lieb dich selbst und halt die schnauze“. Zumindest meinen Erfahrungen nach. Ich kann mich auch lieben und trotzdem meckern, – wie du geschrieben hast. Das eine schließt das andere nicht aus.
    Liebe grüße 😉

    • lieben dank! manchmal habe ich auch das gefühl, meine gedankengänge sind vielleicht unnormal oder so und man benimmt sich halt einfach so um sich zu amüsieren ;D bisschen einsam auf der „guten“ seite 🙂

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